Venture Capital Markt Wagniskapitalgeber wieder spendabel
Deutsche Jungunternehmen können sich erstmals seit Jahren
wieder Hoffnung auf Anschubgeld machen. Denn die deutschen
Wagniskapitalgeber scheinen die Krisenjahre nun endgültig
überwunden zu haben und wollen künftig wieder großzügiger
sein. „Im nächsten Jahr wird man wieder mehr Finanzierungsrunden
sehen”, sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger
Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. Diese Einschätzung
teilt auch Thomas Pütter, Vorstandschef des Bundesverbands
Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). „Wir
sehen viel Erfreuliches bei jungen Technologieunternehmen.
Dieses kleine Pflänzchen sollte in den nächsten
18 Monaten noch sehr viel mehr wachsen.”
Nach dem jähen Ende der Interneteuphorie hat die deutsche
Wagniskapitalbranche in den vergangenen Jahren einen dramatischen
Aderlaß hinnehmen müssen. Zahlreiche Risikokapitalgeber
mußten in dieser Zeit das Handtuch werfen. Nach Branchenschätzungen
gibt es nur noch zehn große Wettbewerber und eine unbekannte
Zahl an Nischenunternehmen auf dem deutschen Markt. Denn die
meisten institutionellen Anleger trauten sich nach den bösen
Erfahrungen der Vorjahre nicht mehr, den Wagniskapitalfonds
ihr Geld zu überlassen. Statt dessen florierte der Markt
für große Unternehmenskäufe (Buyouts).
Eine Welle an neuen Fonds
Doch der Münchner Wagniskapitalgeber Wellington sammelte
in diesem Jahr 150 Millionen Euro für einen neuen Informationstechnologie-Fonds
ein und brach damit wohl auch für andere Fonds das Eis.
Nach einer Studie der Unternehmensberatung FHP Private Equity
Consultants steht eine Welle an neuen Fonds bevor. Knapp die
Hälfte der befragten Wagniskapitalunternehmen bereitet
demnach einen Nachfolgefonds vor oder ist aktuell schon mit
dem Klingelbeutel unterwegs.
„Nächstes Jahr werden viele ihre Kassen wieder
füllen”, sagt Frank Böhnke, Partner von Wellington.
Nach den Worten von Holger Frommann, Geschäftsführer
des BVK, haben allein im ersten Halbjahr sieben Risikokapitalgesellschaften
erfolgreich Geld eingesammelt. Zuletzt kam Techno Venture
Management (TVM) mit einem 240 Millionen Euro schweren Biotech-Fonds.
Derzeit stellt TVM einen neuen IT-Fonds und Wellington einen
neuen Biotech-Fonds auf die Beine. Auch Polytechnos Venture
Partners zapft seine Investoren wieder an. Mit Target Partners
und Earlybird werden Anfang 2006 zwei weitere Wettbewerber
folgen.
Staatliche Initiativen
Neben den nun zunehmenden Ängsten der Investoren vor
einem Platzen der Buyout-Blase haben auch staatliche Initiativen
die Risikofinanzierer aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.
So war der Europäische Investmentfonds (EIF) für
viele der nun auf die Beine gestellten Fonds eine wichtige
Stütze. Mit einem kürzlich gestarteten Gründer-Fonds
will der Staat noch eine weitere Lücke schließen.
Denn die klassischen Venture-Capital-Fonds haben sich aus
der Finanzierung von Geschäftsideen vor der Firmengründung
(”Seed-Capital”) weitgehend zurückgezogen,
sieht man einmal von TVM ab. In diese Bresche soll der 262
Millionen Euro schwere, von der Bundesregierung, Industrieunternehmen
und der staatlichen KfW-Bankengruppe ins Leben gerufene Fonds
springen.
Nicht nur die neuen Fonds, sondern auch die derzeit günstigen
Einstiegspreise lassen die Wagniskapitalgeber spendierfreudiger
werden. So wurden laut FHP im dritten Quartal zwölf Unternehmen
erstmals mit Wagniskapital ausgestattet - der höchste
Wert seit zwei Jahren. Doch nicht nur die Zahl der Erstinvestitionen
nimmt zu, sondern immer öfter gelingt es den Risikofinanzierern
auch, die Unternehmen wieder in die Selbständigkeit zu
entlassen. Im dritten Quartal stiegen die Wagniskapitalgeber
laut FHP in 36 Fällen aus den Unternehmen aus, der höchste
Wert seit dem Jahr 2000. Neben der Rückkehr der strategischen
Käufer war dabei vor allem die verbesserte Börsenlandschaft
hilfreich. Acht von neun Börsengängen an den Prime
Standard in diesem Jahr kamen aus den Schatullen der Beteiligungsbranche.
15 und 20 Börsengänge im nächsten Jahr
„Der Börsengang ist für uns der Königsweg”,
sagte Mathies. Denn im Idealfall profitieren die Wagniskapitalgeber
nach dem Börsengang von steigenden Kursen. Doch daß
diese Rechnung nicht immer aufgeht, zeigte die Biotechnologie-Branche.
So bewies der schwierige Börsengang von Jerini diese
Woche abermals, daß die Anleger der Branche skeptisch
gegenüberstehen. „Nur Unternehmen, die mit ihren
Produkten schon eine gewisse Marktnähe haben und in den
nächsten zweieinhalb Jahren die Gewinnzone erreichen
können, haben überhaupt eine Chance”, sagt
Hubert Birner, General Partner von TVM.
Die Fachleute erwarten für 2006 zwischen 15 und 20 Börsengänge
aus den Händen der Wagniskapitalbranche. Für dieses
Jahr dagegen können sowohl Mathies als auch Böhnke
keine weiteren Börsenkandidaten für den Prime Standard
ausmachen.
Quelle: Faz vom 04.11.2005
Geldanlage Privatanleger entdecken Private Equity
Die Debatte um ausländische Finanzinvestoren hat das
Interesse deutscher Privatanleger an Private Equity geweckt.
„Wir haben von der Heuschreckendebatte profitiert”,
sagte Norman Lemke, Vorstand des Oberhachinger Private-Equity-Dachfonds
RWB.
Die Anschuldigungen der Politik, ausländische Investoren
würden deutsche Unternehmen „aussaugen”,
um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, hat offenbar
viele Privatanleger aufhorchen lassen - allerdings aus anderen
Gründen, als eigentlich intendiert. Denn mit Renditen
von 12,1 Prozent in den vergangenen 15 Jahren ist das Beteiligungsgeschäft
vermeintlich attraktiver als die Anlage in Aktien oder Anleihen.
Experten warnen jedoch vor sinkenden Renditen und den hohen
Gebührenstrukturen für Privatanleger.
Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen
Beteiligungsfonds (Private Equity) investieren in Unternehmen,
versuchen deren Wert zu steigern und sie gewinnbringend wieder
zu verkaufen. Klassische Investoren in diese Fonds sind Pensionskassen,
Versicherungen, Stiftungen, reiche Privatanleger oder eben
Dachfonds. Kleine Privatanlegern bleiben die Türen zu
dieser lukrativen Anlage verschlossen - übrigens auch
bei den größten Dachfonds wie Alpinvest oder Partner
Group. Zuletzt sind aber in Deutschland auf Privatanleger
spezialisierte Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Der Mittelzufluß ist nach Zahlen des Fondsanalysten
Stefan Loipfinger im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von
732 Millionen Euro gestiegen. In diesem Jahr boomt das Geschäft
weiter. „Wir haben in den ersten fünf Monaten 110
Millionen Euro eingesammelt, 80 Prozent mehr als im Vorjahr”,
sagte Lemke. Vor allem durch die Kapitalismusdebatte sei das
Kundeninteresse gestiegen. Das möglicherweise bevorstehende
Ende der Verlustzuweisungen für Schiff- und Medienfonds
habe das Geschäft dagegen nicht sehr beeinflußt.
Experten warnen vor hohen Gebühren
Experten wie der Private-Equity-Berater Detlef Mackewicz
warnen davor, als Privatanleger in Private Equity zu investieren.
Denn die hohen Bewertungen - Anfang 2005 zahlte Private Equity
im Durchschnitt mehr als das Achtfache des Ebitda für
ein Unternehmen - könnten in Zukunft die Renditen drücken.
Und mit Ausnahme weniger börsennotierter Dachfonds wie
die Schweizer Shape oder Princess ist das Kapital meist für
zehn Jahre gebunden. Zudem drücken hohe Gebühren
die Rendite. So gibt es eine doppelte Verwaltungsgebühr:
einmal für den Dachfonds (1 bis 1,5 Prozent) und einmal
für die Zielfonds (meist um die 2 Prozent). Hinzu kommt
eine Einmalgebühr von 3 bis 10 Prozent und eine Erfolgsvergütung
von bis zu 15 Prozent. Die Vertriebskosten seien so hoch,
daß von der Rendite wenig übrigbleibe, meinte Hellmut
Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter des
auf institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden
spezialisierten Dachfonds VCM. Lemke stellt dem entgegen,
daß die Kosten angesichts höherer Renditen weniger
ins Gewicht fielen als beispielsweise bei Immobilienfonds.
Wer die hohen Gebühren scheut, hat Alternativen. Eine
direkte Investition in Einzelfonds ist für den kleinen
Geldbeutel zwar kaum möglich, doch es gibt auch börsennotierte
Private-Equity-Gesellschaften. Bei Unternehmen wie der Deutschen
Beteiligungs-AG oder der britischen 3i- Gruppe kann ein Privatanleger
sein Geld direkt in Finanzinvestoren anlegen. Der Listed-Private-Equity-Index
der Universität Basel für Europa hat in den vergangenen
zehn Jahren den Dax, den Euro-Stoxx 50 und den MSCI-Europe-Index
mit einer Rendite von 9,4 Prozent geschlagen.
Quelle: Faz vom 11.06.2005
Investoren weisen Kritik Münteferings zurück Eichel: Wir wollen nicht die Unternehmen anprangern
HANDELSBLATT, 4.5.2005 HB FRANKFURT/BERLIN. Die deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften wenden sich gegen die Kapitalismuskritik von SPD-Chef Franz Müntefering. Der Vergleich internationaler Private-Equity-Häuser mit Heuschrecken beunruhige besonders durch seinen nationalistischen Unterton, sagte Thomas W. Pütter, Chef des Branchenverbandes BVK, dem Handelsblatt.
Derzeit würden ausschließlich die Namen ausländischer Finanzinvestoren als Negativbeispiele genannt. "Hier müssen wir aufpassen. Wir sind als deutsche Private-Equity-Investoren in anderen Ländern sehr willkommen", sagte Pütter. Amerikanische oder britische Investoren könnten deutschen Mittelständlern hervorragende Perspektiven bieten. Deutsche Finanzinvestoren sind laut BVK an 5 500 kleinen und mittelständischen Unternehmen mit insgesamt 638 000 Mitarbeitern beteiligt.
Ulrich Pfeiffer, Vorsitzender des Managerkreises der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, nannte die Kapitalismuskritik "quälend plakativ". Zwar gebe es Auswüchse, "doch sie dominieren nicht, denn die nationalen und internationalen Märkte funktionieren", schreibt Pfeiffer in einem Beitrag für das Handelsblatt.
SPD-Politiker signalisierten gestern zwar grundsätzliche Zustimmung zu Münteferings Kritik, bemühten sich jedoch darum, die Wogen zu glätten: "Es geht nicht darum, Unternehmen anzuprangern - und erst recht nicht um eine pauschale Kritik an Investoren", sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD).
Der Historiker Michael Wolffsohn verglich Münteferings Äußerung mit der Nazi-Hetze gegen Juden. Ohne Müntefering namentlich zu nennen, bezog er sich in einem Zeitungsartikel auf den Vergleich von Investoren mit Heuschrecken. 60 Jahre nach Kriegsende würden wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt. "Das sind Vokabeln aus dem Wörterbuch des Unmenschen", schrieb Wolffsohn. Die SPD wies die Äußerung als "unglaubliche Entgleisung" zurück.
Quelle: Handelsblatt vom 04.05 2005
Mit frischem Wind in den Segeln - Deloitte Private Equity Umfrage Q4 2004 Die Private Equity Branche bläst zum Aufschwung, der VC-Markt
zeigt vorsichtige Anzeichen von Optimismus - neues Allzeithoch des
PE-Stimmungsindikators, Secondaries weiterhin dominierend.
Aufbruchstimmung in der PE-Branche: Der sich zum Ende des letzten
Jahres abzeichnende positiv Trend hält an. Die aktuellen Ergebnisse
der Deloitte Private Equity Umfrage und des Venture Capital
Barometers lassen eine bessere Stimmung für die folgenden zwei
Quartale erhoffen.
Private Equity
Der Private Equity Stimmungsindikator, eine Zusammenfassung der
wesentlichen Einflussfaktoren, nutzt den Neujahrsrückenwind, um
diesmal kräftig zuzulegen. Mit 127 Punkten markiert er ein neues
Allzeithoch und übertrifft somit sowohl das Vorquartal um acht Punkte
als auch das Vorjahresrekordhoch um zwei Punkte. Somit wird erstmals
der Seitwärtstrend der letzten zwölf Monate durchbrochen.
Der primäre Grund für die deutlich optimistischere Stimmung ist
die finanzielle Entwicklung der Beteiligungen, ebenso wie der
vereinfachte Zugang zu Fremdkapital. Er äußert sich nicht zuletzt in
den boomenden Auktionen. Ferner setzt die positivere Einschätzung des
gesamtwirtschaftlichen Klimas ein klares Signal für den Aufschwung.
Im Mittelpunkt stehen nach wie vor die Secondaries (brancheninterne
Weiterverkäufe von Unternehmen), deren Popularität sowohl auf der
Käufer- als auch auf der Verkäuferseite ungebrochen sind.
"2004 war ein gutes Jahr für die deutschsprachige PE-Branche", so
Karsten Hollasch, Partner im Bereich Global Transaction Services bei
Deloitte. "Die Deal Volumina sind gestiegen, allerdings sind diese
auf einige wenige große Deals wie beispielsweise den 3,1 Milliarden
Euro schweren Celanese Deal zurückzuführen. Es wird sich zeigen, ob
die hohen Transaktionsvolumina und Mega-Deals in dieser Form 2005
weiterhin überwiegen werden. Blieben sie aus, ergäbe sich aller
Voraussicht nach eine merklich zurückhaltendere Stimmung."
Demnach ist die nach außen getragene Euphorie nicht ohne Haken:
wie zuvor sind die IPO-Aktivitäten das Sorgenkind der Branche;
Börsengänge als Exit-Option sind leicht angestiegen, liegen aber
dennoch deutlich hinter Exit-Formen wie dem Secondary oder einem
Trade Sale. Auch der gestiegene internationale Wettbewerbsdruck wird,
vor allem in Auktionen, künftig für weitere Herausforderungen an die
Branche sorgen.
Venture Capital
Verhaltener gibt sich der VC-Markt: grundsätzliche Zurückhaltung
beherrscht immer noch das Tagesgeschehen, wenngleich die Zahl der
Optimisten gemäß der aktuellen Umfrage zunimmt. Analog zur PE-Branche
gibt die zuversichtlichere Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen
Lage Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. Mit übertriebenen
enthusiastischen Tönen halten sich die VC-Manager jedoch vorerst noch
bedeckt. Jedoch lässt sich hinsichtlich Einzelfragen ein positiver
Trendwechsel feststellen.
Ein Blick auf die sektorale Präferenz der VC-Manager zeigt keine
wesentlichen Veränderungen: größte Chancen werden wie zuvor in den
Bereichen Medizintechnik/Life Science, sowie Nanotechnologie und
Sicherheitstechnik/-software gesehen. Hinsichtlich der Präferenzen
bezüglich der Entwicklungsphasen liegt die Start-up-Phase in der
Gunst der VC-Investoren erstmals wieder vor der Expansionsphase. Nach
wie vor keine Relevanz spielt die Seed-Phase.
Explizit gefragt wurden die Investoren in dieser Ausgabe auch zum
Thema "wieder erstarkende, rechtsextreme Tendenzen". Interessant und
zu gleich beruhigend ist, dass die zunehmende Medienpräsenz von
rechtsextremen Parteien nach Ansicht der Investoren keine
signifikanten Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und das
wirtschaftliche Klima in Deutschland haben wird.
Abschließend bleibt zu hoffen, dass die positiven Entwicklungen in
der PE-Branche auch auf die VC-Investoren ausstrahlen und für einen
nachhaltigen Stimmungswechsel sorgen.
Die Umfragedetails
Das Private Equity- und Venture Capital-Team von Deloitte
untersucht die Erwartungen und Aussichten der beiden Branchen durch
zwei sektorspezifische und regelmäßig vierteljährlich durchgeführte
Studien, die Private Equity-Survey und das Venture Capital Barometer.
Zu ihren Markteinschätzungen für die nächsten zwei Quartale wurden
mehr als 1.800 Investmentmanager der Venture Capital- und Private
Equity-Branche mittels Fragebogen befragt. Deloitte Private Equity-
und Venture Capital-Umfragen erscheinen in den Ländern
Australien/Neuseeland, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz,
Großbritannien, Hong Kong/China, Israel, Italien, Kanada,
Niederlande, sowie für Central Europe in Ländern wie Polen,
Tschechische Republik, Ungarn. Die Umfrage ist als pdf-Datei
erhältlich (deutsch oder englisch).
Deloitte Deutschland
Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und
Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum
umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate
Finance-Beratung. Mit über 3.200 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen
betreut Deloitte seit mehr als 90 Jahren Unternehmen und
Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus fast allen
Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist
Deloitte mit 120.000 Mitarbeitern in nahezu 150 Ländern auf der
ganzen Welt vertreten.
Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein
schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich
der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen
Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen
Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils
anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und
unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte &
Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen
Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen
Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche
Tohmatsu erbracht.
Die Orginal Deloitte Pressemitteilung finden Sie hier.
Quelle: Deloitte vom 22.04.2005
Private Equity setzt sich in Deutschland durch "Basel II" veranlasst Banken zu Zurückhaltung bei der Kreditvergabe. Das begünstigt neue Form der Unternehmensfinanzierung.
Die Finanzierungsform des Private Equity nimmt auch in Deutschland stark zu. Gemeint ist damit die kapitalmäßige Beteiligung von Finanzinvestoren an Unternehmen. Die anhaltende Schwäche der organisierten Kapitalmärkte und die wegen Verschärfung ihrer Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) wachsende Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Krediten veranlassen immer mehr Unternehmen dazu, diese Finanzierungsforum zu nutzen.
Als Folge hat sich Private Equity von dem ihm lange anhaftenden Ruf eines Finanzierungsinstruments für Spezialisten befreien können und sich zu einer mittlerweile auch auf dem deutschen Beteiligungsmarkt veritablen volkswirtschaftlichen Größe entwickelt. Die jüngst erschienene Jahresstatistik des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften zum Private Equity-Markt in Deutschland zeigt, dass Private Equity-finanzierte Unternehmen im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 114,4 Mrd. Euro erwirtschaftet und annähernd 638 000 Mitarbeiter beschäftigt haben. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich hinter den USA und Großbritannien zwischenzeitlich auf einem Spitzenplatz.
Fonds als Vermittler von Finanzierungen
Die als Private Equity bezeichneten Finanzmittel werden typischerweise von darauf spezialisierten institutionellen Private Equity-Fonds zur Verfügung gestellt. Diese Fonds agieren dabei als Finanzintermediäre: Das Fonds-Management sammelt bei Kreditinstituten, Versicherungen, Unternehmen und Privatpersonen die für geplante Investitionen benötigten Mittel ein und investiert sie dann in Unternehmensbeteiligungen. Wesentliches Charakteristikum des Private Equity ist seine variable Einsetzbarkeit und die daraus resultierenden flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten. Dadurch kann in jedem Einzelfall eine für das Zielunternehmen angemessene Finanzierungsstruktur entwickelt werden.
So ist es üblich, dass Private Equity-Fonds dem Zielunternehmen eine Mischung aus klassischem Eigenkapital, Gesellschafterdarlehen, Optionsrechten oder auch nachrangigem und wandelbarem Fremdkapital zur Verfügung stellen. Dabei verstehen sich die Fonds regelmäßig als unabhängige Finanzinvestoren, die nicht unmittelbar in die operative Tätigkeit des Managements eingreifen, sondern diesem eher beratend zur Seite stehen. Zumeist handelt es sich dabei aber um eine Beteiligung auf Zeit: Nach üblicherweise etwa drei bis sieben Jahren verlassen die Beteiligungsgesellschaften das Unternehmen wieder.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mittelstand an Private Equity interessiert
Mittelstand an Private Equity interessiert
Als Investitionsobjekt bevorzugt werden in Deutschland wie auch international wegen ihres vergleichsweise hohen Entwicklungspotenzials Unternehmen aus den Branchen Computer, Biotechnologie, Medizin, Chemie sowie Maschinen- und Anlagenbau. Dabei richtet sich das Interesse der Fonds längst nicht mehr nur auf die kleinen bis mittelständischen Unternehmen in diesen Sektoren, wie die Übernahme der Celanese AG durch das amerikanische Private Equity-Haus Blackstone im vergangenen Jahr zeigt: Mit einem Gesamttransaktionsvolumen von rund 3,1 Mrd. Euro war dies die größte auf eine vollständige Rückführung eines börsengelisteten Unternehmens in die Hände eines Privatinvestors gerichtete Transaktion, die es in Deutschland bisher gegeben hat, und zugleich hier die größte öffentliche Übernahme im vergangenen Jahr.
Die Finanzierungszwänge besonders des deutschen Mittelstandes haben das Interesse an und das Verständnis für Private Equity merklich gefördert. Nach Jahren verhaltener Ruhe zeigt der deutsche Beteiligungsmarkt gegenwärtig Aktivität. Ob sich dieser Trend fortsetzt, wird neben der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen nicht zuletzt von der Fähigkeit der Beteiligungsgesellschaften abhängen, die erforderlichen Mittel einzuwerben. Die Zeichen stehen günstig: Hatte noch Blackstone 2002 einen Fonds mit 6,45 Mrd. Dollar geschlossen und damit den größten bankenunabhängigen Buy-out-Fonds der Welt verwaltet, so gab das Private Equity-Haus Carlyle erst vor wenigen Tagen eine Einwerbesumme von 7,85 Milliarden Dollar bekannt. Doch auch dieser Rekord wird wohl nicht lange halten: Blackstone arbeitet bereits an der Auflage eines neuen Fonds im Volumen von mehr als 8 Milliarden Dollar.
Dr. Jan M. Bauer und Dr. Marius Kohler sind Rechtsanwälte der Sozietät Gleiss Lutz, Bereich Gesellschaftsrecht/M&A.
Quelle: Handelsblatt vom 14.04.2005
Beteiligungskapital schafft neue Jobs Europäische Studie bescheinigt Private Equity eine wichtige Rolle für Nachfolgeregelungen im Mittelstand
Der Einstieg von Finanzinvestoren in mittelständische Familienunternehmen ist häufig die einzige Lösung, um den Fortbestand der Firmen zu sichern. Dies ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Branchenverbandes European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) und des Centre for Management Buy-Out Research (CMBOR), bei der 117 Unternehmensübernahmen in Europa ausgewertet wurden. Danach gab knapp ein Drittel der Unternehmen an, dass ohne Private Equity - also außerbörsliche Eigenkapitalspritzen - keine Nachfolgelösung für die Firma gefunden worden wäre. Oftmals mussten Finanzinvestoren in letzter Minute einspringen, weil der Generationswechsel offenbar viel zu spät geplant wurde. Und 45 Prozent der befragten Firmen teilten mit, dass sie sich erst im Jahr vor dem Wechsel mit dem Thema befasst hätten.
Nach der Übernahme durch einen Finanzinvestor stieg die Zahl der Mitarbeiter im Durchschnitt von 263 vor dem Buyout auf 440 nach dem Führungswechsel. Dies widerlegt die weit verbreitete Annahme, Beteiligungshäuser bauten Stellen ab, um ihre Rendite zu erhöhen. Die jährlichen Wachstumsraten nach dem Verkauf des Unternehmens erreichten der Studie zufolge 13,3 bis 15,4 Prozent beim Umsatz beziehungsweise 10,3 bis 11,3 Prozent beim Gewinn vor Steuern und Zinsen.
Als Fallbeispiel für Deutschland wird die BBG GmbH & Co KG in Mindelheim angeführt, die Ende der 90iger Jahre von einem externen Manager mit Hilfe der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (BayBG) übernommen wurde. Das Unternehmen habe bis 2004 seinen Umsatz mehr als verdoppelt und sei heute Marktführer in Europa für Anlagen zum Umschäumen von Kfz-Glasscheiben.
Eine wesentliche Erkenntnis der Studie sei, dass Private-Equity-Fonds nicht nur sinnvolle Lösungen für Nachfolgeprobleme lieferten, sondern auch das Wachstum nach einem Buyout vorantrieben. Familiengeführte Unternehmen seien das Rückgrat der europäischen Wirtschaft und stellten mehr als 70 Prozent der Arbeitsplätze, sagte EVCA-Generalsekretär Javier Echarri.
Das deutsche Mittelstandsgeschäft gilt für Finanzinvestoren als lukrativ, allerdings ist der Zugang schwierig. Viele Unternehmer wollen zwar Minderheitsbeteiligungen zulassen, sträuben sich aber gegen eine Mehrheitsübernahme. Zu den spezialisierten Beteiligungshäusern zählen Hannover-Finanz, die Deutsche Beteiligungs AG, Bridgepoint sowie 3i.
Private Equity – für viele Mittelständler ist dieser Begriff der angelsächsischen Finanzwelt kein Fremdwort mehr. Angesichts der strikten Kreditpolitik der Banken, strengerer Kreditauflagen (Basel II) und des wachsenden Drucks durch die Globalisierung sieht mancher Eigentümer eines Unternehmens in dem außerbörslichen Beteiligungskapital eine gute Finanzierungsform. Doch die Besonderheiten bei einem Einstieg eines Finanzinvestors werden häufig unterschätzt.
Äußerst skeptisch ist Brun-Hagen Hennerkes, Rechtsanwalt und Experte für Familienunternehmen. Plane die Familie den Abschied aus dem Unternehmen, sei Private-Equity sicherlich eine Option, sagte Hennerkes jüngst in einem Interview mit der "WirtschaftsWoche". "Im laufenden Familienunternehmen halte ich Private-Equity-Beteiligungen allerdings für kontraproduktiv. Solche Finanzinvestoren stehen unter dem Diktat der finanziellen Optimierung", so Hennerkes. Das sieht Rainer Traugott, Anwalt von Linklaters, Oppenhoff & Rädler, anders. "Private-Equity kann für einen Mittelständler ein richtiger Schritt sein, der freilich genau durchdacht werden muss", sagt er.
Grundsätzlich treffen mit den Private-Equity-Firmen und dem typischen Mittelständler zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen Experten mit häufig großen Erfahrungen an den internationalen Finanzmärkten. Auf der anderen Seite stehen Unternehmer, denen die angelsächsische Terminologie der Finanzwelt nur wenig sagt. "Die Vorbehalte gegenüber Private-Equity sind im Mittelstand nach wie vor vorhanden. Man hat dort häufig Angst vor einem solchen Schritt", berichtet Christoph Winkler, Anwalt der Kanzlei Menold Bezler.
Missverständnisse sind programmiert. "Manche Mittelständler stellen das außerbörsliche Beteiligungskapital eins zu eins dem klassischen Firmenkredit oder Betriebsmittelkredit gegenüber. Das ist natürlich falsch", so Traugott. Finanzinvestoren gehen mit ihren Beteiligungen ein Risiko ein, bis hin zu einem Totalausfall. Dafür verlangen sie Renditen auf das eingesetzte Kapital von 20 Prozent und mehr. Fremdkapital etwa von Banken schlägt dagegen mit zehn bis 14 Prozent zu Buche. "Finanzinvestoren bekommen für ihr Kapital weder eine regelmäßige Verzinsung noch Sicherheiten. Deshalb ist es auch nicht mit Fremdkapital von Banken vergleichbar", sagt Winkler von Menold Bezler.
Gleichwohl kann Private-Equity der richtige Schritt sein. "Wer mit seiner Firma expandieren will, für den kann nicht nur das Geld der Fi-nanzinvestoren hilfreich sein. Auch deren internationale Erfahrung könnte sich als nützlich erweisen", argumentiert Winkler.
Wer dagegen weiterhin unumschränkter und alleiniger Herr im Hause bleiben will, dürfte mit den Finanzinvestoren Probleme bekommen. "Finanzinvestoren wollen abhängig vom Einzelfall mehr oder weniger Einfluss nehmen", sagt Traugott. Hinzu kommt, dass nur wenige Private-Equity-Häuser Minderheits-Beteiligungen akzeptieren. "Gerade deshalb ist es enorm wichtig, sich die Konzepte und Geschäftsmodelle der einzelnen Finanzinvestoren genau anzusehen", sagt Traugott.
Fällt die Entscheidung für einen Finanzinvestor, ist das Kleingedruckte entscheidend. Das beginnt mit der Einbindung des neuen Geld-gebers in die strategischen Entscheidungen. Üblicherweise wollen Private-Equity-Manager bei allen wichtigen Entscheidungen mitreden und dazu auch Vertreter in die entsprechenden Führungsgremien entsen-den. "Auch wenn der Finanzinvestor eine Minderheitsbeteiligung haben sollte, bei weitreichenden Entscheidungen muss der neue Anteilseigner eingebunden werden", sagt Winkler von Menold Bezler.
Zudem verlangen Finanzinvestoren regelmäßig umfassende Berichte über die geschäftliche Situation und die Zukunftspläne. Viele Mittelständler tun sich damit schwer, weil sie befürchten, dass interne Informationen nach außen gelangen könnten. "In der Regel kann dieses Problem aber durch einen vertraglich geregelten Vertrauensschutz aus der Welt geschaffen werden", so Winkler.
Heikler sind die oft von Private-Equity-Häusern verlangten "Verwässerungsschutzklauseln". Sie greifen, wenn eine Firma nach dem Einstieg eines Finanzinvestors eine zweite Finanzierungsrunde benötigen. Die Klauseln garantieren dem Erstinvestor für die zweite Runde ein Nachkaufrecht zu dem Preis, den der Zweitinvestor zahlt. Dabei kann es böse Überraschungen geben. Sind die Konditionen der zweiten Finanzierungsrunde deutlich günstiger, könnte der bislang als Minderheitsaktionär beteiligte Finanzinvestor so viele Anteile nachkaufen dürfen, dass er zum Mehrheitsaktionär wird. "Hier sollte der Unternehmer sehr genau in die schuldrechtlichen Vereinbarungen schauen", empfiehlt Winkler.
Richtig brisant wird dieses Szenario, wenn zugleich so genannte "Mit-nahmerechte" festgelegt sind. Sie können besagen, dass die Gesellschaftermehrheit über den Verkauf der Firma bestimmen können und die Minderheitsgesellschafter mitziehen müssen. "Solche Formulie-rungen sollte man unbedingt vermeiden", rät Winkler.
Der Ausstieg des Finanzinvestors (Exit) ist ein wichtiges Thema. "Unternehmer sollten die Geschäftsmodelle der Private-Equity-Firmen genau verstehen", sagt Traugott von Linklaters, Oppenhoff & Rädler. "Die meisten Finanzinvestoren sind exitgetrieben. Wer einen langfristigen Partner sucht und kein Interesse an einem gemeinsamen lukrativen Ausstieg aus dem Unternehmen hat, muss sich also die richtige Adresse suchen." Bereits im Vertrag sollten die Abläufe bei einem Verkauf durch den Finanzinvestor festgelegt werden.
Als Fußangel können sich dabei vor allem so genannte "Erlösvorzüge" erweisen. Einige Investoren las-sen sich bei einem Verkauf die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals nebst Verzinsung und weiterer Kosten garantieren. Zusätzlich wollen sie aber auch vom Rest des Ver-kaufserlöses einen Anteil entsprechend ihrer Beteiligungsquote kassieren. "Solche Regelungen sind absolut nicht angemessen und sollten unbedingt vermieden werden", warnt Winkler von Menold Bezler.
Das Handelsblatt spricht mit Holger Frommann über die Stimmung auf dem Markt für Wagniskapital. Frommann ist Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.
Handelsblatt: Herr Frommann, wie schätzen Sie momentan die Stimmung auf dem Markt für Wagniskapital ein?
Frommann: Ich glaube, die Stimmung hat sich gebessert. Im vergangenen Jahr setzten sich langsam die Optimisten durch. Bei den so genannten Frühphasenfinanzierungen, die sehr junge Technologieunternehmen umfasst, stehen wir aber weiter vor großen Herausforderungen. In der Tat kommen Jungunternehmer und Gründer derzeit nur schwer an Risikokapital. Warum?
Bei extrem jungen Firmen oder Gründern halten sich die Geldgeber derzeit zurück; wir beobachten eher zaghafte Engagements. Das liegt auch an der verbreiteten Risiko-Aversion in Deutschland. Viele Investoren erinnern sich noch an die Zeit des Internetbooms, in dem sich viele die Finger verbrannt haben. Deshalb investieren institutionelle Investoren aus Deutschland lieber in ausgereifte Industrien oder Buyout-Fonds, die ihre Renditen aus Firmenübernahmen und dem späteren Weiterverkauf der Unternehmen erzielen. Sind die Geschäftsmodelle der Jungunternehmer nicht ausgereift?
Das kann man heute nicht mehr sagen. Die Business-Pläne der Unternehmer werden immer besser, sagen unsere Verbandsmitglieder. Die Ideen sind viel ausgereifter als noch während der Internet-Euphorie. Die steuerlichen Rahmenbedingungen haben sich verbessert. Was kann die Politik noch tun?
Ja, der Gesetzgeber hat reagiert und wesentliche Verbesserungen eingeleitet. Jetzt darf man die Hände nicht in den Schoß legen. Es fehlt beispielsweise immer noch eine endgültige Rechtssicherheit, wann ein Beteiligungsfonds als vermögensverwaltend oder gewerblich eingestuft wird. Dieser Unterschied hat für die Branche erhebliche Bedeutung bei der Steuerlast. Auf EU-Ebene, aber auch von der KfW, sind Gründerprogramme aufgelegt worden. Ist das mehr als der Tropfen auf den heißen Stein?
Wir müssen einsehen, dass in den Gründungsphasen der Firmen heute ohne staatliche Förderung nichts mehr läuft. Die privaten Beteiligungsfonds, die sich auf die Finanzierung von Innovationen spezialisiert haben, können die Aufgabe alleine nicht bewältigen. Deshalb sind die Initiativen – etwa der europäische Dachfonds oder der KfW-Startfonds – zu begrüßen. Das ist das eine – wichtig ist aber vor allem ein positives Klima für Gründer. Wie sieht das aus?
Dazu gehört der Abbau von Bürokratie und die Kultur der "zweiten Chance" für Unternehmer. Wer einmal gescheitert ist mit einer guten Idee, sollte nicht vom Markt ausgesperrt werden. Und wir brauchen mehr Wissenschaftler, die in der Selbstständigkeit Karriere machen wollen. Solchen Forschern sollten wir auch den Zugang zu Beteiligungskapital ebnen. Behindern solche staatlichen Initiativen nicht die privaten Geldgeber?
Prinzipiell bin ich für marktwirtschaftliche Lösungen. Bei der Finanzierung der "Start-ups" reicht das private Engagement momentan aber nicht aus. Viele Beteiligungsfonds sammeln in diesem Jahr frische Mittel bei institutionellen Investoren ein. Sind die Taschen der Versicherer und Pensionskassen zugeknöpft?
Jein. Etliche Versicherer und Pensionskassen sind nach wie vor defensiv eingestellt und halten sich bei den Fonds für Wagniskapital zurück. Andererseits gehen die Verwalter öffentlicher Kassen und auch wohlhabende Privatleute in den Markt. Einige Versicherungskonzerne haben angekündigt, sie wollten ihre Anlagen in Private Equity, also außerbörsliches Beteiligungskapital, von einem auf vier Prozent ihrer Anlagen erhöhen. Angesichts der Milliardensummen, die von den Versicherern verwaltet werde, sind das große Beträge. Die Fragen stellte Peter Köhler.
Finanzinvestoren steuern Beteiligungen aktiver
Private-Equity-Manager müssen sich spezialisieren
Die Private-Equity-Branche steht vor einem tiefgehenden Wandel. Statt der bislang üblichen Optimierung interner Abläufe müssen die Manager der Fonds bei ihren Beteiligungen immer häufiger ins Geschäft eingreifen. "Die defensiven Maßnahmen auf der Bilanzseite reichen nicht mehr. Es müssen offensive Ideen hinzukommen", sagte Bruno M. Deschamps, Partner der US-Fondsgesellschaft Clayton, Dubilier & Rice (CD&R), dem Handelsblatt am Rande des Branchentreffs "Super Return" in Frankfurt.
"Die Transaktionen sind heute aggressiv finanziert. Gerade deshalb ist es so wichtig, ein starkes Augenmerk auf das operative Geschäft zu haben", sagte Deschamps. Dabei gehe es darum, bei einer Beteiligung Wachstumsfelder oder auch Möglichkeiten für Zukäufe zu identifizieren.
Finanzinvestoren bekommen von institutionellen Investoren wie etwa Pensionsfonds oder Stiftungen Geld, mit denen sie Firmen oder Teile von Konzernen aufkaufen. Diese werden umstrukturiert und nach fünf bis sieben Jahren mit Gewinn weiterverkauft. Typischerweise finanzieren die Fonds rund 30 Prozent der Kaufsumme aus eigenen Mittel, der Rest läuft über Bankverbindlichkeiten.
Dabei zeigen sich die Banken zur Zeit großzügig bei der Vergabe von Krediten. Einige Experten warnen bereits vor einer Blase, die bald platzen könnte. Zwar räumt Christian Rochat, Kollege von Deschamps bei CD&R, ein, dass die guten Kreditkonditionen die Preise bei den Transaktionen nach oben treiben. "Ich glaube aber nicht, dass wir demnächst massenhaft Pleiten sehen werden. Aber es kann natürlich sein, dass die Eigenkapitalrendite sinken wird, wenn bei aggressiv finanzierten Transaktionen das operative Geschäft schlechter laufen sollte."
Druck auf die Private-Equity-Branche kommt aber noch von einer anderen Seite. Die Anforderungen an die Manager der Fonds werden steigen. "Es wird immer wichtiger, neben den reinen Finanzexperten auch Manager an Bord zu holen, die das operative Geschäft verstehen", schätzt Rochat. Zugleich werde es eine zunehmende Spezialisierung geben. "Jeder Anbieter wird seine Nische haben, seine Industrien, in der er sich auskennt", sagte Deschamps.
Der Private-Equity-Manager verwies auf die Beteiligung VWR. CD&R hatte den Laborlieferanten, eine Tochter des Darmstädter Pharmakonzerns Merck, für 1,3 Mrd. Euro gekauft. "Wir schauen uns zur Zeit intensiv Möglichkeiten für Arrondierungen des VWR-Portfolios an", sagte Deschamps. VWR war das erste deutsche Engagement von CD&R nach dem fehlgeschlagenen Investment beim Flugzeughersteller Fairchild Dornier. Dieser hatte Insolvenz anmelden müssen.
Trotz dieser Erfahrung will CD&R weiter in Deutschland investieren. "Wir schauen uns eine Reihe von Optionen an. Wir lassen uns aber Zeit. Es kann also dauern", sagte Deschamps.
Auf dem deutschen Wagniskapitalmarkt ist die erhoffte Trendwende trotz einzelner Lichtblicke nicht gelungen. So sind im vergangenen Jahr die Risikokapital-Investitionen um 7 Prozent auf 501 Millionen Euro zurückgegangen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young und des Analyseinstituts Venture-One. Im Vergleich zum Boomjahr 2000 sanken die Investitionen sogar um 85 Prozent. Zudem hinkte der deutsche Markt dem europäischen abermals hinterher, denn auf dem gesamten Kontinent gingen die Investitionen im Jahr 2004 nur um ein Prozent auf 3,49 Milliarden Euro zurück.
Deutschland sei im Vergleich zu den angelsächsischen Märkten in der Wagnisfinanzierung noch ein „Schwellenland”, urteilt Götz Hoyer von der auf Beteiligungskapital spezialisierten Beratung Mackewicz & Partner. Besonders ausgetrocknet ist hierzulande die Finanzierung von Gründungsunternehmen und noch nicht etablierten Geschäftsmodellen (Seed- oder Frühphasenfinanzierung). „Die Beteiligungsunternehmen vertrauen vor allem auf das Wachstum reifer und bereits etablierter Unternehmen. Jüngere Unternehmen, deren Entwicklung mit größeren Risiken behaftet ist, haben es nach wie vor schwerer, Investoren zu überzeugen”, kommentiert Ernst-&-Young-Partnerin Julie Teigland diesen Trend. Mit nur 34 sogenannten Seed- und Erstrundenfinanzierungen seien diese auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre gefallen.
Schlechte Erfahrungen
Viele Wagniskapitalgeber haben sich in der Hochphase der New Economy an nicht ausgereiften Geschäftsmodellen die Finger verbrannt und neigen nun dazu, sich mit ersten Umsätzen auf etablierte Unternehmen zu konzentrieren. Für neugegründete Unternehmen bleiben die sogenannten Business Angels, von denen es in Deutschland im internationalen Vergleich allerdings zuwenig gibt, und staatliche Geldgeber. Hier sollte in diesem Jahr eigentlich neues Geld sprudeln, da die Bundesregierung einen eigenen Frühphasen-Fonds im Volumen von 200 Millionen Euro geplant hatte. Doch die Finanzierung hängt von der im Vermittlungsausschuß steckengebliebenen Abschaffung der Eigenheimzulage ab.
Anlaß zur Hoffnung geben aber die deutschen Beteiligungsgesellschaften, die im vergangenen Jahr erstmals wieder mehr investierten als in den Vorjahren. Laut dem „Venture Capital-Panel” der Beratung Mackewicz & Partner investierten die deutschen Wagniskapitalgeber 469 Millionen Euro und damit mehr als 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zudem stiegen die neu abgeschlossenen Beteiligungen von 74 auf 94 und „signalisieren eine deutliche Belebung der Branche”, heißt es in der Studie. Der aktivste Investor war im Jahr 2004 die Münchener Techno Venture Management (TVM), die knapp 90 Millionen Euro neu investierte (siehe Grafik). Darauf folgte die börsennotierte 3i-Gruppe, die 67 Millionen Euro für neue Beteiligungen ausgab. Investitionsschwerpunkte waren abermals die Biotechnologie- und Pharmaindustrie sowie die Softwarebranche.
„Ich bin nicht optimistisch”
Lebenszeichen hatte die deutsche Risikokapitalszene jüngst auch durch neu aufgelegte Fonds von sich gegeben. So meldeten die Branchenführer TVM und Wellington erste Erfolge beim Einsammeln der Gelder. Nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) werden in diesem Jahr rund 30 Wagniskapitalfirmen neue Fonds auflegen. Viele werden es aber wohl nicht schaffen: „Ich bin da nicht optimistisch”, sagte Thomas Kühr, Vorstandschef des BVK. Problematisch ist die große Zurückhaltung deutscher Fondsinvestoren. So kam auch bei Wellington und TVM das Gros der Investoren aus dem Ausland. Dabei ist der Einstiegszeitpunkt in Deutschland laut einer Studie von Mackewicz & Partner derzeit günstiger denn je, da die Unternehmensbeteiligungen für wenig Geld zu haben sind. Außerdem habe sich der deutsche Wagniskapitalmarkt in den vergangenen fünf Jahren professionalisiert.
Beteiligungskapital
Der Private-Equity-Branche droht eine Überhitzung
Im europäische Markt für außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity) könnte sich eine Kreditblase bilden. „Die Dynamik ist so groß, daß die Gefahr einer Überhitzung erkennbar ist”, sagte Jürgen Schaaf, Autor einer Studie der Deutschen Bank zur europäischen Private-Equity-Branche. Indizien dafür seien die steigenden Preise in den Bieterkämpfen um die Unternehmen und der höhere Fremdkapitalanteil bei den sogenannten „Leveraged Buyouts” - also kreditfinanzierter Übernahmen unter Beteiligung des Managements. Laut der Studie sind die Eigenkapitalquoten bei derartigen Transaktionen in den vergangenen drei Jahren von 38 Prozent auf 36 Prozent gesunken.
„Dieses Jahr werden die Quoten weiter heruntergehen”, ist Schaaf überzeugt. Jedoch habe man einen derart geringen Einsatz von eigenem Kapital auch schon in der Vergangenheit gesehen (siehe Grafik). „Noch kann man nicht von einer Blase reden, aber man muß wachsam bleiben.”
Buyout um mehr als 25 Prozent gestiegen
Im vergangenen Jahr ist der europäische Markt für Beteiligungskapital erneut gewachsen. Dies ist allerdings ausschließlich auf das rasante Plus bei den sogenannten Buyout-Transaktionen zurückzuführen - also auf Übernahmen, bei denen das Management eine Kapitalbeteiligung erhält. In diesem Segment der Branche nahmen die Investitionen im abgelaufenen Jahr um mehr als 25 Milliarden Euro auf 107 Milliarden Euro zu. Dagegen ist der Markt für die Finanzierung von Gründungsunternehmen nahezu ausgetrocknet. „Die Frühphasenfinanzierung verkümmert kläglich”, bedauerte Schaaf.
Zwar zeigen sich im Wagniskapitalmarkt nach jahrelangen Rückgängen erste Hoffnungsschimmer (F.A.Z. vom 26. Januar). Allerdings kümmern sich die Risikokapitalfirmen mittlerweile fast ausschließlich um die Finanzierung sogenannter Start-Ups, also Unternehmen, die bereits erste Umsätze aufweisen. Laut der Studie flossen in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 300 Millionen Euro in die Gründungsfinanzierung. „Das ist eigentlich nichts”, sagte Schaaf.
Die Renditen stürzen
Als grundlegendes Problem des Wagniskapitalsegments sieht Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die fehlenden Ausstiegschancen der Beteiligungsgesellschaften. Denn die Börse fiel in den vergangenen beiden Jahren als Kapitalquelle für junge Unternehmen nahezu aus. Nach den Wirren des Neuen Marktes herrsche „eine gewisse Verschrecktheit” unter den Anlegern, sagte Walter. Die Deutsche Bank fordert daher die Einführung eines Mittelstands- und Wachstumssegments an der Börse. „Ich bin überzeugt, daß sich die Deutsche Börse hierzu schon Gedanken macht”, sagte Schaaf.
Ein gewisses Vorbild könnte der Alternative Investment Market (AIM) der Londoner Börse sein, allerdings sei dieser zu stark von staatlicher Seite beeinflußt. Die Zeit durchschnittlicher Renditen von bis zu 30 Prozent sind auch in der Private-Equity-Branche schon lange vorbei. Seit dem Jahr 2000 stürzten die durchschnittlichen Fünf-Jahres-Renditen in Europa um 25 Prozent auf 7,5 Prozent ab. Während im Buyout-Segment noch Renditen von 10 Prozent erreicht wurden, liegen sie im Wagniskapitalmarkt bei 2 Prozent. Schaaf sagte für die Branche aber wieder steigende Renditen voraus.
Antrieb Vereinigte Staaten
Antriebskraft des europäischen Private-Equity-Marktes waren vor allem die amerikanischen Investoren. Dafür haben sie in Deutschland zuletzt Kritik auf sich gezogen. „Das ärgert mich”, sagte Walter. „Die Amerikaner kriegen normalerweise eine anderthalb mal höhere Rendite hin als wir. dagegen haben sich die Europäer nicht gerade als Pfadfinder für hohe Renditen erwiesen.” Walter deutete zudem an, daß sich die Deutsche Bank künftig stärker als Investor bei Private Equity engagieren könnte.
Investitionen Lebenszeichen aus der Wagniskapitalbranche.
Die jahrelang nahezu versiegte Finanzierungsquelle Wagniskapital fängt langsam wieder an zu sprudeln. Erstmals seit einigen Jahren können sich junge Technologieunternehmen wieder Hoffnung auf dringend benötigte Kapitalspritzen machen. Denn nach etlichen Jahren der Abstinenz schaffen es die etablierten Risikokapitalgesellschaften wieder, den Investoren frisches Geld abzuringen.
So ist es den marktführenden deutschen Wachstumsfinanzierern Wellington Partners und Techno Venture Management (TVM) unlängst gelungen, genügend Investoren für neue Fonds aufzutreiben. Gleichzeitig kehrt wieder ausländisches Risikokapital auf den deutschen Markt zurück.
Unterstützung durch die EU
Als ein Vorreiter für die Branche könnte sich das Münchener Venture-Capital-(VC-)Unternehmen Wellington erweisen, das im vergangenen Jahr 110 Millionen Euro für seinen dritten Technologiefonds eingesammelt hat. "Wir wollen den Fonds im Juli mit einer Größenordnung von 150 Millionen Euro schließen", umreißt Rolf Christof Dienst, Partner von Wellington, das Ziel. Erstmals seit mehr als zwei Jahren würde damit in Deutschland wieder ein VC-Fonds geschlossen. Wurden im Jahr 2001 noch 2 Milliarden Euro in deutsche VC-Fonds investiert, war es zwei Jahre später gerade einmal ein Zehntel dieser Summe.
Doch selbst für die renommierte Branchengröße Wellington war es nun schwerer als erwartet, Gelder aufzutreiben. Anderthalb Jahre zog sich das Fundraising hin, und letztlich gelang es nur dank der Unterstützung des European Investment Funds (EIF) der Europäischen Union, diese Größenordnung zu erreichen. EIF investiert 25 Millionen in den Wellington-Fonds; auch bei dem neuen TVM-Fonds ist der staatliche Investor mit von der Partie. "Ohne EIF hätte das Fundraising länger gedauert", räumt Dienst ein.
Ausschließlich ausländisches Geld
Die mangelnde Risikobereitschaft der deutschen Finanzindustrie spiegelt sich im Status quo der Wagniskapitalszene wider: So fließt in den neuen Wellington-Fonds ausschließlich ausländisches Geld. "In Deutschland ist Venture Capital durch den Neuen Markt in der falschen Schublade gelandet", sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger Risikokapitalfirma Earlybird, die frühestens im kommenden Jahr neue Gelder einsammeln will.
Außerdem investierten die Kapitalgeber - überwiegend Versicherungen, Fonds, Banken und Pensionskassen - extrem prozyklisch. Das bedeutet, daß sich nach den Firmenpleiten des Neuen Markts und den schmerzhaften Verlusten der VC-Szene derzeit alle Geldgeber auf ein Trendthema konzentrieren: die Übernahme etablierter, großer Unternehmen durch Finanzinvestoren.
"Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor"
Dabei sind die Preise in diesem Segment zur Zeit sehr hoch. Dagegen sind hoffnungsvolle Wachstumsfirmen aus Branchen wie der Biotechnologie, Software, Kommunikation, Gesundheit und Nanotechnologie, die sich häufig in Technologieparks wie dem Adlershof in Berlin tummeln, zu Schnäppchenpreisen zu haben: "Wir kaufen zu einem Viertel der Bewertungen ein, die vor vier Jahren noch galten", freut sich Dienst. "Gleichzeitig hat sich das Risiko dramatisch verringert. Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor."
Demgegenüber haben ausländische Investoren die Chancen der deutschen Niedrigpreise erkannt: So wollen Ende April erstmals seit fünf Jahren wieder 60 große internationale Investoren auf der "German Tech Tour" den deutschen Markt nach Investitionsmöglichkeiten absuchen.
Ausleseprozeß
Als ein Eisbrecher für die Branche könnte sich auch der Börsengang des Biotechnologieunternehmens Paion im Februar erweisen, denn viele VC-Unternehmen sind in den vergangenen Jahren länger als geplant auf ihren Beteiligungen sitzengeblieben, weil der Ausstiegskanal Börse verstopft war. Allerdings können nur die aussichtsreicheren, ohnehin bereits gut finanzierten Unternehmen an die Börse gehen. "Bei den kleinen, unterfinanzierten Beteiligungen wird es noch viel Blut geben", ist sich Mathies sicher.
Auch in der VC-Branche wird sich im Jahr 2005 wohl die Spreu vom Weizen trennen. Insgesamt 20 Unternehmen würden in diesem Jahr den Versuch starten, einen neuen Fonds aufzulegen, schätzt Detlef Mackewicz von der Beratungsgesellschaft Mackewicz und Partner.
"Einige davon werden scheitern." Viele seien verwöhnt von den guten Jahren und hätten es verschlafen, langfristige Kontakte zu Investoren aufzubauen. "In Europa werden von 400 VC-Gesellschaften nur 150 übrig bleiben", schätzt Peter Laib, Geschäftsführer des führenden europäischen Investors in Private-Equity-Fonds (Dachfonds), der Züricher Adveq.
Anleger vertrauen wieder auf Venture Capital Hohe Umsatzsteigerung für Mittelstandsfonds.
Mit einem platzierten Emissionsvolumen in 2004 von 99,458 Millionen Euro konnte die Münchener Alfred Wieder AG ihr bislang bestes Firmenergebnis erzielen. Das Ergebnis verteilt sich auf die Venture-Capital-Beteiligungen GA Global Asset Fund GmbH & Co. KG und GC Global Chance Fund GmbH & Co. KG, die somit zum Jahresende geschlossen werden konnten.
Die Fonds, die von der Seefelder ABC Beteiligungs- und Geschäftsbesorgungsgesellschaft mbh aufgelegt wurden, investieren vorrangig in innovative mittelständische Unternehmen – und nicht wie das Gros der am Markt befindlichen Private Equity Fonds in internationale Dachfonds. „Der Erfolg unserer Fonds ist gleichsam ein Erfolg für den deutschen Mittelstand“, meint Alfred Wieder, Vorstand der Alfred Wieder AG. Denn gefördert werden Unternehmen, die bspw. aufgrund der veränderten Kreditvergaben erschwerten Zugang zu Kapital haben, deren erfolgreiche Umsetzung von Patenten und Entwicklungen aber dicht bevorsteht. „Das Beispiel der Regensburger Antisense Pharma AG, ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr den Deutschen Gründerpreis und den Bayerischen Innovationspreis erhielt, macht deutlich, dass der Anlageausschuss der von uns angebotenen Fonds ausschließlich in Unternehmen investiert, von deren Erfolg Anleger bereits in wenigen Jahren profitieren werden“, meint Alfred Wieder.
In wenigen Tagen will die Alfred Wieder AG ihre „neue Generation“ von Mittelstandsfonds präsentieren. „Noch nie war das Verständnis der Anleger für die Sinnhaftigkeit derartiger Investitionen so groß. Hierauf wollen wir natürlich mit einem erfolgversprechenden neuen Angebot reagieren“, so der Münchener Mittelstandsfinanzierer Wieder.
Beteiligungsmarkt wächst stetig weiter Experten sehen 2005 Volumen von 32 Milliarden Euro.
Der europäische Beteiligungsmarkt wird im nächsten Jahr ein gespaltenes Bild abgeben. Während der Buyout-Bereich, der Firmenübernahmen und den Kauf von Konzernabspaltungen umfasst, stetig wachsen dürfte, wird sich die Lage bei den jungen Technologiefirmen nur langsam entspannen
Deutsche Bank Research erwartet laut einer Studie für den europäischen Private-Equity-Markt ein Investitionsvolumen von 32 Mrd. Euro, nach geschätzten gut 30 Mrd. im laufenden Jahr. Dabei wird der Anteil von Unternehmenskäufen durch die Beteiligungsfonds auf mittlerweile 65 bis 70 Prozent veranschlagt. Dagegen trockneten die Investitionen in Firmengründungen und junge Unternehmen aus, heißt es in der Studie. Volkswirtschaftlich gesehen sei es bedenklich, dass innovative Projekte kaum noch finanziert würden.
"In der Private-Equity-Branche haben große Buyouts zugenommen. Das wird auch 2005 so bleiben", sagt Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstandsvorsitzender der Hannover- Finanz-Gruppe. Allerdings gibt es auch Branchenbeobachter, die vor einer Überhitzung dieses Marktsegmentes warnen. Da die Banken an den Transaktionen gut verdienten, heizten sie den Bieterkampf in den Auktionen an. Dies treibe die Preise nach oben. Ob sich dann das Geschäftsmodell der Beteiligungsfonds noch rechne, sei offen.
Finanzinvestoren legen Beteiligungsfonds auf, in die institutionelle Anleger wie Stiftungen, Pensionskassen und Versicherungen investieren. Mit dem Geld werden Firmen gekauft und über mehrere Jahre restrukturiert. Danach versuchen die Finanzmanager, die Unternehmen zu einem höheren Preis weiterzuveräußern oder an die Börse zu bringen.
Im europäischen Vergleich hat der deutsche Markt noch großes Aufholpotenzial. Hier zu Lande erreichen die Private-Equity-Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt nur einen Wert von 0,12 Prozent. Laut Branchenverband EVCA liegt der europäische Durchschnitt aber bei 0,29 Prozent, Großbritannien steht mit 0,85 Prozent an der Spitze.
Jedoch bietet Deutschland mit dem Mittelstand einen bisher nur in Ansätzen erschlossenen Markt, den das Ausland nicht zu bieten hat. Da die Unternehmen in Zukunft tendenziell mit einem erschwerten Zugang zu Krediten rechnen müssen, wächst die Bedeutung der Eigenkapitalfinanzierungen. "Der Markt hat sich in diesem Jahr in allen Bereichen positiv entwickelt. Insgesamt haben wir 2004 über 350 Mill. Euro investiert und gehen auch mit positiven Erwartungen in das nächste Jahr", sagt Jane Crawford, Deutschland-Chefin der britischen Beteiligungsgesellschaft 3i, die sich durch Investments bei Mittelständlern einen Namen gemacht hat. Für 2005 rechnet 3i auch mit einer besseren Situation an den Aktienmärkten und damit auch bei einigen Börsengängen von Beteiligungsfirmen.
Sorgenkind bleibt die Finanzierung von Innovationen und neu gegründeten Firmen in Deutschland. Zwar gibt es auf europäischer Ebene und über die staatliche KfW Bankengruppe neue Beteiligungsprogramme. Diese werden jedoch die private Initiative nicht ersetzen können. Wellington Partners, ein renommierter Wagnisfinanzierer, konnte jüngst einen neuen Fonds nur mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Ausland, darunter der Rückversicherung Swiss Re, neu bestücken. Deutsche Banken und Versicherer halten sich – abgesehen von der Münchener Allianz – zurück. 2005 werden sie auch von der Politik gefordert sein, stärker Flagge zu zeigen.
Die großen angelsächsischen Beteiligungsgesellschaften reichen demnächst wieder ihre Hüte herum: Viele Private-Equity-Fonds haben 2004 ihre vor einigen Jahren eingesammelten Mittel aufgebraucht und werben nun eifrig frische Gelder ein. Das gilt auch für das britische Unternehmen BC Partners, dessen achter Europa-Fonds rekordverdächtig sein wird. "Wir streben die Auflage unseres nächsten Fonds im ersten Halbjahr 2005 an", sagte der für Deutschland zuständige Geschäftsführer Jens Reidel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Wie jede Neuauflage des Finanzinvestors werde auch dieser Fonds wieder ein größeres Volumen haben als der Vorgänger. Beim siebten Fonds, dessen Gelder nunmehr zu drei Vierteln investiert sind, waren es immerhin schon 4,4 Milliarden Euro. Der Nachfolger werde in Richtung 5 Milliarden Euro gehen, kündigte Reidel an. Damit würde er mit dem bisher größten europäischen Fonds zur Übernahme etablierter Unternehmen (Buy-out), dem im vergangenen Jahr geschlossenen Fonds "Europe III" des ebenfalls britischen Konkurrenten Permira, zumindest gleichziehen, wenn nicht gar einen neuen Rekord aufstellen.
Quantensprung beim Fondsvolumen
Europa macht sich somit mit rasantem Tempo daran, in die großen Fußstapfen der amerikanischen Private-Equity-Industrie hineinzuwachsen. Die größten amerikanischen Fonds von J.P. Morgan Partners und Blackstone haben ein Volumen von jeweils rund 6,5 Milliarden Dollar. Dank des schwachen Dollars hat ihnen der Permira-Fonds aber bereits den Rang abgelaufen. Der Abstand zwischen Europa und Amerika wird mithin kleiner. Wie rasend schnell diese Entwicklung vorging, zeigt das Beispiel BC Partners: "Vor zwölf Jahren haben wir unseren zweiten Fonds aufgelegt. Er hatte ein Volumen von 144 Millionen Euro", belegt Reidel den Quantensprung.
Als einen weiteren Trend sieht Reidels Kollege Thomas Weinmann, daß zunehmend deutsche Investoren auf den Private-Equity-Zug aufspringen. Noch vor ein paar Jahren sei der Anteil der deutschen Investoren verschwindend gering gewesen. Überwiegend hatten große Versicherungen und Banken wie die Allianz oder die Hypo-Vereinsbank in den Fonds investiert. Bisher stammte aber rund die Hälfte der Fondsgelder aus Amerika und Kanada. Doch dürfte sich dieses Verhältnis bei dem neuen Fonds wohl zugunsten von Europa verschieben. Denn nun steige das Interesse der inländischen Versicherer und Banken immens. In Private-Equity-Fonds investieren überwiegend große Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und zum Teil auch hochvermögende Privatpersonen.
Übernahmekandidaten
Reidel erwartet, den neuen Fonds bis zum zweiten Quartal 2005 schließen zu können. Für das kommende Jahr peilt er auch weitere Übernahmen in Deutschland an. Mit welchen Firmen BC Partners derzeit verhandelt, gab er nicht preis.
In Finanzkreisen gilt es als sicher, daß BC Partners unter anderem an dem Kabelbetreiber Ish und der in der Meßtechnik und im Industrieofenbau tätigen Ruhrgas Industries (RGI) interessiert ist. Der Wert der noch zum Eon-Konzern gehörenden RGI wird auf bis zu eine Milliarde Euro taxiert. Allerdings hat Eon den Bieterprozeß noch gar nicht eröffnet, wie in Branchenkreisen zu hören ist. Im Kabelnetz ist BC Partner schon heute mit dem Hannoveraner Betreiber Telecolumbus unterwegs. Für den zum Verkauf stehenden Wettbewerber Ish bieten nach Angaben aus Finanzkreisen fünf bis sechs Investoren, darunter Carlyle und Apollo.
Weiteres Wachstum
Selbst verkaufen wird BC Partners in Kürze die Beteiligung an dem österreichischen Motorradhersteller KTM. Für rund 60 Millionen Euro will die Gesellschaft Cross Holding der BC Partners ihre 49 Prozent abkaufen und damit auf 89 Prozent aufstocken. Für Reidel ist KTM eine Erfolgsgeschichte - nicht nur wegen der erzielten Rendite. Seit dem Einstieg seien die Arbeitsplätze von 700 auf 1.400 verdoppelt, die Stückzahlen des Herstellers von 28.000 auf 80.000 hochkatapultiert worden.
Neben der Abgabe an einen strategischen Investor sieht Reidel künftig auch wieder Chancen für Börsengänge. "Wir haben einige Unternehmen im Portfolio, die Kandidaten dafür wären." In anderthalb Jahren könne sicherlich der Sanitärhersteller Sanitec ein Aspirant für die Börse sein, ebenso Telecolumbus. Mittelfristig könnten auch die europäischen Beteiligungen an Krankenhäusern an die Börse gebracht werden. In diesem Bereich sucht BC Partners allerdings zunächst noch nach weiteren Zukaufsmöglichkeiten.
Weiteres Wachstum peilt der Finanzinvestor auch mit dem kürzlich von Candover für 1,3 Milliarden Euro übernommenen französischen Tiefkühlkost-Unternehmen Picard Surgelés an. Am vergangenen Freitag wurde der Vertrag mit Candover endgültig unterzeichnet. BC Partners wolle mit Picard nun nach Italien und Spanien expandieren, kündigte Reidel an. In Italien sollen die derzeit rund 20 Geschäfte auf 120 bis 150 ausgebaut werden; auf dem spanischen Markt ist Picard bisher noch gar nicht vertreten.
US-Markt Venture Capital-Investitionen im dritten Quartal rückläufig.
Die Wagniskapitalfinanzierungen (Venture Capital, VC) in den USA nahmen im letzten Quartal im Vergleich zu den vergangenen Quartalen ab. Von Juli bis September 2004 flossen insgesamt 4,3 Mrd. US-Dollar in 601 Unternehmen. Im zweiten Quartal dieses Jahres erhielten noch 794 US-amerikanische Unternehmen 5,9 Mrd. US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal blieben die Investitionen allerdings nahezu unverändert: 692 Unternehmen verzeichneten im dritten Quartal 2003 Wagniskapital i.H.v. 4,3 Mrd. US-Dollar.
Die Bereiche Software und Life Sciences (Biotechnologie und Medizintechnik) verzeichneten erneut die höchsten Zuflüsse. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erreichten die Venture Capital-Investitionen ein Volumen von 15,3 Mrd. US-Dollar. Dies lässt erwarten, dass die Investitionen in 2004 das Vorjahresvolumen von 18,7 Mrd. US-Dollar übertreffen. Von Januar bis September 2003 investierten die Venture Capital-Gesellschaften 13,3 Mrd. US-Dollar.
Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Untersuchung MoneyTree von PricewaterhouseCoopers (PwC), die vierteljährlich in Zusammenarbeit mit Thomson Venture Economics und dem US-Dachverband National Venture Capital Association (NVCA) erstellt wird. Die Studie berücksichtigt alle Venture Capital-Investitionen in Firmen, die ihren Hauptsitz in den USA haben.
"Der Investitionsrückgang im dritten Quartal gibt keinen Anlass zur Sorge. Der Venture Capital-Markt hat ein angemessenes Niveau erreicht. Interessant ist dabei, dass die Finanzierungen innerhalb der vergangenen drei Monate hinsichtlich der Industriezweige sehr ausgeglichen waren. Insbesondere scheinen sich auch die Erwartungen, die Unternehmen und Venture Capital-Gesellschaften an Risiko und Rendite haben, anzugleichen", erläutert Theo Weber , Venture Capital-Experte bei PwC.
Im Jahresverlauf fanden bisher 2079 Venture Capital-Finanzierungen in den USA statt; 2003 waren es insgesamt 2834. Die meisten gingen auf das Konto von Software-Unternehmen: 160 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 942 Mio. US-Dollar wurden zwischen Juli und September 2004 getätigt, im dritten Quartal 2003 flossen 845 Mio. US-Dollar in 174 Unternehmen. Damit liegt der Anteil der Software-Industrie an allen Venture Capital-Finanzierungen im dritten Quartal 2004 bei 21,8%.
An zweiter Stelle folgen Biotechnologie-Unternehmen mit 75 Finanzierungen und einem Wert von 771 Mio. US-Dollar (3. Quartal 2003: 93 Transaktionen, 974 Mio. US-Dollar), danach medizinische Geräte und Ausrüstungen mit 52 Transaktionen und 486 Mio. US-Dollar (3. Quartal 2003: 56 Transaktionen, 329 Mio. US-Dollar). Rechnet man die beiden zuletzt genannten Branchen zu einem einzigen Life Sciences-Bereich zusammen, so erreicht dieser ein Volumen von 1,26 Mrd. US-Dollar und einen Anteil von 29% an allen Venture Capital-Finanzierungen.
Deutsches Eigenkapitalforum mit Rekordbeteiligung Mit einer Rekordbeteiligung von rund 2.900 Teilnehmern hat das Deutsche Eigenkapitalforum Herbst 2004 am Montag in Frankfurt am Main begonnen.
Die Deutsche Börse und die KfW Mittelstandsbank veranstalten das bisher zweitägige Forum aufgrund des großen Interesses erstmals an drei Tagen und bieten die Möglichkeit zur Diskussion und Information über die Verbesserung der Kapitalmarktfähigkeit und Eigenkapitalfinanzierung des Mittelstands.
Neben einem umfangreichen Konferenzprogramm und einer großen Ausstellermesse nutzen über 170 börsennotierte Unternehmen das Deutsche Eigenkapitalforum, um ihr Geschäftsmodell und ihre Finanzzahlen des dritten Quartals 2004 Investoren- und Analysten zu präsentieren. Zudem stellen sich erstmals in diesem Jahr russische und chinesische Unternehmen vor, die sich für eine Eigenkapitalaufnahme außerhalb ihres Heimatmarktes interessieren. Rund 50 Eigenkapital suchende Unternehmen präsentieren ihre Wachstumsperspektiven vor Venture Capital Gesellschaften, Investmentbanken und Finanzdienstleistern.
"Das Deutsche Eigenkapitalforum hat sich zu Europas erfolgreichster Kapitalmarktveranstaltung zum Thema Eigenkapitalbeschaffung und Finanzierungsstrategien entwickelt und findet breite Unterstützung in der Financial Community", sagte Rainer Riess, Managing Director der Deutschen Börse für den Bereich Kassamarkt. Dies zeige die diesjährige Rekordbeteiligung. Interessierten Unternehmen und Investoren biete das Forum eine optimale Plattform, zeit- und kosteneffizient mit dem Kapitalmarkt in den Dialog zu treten und neue Kontakte zu knüpfen, so Riess weiter.
Die hohe Beteiligung am Eigenkapitalforum deutet auf die verbesserte Lage am Beteiligungsmarkt hin. "Nach langer Durststrecke beobachten wir am Beteiligungsmarkt einen stabilen Trend nach oben: In den ersten drei Quartalen dieses Jahres konstatieren wir ein Investitionsvolumen von 2,3 Mrd. Euro. Das ist jetzt schon so hoch wie im gesamten Vorjahr", sagte Detlef Leinberger, Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe. Die KfW Mittelstandsbank ist mit ihrer neu aufgestellten Beteiligungsfinanzierung ein verlässlicher Partner für Unternehmen und Private-Equity-Gesellschaften.
Das Deutsche Eigenkapitalforum wird seit neun Jahren gemeinsam von der Deutschen Börse und KfW Mittelstandsbank zweimal jährlich veranstaltet. Im Herbst stehen Eigenkapital suchende Unternehmen in einer späteren Finanzierungsphase und börsennotierte Unternehmen im Fokus, im Frühjahr vor allem Unternehmen in einer früheren Finanzierungsphase. Investoren hatten in den vergangenen Jahren die Gelegenheit, mehr als 1.000 Geschäftskonzepte von innovativen Unternehmen kennen zu lernen. Das Forum ist Plattform für das Networking, Erfahrungsaustausch und den Dialog mit und innerhalb der Financial Community.
Institutionelle Anleger wollen verstärkt in Private Equity investieren Institutionelle Anleger wollen verstärkt in Private Equity investieren und dabei auch mit neuen Fondsmanagern zusammenarbeiten, erwarten jedoch günstigere Konditionen.
Institutionelle Anleger planen für 2005 höhere Investments in Private Equity und Hedge Fonds. Das ergab das erste Global Private Equity Barometer, veröffentlicht von Coller Capital, dem weltweit führenden Investor im Sekundärmarkt für Private Equity. Mindestens ein Viertel aller Anleger (Limited Partners, kurz ‘LP’) in Venture-Capital-Fonds und Buyout-Fonds in Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik erwarten von den Managern von Private-Equity-Fonds (General Partners, kurz ‘GP’) im Gegenzug allerdings günstigere Konditionen. Der Anteil der Investoren, die ein für sie vorteilhafteres Konditionengefüge erwarten, ist besonders hoch in der Kategorie europäische Venture-Capital-Fonds mit 37% und bei den Generalisten-Fonds bzw. Dachfonds mit 41%. Coller Capitals Global Private Equity Barometer bietet einen einzigartigen Einblick in weltweite Trends im Private-Equity-Markt. Hierbei werden zweimal im Jahr die Pläne und Meinungen institutioneller Private-Equity-Investoren in Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum erhoben.
Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass im Jahr 2005 mehr als die Hälfte der institutionellen Investoren (56%) ihr Engagement in Alternativen Investments insgesamt ausweiten wollen: 43% planen mehr Private-Equity-Investments und 45% planen ein höheres Engagement in Hedge-Fonds. Die gute Nachricht für alle Fondsinitiatoren ist, dass mehr als die Hälfte der Anleger in Limited Partnerships (53%) im nächsten Jahr die Anzahl ihrer Fonds-Beziehungen erhöhen will, wobei dieser Anteil bei den asiatischen Investoren mit 62% am höchsten ist.
Buyout-Fonds dürften von dieser positiven Grundstimmung am meisten profitieren. Das Global Private Equity Barometer zeigt, dass die institutionellen Anleger in jüngster Vergangenheit mit den Erträgen aus Buyout-Fonds zufriedener waren als mit denen aus Venture-Capital-Investments. Rund 90% der Investoren waren ‘zufrieden’ oder ‘sehr zufrieden’ mit ihren Erträgen aus amerikanischen und europäischen Buy-out-Fonds (bei den asiatischen Buyout-Fonds lag die Rate nur leicht darunter), während dies nur rund 60% über ihre Erträge aus amerikanischen,
europäischen und asiatischen Venture-Capital-Fonds sagten.
Bei der Frage nach den besten Investmentgelegenheiten für Fondsmanager (GP) im nächsten Jahr ergab sich aus Sicht der Fonds-Investoren (LP) folgende Reihenfolge: europäische Buyouts, asiatische Buyouts, amerikanische Buyouts, amerikanische Ventures, asiatische Ventures, europäische Ventures.
Die positive Investorenstimmung bezüglich Private Equity lässt sich am besten anhand der konkreten mittelfristigen Renditeerwartungen quantifizieren. Das Global Private Equity Barometer ergab, dass dreiviertel der Private-Equity-Investoren über die nächsten drei bis fünf Jahre einen Nettoertrag von 11% bis 20% erwarten, wobei die Hälfte der Anleger mit
Renditen von 11% bis 15% rechnet und ein Viertel 16% bis 20% erwarten. Bei der Aufschlüsselung auf die verschiedenen Fondsarten erwartet die überwiegende Mehrheit der Investoren Renditen zwischen 11% und 20% für Buyout-Fonds aus allen drei Regionen sowie für nordamerikanische Venture-Fonds; für asiatische und europäische Venture-Fonds liegen die
Erwartungen niedriger.
Zu den Ergebnissen sagte Jeremy Coller, Chief Executive von Coller Capital: "Das Global Private Equity Barometer zeigt nicht nur die zunehmende Nachfrage der institutionellen Investoren nach Private Equity, sondern auch ihr Verständnis, dass Private Equity ein Feld ist, auf dem die Fähigkeiten des Fondsmanagements auf mittel- bis langfristige Sicht von erheblicher Bedeutung sind. Dieses Verständnis kann nur von Vorteil für die weitere Entwicklung von Private Equity als eigenständige Vermögensklasse sein."
Deutsche Börse rechnet mit steigender Zahl von Börsengängen in 2005
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse rechnet mit einer steigenden Zahl von Börsengängen im nächsten Jahr. "In den Boomjahren hatten wir 130 bis 140 Börsengänge, ansonsten waren es 10 bis 20. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen", sagte Rainer Riess, Managing Director Stock Market Business Development der Deutschen Börse AG , der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Schwerpunkt werde seiner Einschätzung nach auf den Branchen Software, IT, Bio- und Nanotechnologie liegen. In diesem Jahr hatten nur fünf Unternehmen den Gang aufs Parkett gewagt, einige andere hatten den Start abgesagt.
Nach der Euphorie der Jahre 1999 und 2000 und der anschließenden Ernüchterung habe sich die Stimmung mittlerweile wieder normalisiert, sagte Riess. "Ich denke, so wie wir die Übertreibung 1999/2000 in die eine Richtung gesehen haben, so haben wir sie 2002/2003 in die andere Richtung gesehen." Die Anleger seien mittlerweile mündiger geworden. Das hätten die Börsengänge der letzten Zeit gezeigt. "Der Anleger ist da, wenn das Angebot und der Preis stimmen." Ein Beispiel sei der Börsengang der Postbank im Juni. Dort hatten sich zunächst nicht genügend Interessenten gefunden. Erst als die Post die Preisspanne senkte, verkauften sich die Aktien.
FÜR UND WIDER DES BÖRSENGANGS ABWÄGEN
Auch die Unternehmen würde das Für und Wider eines Börsengangs genauer abwägen, sagte Riess. "Es ist gut, dass die Hürden nicht zu niedrig liegen, dass der Anlegerschutz hoch ist, dass viele Unternehmen mittlerweile auch genau die Frage nach der Kosten-Nutzenrelation eines Börsengangs stellen. Die Messlatte liegt heute höher, aber das ist auch in Ordnung." Mit der geplanten Einführung der neuen Eigenkapitalrahmenanforderungen für Banken und Wertpapierfirmen ("Basel II") von 2006 an müssten sich einige Unternehmen nach Alternativen zum klassischen Bankkredit umsehen.
Obwohl sich in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Gebiet viel in Deutschland getan habe, sei der Zugang zu alternativen Finanzierungsmethoden wie Business Angels, Private Equity oder Venture Capital in anderen Ländern noch einfacher als in Deutschland, sagte Riess. "Es gibt in Deutschland keinen Mangel an guten Ideen, sondern nur einen Mangel daran, diese Ideen zu finanzieren und aus ihnen Unternehmen zu machen."
EIGENKAPITALFORUM 2004
Der Kontaktaufnahme zwischen Kapital und Kreativen habe sich daher das von der KfW Mittelstandsbank und der Deutschen Börse initiierte Eigenkapitalforum verschrieben, sagte Riess. Auf dem Forum treffen sich zwischen dem 22. und 24 November in Frankfurt rund 200 Unternehmen und etwa 250 Investoren. Insgesamt sind rund 2.600 Teilnehmer angemeldet. Unternehmen auf der Suche nach Eigenkapital stellen ihre Geschäftstätigkeit und Produkte vor und geben einen Ausblick über die zu erwartende Geschäftsentwicklung. Außerdem besteht die Gelegenheit, mit Messeständen für ein Investment und weiterführende Kontakte zu werben.
Für das Börsenjahr 2005 gab sich Riess verhalten optimistisch. "Ich denke, wir haben eine Zeit extrem niedriger Volatilität gesehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Kurse wieder nach oben bewegen. Dafür spricht auch vieles." So habe sich die wirtschaftliche Situation aufgehellt und es gebe auch wieder einige interessante Unternehmen, die an die Börse gehen wollen
Private Equity etabliert sich nun auch in Zentral- und Osteuropa
Kapitalbeteiligungen in Zentral- und Osteuropa spielen mittlerweile annähernd die gleiche Rolle wie in Westeuropa - noch keine vollen Investitionszyklen
Sind die Gründerzeiten vorbei?
Private Equity ist in verhältnismässig kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der Kapitalmärkte in Zentral- und Osteuropa geworden. Dies geht aus einem nun veröffentlichten Papier der Arbeitsgruppe Zentral- und Osteuropa (Central and Eastern Europe Task Force) der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) hervor.
Kapitalbeteiligungen in Zentral- und Osteuropa spielen mittlerweile annähernd die gleiche Rolle wie in Westeuropa, obwohl die Private Equity-Branche in Zentral- und Osteuropa erst etwa 15 Jahre alt ist, so die Studie. Schätzungen zu Folge beläuft sich das von der Branche eingeworbene Kapital für die Region innerhalb dieses Zeitraumes auf mehr als 7 Milliarden Euro. Daraus folgend wurden über 900 Investitionen in der Region getätigt und 400 Veräusserungen vollzogen. Schätzungsweise 75 Prozent des Kapitals wurde bislang investiert. Derzeit sind etwa 77 Beteiligungsunternehmen in Zentral- und Osteuropa tätig.
Die Bedingungen für Private Equity entwickeln sich weiterhin positiv. Diese Tendenz zeigt sich an positiven Entwicklungen von Start Up-Unternehmen, zunehmender Kompetenz in den Führungspositionen der Unternehmen, technologischen Entwicklungen und dem wachsenden Selbstbewusstsein der Unternehmen gegenüber internationalen Wettbewerbern.
Refinanzierungen werden zunehmend mit Beteiligungskapital realisiert, was zu einer Zunahme grösserer Transaktionen führt. Unterschiedliche Reformen bei den Pensionsfonds und die Stabilität an den lokalen Börsenmärkten, insbesondere in Warschau, führen zu attraktiven Exit-Möglichkeiten für Private Equity-Gesellschaften. Das Interesse lokaler und ausländischer Käufer, Unternehmen aus Zentral- und Osteuropa zu kaufen, die mit Private Equity finanziert sind, ist deutlich spürbar.
Acht von zehn Ländern, die am 1. Mai 2004 der Europäischen Union beigetreten sind, gehören zu Zentral- und Osteuropa. Inzwischen ist deutlich geworden, dass sich sowohl die Phase vor dem Beitritt als auch die Phase unmittelbar danach positiv auf die Private Equity-Branche der Region ausgewirkt hat. Dennoch befindet sich die Entwicklung von Private Equity in Zentral- und Osteuropa in einem relativ frühen Stadium. Auch wenn die ersten Aktivitäten Anfang 1990 starteten, setzte der Grossteil der Kapitaleinwerbung und der Investitions-Tätigkeiten erst Mitte bis Ende der 90er Jahre ein. Folglich haben viele der Private Equity-Fonds noch keinen vollständigen Zyklus aus Investitionen und Veräusserungen durchlaufen.
Wenn eines in den letzten fünf Jahren in Deutschland gelernt wurde, dann ist es die Tatsache, daß Firmengründer für die wirtschaftliche Entwicklung mehr bedeuten als alle Fördergelder zusammen, die Vater Staat für die Schaffung von Arbeitsplätzen aufbringt.
Zugegeben, das Interesse an diesem Thema ist nach den Zeiten der New Economy stark gesunken. Die Jungunternehmer, aber auch deren Investoren, mußten viele neue Lektionen lernen. Doch wer auf eine starke Geschäftsidee, Kundennutzen und das gewisse Etwas an Kreativität setzt, hat das Zeug zum Erfolg.
'Die Wende zum Besseren scheint geschafft'
Auch wenn es den Anschein hat: Die Gründerzeiten sind nicht vorbei! Im Gegenteil. Zwar sind die Meldungen über die aktuelle Entwicklung widersprüchlich, doch deuten wichtige Indikatoren auf einen Aufwärtstrend bei den Gründeraktivitäten hin. So investieren private Finanziers deutlich mehr Geld in Start-ups, als in den Jahren zuvor. Das meldet der Venture Capital Panel der deutschen Wagnisfinanzierer für das erste Halbjahr 2004. "Die Wende zum Besseren scheint endlich gescafft", kommentieren Experten die aktuelle Entwicklung. Auch aus Business-Angel-Kreisen wird ein spürbarer Aufwind vermeldet. Das sind deutliche Anzeichen für Entspannung beim Gründungshindernis Nummer 1, der Startfinanzierung.
Positive Nachrichten kommen auch vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Danach wurden 2003 mit 507.000 so viele Firmen gegründet, wie seit 1998 nicht mehr. Zum Vergleich: 2002 waren es gerade mal 452.000. Ganz aktuell meldet das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2004, daß die Gewerbeanmeldungen gegenüber dem Vorjahr um 16,3 Prozent auf 467.000 gestiegen sind.
Firmengründungen als Jobmotor sind und bleiben wichtig
Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Grund sind die häufig diskutierten Ich-AGs, auf die ein Großteil der bemerkenswerten Steigerungen zurückzuführen sind, die aber leicht ein falsches Bild der Gründerszene entstehen lassen. Als sogenannte Necessitiy-Gründungen entlasten sie zwar die Arbeitslosenstatistik, doch ob diese Unternehmen tatsächlich langfristig Bestand haben und sogar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können, ist derzeit noch nicht absehbar.
Wie wichtig gerade die Rolle von Firmengründern als Jobmotor ist, zeigt die Feststellung im Global Entrepreneurship Monitor (GEM), dem internationalen Forschungsbericht über unternehmerische Aktivitäten, daß Firmengründungen zwischen 19 und 22 Prozent aller neuen Arbeitsplätze schaffen. Kritisch muß in diesem Zusammenhang die Tatsache stimmen, daß 50 Prozent der Selbstständigen in Deutschland Einzelkämpfer sind - Tendenz steigend.
Eine gute Idee allein reicht nicht
Anders bei den rund 300 Firmen, die im Gründernetzwerks Forum Kiedrich (www.forum-kiedrich.de) zusammengeschlossen sind. Lediglich 21 Prozent der Gründer sind dort ohne Mitarbeiter tätig, 57 Prozent haben nach der letzten Erhebung des Gründerbarometers im Frühjahr 2004 erfreulicherweise sogar vor, in der nächsten Zeit Personal einzustellen. Hierhin zeigt sich mit Blick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, welch wichtige Rolle innovative Geschäftsideen spielen, die eine Zulassungsvoraussetzung zu den Gründermärkten des Forum Kiedrich sind.
Aber auch eine gute Idee reicht allein nicht aus. Während über Charaktereigenschaften von Firmengründern wie Mut, Kreativität, Ausdauer, Risikobereitschaft viel nachgedacht und geschrieben wird, sind die tatsächlichen Hürden oft ganz pragmatischer Natur. So muß das neue Produkt oder die neue Serviceleistung auch überzeugend präsentiert werden, so daß der Kundennutzen unmittelbar ins Auge springt. Gerade daran fehlt es erstaunlicherweise oftmals, wie die nunmehr achtjährigen Erfahrungen des Forum Kiedrich zeigen.
Dieses Manko ist um so gravierender, weil davon der Erfolg einer Geschäftsidee entscheidend abhängt. Eine simple Checkliste kann hier oftmals Wunder wirke und das "Ich-seh-den Wald-vor-lauter-Bäumen-nicht"-Sydrom überwinden. Die Fragen darin sind ganz einfach: Was ist es, was ich anbiete? Wer braucht das Produkt und gibt dafür Geld aus? Auf welchen Wegen erreiche ich die Kunden? Die Antworten sind es offenbar nicht! Immerhin: Firmengründer, die diese Hürde schaffen, sind ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Bleibt zu hoffen, daß das Gros der Gründer tragfähige Antworten gefunden hat und daß der Gründerboom zu einem spürbaren Wirtschaftsaufschwung führt.
Das Finanzierungsklima bessert sich allmählich Silberstreif für Start-ups: Die deutschen Wagnisfinanzierer investieren wieder verstärkt in junge Technologiefirmen. Das Beteiligungsvolumen ist allerdings rückläufig, so die aktuellen Ergebnisse des Venture Capital Panels für das 3. Quartal 2004.
Die Zahl der im 3. Quartal dieses Jahres abgeschlossenen Venture Capital Investments ist gegenüber dem Vorquartal deutlich gestiegen: Wurden im 2. Quartal noch 78 Beteiligungen abgeschlossen, so waren es von Juli bis September 97 - ein Plus von 24 %. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei den so genannten A-Runden aus, also Fällen, in denen Unternehmen erstmalig mit Wagniskapital ausgestattet werden: Gab es im 2. Quartal lediglich 8 solcher Investments, so kletterte ihre Zahl im 3. Quartal auf 16.
"Die Chancen für Newcomer scheinen sich in den vergangenen Monaten verbessert zu haben", kommentiert Götz Hoyer, vom Panel-Initiator Mackewicz & Partner die neuen Zahlen. Das Münchener Beratungsunternehmen ermittelt vierteljährlich mit einer Befragung von 40 führenden Gesellschaften die Stimmungslage der deutschen Wagnisfinanzierer (siehe auch Kasten).
"Die Investitionsbelebung gilt in diesem Quartal allerdings nur für die Zahl der Investments. Das investierte Kapital ging hingegen von 450 Mio. € im 2. Quartal auf nun nur noch knapp über 400 Mio. € zurück", erläutert VC-Experte Hoyer.
Wie im Vorquartal haben von den 40 Panel-Teilnehmern nur 30 in den vergangenen drei Monaten in junge Firmen investiert. Erfreulich: Die KfW dehnt ihre Aktivitäten wieder aus. Gegenüber dem Vorquartal (14 Beteiligungen) wurden dieses Mal 15 Beteiligungen von der bundeseigenen Förderbank begleitet.
Weitere Ergebnisse der aktuellen Panelrunde:
- Das durchschnittlich pro Beteiligung investierte Kapital sank von knapp 6 Mio. € im 2. Quartal auf nunmehr 4,1 Mio. €.
- Wenig erfreulich ist die Entwicklung bei den Exits. In den vergangenen drei Monaten fanden lediglich drei Trade Sales (Beteiligungsverkauf an Industrieunternehmen) statt. Im zweiten Quartal waren es noch 11 Fälle gewesen. Wieder gestiegen ist die Zahl der Abschreibungen. Wurden im 2. Quartal noch 12 Unternehmen aus den Büchern gestrichen, so waren es im aktuellen Beobachtungszeitraum 14 Firmen, die die Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Einen Börsengang meldet der Münchener Wagnisfinanzierer TVM: Mit Idenix Pharmaceuticals gelang einem seiner Portfoliofirmen der Sprung an die New Yorker Nasdaq.
Ein komplettes Portfolio (bestehend aus 15 Beteiligungen) hat T-Venture, Wagnisfinanzierer der Deutschen Telekom, an das Investmenthaus Cipio Partners veräußert. T-Venture will künftig ausschließlich Beteiligungen an Firmen eingehen, die eine direkte Verbindung zu den Konzerneinheiten der Deutschen Telekom aufweisen.
- Mit 14 Investments ist TVM die meisten Beteiligungen eingegangen. Es folgen Siemens Mobile Acceleration mit 8, Polytechnos Venture Partners, 3i Deutschland sowie Heidelberg Innovation mit 6 je Inverstments.
- Die Biotechnologie bleibt Favorit der Investoren. Jedes dritte Investment entfiel auf diese Branche. Noch deutlich höher ist mit zwei Dritteln der Biotech-Anteil am gesamten investierten Kapital. Stark gefragt bei deutschen Wagnisfinanzierern sind außerdem Softwarefirmen und Start-ups aus der Medizintechnik.
- Gut die Hälfte des im 3. Quartal investierten Kapitals war für Firmen bestimmt, die in Deutschland ihren Sitz haben. Das meiste Geld floss nach Berlin (72 Mio. €), gefolgt von Bayern (54 Mio. €) und Nordrhein-Westfalen (31 Mio. €). Wie sehr die deutschen VC-Gesellschaften inzwischen über den nationalen Tellerrand schauen, macht eine andere Zahl deutlich: Mit 144 Mio. € wurde in den vergangenen Monaten mehr als ein Drittel des gesamten Kapitals in US-Unternehmen gepumpt.
Dennoch zieht Götz Hoyer von Mackewicz & Partner ein positives Fazit der aktuellen Befragungsrunde: "Das Anziehen der A-Runden-Investments bestätigt, dass sich der Markt erholt. Ein Wermutstropfen ist jedoch, dass lediglich 6 deutsche Unternehmen in den Genuss einer Erstfinanzierung kamen. Die übrigen 10 Investments erfolgten außerhalb Deutschlands." Hoyers Rat: Kapitalhungrige Gründer sollten sich künftig auch im Ausland nach Investoren umsehen.
Neuer Schwung im Beteiligungsgeschäft Verband stellt höchstes Investitionsvolumen seit 2001 in Aussicht
Der Markt für außerbörsliche Eigenkapitalfinanzierungen (Private Equity) kommt nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) immer mehr in Schwung. Die Investitionen von Beteiligungsgesellschaften in Unternehmen könnten dieses Jahr auf das höchste Niveau seit 2001 steigen. „Wir könnten ein Volumen von drei Milliarden Euro erreichen“, sagte BVK-Geschäftsführer Holger Frommann am Dienstag in Berlin. Die Investitionen im zweiten Quartal von 932 Millionen Euro hätten sowohl das Vorjahresquartal (409,6 Millionen Euro) als auch das erste Quartal 2004 (514,1 Millionen Euro) übertroffen. Im ersten Halbjahr nahmen die Investitionen damit im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Die Gesellschaften verfügten zur Jahresmitte über ein Portfolio (insgesamt investiertes Kapital) von 18,7 Milliarden Euro in mehr als 5500 Unternehmen. Auch die Einbußen beim Risikokapital gingen zurück. „Die Totalverluste haben den niedrigsten Stand seit Anfang 2001 erreicht“, sagte Frommann. Sie fielen im ersten Halbjahr im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum von 41 auf 17,9 Prozent zurück. Von den „Abgängen“ entfielen im zweiten Quartal 316,7 Millionen Euro auf Teil- und Gesamtverkäufe und 51,5 Millionen Euro auf Totalverluste.
Der BVK-Geschäftsführer verwies darauf, dass drei Viertel der Neuinvestitionen auf den Kauf von Anteilen etablierter Unternehmen entfielen. Dagegen seien die Finanzierungen in der Startphase von Unternehmen leicht gesunken. Von den Neuinvestitionen flossen im zweiten Quartal 896 Millionen direkt in Unternehmen und 27,2 Millionen Euro in andere Venture Capital-/ Private Equity-Fonds. Branchenschwerpunkt war im zweiten Quartal 2004 mit 276,8 Millionen Euro (30,9 Prozent) der Bereich „Sonstige Dienstleistungen“; danach folgen die Branchen Medizin, Handel, Kommunikationstechnologie, Maschinenbau und Biotechnologie. Der Markt für Börsengänge von neuen Unternehmen komme langsam wieder in Schwung, berichtete der Verband weiter. Ein Beleg dafür sei das Börsendebüt des Berliner Biotechnologie-Unternehmens Epigenomics. Insgesamt liege der Markt hier aber noch weit hinter Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Es bleibe einiges zu tun, bis Deutschland international wettbewerbsfähig sei, sagte Frommann.
Die Zuflüsse in den Beteiligungsgesellschaften hätten sich infolge rechtlicher Veränderungen erhöht. Als Bespiel nannte der Verband die Besteuerung von Gewinnen von Beteiligungen nach dem Halbeinkünfteverfahren, die somit wie Dividenden-Ausschüttungen behandelt werden. Verbesserungsbedarf bestehe vor allem bei der Handhabung von Verlusten. Der BVK will die im Vermittlungsverfahren Ende 2003 beschlossene Behandlung von Verlustvorträgen bei Verkauf und Wechsel der Stimmrechtsmehrheit und die Einschränkung der Verlustverrechnung bei stillen Beteiligungen wieder zur Diskussion stellen.
Die Gesellschaften warben nach Verbandsangaben im zweiten Quartal neue Mittel von 494,5 Millionen Euro ein; im ersten Quartal waren es 145,2 Millionen Euro und im zweiten Quartal 2003 269,0 Millionen Euro gewesen. Die Branche rechnet nach den Worten Frommanns mit einer Welle von Fonds, die in den nächsten 12 bis 18 Monaten aufgelegt werden.
Standort Deutschland
Unternehmensgründern fehlt es vor allem an Geld
Die Gründung von Industrieunternehmen scheitert vor allem an einem schwierigen Zugang zu Krediten, fehlenden Eigen- und Fördermitteln sowie zu langsam arbeitenden Behörden. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 300 Industriebetrieben hervor.
Rund zwei Drittel der bereits etablierten Unternehmen sehen zudem den Fortbestand ihres Betriebes gefährdet - auf regionaler Ebene durch ein mangelndes Fachkräfteangebot und regionale Standortkosten (Grundsteuern, kommunale Gebühren, Energie- und Wasserkosten), auf Bundesebene durch die Steuerpolitik, das Arbeitsrecht und durch steigende Personalkosten.
Um die Bereitschaft zu Neugründungen am Standort Deutschland nicht zu schwächen, müsse die Politik die Investitionsbedingungen verbessern, fordert der DIHK, unter anderem durch eine moderate Besteuerung von Unternehmensgewinnen. Zudem sollte die Ausbildung von Fachkräften stärker am Bedarf der Wirtschaft orientiert werden. An Schulen, Hochschulen und in der öffentlichen Verwaltung müsse ein größeres Verständnis für unternehmerische Tätigkeit geschaffen werden.
Nischenstrategie und guter Vertrieb
"Mit hochinnovativen Produkten und Verfahren, einer Nischenstrategie und gut organisiertem kundenbezogenen Vertrieb gelingt industriellen Newcomern der Markteintritt", heißt es in der Studie. Das Besetzen einer Marktlücke (48 Prozent), ein guter Vertrieb mit exzellentem Marketing (39 Prozent) und eine neu organisierte Wertschöpfungskette (34 Prozent) sowie ein verbessertes (32 Prozent) oder neues Produkt (26 Prozent) zählten die Existenzgründer zu den wichtigsten unternehmerischen Erfolgsfaktoren. Die Standortwahl richtet sich in erster Linie nach der Verfügbarkeit von Fachkräften (50 Prozent). Eine wichtige Rolle spielen auch das Nachfragepotential in der Region und die Verläßlichkeit der Wirtschaftspolitik (jeweils 26 Prozent). Von Bedeutung ist auch, ob Unternehmensnetzwerke und Finanzierungsmittel vorhanden sind (jeweils 23 Prozent).
Zwei von drei Unternehmensgründungen (66 Prozent) kamen aus einer früheren Angestelltentätigkeit heraus zustande. Gespräche im Bekanntenkreis ermunterten nur 14 Prozent der Jungunternehmer zur Selbständigkeit, ein Übernahmeangebot sieben Prozent und die Tätigkeit an einer Hochschule sechs Prozent. Aus der Arbeitslosigkeit kamen drei Prozent der Existenzgründer. Vier von zehn Befragten nennen ihre langjährige Berufserfahrung als wichtigste Voraussetzung für die Selbständigkeit. Werden als Voraussetzung Ausbildungsabschlüsse genannt, rangieren technisch-naturwissenschaftliche Hochschulabschlüsse (58 Prozent) vor Abschlüssen in Industrie- und Handwerksberufen (21 Prozent) und wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschlüssen (11 Prozent.)
Die Stimmung dreht
Das German Private Equity Barometer zeigt nach wieder oben
Gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Kapitalgesellschaften e.V. (BVK) befragt die KfW die im BVK organisierten Mitglieder quartalsweise über ihre Einschätzungen der aktuellen und der für die jeweils folgenden 6 Monate erwarteten Geschäftslage. Nachdem das viertelährlich erstellte "German Private Equity Barometer" bereits in den vergangenen Quartalen Zuwächse verzeichnete, wurde nun ein neuer Höchststand erreicht.
aktuelle Situation
Die Marktsegmente "Wachstum" und "Early Stage" werden nun deutlich positiv beurteilt und liegen sehr viel näher beieinander als in den Vorquartalen. Dabei ist auffällig, dass die Frühphasenfinanzierer ihre aktuelle Situation erstmalig etwas besser einschätzen als Spätphasenfinanzierer; der leichte Stimmungsrückgang im Wachstumssegment wird im 1. Quartal 2004 sogar durch den enormen Erwartungsanstieg im Bereich der Early Stage Finanzierung überkompensiert. Positiv beeinflusst wird die Stimmung der Early-Stage Finanzierer dabei insbesondere durch eine inzwischen nicht mehr neutrale, sondern positive Einschätzung des konjunkturellen Einflusses. Demgegenüber sehen die Wagniskapitalfinanzierer ihr Geschäft weiterhin durch die konjunkturellen Bedingungen negativ beeinflusst.
Einschätzung der kommenden 6 Monate
Die Prognosen für die kommenden 6 Monate fallen bei den Wagniskapitalgebern dennoch leicht optimistischer aus. Hier steht vor allem eine eine deutliche Verbesserung der Nachfragesituation bei Beteiligungskapital im Vordergrund. Die Frühphasenfinanzierer erwarten demgegenüber zwar keine weitere Nachfrageverbesserung, versprechen sich aber deutlich positivere Impulse von der Entwicklung der Aktienmärkte.
„In Deutschland gibt es kaum Geld“ Fundraising: Wagnisfinanzierer werben um Kapital, die
Geldgeber aber zögern – schlecht für Gründer
Wagnisfinanciers geht es nicht besser als Start-ups. Auch
sie brauchen frisches Kapital. Ihre Reserven reichen nur noch
für Folgeinvestments. Laut aktuellem Venture Capital
Panel von VDI nachrichten und Mackewicz & Partner planen
48 % noch dieses Jahr mit dem Fundraising zu beginnen –
oder stecken bereits mitten drin. Doch die Quellen sprudeln
nicht. Es drohen schwere Zeiten.
Noch ist es still. Von der verzweifelten Suche der Wagnisfinanzierer
nach neuen Geldquellen dringt weniger nach außen. „Die
Branche wartet auf den Startschuss“, glaubt Experte
Detlef Mackewicz. „Wenn der erste VC mit der Nachricht
von einem erfolgreichen Fundraising an die Öffentlichkeit
geht, werden einige Tage danach bestimmt 20 weitere Gesellschaften
mit dem Geldsammeln beginnen.“ Vorausgesetzt, die Erfolgsmeldung
fällt saftig aus. „Es müsste schon ein hoher
zweistelliger Millionenbetrag sein.“
Kommen könnte das Signal von Wellington Partners in München.
„Wir hoffen, noch in diesem Jahr mindestens das erste
Closing unter Dach und Fach zu bringen“, sagt Gründer
Rolf Dienst. „Wir können bereits einige größere
Zusagen vorweisen.“ Das erste Closing ist so was wie
die erste Finanzierungsrunde für einen VC-Fonds. In der
Regel haben die Gesellschaften zu diesem Zeitpunkt 25 % bis
50 % der Gesamtsumme in der Tasche – und hoffen auf
das Engagement weiterer Investoren. Wellington will bis zu
200 Mio. € zusammentragen. Bestimmt ist das Geld für
europäische Start-ups aus Bereichen wie Informationstechnologie,
Applied Materials und Life Science. Diensts Zwischenfazit:
„Früher hat das Fundraising sechs Monate gedauert.
Jetzt brauchen wir 18.“ Der Absturz der New Economy
stecke den institutionellen Investoren – wie Banken,
Versicherungen oder Dachfonds – immer noch in den Knochen.
Bitter für den VC: Besonders einheimische Geldgeber zeigen
sich kniepig. „In Deutschland an Geld zu kommen, ist
fast unmöglich.“ Die Konsequenz: Wellington wird
mindestens 80 % der Summe im Ausland sammeln. „Auch
das ist schwierig. Denn trotz der exzellenten Technologie
hat der Standort ein schlechtes Image.“
Mackewicz mag den schwarzen Peter nicht allein den Investoren
zuschieben. „Die institutionellen Geldgeber sind zwar
vorsichtiger geworden, ein Teil ihrer Mittel ist aber nach
wie vor für VC- und PE-Investments reserviert.“
Vor Überweisungen wollen sie nach Einschätzung des
Beraters allerdings umworben werden. „Doch die VC-Branche
hat es versäumt, ihre Investor Relations aufzubauen.
Viele Gesellschaften haben noch nicht einmal einen Überblick
über mögliche Investoren.“
Hinzu kommt: Venture Capital steckt in Deutschland mitten
in der Pubertät. „Die Investoren wollen einen Track-Record
sehen, doch den können die wenigsten vorweisen.“
Auch Reporting, Controlling und Risk Management – Bereiche,
auf die Investoren ebenfalls ein Auge werfen – ließen
oft zu wünschen übrig. „Das Fundraising wird
sehr langwierig sein und die VCs viel Kraft kosten“,
schätzt Mackewicz. 2004 könne für Kapitalhunrige
Start-ups deshalb ein mageres Jahr werden. Besonders, wenn
sie erstmals VC brauchen.
Nicht jeder Venture Capitalist wird frisches Geld auftreiben
können. Wer die Latte reißt, fliegt raus. Die Folge:
„Kurz- und mittelfristig steht weniger Kapital zur Verfügung.
Aber langfristig wird die Volkswirtschaft von der Konsolidierung
profitieren“, glaubt Matthias Ummenhofer vom Europäischen
Investitionsfonds (EIF). Denn die fortschreitende Marktbereinigung
führe zu einer Professionalisierung. Ummenhofers Job
ist es, den 500 Mio. € starken ERP-EIF Dachfonds zu managen.
Den schickte die Bundesregierung im Februar ins Rennen, um
den deutschen VC-Markt zu beleben. Das Geld, das zu gleichen
Teilen aus dem ERP-Sondervermögen des Bundes und den
Europäischen Investitionsfonds stammt, soll in VCs fließen,
die ihrerseits in deutsche Betriebe investieren. Doch noch
bleibt das Füllhorn geschlossen. Aber: „Bisher
haben wir schon mit drei, vier Teams gesprochen, bei denen
wir uns ein Engagement vorstellen können“, sagt
Ummenhofer. „Eine erste Investition wurde vom EIF Board
schon genehmigt und ein Abschluss ist in Aussicht.“
Die Kehrseite der Medaille: Viele Konzepte, die Ummenhofer
erreichen, wandern schon nach der ersten Durchsicht in den
Papierkorb. „Einige wollen einfach nur absahnen.“
Komplizierter wird die Sache bei neuen Konzepten. Zum Beispiel
bei Fonds von Forschungseinrichtungen. „Prinzipiell
eine gute Idee. Aber die Frage ist, ob diese Fonds groß
genug sind, um sich am Markt positionieren und letztendlich
behaupten zu können.“
Stimmung am Beteiligungsmarkt dreht Anleger erhöhen Investitionen in Private Equity /
Fokus auf Buy-outs
mag. MÜNCHEN, 3. März. Die Stimmung am zuletzt
arg gebeutelten Beteiligungsmarkt dreht sich: Institutionelle
Anleger in Europa planen, wieder mehr Geld als bisher in außerbörsliches
Beteiligungskapital (Private Equity) zu investieren. Dies
hat eine Umfrage der auf Risikokapitalspezialisierten Unternehmensberatung
Mackewicz & Partner bei 198 institutionellen Investoren
in Europa ergeben. Diese wollen den Anteil von Private Equity
an ihren gesamten Kapitalanlagen binnen fünf Jahren im
Durchschnitt von 1,1 auf 3,2 Prozent erhöhen. „In
den nächsten fünf Jahren wird die europäische
Private-Equity-Branche ein kontinuierliches Wachstum erleben“,
heißt es in der Studie.
Die 198 befragten Versicherungen, Pensionskassen, Dachfonds
und Banken, von denen 145 bereits in Private Equity investieren,
erwarten bis 2008 eine jährliche Zunahme der Investitionen
von 10 Prozent. Dadurch würden die Beteiligungsinvestitionen
in Europa von geschätzten 27 Milliarden Euro 2003 auf
mehr als 40 Milliarden Euro jährlich steigen. Nach Ansicht
der Berater tun sich die Beteiligungsgesellschaften schon
in diesem Jahr mit der Einwerbung neuer Mittel deutlich leichter.
2002 und 2003 hatten die Institutionellen ihre Neuzusagen
im Vergleich zu 2000 und 2001 auf 20 Milliarden Euro mehr
als halbiert. Die Berater rechnen hoch, dass Europas Investoren
in den nächsten fünf Jahren 130 Milliarden Euro
zusätzliches Kapital in die globalen Private-Equity-Fonds
stecken werden.
Während sich Banken auch wegen der geplanten neuen Eigenkapitalanforderungen
(Basel II) aus diesem Geschäft zunehmend zurückziehen,
sieht Mackewicz bei europäischen Pensionskassen und Versicherungen
Potential. Diese stehen angesichts dauerhaft niedriger Zinsen
sowie ihrer im Zuge der Baisse deutlich gesenkter Aktienquoten
unter Renditedruck. Zudem ist Private Equity in ihren Portfolios
im Vergleich zum Beispiel zu amerikanischen Pensionsfonds
unterrepräsentiert.
Damit besteht bereits die Gefahr einer neuen „Blase“,
wie Mackewicz-Partner Uwe Fleischhauer einräumt. „Dazu
neigt die Branche leider.“ Eine drastische Übertreibung
wie 1999/2000 im Segment Wagniskapital (Venture Kapital),
als Milliarden in mittlerweile geschlossene Internet- und
Technologiefirmen flossen, sieht Fleischhauer zwar nicht.
Zumal die Investoren nunmehr das Segment Buy-out, die meist
klassischen Branchen, bevorzugten. Doch drohe auch hier ein
Kapitalüberhang, betrachte man die begrenzte Menge attraktiver
Zielunternehmen. Das spräche wiederum dafür, dass
sich auch der Bereich Venture Capital (VC) erholt, den die
Institutionellen im Moment noch stiefmütterlich behandeln.
„Das erinnert an das Verhalten von Lemmingen“,
sagte Mackewicz-Partner Detlef Mackewicz. Zunächst werde
sich die Konsolidierung im VC-Segment aber fortsetzen.
Von Private Equity insgesamt erwarten die Institutionellen
eine Rendite von jährlich 18 Prozent, fast das Doppelte
der historischen Aktienrenditen. Damit soll entgolten werden,
dass das Kapital über viele Jahre in den Portfoliounternehmen
gebunden ist und ähnlich wie bei Aktien das Risiko des
Totalverlustes besteht. Größere Insolvenzen von
Private-Equity-finanzierten Unternehmen wie des Flugzeugbauers
Fairchild Dornier 2002 sowie des Elektrogroßhändler
I-Center 2001 Blieben in Deutschland aber die Ausnahme.
Die Investoren locke das „absolute Renditepotential,
das relativ unabhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte
zu erzielen ist“, sagt Mackewicz. Um das Risiko zu begrenzen,
streben die Investoren den Einstieg in Fonds mit erfahrenem
Management sowie einer über viele Jahre nachvollziehbaren
Erfolgsgeschichte an. So sammelte Permira selbst 2003 in kürzester
Zeit 5,1 Milliarden Euro ein.
Geschäfte der Wagnisfinanzierer laufen so gut wie
lange nicht mehr Handelsblatt-Frühindikator zeigt Besserung der gesamtwirtschaftlichen
Lage
pk/ost FRANKFURT/M. Die Lage auf dem deutschen Beteiligungsmarkt
hat sich im vierten Quartal 2003 deutlich aufgehellt. Außerdem
blicken die Finanzinvestoren , die in den vergangenen Jahren
wesentlich am Umbau der Deutschland AG beteiligt waren, zuversichtlich
in die Zukunft. Das „German Private Equity Barometer„,
das vom Branchenverband BVK und der KfW-Bankengruppe erstellt
wird, lag im vierten Quartal auf dem höchsten Stand seit
Ende 2002. „Endlich wird der Aufschwung nicht mehr nur
herbeigesehnt, sondern wir kön-nen tatsächlich eine
Verbesserung der Lage beobachten“, sagte KfW-Chefvolkswirt
Norbert Irsch.
Das Barometer kletterte im vierten Quartal auf einen Wert
von plus 13, das heißt, die positiven Lageeinschätzungen
der Wag-nisfinanzierer überwogen die negativen um 13
Prozentpunkte. Auf Basis der Prog-nosen für die Geschäftsaussichten
in den nächsten Monaten wird der Geschäftskli-ma-Index
im Sommer dieses Jahres sogar bei plus 55 Punkten erwartet.
Auch die Risikokapitalgeber für junge Technologiefirmen
kommen langsam aus dem Tal. „In den vergangenen beiden
Mo-naten haben wir wieder verstärkt Kaufinte-resse für
unsere Beteiligungen gesehen. Das war zuvor fast ein Jahr
nicht der Fall“, sagt Jörg Überla, Partner
beim Finanzin-vestor Wellington.
Auch die Aussichten für die deutsche Kon-junktur insgesamt
haben sich etwas auf-gehellt. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator
im Februar. Das Barometer, das dem Wirtschaftswachstum etwa
drei Monate vorausläuft, stabilisierte sich im Februar
auf dem höchsten Stand seit Juni 2001. Im ersten Quartal
dürfte das Wirt-schaftswachstum damit etwas höher
aus-fallen als bislang prognostiziert.
Der Indikator signalisiert einen Anstieg von 0,8 % in gleitender
Jahresrate – bislang hatte er nur auf ein Plus von 0,6
% hinge-deutet. „Im zweiten Quartal könnte sich
das Wachstumstempo auf gut ein Prozent erhöhen“,
sagt Ulrich van Suntum, Öko-nomie-Professor an der Universität
Müns-ter, der den Indikator konzipiert hat und ihn monatlich
berechnet.
Mergers & Acquisitions: Viele Unternehmen fuhren
2003 ihre M&A-Aktivitäten zurück und konsolidierten
stattdessen intern 2004: Der M&A-Markt belebt sich
Zwar haben die Kapitalmärkte sich 2003 spürbar
erholt und setzen diesen Trend fort, aber noch sind die M
&A-Aktivitäten verhalten. Was sich im letzten Jahr
auf dem Fusions- markt abgespielt hat, und wie es jetzt weiter
geht, schreibt im folgenden Beitrag Dirk Jungen, Head of M
& A bei der Frankfurter DZ Bank
Noch liegen keine abschließenden M&A-Statistiken
für das Gesamtjahr 2003 vor. Aber die unterjährigen
Zahlen zeigen, dass diese Aktivitäten langsam wieder
zunehmen. Betrachtet man die Halbjahresauswertungen für
2003 hinsichtlich der angekündigten Transaktionen weltweit,
so zeigt sich zwar, dass das kumulierte Gesamtvolumen angekündigter
Transaktionen in Höhe von 647 Mrd. $ gegenüber dem
1.Halbjahr 2002 um rund 11 % niedriger ausgefallen ist. Dem
steht allerdings eine positive unterjährige Entwicklung
in 2003 gegenüber.
So nahm im zweiten Quartal 2003 das weltweite Gesamtvolumen
angekündigter Transaktionen mit 332 Mrd. $ um rund 6
% gegenüber dem ersten Quartal 2003 zu. Hier zeigt sich
die Bedeutung von Großtransaktionen, deren Anzahl im
Vergleich der letzten Jahre stark rückläufig war.
Weniger stark betroffen sind Transaktionen im Small- und Mid-Cap-Segment.
In den letzten Monaten ist jedoch auch ein Anstieg bei größeren
Transaktionsvolumina zu beobachten.
Ungeachtet der in 2002 in Kraft getretenen Steuerreform mit
der Folge von Steuervergünstigungen für die Erträge
aus dem Verkauf von Kapitalbeteiligungen und der positiven
Entwicklung am Kapitalmarkt in 2003 war bis zum ersten Halbjahr
2003 keine Erholung der M&A-Aktivitäten erkennbar.
Es haben lediglich 548 veröffentlichte Transaktionen
mit deutscher Beteiligung stattgefunden, was im Vergleich
zum 1. Halbjahr 2002 einem Rückgang von rund 41% entspricht.
Die publizierten Transaktionsvolumina übertrafen dagegen
mit rund 39,9 Mrd.! leicht das Niveau des Vorjahres (38,2
Mrd. EUR).
Grund hierfür war der Umstand, dass in 2003 erstmals
wieder einige größere Transaktionen realisiert
werden konnten. Mit über 50 % der Fälle wurde, ähnlich
wie im Betrachtungszeitraum des Vorjahres, ein deutsches Unternehmen
durch ein anderes deutsches Unternehmen übernommen. Prominente
Beispiele deutsch-deutscher Großtransaktionen sind der
Erwerb der verbliebenen 40 % Gesellschaftsanteile der Ruhrgas
AG durch die Eon AG, die Übernahme der Degussa AG durch
die RAG AG, der Kauf von Beiersdorf-Anteilen durch die Tchibo
AG sowie die Übernahme der Buderus AG durch die Robert
Bosch GmbH.
Zu den größten internationalen M&A-Transaktionen
mit deutscher Beteiligung gehörten unter anderem die
Übernahme von American Water Works Company Inc. durch
die RWE AG sowie der Erwerb der Wella AG durch Procter &
Gamble. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres
ist der Anteil internationaler Finanzinvestoren bei Großtransaktionen
im ersten Halbjahr 2003 weiter deutlich angestiegen. Hervorzuheben
sind hier die Übernahmen der Premiere Medien GmbH &
Co. KG durch Permira Private Equity Ltd. sowie der Fachverlagssparte
Bertelsmann Springer Science + Business Media GmbH durch Cinven
und Candover.
Der Verlauf des zweiten Halbjahres lässt auf eine Umkehr
des Negativtrends hoffen. Erstmals seit drei Jahren liegt
die Zahl der für das zweite Halbjahr 2003 erwarteten
Transaktionen über der des vorangegangenen Halbjahres.
Bezogen auf das Gesamtjahr 2003 bedeutet dies jedoch weiterhin
einen deutlichen Rückgang der Transaktionen gegenüber
2002.
Analysiert man die M&A-Aktivitäten 2003 nach Branchensegmenten,
so zeigt sich bei weltweiter Betrachtung, dass der Finanzdienstleistungs-
und Versicherungssektor im 1. Halbjahr 2003 mit 22 % den größten
Anteil am weltweiten Volumen angekündigter M&A-Transaktionen
besaß. Ebenfalls intensive M&A-Aktivität, sowohl
nach Volumen als auch nach Anzahl der angekündigten Transaktionen,
haben die Segmente Medien, Informations- und Software-Unternehmen
sowie Papier-, Druck-, Metall- und Maschinenbau aufweisen
können.
Eine separate Analyse der im 1. Halbjahr 2003 in Deutschland
durchgeführten Transaktionen zeigt, dass national die
meisten Transaktionen in den Branchensegmenten Medien, Bau,
Lebensmittel, Finanzen und IT zu verzeichnen waren.
Viele Unternehmen, insbesondere Konzerne, haben 2003 aufgrund
des konjunkturellen Umfelds und sinkender operativer Ergebnisse
ihre M&A-Aktivitäten deutlich zurück gefahren
bzw. ausgesetzt und einen Schwerpunkt auf interne Konsolidierung
gelegt. M&A-Gelegenheiten wurden vielfach lediglich opportunistisch
mit geringer Kaufpreiserwartung wahrgenommen.
Diese Konsolidierungstendenzen sind in vielen Bereichen gut
voran gekommen, so dass bei einer Stabilisierung des konjunkturellen
Umfeldes von deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für
M&A-Aktivitäten, sowohl national als auch international,
ausgegangen werden kann.
Verstärkte M&A-Aktivitäten erwar-ten wir in
diesem Jahr insbesondere in den Branchensegmenten Finanzen,
IT, Lebensmittel, Maschinenbau sowie Transport und Logistik.
Darüber hinaus dürften die erwirkten Änderungen
durch Gesundheitsreformgesetze bzw. die Einführung eines
neuen Abrechnungssystems im Klinikwesen zu einer verstärkten
Konsolidierung in den Segmenten Pharma und Kliniken führen.
Was ist eine risikobereite, innovationsfreudige Gesellschaft,
und wo gibt es sie noch? Jedenfalls nicht oder nicht mehr
in Deutschland, wohl aber im amerikanischen Silicon Valley,
der weltberühmten Hochtechnologieregion zwischen den
Städten San Francisco und San Jose. Dort heißt
Risiko einerseits, dass zwischen den Jahren 1992 und 2000
mehr als 470.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.
Risiko heißt dort aber auch, dass davon mehr als ein
Viertel in nur zwölf Monaten zwischen 2001 auf 2002 wieder
verlorengegangen sind.
In Deutschland wurde der Aufstieg interessiert begleitet,
der Abstieg indes mit größter Schadenfreude kommentiert.
Das deutsche Wort Schadenfreude kennen daher auch die Amerikaner
gut. Für das Gefühl, das den Amerikanern wesensfremd
ist, finden sie selbst kein besseres Wort. Der mit unternehmerischem
Risiko zwangsläufig verbundene Misserfolg wird nicht
als Versagen gewertet, sondern als Erfahrung, aus der man
lernen kann. Das ist den Deutschen schon oft gesagt worden.
Doch ein Bankrott gilt hier immer noch als totale Katastrophe,
die einen Neuanfang, zumal als Unternehmer, nahezu unmöglich
macht. Das verhindert Innovationsfreude.
Risikobereitschaft braucht Risikokapital; folgerichtig will
die SPD den Zugang von Wagniskapital erleichtern. Wie aber
will der Staat das erreichen? Von der etablierten Kultur der
Risikokapitalgeber, wie sie an der Sand Hill Road im kalifornischen
Menlo Park in den vergangenen Jahrzehnten entstand, ist Deutschland
weit entfernt. Die deutschen Banken haben das Risiko angesichts
der faulen Kredite, die sie in ihren Büchern gerade erst
bereinigen mussten, wohl noch nie so sehr gescheut wie heute.
Und der Nährboden, für den die deutschen Wagniskapitalgeber
sorgen müssten, macht seit einiger Zeit ebenfalls einen
recht ausgetrockneten Eindruck. Im Silicon Valley ist das
auch in schlechten Zeiten anders. Dort sind selbst im sehr
mageren Jahr 2002 mehr als fünf Milliarden Dollar investiert
worden, noch mehr Geld war auf der Suche nach vielversprechenden
Anlagemöglichkeiten.
Amerikaner und Zugereiste im Valley sind anders als Deutsche
jederzeit dazu bereit, die Krise als Chance zu nutzen, sich
immer wieder neu zu erfinden. Als die Kultur der Internet-Neugründungen
nach dem Jahr 2000 zu Ende ging, begann das Silicon Valley
deshalb notgedrungen, aber auch mit Schwung, sich neuer Herausforderung
in der Biotechnologie, der drahtlosen Datenkommunikation oder
der Nanotechnologie anzunehmen. Dabei handelt es sich in vielen
Fällen noch um zarte Pflänzchen – immerhin
aber wurde gepflanzt, und zwar von Forschern und Unternehmern
aus vielen Nationen. Das höchste Kompliment von einem
Silicon-Valley-Pionier wie dem Apple-Mitbegründer und
Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs ist der Kommentar: „He
is a smart guy.“ Nur das, was jemand im Kopf hat, zählt.
Eingestellt wird, wer etwas kann, gleichgültig, woher
er kommt. Dabei behindern keine starren Tarifverträge,
vielmehr locken Beteiligungen am künftigen Erfolg des
Unternehmens. Ein Drittel der im Valley tätigen Ingenieure
stammt aus China und Indien; ein Drittel der im Valley lebenden
Menschen ist nicht in Amerika geboren.
Schon immer hat das Valley von seinen Zuwanderern gelebt,
die durchaus wissen, dass sie im sonnigen Kalifornien nicht
zwangsläufig reich werden. Auch wissen sie, dass das
Leben und Wohnen dort sehr teuer ist. Doch sie sind bereit,
diese Belastungen in Kauf zu nehmen, auf Sicherheit zu verzichten,
weil ihnen die Chancen so verlockend erschienen. Den Grundstein
für die Internationalität legen dabei die Universitäten
mit ihrem hohen Anteil ausländischer Studenten. Dass
diese den Weg ins Valley finden, hat nicht allein mit der
Attraktivität der dortigen Universitäten Stanford
oder Berkeley zu tun, sondern auch damit, dass gerade deutsche
Universitäten in der Regel beim Werben um gute Studenten
und wissenschaftliches Personal aus anderen Ländern zu
zurückhaltend sind.
Es ist auch nicht allein die räumliche Nähe von
Wissenschaft und Wirtschaft, die im Valley zur Innovationsfreude
führt. Wäre ausschließlich die in Kilometern
messbare Entfernung von Universitäten zu Unternehmen
entscheidend, müsste Deutschland bei der gegenseitigen
Befruchtung dieser beiden Pole viel erfolgreicher sein. Tatsächlich
spielen hier abermals unterschiedliche Mentalitäten eine
wesentliche Rolle. Deutsche Universitäten stellen sich
zu wenig dem Wettbewerb, werden zu selten unternehmerisch
geführt. Gegenüber Partnern aus der Wirtschaft gibt
es an den deutschen Hochschulen in der Regel noch immer viele
Berührungsängste. Selbstverständlich gilt es,
Unabhängigkeit und Forschungsfreiheit zu bewahren. Doch
würde niemand der Stanford-Universität unterstellen,
diese Werte zu gefährden, nur weil die Hochschule Partnerschaften
dort eingeht, wo sie sie finden kann.
Die deutschen Unternehmen werden ihre Forschungsausgaben
in der Heimat nicht allein deshalb erhöhen, weil dies
die Regierungspartei nun wünscht, sondern nur dann, wenn
sich die Rahmenbedingungen für solche Investitionen erheblich
verbessern. Das setzt zwar durchaus Gesetzte und Verordnungen
voraus, die Innovationen nicht behindern. Doch wird es solche
Gesetze so lange nicht geben, solange der Bewusstseinswandel
in der Bevölkerung ausbleibt – hin zu größerer
Risikotoleranz, zum Bespiel gegenüber der Gentechnik.
Größere Risikofreude brauchen auch die Arbeitnehmer,
die zum Teil lieber in der Heimat arbeitslos bleiben, als
zu einem Job in der Ferne zu ziehen. Ein Bewusstseinswandel
aber ist auch zu fordern von ideenlosen Unternehmern, die
zuerst nach Subventionen rufen, von Banken, die stur nach
Sicherheiten fragen, und von den Wissenschaftlern, die der
Wirtschaft misstrauen.
Finanzinvestoren setzen auf Börsengänge Private-Equity-Branche geht optimistisch in das neue
Jahr - Mittelstand könnte sich stärker für
Beteiligungen öffnen
Die Finanzinvestoren in Europa blicken optimistisch in das
kommende Jahr. "Die Aussichten auf eine konjunkturelle
Aufhellung in 2004 beginnen, sich positiv auf die Private-Equity-Branche
in Europa auszuwirken", meint Jean-Bernard Schmidt, Vorsitzender
des europäischen Branchenverbandes EVCA. Nach einer Erhebung,
die der Verband zusammen mit dem Informationsanbieter Thomson
Venture Economics und der Beratungsgesellschaft PWC durchgeführt
hat, nahmen Investitionen und Mittelaufkommen der Beteiligungsfonds
bereits im dritten Quartal des laufenden Jahres zu. Allerdings
konzentrierte sich die Masse des investierten Beteiligungskapitals
mit fast 78 % weiter auf Buyouts, also den Herauskauf von
Konzernteilen. Bei den Wagnisfinanzierungen für junge
Technologiefirmen ging es ebenfalls aufwärts, aber verhaltener.
Der als "Exit"-Kanal traditionell favorisierte
Börsengang wird für die Finanzinvestoren 2004 wieder
eine größere Rolle spielen. "Wenn die Aktienmärkte
auf einen langfristig aufwärts gerichteten Trend einschwenken,
wird es auch wieder zu einer steigenden Zahl von Neuemissionen
kommen. Für Private Equity eröffnen sich damit zusätzliche
Exit-Möglichkeiten", schätzt Max Burger-Calderon,
Gründungsmitglied und Partner bei der Beteiligungsgesellschaft
Apax.
"Die IPO-Welle wird kommen", glaubt auch Thomas
Krenz, Deutschland-Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft
Permira. Die Börse sei wieder aufnahmebereit, zuerst
vielleicht für High-Tech-Firmen und Unternehmen aus dem
Halbleiter-Umfeld. "Allerdings sollte man den Unternehmenswert
für Börsengänge bei mindestens einer Mrd. EUR
für etablierte Industrieadressen ansetzen, bei Technologiefirmen
könnten auch 500 Mill. EUR ausreichen", meint Krenz.
Die Entflechtung der Deutschland AG unter Mithilfe der Finanzinvestoren
wird sich 2004 sicherlich, wenn auch in abgeschwächter
Form, fortsetzen, heißt es bei Apax. Viele Firmen hätten
sich bereits deutlich konsolidiert, und damit weiche der Druck,
sich von Industriebeteiligungen zu trennen. "Andererseits
werden aus den zwangsläufig weiter anhaltenden Privatisierungsbemühungen
von Bund und Ländern kräftige Impulse für das
Buy-out-Geschäft ausgehen", hofft Burger-Calderon.
Zu den attraktiven Branchen für Finanzinvestoren zählt
Krenz Fachverlage, Regionalzeitungen, Kabelbetreiber, Kfz-Zulieferer
und Einzelhandelsunternehmen. Bei den "Mega-Deals"
mit Kaufpreisen zwischen 500 Mill. bis zwei Mrd. EUR seien
2004 sechs bis zehn Transaktionen in Deutschland vorstellbar.
Auch Daniel Schmitz, Managing Director bei der US-Investmentbank
Goldman Sachs, ist zuversichtlich für die Branche: "Für
2004 erwarten wir, dass sich das durch Private-Equity-Investoren
umgesetzte Transaktionsvolumen weiterhin stabil entwickeln
wird." Allerdings fürchtet Schmitz, dass das Umfeld
für die Aufnahme frischen Kapitals durch Private-Equity-Fonds
auch 2004 schwierig bleibe. Schmitz ist überzeugt: "Nur
die erfolgreichsten Fonds werden überhaupt in der Lage
sein, Investoren zu überzeugen, neues Kapital zu investieren."
Und der Kapitalüberhang der Vergangenheit sei teilweise
schon abgebaut.
Auch das mittlere Marktsegment ist nach Meinungen der Experten
viel versprechend: "Wir erwarten, dass der langfristige
Wachstumstrend anhalten wird - auch weil in Deutschland der
Nachholbedarf an Private-Equity-Investitionen groß ist
und der Eigenkapitalbedarf der Unternehmen weiterhin hoch
sein wird. 2004 werden wiederum Abspaltungen von größeren
Konzernen den Großteil der Transaktionen ausmachen,
sagt Wilken von Hodenberg, der Chef der Deutschen Beteiligungs
AG (DBAG). "Wir rechnen damit, dass es wieder 15 bis
20 Transaktionen im mittleren Marktsegment, also mit einem
Unternehmenswert von 50 bis 250 Mill. , geben wird."
Auf den Durchbruch hoffen viele Finanzinvestoren beim Mittelstand.
Seit Jahren wollte man hier ein Eldorado für die Beteiligungsmanager
herbeireden, doch die Zielgruppe zeigte sich zugeknöpft
gegenüber den angelsächsischen Finanzierungsmethoden.
Die Branche sei gefordert, eine auf die speziellen Bedürfnisse
des Mittelstands ausgerichtete Lösungspalette zu erarbeiten,
heißt es bei Apax. Welche Modelle im Einzelfall gewählt
würden, liege an den jeweiligen Zielen, die von der Finanzierung
der Nachfolgeregelung bis zur Sicherung des Wachstums reichten.
"Apax hat mit dem ReCap-Buyout ein Modell entwickelt,
bei dem der Unternehmer die Anteile der Beteiligungsgesellschaft
bei deren Ausscheiden auch selbst wieder erwerben kann",
sagt Burger-Calderon. "Unter den größeren
Mittelständlern in Deutschland wächst die Bereitschaft,
mit Private-Equity-Investoren zusammenzuarbeiten", hat
DBAG-Chef von Hodenberg beobachtet.
Weiterhin florieren wird laut Dirk Markus, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft
Arques AG, der "Special Situation"-Markt, der sich
unter anderem auf Unternehmen mit hohem Sanierungsbedarf konzentriert.
Diese Spezialfonds profitierten weiterhin von der angespannten
Kapitalsituation vieler Firmen, die sich auch in einem Aufschwung
nur langsam bessere.
Neuer Dynamo über den Vormarsch von Private Equity
Ein deutscher und ein britischer Analyst sitzen im Flugzeug
von München nach London. Sagt der Brite: "Es wäre
gut, wenn die englische Volkswirtschaft eine solche industrielle
Fertigungsbasis wie Deutschland hätte. Bei euch werden
ja noch richtig Autos und Maschinen gebaut. Außerdem
habt ihr einen starken Mittelstand." Darauf entgegnet
der deutsche Analyst: "Unsere Unternehmen haben aber
eine zu schmale Eigenkapitalbasis, wir bekommen deshalb zunehmend
Finanzierungsprobleme. Wir bräuchten eigentlich eine
so vielfältige Finanzierungsdienstleistungsbranche wie
Großbritannien."
"Grass is always greener over there" sagt ein Sprichwort
- irgendwie haben beide Analysten Recht. Großbritannien
ist froh darüber, dass BMW in der Nähe von Oxford
eine Fabrik für den Mini gebaut hat. Und Deutschland
erlebt gerade, was es bedeutet, wenn eine leistungsfähige
Private-Equity-Branche entsteht - ein Bereich mit langer Tradition,
vor allem in den angelsächsischen Ländern.
Hier zu Lande werden die Private-Equity-Gesellschaften manchmal
noch als "Geier-Fonds" kritisch beäugt, die
sich als "Resteverwerter betätigen, wenn den Eigentümern
die Luft ausgeht". Doch so langsam spricht es sich auch
in Deutschland herum, dass die neue Branche von Finanzierern
und Finanzdienstleistern im Zuge der Modernisierung der Deutschland
AG immer wichtiger wird. Die globale Verteilung der Private-Equity-Investitionen
zeigt für das Jahr 2002, dass Nordamerika mit 60 Prozent
immer noch der wichtigste Markt ist. Es folgt - stark aufholend
- mit 15 Prozent der asiatisch-pazifische Raum. Dann erst
kommt Westeuropa, das es ohne Großbritannien nur auf
13 Prozent bringt.
In Deutschland entwickelte sich diese Branche erst seit Mitte
der Neunzigerjahre: 1979 gab es in Deutschland nur bescheidene
Portfolio-Investitionen in Höhe von 180 Millionen Euro.
Erst 1988 wurde die Milliardengrenze überschritten. Nach
dem Boom Ende der Neunzigerjahre ging es im Jahr 2002 wieder
abwärts - auf 16,7 Milliarden Euro. Aber nicht nur aus
zyklischen Gründen sind die Neuinvestitionen in Deutschland
eingebrochen: 2002 gab es in Großbritannien Private-Equity-Neuinvestments
im Umfang von 0,63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
In Frankreich waren es sogar 0,93 Prozent, in Schweden 0,58
Prozent. Während Privat-Equity-Investitionen im EU-Durchschnitt
auf 0,28 Prozent des BIPs kommen, waren es in Deutschland
nur 0,21 Prozent. Das hat vor allem seine Gründe in den
unsicheren steuerlichen Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung
hat sich daher des Themas angenommen und ist gerade dabei,
mit den Länderfinanzministerien endlich Klarheit für
die Investoren zu schaffen. Das gilt insbesondere für
die Abgrenzung zwischen vermögensverwaltenden und gewerblichen
Fonds.
Schon heute macht der Umsatz der deutschen Unternehmen mit
Private-Equity-Finanzierung 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
aus. 1,7 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in diesen
Unternehmen. Erfolgsbeispiele wie die Übernahme der vorher
zur Deutschen Telekom gehörenden Kabel Deutschland GmbH
durch Investoren wie Apax, Goldman Sachs und Providence zeigen,
dass mit frischem Kapital, neuen unternehmerischen Geschäftsmodellen
und einem erstklassigen Management Wachstumsimpulse für
die gesamte Volkswirtschaft gesetzt werden können. Ähnliches
zeigen Allianz Capital Partners und Apax bei den Autobahnraststätten.
Private Equity und Venture Capital wird für Startups
nach der schwierigen Entwicklung des Neuen Marktes, aber auch
für Mittelständler, die dringend Wachstumskapital
brauchen oder vor einem Generationswechsel stehen, immer wichtiger.
Für eine moderne Unternehmensfinanzierung brauchen wir
gerade in Deutschland jetzt nicht nur wieder aktive Banken,
sondern auch unternehmerisch und nachhaltig agierende Private-Equity-Gesellschaften.
Steuersicherheit für Beteiligungsfonds Nach einer dreijährigen Hängepartie sind neue
Fonds wieder möglich
mag. MÜNCHEN, 19- Dezember. Nach fast drei Jahren beendet
das Bundesfinanzministerium die Rechtsunsicherheit bei der
steuerlichen Behandlung von Beteiligungskapitalfonds. Das
Finanzministerium (BMP) hat ein neues Schreiben verabschiedet:
der ursprüngliche Entwurf vom November 2001 hatte in
der Branche scharfe Proteste hervorgerufen.
Nun sei es Beteiligungsgesellschaften wieder möglich,
in Deutschland neue Fonds zur Investition in Unternehmensbeteiligungen
aufzulegen, schreibt der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) in einer Stellungnahme. Die Rechtsunsicherheit habe
in einzelnen Bereichen schon zu Kapitalmangel geführt.
Neue Fonds mit außerbörslichem Beteiligungskapital
(Private Equity) waren in Deutschland seit Anfang 2002 nicht
mehr aufgelegt worden.
Dies beeinträchtigte insbesondere die Finanzierung
junger Gründerunternehmen mit Wagniskapital (Venture
Capital). Die großen europäischen Fonds für
Unternehmensübernahmen (Buy-out) wie Permira. Carlyle
oder Cinven hingegen werden ohnehin in Steuerparadiesen angesiedelt.
Nach dem neuen BMF-Schreiben dürfen die Fonds jetzt
wieder Mehrheitsbeteiligungen eingehen, ohne daß sie
sofort als „gewerblich“ infiziert werden und damit
faktisch einer doppelten Besteuerung unterliegen. Auch die
Wahrnehmung von Gesellschafterrechten in Aufsichtsgremien
seien wieder möglich, ohne daß der Status als „Vermögensverwaltender
Fonds“ entfalle. Dieser Status ist wichtig für
die Investoren, weil damit die Erträge nur bei den Geldgebern,
nicht aber noch zusätzlich auf Fondsebene besteuert werden.
„Damit ist die Auflage von deutschen Private-Equity-Fonds
in Form der Vermögensverwaltenden KG wieder möglich;
das stärkt den Finanzplatz Deutschland", sagte Jeremy
Golding, Geschäftsführer der Dachfondsgesellschaft
Golding Capital Partners.
Obwohl manche Details nicht eindeutig seien, beurteilt der
BVK die „Mehrheit der Kriterien als marktkonform“.
Für die ebenfalls umstrittene Besteuerung der Erfolgsbeteiligung
der Investmentmanager („Carried Interest“) hat
das BMF nun Bestandsschutz und damit faktisch Steuerfreiheit
für die „Altfälle" entschieden: Sofern
die Fonds vor dem 1. April 2002 gegründet und die Beteiligung
vor dem 8. November 2003 eingegangen wurde, müssen die
Investmentmanager auf Erfolgsbeteiligungen größtenteils
gar keine Steuer zahlen. Für Fonds und Beteiligungen
zu einem späteren Zeitpunkt soll Anfang 2004 ein neues,
schärferes Gesetz verabschiedet werden.
Positive Signale am Beteiligungsmarkt Investitionen steigen vor allem in Amerika / Noch schwacher
Kapitalzufluß
mag. MÜNCHEN. 11. Dezember. Auf dem weltweiten Markt
für Beteiligungskapital (Private Equity) zeichnet sich
zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder Wachstum ab. Zu diesem
Ergebnis kommen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price
Waterhouse Coopers (PWC) und die britische Beteiligungsgesellschaft
3i plc. in einer gemeinsamen Erhebung. Im ersten Halbjahr
2003 wurden weltweit 57 Milliarden Dollar in Beteiligungen
an nicht börsennotierten Unternehmen investiert. Dies
übertrifft den entsprechenden Vorjahreswert um 11 Prozent.
Von den in den Euphoriejahren 1999 und 2000 erreichten Niveaus
bleibt die Branche allerdings weit entfernt. Zudem findet
der Aufschwung bisher vor allem in den Vereinigten Staaten
statt, wo sich die Investitionen im ersten Halbjahr 2003 auf
41,5 (Vorjahreszeitraum 22) Milliarden Dollar fast verdoppelten.
In Westeuropa sank das Volumen im Halbjahr leicht auf 8,1
(8,9) Milliarden Dollar, stieg aber zumindest im dritten Quartal
nach Angaben des europäischen Beteiligungsverbands EVCA
deutlich an.
In Nordamerika, aber auch in Europa wird der Markt weiterhin
durch die Buy-outs, Übernahmen etablierter Unternehmen
von Finanzinvestoren wie Kohlberg Kravis Roberts, Blackstone,
Carlyle oder Permira, getragen. Diese Transaktionen machten
im ersten Halbjahr fast drei Viertel des weltweiten Investitionsvolumens
aus; im Jahr 2000 waren es nur 28 Prozent, Allerdings gebe
es erste Signale für ein Anziehen der Investitionen in
junge Technologieunternehmen (Venture Capital, VC), meint
Theo Weber, VC-Experte von PWC. Im ersten Halbjahr sind zwar
weltweit nochmals weniger Mittel in junge Wachstumsunternehmen
investiert worden: knapp 10 Milliarden Euro, davon lediglich
3 Milliarden Euro in Gründungs- und frühe Unternehmensphasen.
Im dritten Quartal zeigt aber in Europa die Statistik wieder
nach oben: Die EVCA berichtet einen Anstieg um rund 25 Prozent
auf 1,7 Milliarden Euro.
In den Vereinigten Staaten, wo der Einbruch der Technologieinvestitionen
deutlich geringer ausfiel als auf dem alten Kontinent, ist
dieses Beteiligungssegment seit einem Jahr mit Investitionen
von rund 4 Milliarden Euro im Quartal stabil. Vor allem Biotechnologieunternehmen
warben am mit Abstand größten Beteiligungsmarkt
der Welt, wo mehr als 60 Prozent aller Beteiligungsinvestitionen
stattfinden, zuletzt erfolgreich Risikokapital ein: Im dritten
Quartal setzte sich diese Branche in Amerika erstmals an die
Spitze der Investitionen und überholte damit die Software-Branche.
In Deutschland - im vergangenen Jahr nach der PWC/3i-Erhebung
mit Beteiligungsinvestitionen von 2,4 Milliarden Dollar international
vom dritten auf den sechsten Rang abgerutscht - sehen die
Experten in der Technologiebranche nach dem außerordentlich
schwachen Jahr 2002 leichte Erholungstendenzen. Die Wagniskapitalinvestitionen
nahmen im dritten Quartal gegen über dem zweiten nochmals
leicht zu, wie die Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) zeigen. Hoffnung schöpft die Branche ferner daraus,
daß wieder verstärkt Neuinvestitionen getätigt
werden, während im vergangenen Jahr vor allem die schon
bestehenden Portfolios alimentiert wurden. „Wir meinen
konkrete Anlässe dafür zu sehen, daß es mit
der VC-Branche wieder langsam bergauf geht", kommentiert
die auf VC spezialisierte Unternehmensberatung Mackewicz &
Partner.
Sehr schwer tut sich die Branche weiter mit dem Einsammeln
neuer Mittel. In den Vereinigten Staaten gingen die Mittelzuflüsse
im ersten Halbjahr 2003 nochmals um ein Drittel auf 14 (18,6)
Milliarden Dollar zurück; dies entspricht nur einem Drittel
des Betrags, der neu investiert wurde. Damit lebt die Branche
von den Geldern, die sie in den Euphorie-Jahren 1999,2000
und auch 2001 noch eingesammelt hat. In Europa ist diese Lücke
kleiner. Hier schrumpften die Mittelzuflüsse aber ebenfalls,
um 22 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar.
HB DÜSSELDORF. In den deutschsprachigen Markt für
private Kapitalbeteiligungen kommt Bewegung. Dies zeigen die
aktuellen Ergebnisse der von Deloitte & Touche vierteljährlich
durchgeführten Umfrage unter Managern der Venture Capital
und Private Equity Branche. „Nach vielen schwierigen
Jahren glaubt die Branche wieder an bessere Zeiten“,
fasst Karsten Hollasch, Director in der Global Transaction
Services Group bei Deloitte & Touche in Düsseldorf
Ergebnisse der Studie zusammen.
Übereinstimmend positiv bewerten Manager beider Branchen
die zukünftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Nach
lange vorherrschender Skepsis erwartet nun ein Großteil
der Manager eine Erholung in den kommenden sechs Monaten.
Allerdings bekommen insbesondere die Frühphasenfinanzierer
die prekäre Lage der öffentlichen Haushalte zu spüren.
Ebenfalls auffällig sei die Zurückhaltung der Investoren
bei Start-up-Unternehmen. Hier bevorzuge der Markt derzeit
eher die weniger risikoreiche Expansionsfinanzierung, so ein
Ergebnis der Studie.
Die erwartetet Belebung der Konjunktur wird allerdings den
Wettbewerb um lukrative Investitionsobjekte schon bald massiv
verschärfen, so Karsten Hollasch. Offensichtlich, erläutert
Hollasch, sehen die Investoren durchaus interessante Kandidaten
auch und gerade im Mittelstand, der frisches Kapital seinerseits
sehr gut gebrauchen kann.
Erste Anzeichen für eine Erholung im Bankensektor sind
zwar zu sehen. Die Kreditvergabe wird hiervon allerdings noch
nicht positiv beeinflusst: Neun von zehn der befragten Investoren
erwarten, dass die Banken Fremdkapital für Unternehmenstransaktionen
ähnlich zögerlich oder sogar noch restriktiver vergeben
als in der Vergangenheit.
Venture Capital Panel: Das Marktbarometer für das
3. Quartal 2003 - Neue Hoffnung für Gründer
Die deutsche Venture Capital Branche scheint sich langsam
zu erholen“, so kommentiert Detlef Mackewicz die aktuellen
Zahlen des Venture Capital Panels für das 3. Quartal
2003. Der Initiator des Panels und Gründer der gleichnamigen
Unternehmensberatung verweist vor allem darauf, dass die Zahl
der Erst-Investments wieder zunimmt: In den vergangenen drei
Monaten erhielten 21 junge Hightech-Firmen erstmals eine Wachstumsspritze,
im 2. Quartal waren es nur 19 gewesen. Noch immer machen jedoch
Zweit- und Drittrundenfinanzierungen das Gros der neuen Deals
aus. Insgesamt melden die 44 am Panel beteiligten VC-Gesellschaften
90 Deals für das 3. Quartal.
Leicht zurückgegangen ist das gesamte Beteiligungsvolumen.
Es sank von 360 Mio. € im 2. Quartal dieses Jahres auf
rund 317 Mio. €. Rund 106 Mio. € davon stammen von
den Panelteilnehmern selbst. Die VC-Gesellschaften konnten
also ziemlich genau zwei Drittel des insgesamt an Portfoliounternehmen
ausgebenen Kapitals bei anderen Investoren locker machen.
An rund 60 % aller Finanzierungsrunden waren zwei oder mehr
Gesellschaften beteiligt. Auffällig: Rund ein Viertel
der Panelteilnehmer hat in den vergangenen drei Monaten gar
nicht investiert, ein weiteres Viertel nur Beträge von
unter 1 Mio. €. Weitere wichtige Ergebnisse des Panels:
– Das durchschnittliche Volumen je Beteiligung belief
sich auf 3,5 Mio. € (gegenüber 3,7 Mio. € im
Vorquartal).
– Öffentliche Investoren, wie die Technologiebeteiligungs-Gesellschaft
(tbg) oder die KfW, haben sich erneut stark zurückgehalten.
Sie engagierten sich mit 0,7 Mio. € bzw. 6,4 Mio. €.
– Zu den aktivsten Investoren des Panels gehörten
im 3. Quartal TVM mit elf Investments, Earlybird mit acht
sowie Polytechnos und Wellington mit je sechs Beteiligungen.
Gemessen am Investitionsvolumen ergibt sich jedoch eine andere
Reihenfolge: Hier liegen zwar auch TVM und Earlybird vorne,
gefolgt allerdings von Atila Ventures, AdAstra Ventures und
Global Life Science Ventures.
– Wie bereits im letzten Quartal war das meiste Kapital
auch diesmal wieder für Unternehmen der Biotechnologie
(32 %) bestimmt, gefolgt von Software (21 %), Internet-Services
(9,5 %) und Elektrotechnik/Elektronik (9 %).
– Der Trend zu Auslands-Investments hält an. In
den vergangenen drei Monaten entfiel auf sie mehr als ein
Drittel aller Deals: 21 % auf Beteiligungen innerhalb Europas,
14 auf US-Hightechs.
– Die Panel-Teilnehmer haben im 3. Quartal 46 Exits
realisiert, wobei gut die Hälfte auf Abschreibungen entfällt.
In sechs Fällen konnten Portfoliounternehmen an Industrieunternehmen
veräußert werden, sieben Mal wurden Aktien verkauft,
die noch aus früheren IPOs in den Bilanzen schlummerten.
Wie geht es weiter auf dem deutschen Markt? Steigen die Finanzierungschancen
von Hightech-Gründern? Die Beteiligungsmanager schauen
derzeit erwartungsvoll Richtung Berlin: Fast 90 % der Panelteilnehmer
fordern, dass der Bund seine Aktivitäten verstärkt.
Rund 60 % messen staatlichem Engagement nämlich „hohe
Bedeutung“ für die Belebung des Marktes bei.
Die Entscheidung des Bundestages, über einen Dachfonds
in den kommenden fünf Jahren 500 Mio. € vor allem
in First Time Funds zu investieren, wird deshalb ganz überwiegend
(75%) begrüßt. Wie in den VDI nachrichten berichtet,
wird der neue Dachfonds vom europäischen Investitionsfonds
(EIF) in Luxemburg verwaltet. Das Management dort führt
bereits erste Gespräche mit interessierten Fonds (siehe
VDI nachrichten 40/2003).
Von einer akuten Liquiditätsschwäche kann auf dem
deutschen Wagniskapitalmarkt allerdings keine Rede sein. Die
44 beteiligten VC-Gesellschaften, die mit fast 2 Mrd. €
in 780 Unternehmen engagiert sind, verfügen immer noch
über erhebliche finanzielle Reserven. Weit über
3 Mrd. € stehen für Early Stage Investments zur
Verfügung. Allerdings, so Götz Hoyer von Mackewicz
& Partner, dürfe man diese Zahl auch nicht überbewerten.
„Gesellschaften, die derzeit bei Banken, Versicherungen
oder Dachfonds neues Geld einsammeln, tun sich dabei sehr
schwer. Das wirkt zurück auf das Investitionsverhalten.“
Will sagen: Viele Investoren sitzen auf ihrem Geld, weil der
Verkauf von Beteiligungen in den Sternen steht und frisches
Kapital (noch) nicht in Sicht ist.
"Gefühle tun weh - Wer Wagniskapital investiert,
darf nicht emotional handeln"
Entgegen allen Erkenntnissen wird Wagniskapital (Venture-Capital)
immer wieder prozyklisch investiert. Einerseits folgen die
Investments der Venture-Fonds dem sogenannten Schweinezyklus:
Eine Unterversorgung führt zu steigenden Preisen. Mit
Zeitverzögerung wird die Produktion erhöht, woraufhin
die Preise sinken und die Produktion wieder zurückgefahren
wird. Diesem Schema entsprechend, verhielt sich die Wagniskapitalbranche
schon in den achtziger Jahren. Sie investierte noch in den
Markt für Festplattenlaufwerke, als sich schon Überkapazitäten
abzeichneten und ein starker Wettbewerb um Marktanteile mit
verheerendem Preiskampf einsetzte. Derartige Überversorgung
von Märkten mit Wagniskapital wiederholt sich immer wieder:
von den Bandbreiten im Telekom-Bereich bis zur Gründerwelle
infolge der Entschlüsselung des Genoms.
Die Finanzmärkte unterliegen darüber hinaus stärker
als andere dem „emotionalen Zyklus“: die Bereitschaft,
in gute Geschäftsaussichten zu investieren, steigert
sich bis zum Überschwang (Emotional Exuberance). Die
Überbewertung der Technologiefinanzmärkte im Jahr
2000 ist ein Beispiel dafür. Fällt der Verkauf der
Portfoliounternehmen in die Zeit des emotionalen Überschwangs,
werden überdurchschnittliche Renditen erzielt. Dies war
der Fall bei den meisten Börsengängen am Neuen Markt.
Dem Überschwang folgte Ernüchterung. Der spätere
Verkauf von Beteiligungen, die in der Boomphase des Schweinezyklus
eingegangen worden waren, brachte Verluste.
Der Investor steckt folglich in der Zyklusfalle: Indem er
auf den Marktzyklus setzt und auf den emotionalen Zyklus hofft,
verliert er den Blick für die tatsächliche Qualität
der Beteiligungen. Welche Kriterien gelten zur Beurteilung
der Portfolioqualität? Ein Venture-Capital-Unternehmen
muß mit beiden Arten von Zyklen umgehen können.
Die Erfahrung zeigt, daß sich die emotionalen Zyklen
der Finanzmärkte kaum vorhersehen und noch weniger beherrschen
lassen. Ein Portfoliomanager muß daher weitgehend Unabhängigkeit
von den emotionalen Schwankungen erreichen. Voraussetzung
dafür ist ein Portfoliomanagement, das auf Wertsteigerung
ausgerichtet ist.
Zunächst kommt es darauf an, neue Investitionsfelder
zu identifizieren, die am Anfang des „Schweinezyklus“
stehen, wenn das Marktpotential hoch und der Wettbewerb schwach
sind. Die Entwicklungsaussichten junger Unternehmen, die gerade
erst entstehen, realistisch abzuschätzen ist eine anspruchsvolle
Aufgabe. Branchenspezialisten mit Erfahrung und Detailkenntnissen
müssen beispielsweise untersuchen, ob der Markt eine
für ein profitables Geschäft angemessene Größe
erreichen wird. Läßt es der Wettbewerb zu, daß
das Beteiligungsunternehmen seinen angestrebten Marktanteil
erreichen kann?
Vor allem für Technologiebranchen genügt es nicht,
nur regionale Märkte auf Chancen und Risiken zu untersuchen.
Die Analyse muß global angelegt sein. So hat es sich
als Irrglaube herausgestellt, daß die europäische
Softwarebranche nicht im globalen Wettbewerb stünde.
Ein Beispiel dafür ist das Earlybird Portfoliounternehmen
Esmertec, welches Java-Technologie für Mobiltelefone
herstellt. In der Schweiz gegründet, steht es im Wettbewerb
mit Firmen aus den Vereinigten Staaten und Asien und hat inzwischen
Kunden in allen wesentlichen Märkten.
Systematisch kann ein Venture-Capitalist nur dann nachhaltig
bessere und antizyklische Renditen erzeugen als andere Anlageformen,
wenn es gelingt, den Wert des Beteiligungsportfolios nachhaltig
zu steigern. Nur so läßt sich Unabhängigkeit
von den emotionalen Schwankungen der Finanzmärkte erreichen.
Wagniskapital ist eine langfristige Investition. Die Beteiligungsunternehmen
brauchen drei bis sechs Jahre, um überhaupt eine ausreichende
Größe für den Wettbewerb zu erreichen. Gerade
junge, wachstumsstarke Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten,
ihr Geschäftssystem und ihre Strategie den sich wandelnden
Marktanforderungen anzupassen. In dieser Phase ist das Risiko
groß, Kapital zu verbrennen. Daher sollte der Portfoliomanager
durch Mitarbeit im Aufsichtsrat die Beteiligungsunternehmen
in operativen und strategischen Fragen unterstützen.
Dies setzt voraus, daß der Portfoliomanager über
weitreichende Erfahrung im Aufbau von Unternehmen verfügt.
Möglichst war er zuvor selbst Unternehmer oder verfügt
über lange Erfahrung im Management von Beteiligungen.
Wenn es der Portfoliomanager schafft, ein Beteiligungsunternehmen
nachhaltig wettbewerbsfähig und profitabel zu machen,
kann er den Zeitpunkt des Verkaufs selbst bestimmen, da keine
weitere Finanzierung notwendig ist. Google zum Beispiel wird
seit Monaten als Börsenkandidat gehandelt. Das Venture-Capital-Unternehmen
Kleiner Perkins kann aber bei der Profitabilität seiner
Beteiligung eine bessere Verfassung der Aktienmärkte
abwarten: Google soll inzwischen fast eine Milliarde US-Dollar
Umsatz machen, obwohl es in der Zeit des Internet-Booms gegründet
wurde.
Fazit: Ein Investor in Venture-Capital sollte seine Prioritäten
überdenken. Investoren investieren in Venture-Capital
selbst extrem prozyklisch. Statt des Abschätzens von
Marktzyklen sollten die folgenden Faktoren in den Vordergrund
treten: die Zusammensetzung der Beteiligungsportfolios und
die Kompetenz der Portfoliomanager. Sie müssen in der
Lage sein, aussichtsreiche Geschäfte am Anfang des „Schweinezyklus“
sicher zu identifizieren und deren Wert durch aktive Betreuung
nachhaltig zu steigern, so daß Unabhängigkeit von
den emotionalen Schwankungen der Finanzmärkte erreicht
wird.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.09.2003
Nach langer Durststrecke kommt der Markt für Börsengänge
nach Ansicht von Investmentbankern im nächsten Jahr wieder
in Schwung. Zehn Börsengänge hält Hans Jörg
Schüttler, geschäftsführender Direktor von
Morgan Stanley in Frankfurt, 2004 für möglich. Er
traut dem Markt ein Emissionsvolumen von 10 Mrd. bis 15 Mrd.
Euro zu. Dieses Volumen resultiert allerdings nicht allein
aus Börsengängen (Initial Public Offering, IPO);
darin enthalten sind auch Kapitalerhöhungen oder Privatisierungen.
Kandidaten kommen seiner Ansicht nach aus den Branchen Finanzdienstleister,
Pharma, Technologie, Automobil und Biotech.
Andere Fachleute pflichten bei: "Das Emissionsklima
wird besser, vor allem der Dax hat mit seiner Entwicklung
im vergangenen halben Jahr hier sehr viel dafür getan",
sagt Stefan Sessler von der ING BHF Bank. Bereits seit dem
Frühsommer berichten Investmentbanker, dass Firmen wieder
bei den Banken nach Kapitalmaßnahmen nachfragen.
Tatsächlich hat die Entwicklung des deutschen Leitindexes
mit über 60 % in der Spitze dazu beigetragen, dass in
den zuletzt völlig leblosen IPO-Markt wieder Phantasie
gekommen ist. Im laufenden Jahr ist allerdings kaum mehr mit
einer spürbaren Belebung zu rechnen. Bestenfalls einige
wenige Kleinst-Emissionen könne es noch geben, vergleichbar
mit der von Erotic Media im vergangenen November, schätzen
Experten. Der Mini-Börsengang mit einem Volumen von lediglich
3 Mill. Euro war der bisher letzte am deutschen Aktienmarkt.
. Bei den Großbanken selbst stoßen solche Emissionen
jedoch wegen des geringen Volumens auf Desinteresse.
Realistischer ist hingegen, dass es im laufenden Jahr gar
keinen Börsengang gibt. Damit würden die Investmentbanker
hier zu Lande eine Situation erleben, wie es sie nach dem
zweiten Weltkrieg nur in den Jahren 1950, 1963 und 1968 gab.
Die Talfahrt der letzten drei Jahre würde so ihren unrühmlichen
Tiefpunkt erreichen. Bereits im vergangenen Jahr war das Emissionsvolumen
gegenüber 2001 um 90 % auf für die Branche kaum
erwähnenswerte 226 Mill. Euro gesunken.
Fundamentale Unterstützung erhalten die Investmentbanker
durch eine Umfrage der PR-Agentur Golin Harris. Die befragte
80 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz,
die in der Vergangenheit als IPO-Kandidaten galten, nach ihren
künftigen Plänen. 33 Unternehmen antworteten, zehn
wollten keine detaillierten Angaben machen. Dennoch ergibt
sich ein relativ eindeutiges Bild: Rund ein Sechstel will
bereits 2004 an die Börse gehen, der Rest plant ein IPO
für die Jahre 2005/2006.
Hinter diesen Zahlen zeigt sich auch ein grundsätzliches
Problem: Wer den Anfang macht, kann sich zwar eines hohen
Medieninteresses gewiss sein; das Unternehmen muss jedoch
auch bereit sein, einen Preisabschlag hinzunehmen. "Viele
Unternehmen stehen in den Startlöchern, wollen aber nicht
den Eisbrecher spielen", sagt Jürgen Parr von Golin
Harris. Vor diesem Hintergrund rechnen Investmentbanker auch
anfangs eher mit einem sensiblen Abtasten des Markts durch
kleinere und mittlere Emissionen.
Das Anforderungsprofil für die Kandidaten ist indes
klar vorgegeben: Da Investoren künftig nicht mehr bei
Unternehmen einsteigen werden, die sie nicht kennen und die
sie nicht über einen gewissen Zeitraum intensiv beobachten
konnten, dürften es Startups schwer haben. Gefragt sind
vor allem bekannte Namen. "Zukünftig müssen
die Unternehmen die Investoren viel früher in den Emissionsprozess
einbinden, damit ein IPO erfolgreich verläuft",
fordert Sessler.
Bis es allerdings wieder zu Emissionen kommt, wie sie London
mit dem IPO von Yell (Volumen: 1,63 Mrd. Euro) und Tokio mit
Seiko Epson (810 Mill. Euro) und NEC Electronics Corp. (1,02
Mrd. Euro) erlebt haben, kann es allerdings noch dauern. Emissionen
vom Schlage einer Deutschen Bahn, Bertelsmann oder T-Mobile,
die stets genannt werden, sind nach Expertenmeinung frühestens
2005 zu erwarten.
So unklar der Termin ist, so klar ist hingegen für 92
% der von Golin Harris befragten Unternehmen, wo sie sich
listen lassen: An der Deutschen Börse in Frankfurt. "Das
negative Image des eingestellten Neuen Markts hat dem Börsenplatz
Frankfurt offensichtlich keinen nachhaltigen Schaden zugefügt",
sagt Parr.
Steuern irrelevant für Kaufentscheidungen / M-&-A-Studie
Statt über den klassischen Bankkredit oder die Börse
werden in Zukunft mehr Unternehmensübernahmen durch Beteiligungskapital
(Private Equity) finanziert. Das ist eines der Hauptergebnisse
der Studie "Zerschlagung der Deutschland AG? Das große
Ein- und Ausatmen der Dax-100- und anderer Konzerne".
Im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte
& Touche, der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler
und des Private-Equity-Investors 3i hat das Magazin Finance
(F.A.Z.-Institut) die Verantwortlichen für Übernahmen
und Fusionen in 28 deutschen Großunternehmen befragt,
darunter in 17 Gesellschaften aus dem Dax 30.
Zwar gebe es immer noch Vorbehalte gegen Finanzinvestoren,
denen immer noch ein Räuberimage (Raider) anhänge.
Vor allem Mitarbeiter reagierten bei der Ankündigung,
von einem Finanzinvestor übernommen zu werden, daher
auch weiterhin eher ablehnend. Daß drei Viertel der
befragten Manager dennoch der Ansicht sind, daß Private
Equity an Bedeutung gewinnt, liege denn auch nicht so sehr
an dessen inzwischen besserem Image oder seiner zunehmenden
Akzeptanz als besserem Geschäftsmodell. "Die desolate
Situation bei den Banken selbst, Basel II und die Folgen für
das Kreditrating sowie die sinkende Finanzierungsbereitschaft
von Transaktionen seitens der Banken sprechen nach Ansicht
der Befragten für eine Zunahme von Private Equity",
schreiben die Autoren. Derzeit profitierten die Private-Equity-Geber
auch noch von der Konjunktur. In konjunkturell schlechten
Zeiten halten sich strategische Investoren, in deren industrielles
Konzept die Übernahme passen würde, mit Unternehmenskäufen
zurück.
Dann springen Finanzinvestoren ein. Das wird als Vorteil
empfunden. Der Nachteil aber ist: Finanzinvestoren zahlen
nicht so viel für ein Unternehmen, weil sie ausschließlich
renditeorientiert kaufen. Das werde ihren Einfluß auch
bei anziehender Konjunktur begrenzen, glauben einige der Befragten.
Mit besser werdender Konjunktur hoffen viele der befragten
Unternehmen, ihre Desinvestitionsstrategien forciert umsetzen
zu können. Während der Kaufwunsch bei den Unternehmen
in den kommenden Jahren auf dem gegenwärtigen Niveau
bleiben wird, haben die Desinvestoren mehrheitlich bekundet,
ihre Tätigkeit verstärken zu wollen. Dabei dominiere
das Thema Kerngeschäftsfeld nach wie vor ganz eindeutig
die M&A-Abteilungen, heißt es. M&A ist in keinem
Fall ein selbständiges Unternehmensziel, sondern immer
nur eine Maßnahme zur Erreichung anderer Unternehmensziele.
Daher haben sich auch die Erwartungen in das Gesetz zur Steuerbefreiung
von Veräußerungsgewinnen für Kapitalgesellschaften
nicht erfüllt. "Alle Befragten sagen, dieses Gesetz
habe keinen Einfluß auf die M&A-Strategie",
heißt es in der Studie. "Steuerregelungen spielen
keine Rolle bei Strategieentscheidungen, Transaktionen werden
ohnehin immer steuerlich optimiert. Und da sich die befragten
Unternehmen als global player verstehen, findet diese steuerliche
Optimierung auf internationaler Ebene statt." "Steuern",
so wird ein Befragter zitiert, "waren für unser
Haus im Bereich M & A bislang weder ein Problem noch ein
Motiv." 64 Prozent der Unternehmen verfolgen beim Kauf
das Ziel, neue Märkte zu erobern. Für 52 Prozent
sind technische Neuerungen die Treiber des M&A-Geschehens.
Überlagert werden diese Ziele jedoch von der Konjunktur.
"Die wirtschaftliche Lage beziehungsweise die Erwartungen
in die künftige Entwicklung entscheiden über zwei
wesentliche Faktoren im M&A-Geschehen: über das Potential
an vorhandenen Käufern und Verkäufern und über
den Kaufpreis, der maßgeblich von der Unternehmensbewertung
und somit von den Zukunftsaussichten des Geschäfts bestimmt
wird."
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.08.2003
Kurserholung lässt Private-Equity-Verkäufe
anziehen
New York - Beteiligungsverkäufe boomen: Nach drei Jahren
Talfahrt an den Börsen nutzen Risikokapitalgesellschaften
wie Carlyle Group, Kohlberg Kravis Roberts und Blackstone
Group die anziehenden Aktienkurse, um Beteiligungen zu verkaufen.
Sie realisieren ihre Gewinne über Neuemissionen, Umwandlung
von Fremdkapital in Eigenkapital und Verkäufe. Insgesamt
32 Verkäufe gingen im zweiten Quartal über die Bühne,
die größte Anzahl seit mindestens zwei Jahren,
berichtet Merrill Lynch. “Zum ersten Mal seit geraumer
Zeit beobachten wir Neuemissionen an den Börsen“,
erzählt Anthony DiNovi, geschäftsführender
Direktor bei Thomas Lee in Boston. "Das wird sich fortsetzen.“
Die Private-Equity-Gesellschaften versuchen, die längste
Verluststrähne seit mindestens zwei Jahrzehnten zu stoppen,
erklärt Thomson Venture Economic. In der Regel verkaufen
Buyout-Gesellschaften ihre Beteiligungen nach drei bis fünf
Jahren, um die Investoren auszuzahlen und neue Fonds aufzulegen.
In den USA wagten insgesamt 30 Börsenneulinge im Juni
und Juli den Sprung aufs Parkett. Das ist dreimal soviel wie
in den ersten fünf Monaten des Jahres. Bei Forstmann
Little gab es letzte Woche den ersten Börsengang seit
drei Jahren. Für 418 Mio. Dollar brachten sie den Radiokanal
Citadel Broadcasting an die Börse. Damit verdoppelte
sich die Barposition der Gesellschaft auf eine Mrd. Dollar.
Kohlberg Kravis beantragte diese Woche, zwei Fünftel
des Anteils an dem Elektronikkomponentenhersteller Amphenol
für über 450 Mio. Dollar an die Börse zu bringen.
Innerhalb von sechs Jahren hat die Risikokapitalgesellschaft
damit ihr Investment verdreifacht. Carlyle verkaufte letzte
Woche Aktien im Wert von 270 Mio. Dollar an dem Waffenhersteller
United Defense Industries. Die Beteiligung brachte ihr innerhalb
von sechs Jahren einen Gewinn von einer Mrd. Dollar ein.
Auch börsennotierte Gesellschaften beginnen, Unternehmen
von Buyout-Gesellschaften zu kaufen. "Im letzten Jahr
waren die Unternehmen damit beschäftigt, ihre Bücher
aufzuräumen, oder andere Dinge hielten sie davon ab,
nach Transaktionen Ausschau zu halten“, berichtet William
Kan, Direktor bei Merrill Lynch. “Jetzt bestraft die
Börsen ein Unternehmen nicht mehr, das bei Fusionen aktiv
ist.“ Die Risikokapitalgesellschaften tauschen aber
auch Beteiligungen untereinander. Kan berichtet, dass Private-Equity-Gesellschaften
im zweiten Quartal bei 17 von 32 Verkäufen einer anderen
Risikokapitalgesellschaft als Käufer auftraten. JP Morgan
Partners hat dieses Jahr etwa 1,7 Mio. Aktien an Guitar Center,
einem Anbieter von Musikinstrumenten, abgestoßen. Außerdem
kamen von Investmentbanken Anfragen, ob bei einigen Biotech-Gesellschaften
Börsendebüts geplant seien, berichtet Walker: “Sie
wollen diese in den nächsten sechs Monaten an die Börse
bringen.“
Quelle: Die Welt vom 09. August 2003
Business Angels Panel II/2003: Lust auf neue Investments
Die Stimmung unter den privaten Wagnisfinanzierern hat laut
Business Angels Panel im zweiten Quartal einen neuen Hoehepunkt
erreicht. Sowohl die Geschaeftslage als auch die Geschaeftsaussichten
wurden in den vergangenen anderthalb Jahren nie besser bewertet.
Entsprechend aufgeschlossen stehen sie neuen Engagements gegenueber.
Ihnen zugesandte Businessplaene, deren Qualitaet sich weiter
verbessert hat, wurden wieder verstaerkt geprueft. Die Anzahl
unterschriebener Beteiligungsvertraege stieg bereits leicht
an. Einzige Wermutstropfen: Die Gruender reichen immer weniger
Geschaeftsideen ein. Und die, die ueberzeugen konnten, erhalten
durchschnittlich sehr viel weniger Geld als in der Vergangenheit.
Das Business Angels Panel untersucht quartalsweise das Engagement
privater Wagniskapitalgeber bei der Gruenderunterstuetzung.
Seit Anfang 2002 fuehren es die VDI nachrichten mit einigen
Kooperationspartnern durch. Einzelheiten und weitere Ergebnisse
stehen im Internet.
Die Kapitalbeschaffung für Venture Capital und Private
Equity wird nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) weiterhin durch Steuerunsicherheiten erschwert. Gleichwohl
registriert der Verband eine wieder leicht steigende Investitionsbereitschaft.
Der Markt scheint sich langsam zu stabilisieren, erklärte
BVK-Vorstandsvorsitzender Thomas Kühr – "eine
Rückkehr zum Investitionsklima der Vorjahre ist allerdings
noch außer Sicht“. Zwar lagen die Neuinvestitionen
im zweiten Quartal mit 420 Mill. Euro deutlich unter den ersten
drei Monaten mit 622 Mill. Euro. Maßgeblich verantwortlich
dafür sei jedoch, dass jüngst nur ein großer
Buy-out getätigt wurde. Bei Vernachlässigung dieser
Großinvestitionen zeigte sich laut BVK eine leichte
Erholung auf niedrigem Niveau von 147 auf 170 Mill. Euro im
Quartalsvergleich. "Dieser Anstieg stimmt uns optimistisch
für den weiteren Jahresverlauf“, sagte Kühr
bei Vorlage der Halbjahresbilanz. Positiv sei ferner, dass
die Early-Stage-Investitionen weiter die Expansionsfinanzierung
überträfen. Im gesamten ersten Semester lag das
Investitionsvolumen bei 1,0 Mrd. Euro, nach 1,2 Mill. Euro
Steuer. Das Exitvolumen zeigte sich in den Monaten April bis
Juni mit 170 Mill. Euro leicht unter Vorquartal. Dabei waren
37% als Totalverluste abzuschreiben – eine rückläufige
Tendenz nach 45% zuvor. Damit sei das Verlustniveau laut Kühr
auf ein "Normalmaß“ zurückgegangen.
Allerdings fehlten nach wie vor Alternativen für den
Verkauf von Beteiligungen. Generell beobachtet der BVK einen
Kapitalüberhang bei der Buy-out-Fonds und Later-Stage-Finanzierungen,
während für Erstinvestitionen in Deutschland Kapitalmangel
herrsche.Um die schlechten Rahmenbedingungen zu verbessern,
mahnt Kühr ein besseres steuer- und gesellschaftsrechtliches
Umfeld an. Dies erfordere steuertransparente Fondsstrukturen,
keine Umsatzsteuerbelastungen auf Management Fees sowie keine
Beschränkungen bei Verlustverträgen (auch bei stillen
Beteiligungen).
BVK will Refinanzierungsfonds
Immerhin sei der Verband inzwischen mit der Bundesregierung
im Gespräch, die so genannten carried interests, also
den Anteil der Manager-Ausschüttung, der über den
Anteil der Manager, der über die eigene Fondsbeteiligung
hinausgeht, dem der Dividendenbesteuerung entsprechenden Halbeinkünfteverfahren
zu unterwerfen. Bislang wurden diese carried interests mit
dem persönlichen Steuersatz veranschlagt. Zudem regt
Kühr die Schaffung eines hoch dotierten staatlichen Refinanzierungsfonds
an, um zumindest teilweise Haftungsrisiken bei Frühinvestitionen
freizustellen. Entsprechende Fonds gebe es auch in erfolgreichen
VC-Staaten wie den USA oder Israel.
Peter Köhler, Frankfurt/M. Die Stimmung unter den Risikokapitalgebern
hat sich im zweiten Quartal merklich gebessert. Das Geld scheint
wieder etwas lockerer zu sitzen, lautet das Fazit des "VC-Panels",
einer vierteljährlichen Umfrage der Beratungsgesellschaft
Mackewicz & Partner unter führenden Venture-Capital-Unternehmen
in Deutschland.
Danach stieg die Zahl der Beteiligungen im zweiten Quartal
auf 98 gegenüber 64 in den ersten drei Monaten, allerdings
dominierten erneut Folgeinvestments. Auf erste Finanzierungsrunden
für junge Unternehmer entfielen dagegen nur rund 20 %.
"Man sollte noch nicht von einem Trend sprechen, aber
auf jeden Fall belegen die Zahlen, dass die Bodenbildung im
Markt zu Ende ist", sagt Götz Hoyer von Mackewicz
& Partner. Das gesamte Investitionsvolumen erreichte 360
Mill. Euro und stellte laut der Umfrage das beste Ergebnis
seit dem vierten Quartal 2001 dar. Zu den aktivsten Wagnisfinanzierern
zählten tvm, 3i Deutschland, Wellington Partners sowie
Heidelberg Innovation. Auch Jürgen Schaaf, Experte für
Risikokapital bei Deutsche Bank Research, hat eine "leichte
Tendenz nach oben" im Markt registriert. "Die Aktivitäten
laufen der Konjunkturentwicklung quasi als Frühindikator
voraus", sagt Schaaf. Jedoch seien die strukturellen
Probleme nach dem Platzen der New- Economy-Blase bei weitem
noch nicht gelöst.
In Deutschland blieben nach Einschätzung der Analysten
bei der Deutschen Bank die Risikoaversion und der Gründungspessimismus
die größten Hindernisse für einen Wachstumsimpuls
durch Wagniskapital. "Wenn vernünftige Ideen da
sind, finden sich auch Geldgeber", hat Schaaf beobachtet.
Der anhaltende Mangel an überzeugenden Geschäftsmodellen
sei denn auch ein Grund, warum es hier zu Lande momentan kaum
Börsengänge gibt.
Die meisten Mittel flossen im zweiten Quartal laut VC-Panel
in die Biotechnologie (siehe Grafik). Unter den Bundesländern
lag Bayern gemessen an der Zahl der Investitionen wieder an
der Spitze vor Baden-Württemberg und Berlin. Zieht man
das Investitionsvolumen als Maßstab heran, so ging ein
Drittel aller Mittel in US-Firmen.
Bezüglich der Verwertung ihrer Beteiligungen sind die
Venture Capital-Gesellschaften weiterhin in Moll gestimmt.
Nur 5 % können sich noch in diesem Jahr Börsengänge
vorstellen, aber immerhin 76 % sehen dafür im nächsten
Jahr Chancen. Üblicherweise dienen Börsengänge
dazu, die hohen Ausfallraten in den Beteiligungsportfolios
der Geldgeber teilweise zu kompensieren. Der Mehrheit der
Wagnisfinanzierer wäre es übrigens egal, ob ihr
Technologieunternehmen an einer in- oder ausländischen
Börse landet, ein Drittel der befragten VC-Manager legt
dagegen Wert auf einen internationalen und nur 14 % auf einen
deutschen Börsenplatz.
Unverändert hoch ist der Abschreibungsbedarf in der
Branche. 13 Beteiligungen wurden auf diese Weise gleichsam
entsorgt, das waren 46 % aller "Exits". Der Rest
entfiel überwiegend auf Verkäufe an Industrieunternehmen
oder andere Finanzinvestoren.
ruh. Frankfurt. Das Geschäft mit Beteiligungskapital
(Private Equity) hat sich in Europa im zweiten Quartal belebt,
meldet die nach eigenen Angaben unabhängige Analyse-Gesellschaft
Altasset. In den vergangenen drei Monaten sei für zwölf
Fonds mit einem Gesamtvolumen von 4,4 Milliarden Euro die
Mittelaufnahme beendet worden (final closings). Das sei eine
Verdoppelung gegenüber dem sehr schwachen ersten Quartal.
Im zweiten Quartal des Vorjahres hätten europäische
Gesellschaften, die vornehmlich auf Beteiligungen von nicht
börsengehandelten Unternehmen spezialisiert sind, noch
12,9 Milliarden Euro von Investoren erhalten. Die jüngste
Erholung sei auf die Stabilisierung der geopolitischen Lage
zurückzuführen, heißt es in der Mitteilung
von Altasset. In den Vereinigten Staaten sind die Investitionen
in Private Equity dagegen weiter zurückgegangen. Die
Branche erzielte dort im ersten Quartal nur ein Volumen von
4,1 Milliarden Dollar (final closings) gegenüber 6,5
Milliarden im ersten Quartal 2003 und 20,9 Milliarden im zweiten
Quartal 2002.
München – Die bemerkenswert schnelle Marktdurchsetzung
von Mobile-Office-Lösungen, vor allem aber die Perspektiven
dieser Technologien elektrisieren die Telekommunikationsbranche.
Internationale Top-Player wie die Deutsche Telekom oder die
Schweizer Swisscom haben das Thema als wesentlichen Bestandteil
ihrer Geschäftsstrategie definiert. Eine besondere Bedeutung
kommt dabei dem für die mobile Datenübertragung
wichtigen WLAN und den damit verbundenen so genannten Hotspots
zu. Hotspots sind öffentliche WLAN-Zugänge und werden
vor allem dort installiert, wo die Betreiber eine Vielzahl
von Geschäftskunden erwarten, die mit ihren Laptops drahtlos
Daten versenden oder auf die Computer in ihren Unternehmen
zugreifen wollen, also zum Beispiel auf Flughäfen, Bahnhöfen,
Messen oder in Hotels.
"Für die großen Telekommunikationsunternehmen
ist es in diesem Geschäftsfeld sehr wichtig, interessant
gelegene Hotspots exklusiv zu betreiben und aufzurüsten.
Denn auf diese Weise können sie den Datenfluß in
Ihr eigenes Netz ziehen und so Umsatz generieren", erläutert
Felix Goedhart, Telekommunikationsexperte und Vorstandsvorsitzender
der im amtlichen Handel notierten equitrust AG, ein auf Risikokapitalfinanzierung
spezialisiertes Unternehmen in Hamburg.
Um in den WLAN-Markt zu kommen und ihre Anteile dort weiter
auszubauen, sind die internationalen Telekommunikationsunternehmen
durchaus bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Denn manche interessante
Hotspots werden von Jungen, kleinen und unabhängigen
Unternehmen betrieben. Goedhart: "Das sind alles potenzielle
Übernahme-Kandidaten für die großen Telcos.
Ein aktuelles Beispiel für diesen Trend ist die WLAN
AG in München, die unlängst an die Swisscom verkauft
wurde.
Die WLAN AG wurde im Februar 2002 gegründet. Innerhalb
weniger Monate gelang es dem Unternehmen, sich als führender
unabhängiger WLAN-Betreiber in Deutschland zu etablieren
und die Zahl seiner Hotspots auf mehr als 100 auszubauen.
Dabei konnte WLAN unter anderem die deutschen Hilton Hotels
als Kunden gewinnen. Swisscom Eurospot, eine neu gegründete
Tochter der Swisscom AG, will – wiederum europaweit
Unternehmen so genannte PWLAN-Services (Public Wireless Local
Area Network) offerieren, Mit dem zielstrebigen und schnellen
Ausbau seiner Hotspots passte die WLAN AG optimal zur Strategie
der Swisscom, europaweit ihren Zielkunden – internationalen
Geschäftskunden – PWLAN-Dienste anzubieten. Um
den Kunden vom ersten Tag an eine gute Netzab deckung gewährleisten
zu können, akquirierte Swisscom Eurospot neben der WLAN
AG einen zweiten führenden europäischen PWLAN-Anbieter,
die Megabeam Networks Ltd. in London. Aufgrund dieser Übernahmen
und eines organischen Wachstums verfügt das Schweizer
Telekommunikationsunternehmen inzwischen über mehr als
400 Hotspots, von denen 100 bereits in Betrieb sind.
Für den Private-Equity-Experten Goedhart ist die Swisscom-Akquisition
allerdings erst der Anfang eines Konzentrationsprozesses auf
dem Telekom-Markt. Der equitrust-Chef: "WLANs zählen
zu den wichtigsten Trends in der mobilen Datenkommunikation.
Viele Big Player werden sich dort engagieren und akquirieren
müssen. Jene Risikokapitalgeber, die diesen Trend frühzeitig
erkannt und sich an aussichtsreichen jungen Unternehmen der
Branche beteiligt haben, profitieren jetzt davon."
Business Angels Panel II/2003: Lust auf neue Investments
Die Stimmung unter den privaten Wagnisfinanzierern hat laut
Business Angels Panel im zweiten Quartal einen neuen Hoehepunkt
erreicht. Sowohl die Geschaeftslage als auch die Geschaeftsaussichten
wurden in den vergangenen anderthalb Jahren nie besser bewertet.
Entsprechend aufgeschlossen stehen sie neuen Engagements gegenueber.
Ihnen zugesandte Businessplaene, deren Qualitaet sich weiter
verbessert hat, wurden wieder verstaerkt geprueft. Die Anzahl
unterschriebener Beteiligungsvertraege stieg bereits leicht
an. Einzige Wermutstropfen: Die Gruender reichen immer weniger
Geschaeftsideen ein. Und die, die ueberzeugen konnten, erhalten
durchschnittlich sehr viel weniger Geld als in der Vergangenheit.
Das Business Angels Panel untersucht quartalsweise das Engagement
privater Wagniskapitalgeber bei der Gruenderunterstuetzung.
Seit Anfang 2002 fuehren es die VDI nachrichten mit einigen
Kooperationspartnern durch. Einzelheiten und weitere Ergebnisse
stehen im Internet.
Erstmals seit mehr als zwei Jahren sind Venture Capital Investitionen
in den USA wieder gestiegen. So konnten sich Jungunter- nehmen
im abgelaufenen 2. Quartal ueber 4,3 Mrd. Dollar freuen. In
den ersten drei Monaten dieses Jahres flossen lediglich 4
Mrd. Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Moneytree-
Untersuchung von PricewaterhouseCoopers, Thomson Venture Economics
und der National Venture Capital Association. Demnach stieg
nicht nur die Foerdersumme, sondern auch die Anzahl der unterstuetzten
Unternehmen im Vergleichszeitraum von 647 auf 669 an. Besonders
das Fruehphasensegment legte zu. Die Investitionssumme hier
stieg von 668 Mio. Dollar auf 956 Mio. Dollar - der deutlichste
Anstieg seit drei Jahren. Bei den Branchen war Software der
Gewinner. 179 Unternehmen teilten sich 864 Mio. Dollar, ein
plus von 7%. Auf Rang zwei landet die Biotechnologie vor der
Telekommunikation. Tracy Lefteroff von PricewaterhouseCoopers
mag noch nicht von einer Trendwende sprechen. "Gruender
koennen aber wieder vorsichtig optimistisch sein."
Finanzplatz Deutschland: Markt für Risikokapital
schrumpft
Die Beteiligungsgesellschaften zögern
mit weiteren Engagements. Derzeit sind 16,6 Mrd. Euro nicht
investiert.
Bernhard Hofer, Chef des Biotechnologieunternehmens Paion,
hat mächtig gerechnet, geplant und verhandelt. Verschiedene
Finanzierungsangebote hatten die Gesellschafter abgelehnt.
Dann hatte Hofer Erfolg: Das 55 Mitarbeiter starke Unternehmen
aus Aachen konnte die benötigten 8 Mio. Euro von seinen
Investoren einwerben. Mit dem Geld finanziert Paion die weitere
klinische Prüfung seines größten Hoffnungsträgers
- eines Präparats gegen Schlaganfall.Junge Firmen haben
es momentan schwer, Finanzmittel mit Eigenkapitalqualität
zu bekommen. Die Gesellschafter können das Geld nicht
aufbringen, und an einen Börsengang ist noch nicht zu
denken. Als Alternative bleibt nur die Finanzierung über
Risikokapital (Venture Capital, VC). Das ist eine Form der
Beteiligungsfinanzierung, die sich überwiegend bei schnell
wachsenden, jungen Unternehmen findet, deren Entwicklung ungewiss
ist.
Junge Firmen haben es schwer an Finanzmittel zu kommen
Beteiligungsgesellschaften halten sich derzeit generell
mit Investitionen zurück. 16,6 Mrd. Euro Beteiligungskapital
(Private Equity) sind nicht investiert. Zu diesem Ergebnis
kommt eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK). Karsten Hollasch von der Beratungsgesellschaft Deloitte
& Touche erklärt die Investitionszurückhaltung
mit dem geschärften Risikobewusstsein nach dem Platzen
der Börsenblase von 2000. Die niedrige Börsenbewertung
verhindere aber auch die Verkäufe bestehender Beteiligungen.
Damit fehlen die Erlöse, die wiederum neue Investitionsprojekte
finanzieren könnten. Neues Kapital fließt ohnehin
nur spärlich nach. Laut BVK-Studie sank das neu eingeworbene
Kapital im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent auf 2,5 Mrd.
Euro. Max Burger-Calderon, Gründungspartner der Beteiligungsgesellschaft
Apax-Partners, sieht keinen Grund zur Sorge: "Der Markt
für Beteiligungskapital ist eingeschwungen." Es
werde weniger Geld eingeworben und der Kapitalüberhang
abgebaut, sagt Burger-Calderon. Die Kapitalgeber sind anspruchsvoller
geworden. Längst verlangen sie viel mehr als nur eine
angemessene Rendite auf ihr risikoreiches Investment. Gerhard
Böhm, Chef von ProGenomics, die einen Bluttest zur Früherkennung
von Alzheimer entwickelt, sagt: "Das Produkt alleine
reicht für die Überzeugung nicht aus." Und
Julie Teigland von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Ernst & Young erklärt, entscheidend sei die Verkaufsgeschichte.
Nachdem ProGenomics verschiedene Innovationspreise gewonnen
hatte, stiegen zwei Landesbeteiligungsgesellschaften für
die Anschlussfinanzierung ein. Die beiden gaben zusammen 2
Mio. Euro für abschließende klinische Studien und
das Verfahren zur Marktzulassung.
Kapitalgeber verlangen mehr Einfluss
Michael Moritz von der CatCap, die Unternehmen bei der Finanzierung
berät, sieht einen Trend zu mehr Einflussnahme durch
die Kapitalgeber: "Die Investoren wollen statt auf dem
Kindersitz immer häufiger auf dem Beifahrersitz sitzen."
Nicht immer im Einklang mit den Unternehmen. Wie Julie Teigland
erläutert, haben besonders mittelständische Firmen,
deren Startup-Phase lange zurück liegt, Schwierigkeiten,
sich gegenüber meist ausländischen Beteiligungsgesellschaften
zu öffnen. "Noch ist der Mittelstandsmarkt nicht
reif für Risikokapital", sagt sie. Das könnte
sich ändern, sobald es für eigentümergeführte
Firmen schwerer wird, neue Kredite aufzunehmen. Auf der anderen
Seite nähern sich die Beteiligungsgesellschaften den
eigentümergeführten Unternehmen und entwickeln individuell
zugeschnittene Finanzierungsmodelle. Apax bietet den Unternehmen
gegen einen Bewertungsabschlag die Möglichkeit, ihre
Anteile zurückzukaufen. Damit reagieren die Beteiligungsgesellschaften
auch auf den Druck vom Markt, sagt Berater Hollasch. "Die
Beteiligungsgesellschaften können ihr Geld nicht mehr
nur parken und sich die Rosinen raussuchen." Deutsche
Gesellschaften hätten eine besonders gute Chance, weil
die Kapitalgeber ihre Investitionsobjekte gerne in Fahrtnähe,
also im Umkreis von zwei Stunden Entfernung zur Haustür
hätten, erläutert Moritz. Dann könnten die
Risikokapitalgeber den Unternehmen etwa mit ihren örtlichen
Kontakten weiterhelfen.
Quelle: Financial Times Deutschland vom 11.07.2003
Cinven: Mehr Börsengänge erwartet - Hohe Akzeptanz
von Finanzinvestoren bei deutschen Unternehmen
Die Mehrzahl der deutschen Investmentbanker (64%) erwarten
nach einer Studie den Anstieg der Private-Equity-Aktivitäten
im zweiten Halbjahr 2003. Auch die durchschnittliche Größe
der Transaktionen im europäischen Markt soll steigen.
Dies geht aus der von der Private-Equity-Gesellschaft Cinven
alle sechs Monate erhobenen Befragten hervor.
Während im Dezember des Vorjahres noch 62% der Spezialisten
gleich bleibende oder steigende Transaktionsgrößen
prognostizierten, seien es jetzt 87%. Deutsche Investmentbanker
schätzen danach das allgemeine Wirtschaftsklima wesentlich
optimistischer ein als noch vor sechs Monaten. Während
im Dezember nur 4% einen Aufschwung erwarteten, seien es jetzt
immerhin 30%, die von einer Steigerung des Wirtschaftswachstums
ausgingen. Dabei erwarte die Hälfte der befragten Banker
eine Steigerung der Unternehmensgewinne – im Dezember
haben lediglich 21% diese Ansicht vertreten. Die Reformpläne
der Agenda 2010 spielen den Angaben zufolge dabei nur eine
untergeordnete Rolle. Nur 22% trauen dem Reformvorhaben der
Bundesregierung zu, bei voller Umsetzung die Wirtschaft ankurbeln
zu können.
Die von Cinven, einem der führenden Private-Equity-Investoren
für größere europäische Buy-outs, in
Zusammenarbeit mit "Mergermarket“ erstellte Studie
basiert auf den Einschätzungen von 195 Managing Directors
führender Investmentbanken, die auf deutsche, britische
und französische Transaktionen spezialisiert seien. Nach
Ansicht der befragten deutschen Banker weist Private Equity
bei hiesigen Unternehmen eine erstaunlich hohe Akzeptanz auf:
Als legitimer Käufer von Unternehmen oder Teilen sei
Private Equity sehr akzeptiert. 70% der Befragten geben die
Note 4 oder 5 auf einer Skala von 1 bis 6.
Auch für den europäische M&A-Markt erwarte
die Mehrheit aller Befragten, dass Private-Equity-Aktivitäten
in den nächsten sechs Monaten zunehmen. Auch bei der
Deal-Größe wird ein Anstieg angenommen. Die überwiegende
Mehrheit der Befragten (95%) gehe von einem Anstieg sowohl
bei freundlichen als auch bei "feindlichen“ Übernahmen
aus. Dieser Wert liegt etwas über den Umfrageergebnissen
von vor sechs Monaten und deckte sich mit denen von vor zwei
Jahren. Die Zahl derjenigen Banker, die fallende "Asset
Values“ erwarten, sei stark gesunken. 77% der europäischen
Banker erwarten stabile oder höhere Werte. Immerhin 44%
der europäischen Banker prognostizieren eine wachsende
Zahl von Börsengängern binnen sechs Monaten. Dies
stellte eine deutliche Trendumkehr im Vergleich zur vorigen
Umfrage dar, als nur 21% diese Ansicht vertraten, schreibt
Cinven dazu. Gleichzeitig wird auch davon ausgegangen, dass
die Delistings, also die Rückzüge von den Börsen,
zunehmen: 62% der Befragten teilen diese Ansicht, wie schon
bei der Dezember-Studie.
Die 1977 gegründete Civen hat bisher bei Transaktionen
über 40 Mrd. Euro investiert. Zurzeit werden die Mittel
aus dem dritten Fonds im Volumen von 4,4 Mrd. Euro ausgegeben.
Peter Gangsted, Vorsitzender der Geschäftsführung
von Cinven Deutschland, sieht sich durch die Studie in der
Einschätzung bestätigt, dass die Chancen für
Private-Equity-Aktivitäten im deutschen und europäischen
M & A-Markt steigen. In Deutschland gebe es interessante
Einstiegsmöglichkeiten bei Veräußerungen von
Unternehmensbeteiligungen.
Die Fremdfinanzierung wird für Mittelständler
immer schwieriger. Was private Beteiligungskapital-Geber leisten
können, erläutert Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstand
der Hannover Finanz Gruppe.
VDI nachrichten: Herr Hertz-Eichenrode, wie hat sich Ihr
Beteiligungsgeschäft in den vergangenen drei Jahren entwickelt?
Hertz-Eichenrode: Vor drei Jahren haben wir deutlich stärker
Unternehmen in der Frühphase finanziert. Dieser Bereich
ist inzwischen jedoch völlig ausgetrocknet. 2002 gab
es viele Angebote von mittelständischen Firmen. In der
Mehrzahl ging es jedoch um Sanierungen, die für uns nicht
attraktiv sind. In den ersten Monaten des laufenden Jahres
stellen wir jedoch fest, dass die Zahl interessanter Beteiligungsangebote
aus dem Mittelstand zunimmt.
VDI nachrichten: Wie kommt''s?
Hertz-Eichenrode: Zum Einen wird die Fremdfinanzierung über
die Banken schwieriger. Zum Anderen scheint die Möglichkeit,
privates Beteiligungskapital aufzunehmen stärker in das
Bewusstsein der mittelständischen Unternehmer eingedrungen
zu sein.
VDI nachrichten: Warum fokussieren Sie sich auf den Mittelstand
und da insbesondere auf den Maschinenbau?
Hertz-Eichenrode: Die größten Wertzuwächse
hatten wir mit Beteiligungen an Unternehmen in der Größenordnung
von 20 bis 100 Mio. ! Umsatz. Bei kleineren Firmen gibt es
viele Ausfälle, bei größeren geringere Wertzuwächse.
Dass wir so stark im Maschinenbau investiert sind, ist eher
zufällig entstanden. Es hängt damit zusammen, dass
der Maschinenbau im deutschen Mittelstand stark vertreten
ist und wir in vielen Nischen hervorragende Unternehmen finden,
oft Weltmarktführer.
VDI nachrichten: Gibt es für die Hannover Finanz Gruppe
Tabu-Branchen?
Hertz-Eichenrode: Nein. Wir gehen zwar sehr selektiv vor,
investieren aber auch in Krisenbranchen, wie den baunahen
Bereich oder die Textilindustrie. So haben wir uns vor wenigen
Jahren erst an einem Textilunternehmen beteiligt, das als
Logistik-Dienstleister quasi als Scharnier zwischen den Produktionsstätten
im Ausland und den Textilanbietern in Deutschland fungiert.
VDI nachrichten: Wonach wählen Sie Ihre Beteiligungen
aus?
Hertz-Eichenrode: Wir suchen Qualität, also interessante,
stabile Unternehmen mit einer guten Performance.
VDI nachrichten: Wie finden Sie die?
Hertz-Eichenrode: Teils bekommen wir die Angebote direkt von
den Firmen selbst. Überwiegend läuft die Akquisition
aber über unser Netzwerk, über Kontakte zu Firmenkundenbetreuern,
Wirtschaftsprüfern und Anwälten.
VDI nachrichten: Was kostet den Unternehmer die Beteiligung?
Hertz-Eichenrode: Das hängt von der Entwicklung des Unternehmens
ab. Wir leben nicht von Gewinnausschüttungen sondern
von der Wertsteigerung des Unternehmens.
VDI nachrichten: Wie steht es mit den Kosten der Deal-Vorbereitung?
Hertz-Eichenrode: Die Kosten der due diligence, also der Unternehmensbewertung,
werden in der Regel hälftig aufgeteilt. Allerdings schalten
wir externe Berater erst ein, wenn der letter of intent unterzeichnet
ist. Kommt es dann doch nicht zum Abschluss, trägt die
abbrechende Partei die Kosten.
VDI nachrichten: Was treibt den Private-Equity-Markt in Deutschland?
Hertz-Eichenrode: Vor allem, dass Kapitalgesellschaften keine
Steuern mehr auf Gewinne aus Beteiligungsverkäufen zahlen
müssen. Immer mehr Großkonzerne bereinigen seitdem
ihre Portfolios. Fast jede zweite Beteiligung, die uns angeboten
wird, ist ein Spin-off aus einem Konzern.
Die steuerlichen Bedingungen haben sich damit natürlich
auch für uns verbessert. Denn unsere Beteiligungsfirmen
sind allesamt Kapitalgesellschaften. Unsere Situation ist
also recht komfortabel.
VDI nachrichten: Daran könnte die Regierung aufgrund
der leeren Staatskasse bald etwas ändern wollen...
Hertz-Eichenrode: Sollte es dazu kommen, dass Gewinne aus
Beteiligungsverkäufen wieder besteuert werden, hängt
es von der Höhe ab, wie stark das den Markt belasten
würde. Bevor man da etwas tut, sollte man allerdings
schauen, wie die steuerlichen Bedingungen im Ausland sind.
VDI nachrichten: Kann Private Equity die viel beklagte Kreditklemme
im Mittelstand ausgleichen?
Hertz-Eichenrode: Nein, dafür ist der deutsche Private-Equity-Markt
viel zu klein. Zudem ziehen sich vor allem Privatbanken, wie
die Deutsche, aus dem Beteiligungsgeschäft zurück.
Auch Versicherungen tun sich derzeit schwer, wenn sie zu lange
in Aktien investiert waren. Mittelfristig erwarten wir aber
eine größere Investitionsbeeitschaft von Seiten
der institutionellen Anleger, da Private Equity mehr Stabilität
in deren Portfolios bringt.
VDI nachrichten: Bekommen Sie denn noch Banken ins Boot, wenn
ein Teil der Beteiligungssumme fremd finanziert werden soll?
Hertz-Eichenrode: Wir finden noch Fremdfinanzierer. Allerdings
sind die Banken zurückhaltender geworden. Wurde früher
50 % bis 60 % eines Management Buy out oder Buy in fremd finanziert,
liegt die Quote heute nur noch bei 30 % bis 50 %.
Beteiligungskapital: Studie zeigt Schwächen des Marktes
in Deutschland – Regierung steuert gegen. Um die Eigenkapital-Misere
kleinerer Unternehmen zu lindern, müssten Beteiligungsgeber
einspringen. Der Bund will ihnen den Weg bereiten.
Alarmierend, insbesondere im Hinblick auf Basel II: Deutsche
Mittelständler mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Mio. " haben eine Eigenkapital-Quote von nur 7 %.
Franzosen bringen es hier auf 30 %, US-Amerikaner gar auf
50 %. Zukünftige Finanzierungskosten drohen, dadurch
aus dem Ruder zu laufen. Entsprechend ziehen immer mehr Unternehmen
Beteiligungskapital als Alternative zum Bankkredit in Betracht.
Für Gründer ist dieser Finanzierungsweg mangels
Sicherheiten ohnehin oft der einzig gangbare Weg. Doch leider
weist der deutsche Beteiligungsmarkt im internationalen Vergleich
noch erhebliche Entwicklungsdefizite auf. Das ist das Ergebnis
einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Im Herbst vergangenen Jahres wurden dafür alle Mitglieder
des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) befragt. 107 Firmen (über 50 %) antworteten. Mehr
als zwei Drittel der Gesellschaften machen in vielen Marktsegmenten
noch ein dauerhaftes Unterangebot an Kapital aus. Defizite
werden vor allem für Phasen erkannt, in denen ein hohes
Risiko vorherrscht. So wird die Seed-Phase, gefolgt von der
Start-up-Phase, am häufigsten genannt.
Bei den Investitionsvolumina gibt es vor allem in den unteren
Klassen Defizite. 60 % der Gesellschaften sehen Engpässe
bei Dealgrößen zwischen 150 000 " und 375
000 ". Bei Beträgen von über 5 Mio. "
sind es nur 6 %.
Nach Wirtschaftszweigen befragt, die unter Angebotsmangel
leiden, nennen über 50 % der Gesellschaften den Lowtech-Bereich
des produzierenden Gewerbes. Auch in den Sonstigen Dienstleistungen
(ohne IT, TK und Medien) werden überdurchschnittlich
häufig Lücken ausgemacht. Betroffen sind also hauptsächlich
Sektoren, in denen häufig weniger wachstumsstarke Firmen
vorherrschen und die daher für renditeorientierte Beteiligungsgeber
bisher wenig attraktiv waren. Für die Angebotslücken
verantwortlich machen die Investoren außerdem zu große
Risiken und verstopfte Exitkanäle. Letztere könne
sich Deutschland nicht leisten, mahnt Rezzo Schlauch, parlamentarischer
Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. „Wenn
aussichtsreiche Betriebe an der Anschlussfinanzierung scheitern,
ist das eine volkswirtschaftliche Verschwendung.“ Die
Regierung wolle deshalb mehr Kapital mobilisieren, ohne dabei
originäre Marktaufgaben zu übernehmen. „Es
kann immer nur um eine Anschubfinanzierung gehen.“ Geplant
sei unter anderem ein Dachfonds, der in Venture Capital Fonds
investiert. (Einzelheiten dazu siehe Seite 24). Betrieben,
die nicht in dessen Zielgruppe gehören, soll mit zwei
Pilotprojekten geholfen werden. „Im Rahmen der KfW-Initiative
''Eigenkapital für den breiten Mittelstand'' werden Instrumente
entwickelt, die einerseits bei kommerziellen VC-Gesellschaften
und andererseits bei marktnahen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften
ansetzen.“ Die jeweiligen Beteiligungsfelder sollen
also erweitert werden, um die Marktlücke bei Beteiligungssummen
zwischen 1 Mio. " und 5 Mio. " zu schließen.
KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich: „Die Beteiligten
des Marktes müssen sich aufeinander zubewegen. Außerdem
müssen neue Akteure mitmischen, etwa der Europäische
Investitionsfonds (EIF) oder Private Equity Fonds. Ziel ist
die Bildung eines homogenen Beteiligungsangebots. So mobilisieren
wir zusätzliche Risikoträgerschaft.“ Eine
logische Kette über alle Finanzierungsstadien biete Betrieben
mehr als die Summe ihrer Glieder. Gestartet werden könnten
die Projekte, sobald Brüssel grünes Licht gibt –
voraussichtlich im Sommer.
Bis dahin sollen auch die Programme der Mittelstandsbank fertig
sein. Das neue Mezzanine-Produkt zielt dabei besonders auf
kleinere Betriebe. 50 % der beantragten Summe wird als Nachrangdarlehen
ausgegeben. „So wird der Eigenkapital-Anteil schnell
und unkompliziert verstärkt. Das Unternehmen kann bis
zur Fälligkeit des Darlehens (10 Jahre) die Innenfinanzierungskraft
verstärken“, so Reich.
Auch die im internationalen Vergleich schlechten Rahmenbedingungen
für Wagniskapital will das Wirtschaftsministerium ändern.
Schlauch bleibt dabei allerdings vage: „Bei der Fondsbesteuerung
bin ich zuversichtlich, dass wir zu akzeptablen Lösungen
kommen.“ Und: „Ich habe mich selbst unlängst
noch einmal dafür eingesetzt, die Veräußerungsgewinnbesteuerung
bei Business-Angels zu überdenken.“
Die Deutsche Börse als bevorzugter Exit-Kanal für
die Investoren „spielt bereits in der europäischen
Top-Liga“, ist Rainer Riess, Leiter des Bereichs Business
Development, überzeugt. „Der Vertrauensverlust
von vor zwei Jahren ist überwunden.“ Internationale
Investoren seien mit den neuen Standards sehr zufrieden.
Trotz Wirtschaftskrise rentieren Anlagen britischer Beteiligungsgesellschaften
besser als andere Investitionen. Diese These hat die British
Venture Capital Association (BVCA) zusammen mit Price Waterhouse
in einer Studie über einen Zeitraum von 10 Jahren vertreten.
Danach hätten die Investitionen in Private Equity in
den vergangenen 10 Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite
von 16,2 Prozent gebracht. Die Die Vermögensklassen in
den britischen Pensionsfonds, die in der Regel Aktien, Anleihen
und Immobilien enthalten, hätten dagegen nur 7,3 Prozent
gebracht, hieß es. Nach Angaben der BVCA haben die Beteiligungsgesellschaften
in Großbritannien die Wirtschaftskrise derzeit auch
vergleichsweise glimpflich überstanden. Im vergangenen
Jahr tätigten sie weltweit Investitionen in 1459 Unternehmen,
das ist ein Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Das Investitionsvolumen fiel um 11 Prozent auf 5,46
Milliarden Pfund, rund 8,2 Milliarden Euro. Das Engagement
in Unternehmen außerhalb Großbritanniens fiel
2002 um 30 Prozent auf 986 Millionen Pfund. Mit 899 Millionen
Pfund floß davon der größte Teil in kontinentaleuropäische
Länder.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.05.2003
Deutsche Beteiligungsgesellschaften, die derzeit bei Ihren
Investoren frisches Eigenkapital (Private Equity) einsammeln
wollen, treffen auf große Schwierigkeiten. Mit nur 204
Millionen Euro scheint der Strom im ersten Quartal 2003 nahezu
versiegt zu sein. "Die Situation bleibt äußerst
angespannt", sagte Holger Frommann, Geschäftsführer
des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK). Dafür sei auch die steuerliche Rechtsunsicherheit
mit verantwortlich. Hingegen ist im ersten Quartal mehr investiert
worden als ein Jahr zuvor. Die Neuinvestitionen in Beteiligungen
wuchsen um 25% auf 622 Millionen Euro, teilte der BVK mit.
Dafür sorgten aber nur eine Reihe größerer
Übernahmen von Unternehmen durch Finanzinvestoren (Buy-outs).
Darauf entfielen drei Viertel aller Neuinvestitionen. Schwach
bleibt die Finanzierung junger Gründerunternehmen mit
Wagniskapital (Venture Capital) mit nur noch 70 Millionen
Euro. Auch der Ausstieg aus Beteiligungen bleibt ein großes
Problem für die Branche, die ihre Portfolios weiter bereinigen
muß. An Totalverlusten wurden im Quartal 78 Millionen
Euro verzeichnet. Verkäufe wurden nur für 96 Millionen
Euro realisiert.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.05.2003
Buhlmahn: Steuerfreiheit für Hightech-Firmen Mit einer De-facto-Steuerfreistellung für acht Jahre
will Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn die Gründerszene
im Hightech-Bereich wiederbeleben. Auch Anleger, Käufer
und Mitarbeiter junger innovativer Unternehmen sollen profitieren.
Das Bundesfinanzministerium zeigt sich aufgeschlossen.
Junge Technologie-Unternehmen sollen nach dem Willen von Bundesbildungsministerin
Edelgard Bulmahn künftig acht Jahre lang völlig
steuerfrei gestellt werden. Nur so könne Deutschland
die europäische Führungsposition, die es noch vor
drei Jahren im Bereich der jungen Innovationsunternehmen hatte,
wieder gewinnen, heißt es in einem "Hightech-Masterplan"
des Ministeriums, der dem Handelsblatt vorliegt. Hintergrund
für den Vorstoß ist der ZUsammenbruch des Neuen
Marktes und der New Economy. In der Folge seine nun auch erfolgreiche
junge Unternehmen "hoch gefährdet", heißt
es in dem Papier. So benötigen rund die Hälfte der
jungen Biotech-Unternehmen 2003 neues Kapital in Höhe
von geschätzten 600 Millionen Euro. Die Chancen auf Börsengänge
sind jedoch in weite Ferne gerückt. Der Markt für
Finanzierungen von Technologieunternehmen sei von 380 Millionen
Euro 2000 auf 77 Millionen Euro 2002 eingebrochen.
Staatssekretär Uwe Thomas verweist auf die schlechten
Noten, die vor allem Venture-Capital-Geber dem Standort Deutschland
geben: In einer Benchmark Studie des European Private Equity
& Venture Capital Association sei die Bundesrepublik unter
den EU-Ländern gerade mal auf Platz 13 gelandet - "das
ist noch schlimmer als Pisa", klagt Thomas. Als Gegengewicht
sollen nun Steuererleichterungen wirken: für die Unternehmen
selbst, Anleger, Mitarbeiter und sogar spätere Aufkäufer
der Unternehmen.
Vorbild für den Masterplan ist der französiche "plan
innovation", sagte Thomas dem Handelsblatt. Dieses gemeinsame
Projekt der Pariser Industrie-, Finanz- und Forschungsministerien
stünde kurz vor dem Abschluss. Solche Steuerbegünstigungsprogramme
brauchen die Erlaubnis der EU - "dafür sehe ich
in diesem wichtigen Bereich aber keine Probleme", zeigte
sich Thomas zuversichtlich. Als innovative Unternehmen sollen
nach dem Masterplan solche gelten, die im Schnitt mehr als
15% ihres Aufwandes in Forschung und Entwicklung stecken.
Gefördert werden sollen aber keine Konzerntöchter
sondern nur selbstständige Unternehmen, die überwiegend
in privater Hand sind.
Dazu kämen noch Unternehmen im Besitz von Vermögensverwaltungen,
etwa Venture-Capital-Fonds. Konkret sieht der Plan vor, diese
Unternehmen acht Jahre lang von der Körperschaftssteuer
zu befreien. Auch danach soll die volle Verrechnung der aufgelaufenen
Verlustvorträge möglich sein. Um die Kapitalzufuhr
zu erleichtern, soll dies auch gelten, wenn innerhalb der
ersten acht Jahre der Eigentümer wechselt.
Daneben sollen Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen am
Unternehmen steuerfrei sein, wenn die Beteiligung in den ersten
beiden Jahren eingegangen wurde.
...
Beteiligungskapital wird in Europa knapper EVCA: Mittelaufkommen hat sich halbiert / Börse als
Ausstiegskanal fällt völlig aus
Das Einsammeln von Geldern für neue Beteiligugen werde
in den kommenden Jahren schwierig bleiben. Das sagte Max Burger-Calderon,
Präsident des europäischen Risikokapitalverbandes
EVCA und Partner bei Apax Deutschland, auf einer EVCA-Konferenz
in Genf. Solange sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht
verbessern, halten sich die institutionellen Anleger zurück.
Denn bei den Renditen, die mit privatem Beteiligungskapital
(Private Equity) erzielt werden, sind die zuletzt hochgeschraubten
Erwartungen weit verfehlt worden. Die gesamte europäische
Branche hatte 2002 einen Wertverlust von 8 Prozent zu verkraften.
Auch über die vergangenen drei Jahre wurde nur eine Rendite
von 4,1 Prozent erwirtschaftet. 2002 wurden nur noch halb
so viele Fondsgelder zusätzlich eingesammelt wie im Vorjahr:
19,4 (2001: 38,2) Mrd. Euro. Ein Grund war die Zurückhaltung
der großen amerikanischen Pensionsfonds, deren Anteil
auf 18 (27) Prozent sank. Überlicherweise haben diese
Fonds Quoten, welchen Teil ihres Geldes sie in private Equity
anlegen. Diese Quoten sind zuletzt dadurch, daß der
Wert der Aktienanlagen in den Portfolios stark gesunken ist,
teilweise zu stark gestiegen.
EVCA-Präsident Burger-Calderon übte sich trotzdem
in Optimismus. Immerhin sei 2002 mehr investiert worden: 27,2
(24,3) Milliarden Euro. Dies ist allerdings weniger darauf
zurückzuführen, daß in der Breite mehr investiert
worden wäre, sondern auf einige größere Buy-outs
im zweiten Halbjahr 2002. Für 2003 rechnet Burger-Calderon
trotz derunsicheren Konjunktur mit abermals steigenden Investitionen
und damit, daß wieder mehr Fondgelder eingesammelt werden.
Derzeit mache sich eine Reihe großer, erfahrener Buy-out
Fonds auf den Weg zu ihren Investoren. Nach Brancheninformationen
gehören dazu etwa Permira, Doughty Hanson und Carlyle.
Zudem habe die europäische Branche mit einer negativen
Rendite von 8 Prozent immer noch besser abgeschnitten als
der Aktienmarkt. Langfristig lohne Private Equity. Von 1980
bis 1996 seine alle Fonds vollständig an die Investoren
zurückgezahlt worden. Für die Venture-Capital Gesellschaften,
die schon 2002 überdurchschnittlich stark zurückfielen,
dürfte sich die Lage kaum verbessern. Für sie weist
die EVCA-Statistik für 2002 sogar eine negative Rendite
von 28 Prozent auf. In vielen Portfolios mussten 2002 nochmals
Vollabschreibungen von Beteiligungen vorgenommen werden. 2,4
Milliarden Euro verließen auf diese Weise die Portfolios.
Das ist ebensooviel, wie die europäische Branche über
Verkäufe (Trade Sales) realisiert hatt. Der Börsengang
als Ausstiegskanal fand 2002 in ganz Europa praktisch nicht
mehr statt. So sank der Betrag der Desinvestitionen insgesamt
um ein Drittel auf 8,1 (12,5) Milliarden Euro.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.03.2003
Einige Risikokapital-Unternehmen sammeln bereits neue
Gelder ein US-Buyout-Gesellschaften gehen in Europa auf Einkaufstour
Die Zeichen mehren sich, dass eine Reihe US-amerikanischer
Beteiligungsgesellschaften wie Kohlberg Kravis Roberts &
Co. und Carlyle Group Inc. kräftig auf dem alten Kontinent
akquirieren. An Gelegenheiten mangelt es schließlich
nicht, denn eine Reihe von Europäischen Unternehmen will
Unternehmensbereiche verkaufen, um Schulden zu senken. Dazu
gehören beispielsweise Vivendi Universal, Fiat oder die
Deutsche Telekom.
Wie Bloomberg-Daten zeigen, sind Private Equity-Transaktionen
in Europa im vergangenen Jahr um 164 Prozent auf 47 Mrd. Dollar
und damit 75 Prozent mehr als in Nordamerika angestiegen.
US-Buyouts-Gesellschaften waren dabei an den drei größten
Leveraged Buyouts in Europa beteiligt. Die größte
Transaktion war die Übernahme von Legrand SA durch Kohlberg
Kravis für 5 Mrd. Euro. "Die Möglichkeiten
in Europa sind größer, umfassender und qualitative
besser" als noch vor zwölf Monaten, berichtet David
Rubenstein, Mitgründer der Carlyle Group, die ein Vermögen
von etwa 14 Mrd. Dollar hat.
...
U.S. venture capitalists curtailed their fund-raising
for future investments to a 21-year low in 2002, according
to a report. While 108 venture capital funds raised a total
of $6.9 billion during 2002, 26 funds returned $5 billion
to investors, according to data compiled by Thomson Venture
Economics for the National Venture Capital Association.
The net fund-raising of $1.9 billion represented the smallest
inflow of venture capital since $1.6 billion flowed into the
industry in 1981. The 2002 amount represented a 95 percent
drop from the $40.7 billion raised in 2001.
Venture-Capital-Gesellschaften im Test 2002:Die
Sieger. Deutschlands größte Befragung von VC-Portfoliounternehmen.
2001 wird in die Annalen der VC-Industrie eingehen als das
Jahr, in dem die Totalabschreibung zum wichtigsten "Exitkanal"
wurde. Deutschlands VCs haben das (vorläufig) schwierigste
Jahr seit Bestehen dieser Branche hinter sich. Die große Blase
der ehemaligen Zukunftsbranchen ist geplatzt. Und die Portfolios
waren voll mit "kleinen Bläschen". Die Preise für Unternehmensbeteiligungen
in den Wachstumsbranchen können seit Mitte 2001 aufrechten
Gangs unter einer geschlossenen Tür durchmarschieren.
Einige VCs sind vom Markt verschwunden, viele kämpfen ums
überleben. Wenn im ersten Quartal 2002 das Bilanzreporting
der VCs ansteht, wird es noch einmal Heulen und Zähneklappern
geben, denn der Wertberichtigungsbedarf ist enorm.
FINANCE hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen Deloitte
& Touche (Financial Advisory Services) über 1.700 VC-finanzierte
Unternehmen in Deutschland befragt, wie zufrieden sie im vergangenen
Jahr mit ihrem VC waren.
Welche Spuren hat die große Dürre im Verhältnis zwischen Financiers
und Finanzierten hinterlassen?
Wie haben sich die VCs in der Krise verhalten?
Eine alte Weisheit kam dabei zu neuen Ehren: Wahre Freunde
erkennt man in der Not.