
Besser als ihr Ruf
Statistiken verzerren das Bild von Wagniskapitalfonds
hpa. FRANKFURT, 4. Juli. Geld ist knapp - zumindest wenn man es für Wagniskapitalfonds (Venture-Capital) in Deutschland benötigt. Seit Jahren schon machen institutionelle Investoren einen großen Bogen um diese Fonds, aus denen Jungunternehmen finanziert werden, nachdem sie sich während der Neue-Markt-Krise kräftig die Finger damit verbrannt haben. "90 Prozent der Pensionsfonds oder Versicherungen sind nicht bereit, über ein Investment in deutsche Wagniskapitalfonds überhaupt nachzudenken", sagt Hendrik Brandis, Geschäftsführer der Münchener Venture-Capital-Gesellschaft Earlybird.
Wenn ein Großanleger überhaupt seine Kasse für Wagniskapitalfonds öffnet, dann fließen die Mittel zum größten Teil nach Amerika. Dort säßen nicht nur die erfolgreicheren Gründer - als Paradebeispiel wird meist Google genannt - sondern auch die besseren Fondsmanager, heißt es regelmäßig. Das erste Argument, widerspricht Brandis, sei jedoch nirgends belegt, "Amerika ist nicht systematisch innovativer als Europa." Was die Erfolge der Wagniskapitalfonds angeht, haben Europas Marktteilnehmer auf den ersten Blick allerdings tatsächlich keine guten Karten. Die wenigen vorhandenen Statistiken besagen, dass mit europäischen Wagniskapitalfonds in den vergangenen Jahren allenfalls magere einstellige Renditen erzielt wurden, viele sogar im Minus lagen, während die amerikanischen Wettbewerber die eingesammelten Mittel prozentual deutlich zweistellig mehren konnten.
Diese Aussagen basieren nach Ansicht von Brandis allerdings auf Prämissen, die ein falsches Bild der Branche zeichnen. Denn zum einen würden in den Statistiken rund 80 Prozent der europäischen Wagniskapitalfonds überhaupt nicht erfasst, weil sie ihre erzielten Renditen (die "performance") nicht preisgeben, erläutert er. Und die vorhandenen Daten stammten zu einem großen Teil von Gesellschaften, deren erste Fonds zu Zeiten des Neuen Marktes aufgelegt wurden und die jetzt ihre Portfolios nur noch abwickelten, aber nicht mehr aktiv im Markt unterwegs seien. "Daher weiß man eigentlich gar nicht, welche Ergebnisse die europäische Venture-Capital-Branche wirklich abliefert", sagt der Earlybird-Mitgründer.
Um den Investoren wenigstens ein bisschen mehr Appetit auf das Wagniskapitalgeschäft in Deutschland zu machen, stellt Brandis daher eine andere Statistik vor. In einer Studie des britischen Analysehauses Prequin, die dieser Zeitung vorliegt, wurden nur solche amerikanischen und europäischen Gesellschaften berücksichtigt, die seit 2006 noch einen neuen Fonds aufgelegt haben. Und unter diesem Blickwinkel schneiden die Europäer besser ab als ihre Konkurrenten: Sie kommen - bei einem geringeren Risikoprofil - auf eine interne Verzinsung des eingesetzten Kapitals von rund 7 Prozent, während jenseits des Atlantiks nur rund 6 Prozent erreicht werden.
Dieser Befund sei aufgrund der Marktsituation schlüssig, argumentiert Brandis. Denn in Europa gebe es zuhauf Jungunternehmen auf der Suche nach Wagniskapital, daher könnten sich die wenigen Fonds die besten Gelegenheiten vergleichsweise günstig herauspicken. In den Vereinigten Staaten dagegen herrscht um die vermeintlich besten Start-up-Firmen ein wesentlich heftigerer Kampf der Investoren - das treibt die Preise tendenziell nach oben und schmälert die Rendite.
Ob Brandis und der europäische Fachverband EVCA mit dieser Argumentation künftig mehr Gehör bei ihren Geldgebern finden werden, ist völlig offen. In Amerika wurden die ersten Wagniskapitalfonds direkt nach dem Zweiten Weltkrieg gestartet, in Deutschland dagegen erst Mitte der achtziger Jahre. "Das Ökosystem für Venture-Capital, die Netzwerke und Informationskanäle, sind in den Vereinigten Staaten viel weiter entwickelt", sagt Olaf Jacobi, Partner der Münchner Wagniskapitalgesellschaft Target Partners. Als Beispiel nennt er die amerikanischen Universitäten, wo sich erfolgreiche Entrepreneure regelmäßig den Studenten präsentieren und als Vorbilder sowohl für andere Jungunternehmer als auch für Investoren wirkten. Einen solchen Vorsprung aufzuholen werde noch viele Jahre dauern, sagt Jacobi.
Hinzu kommt, dass die europäische Venture-Capital-Branche einräumen muss, gar nicht genug erfahrene Fondsmanager für den Fall parat zu haben, dass Geld plötzlich wieder kräftiger fließt. Und zu den Zeiten der Glücksritter des Neuen Marktes will niemand mehr zurück. Allerdings: Doppelt so viel Kapital zu verwalten wie derzeit - 2009 sammelten die deutschen Venture-Capital-Fonds lediglich 261 Millionen Euro an neuen Mitteln ein - wäre für die Branche kein Problem, betont Brandis. "Wir könnten auch doppelt so viel Geld in vielversprechende Jungunternehmen investieren wie bislang", argumentiert er. Damit wäre man vom amerikanischen Markt - mit 15,4 Milliarden Dollar Mittelzufluss im vergangenen Jahr - zwar noch immer weit entfernt. "Aber die Chancen für gute Wagniskapitalinvestments sind in Europa viel besser als allgemein wahrgenommen", resümiert der Earlybird-Gründer.
Quelle: FAZ vom 05. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Beteiligungsbranche fürchtet Brüsseler Richtlinie
Wagniskapital fließt nur als spärlicher Strom
hpa. FRANKFURT, 27. Mai. Privates Wagniskapital für junge Unternehmen aufzutreiben ist in Deutschland eine besonders mühsame Aufgabe. Lediglich 261 Millionen Euro konnten die hiesigen Wagniskapitalfonds im Jahr 2009 an neuen Mitteln bei den Investoren rund um den Globus einsammeln - ein Klacks im Vergleich zu den Beträgen, die in Amerika (15,4 Milliarden Dollar) oder auch in Frankreich (727 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt wurden. Die Stimmung in der deutschen Venture-Capital-Branche ist denn auch spürbar zurückhaltender als bei den "großen Geschwistern" aus dem klassischen Beteiligungsgeschäft (Private Equity). "Hemmschuh bleibt, dass die Wagnisfinanzierer weiterhin große Probleme bei der Einwerbung von Fondsmitteln haben", erläutert Norbert Irsch, der Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Die Lage habe sich in diesem Jahr eher noch verschlechtert, weil insbesondere Versicherungen und Pensionsfonds noch zögerlicher mit Investments in Wagnisfonds geworden seien, heißt es in der Branche.
Noch weiter verschärfen könnte sich das Problem, wenn die derzeit heftig debattierte Richtlinie zur Regulierung von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften (AIFM) nicht in letzter Minute noch wesentlich abgeändert wird. Augenblicklich streiten sich die Brüsseler Kommission, der Ministerrat und das Europaparlament noch um die endgültige Fassung. Die entscheidenden Gespräche sollen Anfang kommender Woche beginnen, so dass die Richtlinie bis August vorliegen könnte. Allen Entwürfen sei bislang gemein, dass sie das Wagniskapitalgeschäft unangemessen stark belasten und damit noch weniger attraktiv machen würden, klagen die Fondsmanager.
Brüssel müsse aufpassen, "dass man der enorm wichtigen Kapitalquelle Venture Capital nicht durch eine unangemessene Regulierung den Hahn abdreht", formuliert es Dörte Höppner, die Geschäftsführerin des deutschen Branchenverbands BVK. Dabei will zumindest das Parlament den Wagnisfinanzierern ein Stück weit entgegenkommen. Die Anforderung, künftig alle Bilanzen durch einen weiteren, externen Wirtschaftsprüfer bewerten zu lassen, soll für Venture Capital ebenso wenig gelten wie die Vorschrift einer unabhängigen Depotbank, sagt Uli Fricke, die Mitgründerin der Wagniskapitalgesellschaft Triangle Ventures.
Doch es bleiben andere große Baustellen. Etwa die geplante Drittstaatenregelung, wonach ausländische Fonds in Europa im Grunde nur noch dann aktiv sein dürfen, wenn sie sich der hiesigen Regulierung unterwerfen. Das, so fürchtet man, werde auch die wichtigen Investoren aus Amerika abschrecken.
Aber es sind vor allem die angedachten Berichtspflichten für alle Portfolio-Unternehmen ab einer Größe von 50 Mitarbeitern, die der Branche sauer aufstoßen. Offengelegt werden müssten dann sowohl Geschäftszahlen als auch zum Beispiel Forschungspläne - nicht nur den jeweiligen Geldgebern, sondern auch den Regulierungsbehörden und den eigenen Mitarbeitern. "Das würde die Wettbewerbslandschaft verschieben. Unternehmen, die sich im Besitz von Banken oder Familienvermögen befinden, haben keine solche Berichtspflichten", moniert Fricke. Viele Jungunternehmen haben zu Beginn zwar nur eine Handvoll Mitarbeiter. "Aber wir wollen ja Wachstum finanzieren, und nach einigen Jahren haben viele Betriebe diese Mitarbeiterzahl erreicht", sagt Fricke.
In der Folge drohe, dass die besten und innovativsten Jungunternehmen ihre Kapitalgeber vermehrt im außereuropäischen Ausland suchen werden, ergänzt Hendrik Brandis, Geschäftsführer der Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. "Das hat viel mit der Psychologie von Unternehmensgründern zu tun, die eine ungeheure Sorge vor der Veröffentlichung ihrer Ideen haben", erläutert er. Selbst wenn die drohenden AIFM-Berichtspflichten sich in der Praxis als gar nicht so schwerwiegend erweisen würden, am Ende könnten für die hiesigen Wagnisfinanzierer unter den interessanten Jungunternehmen "nur die weniger aussichtsreichen übrig bleiben", warnt Brandis. Die Branche fordert daher, dass die Schwelle, ab welcher die Berichtspflichten gelten, auf 250 Mitarbeiter erhöht wird.
Hinzu kommt, dass die neuen Berichtspflichten ebenso wie einige andere Vorgaben der AIFM-Richtlinie den Wagniskapitalgesellschaften deutlich mehr Bürokratie und damit auch Kosten aufbürden würden. "Das erhöht die Fixkosten für jede einzelne Transaktion und schafft insbesondere in der Frühphasenfinanzierung wirkliche Probleme", sagt Hansjörg Sage, Partner der belgischen Beteiligungsgesellschaft Gimv. "Viele außereuropäischen Staaten erleichtern Wagniskapitalgesellschaften das Leben, daher sollte Europa es ihnen nicht erschweren", resümiert Sage. (Kommentar, Seite 20)
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Quelle: FAZ vom 28. Mai 2010. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Auf einen Blick
An Förderprogrammen, Initiativen, Plattformen und Wettbewerben für Gründer mangelt es hierzulande nicht. Im Vorteil ist, wer sich schnell einen Überblick und Orientierung verschafft. Denn nicht alle Angebote sind für jeden geeignet. Eine Übersicht über die wichtigsten Programme und Wettbewerbe für Gründungswillige.
Gründerland Deutschland
Den Unternehmergeist fördern, die Lust auf Selbständigkeit entfachen: Das ist Ziel der im Januar gestarteten Initiative "Gründerland Deutschland" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Schwerpunkte sind die Themen Gründerkultur, Ausbildung, Innovation sowie Unternehmensnachfolge. Die in enger Partnerschaft mit der Wirtschaft entwickelte Initiative baut etwa Gründungsinitiativen an Schulen aus und stellt kostenlos Lehrmaterialien zur Verfügung. Außerdem plant das BMWi vom 15. bis 21. November eine Gründerwoche Deutschland mit bundesweiten Veranstaltungen und Events im Rahmen der internationalen "Global Entrepreneurship Week". Das Programm "Zweite Chance" richtet sich ausschließlich an insolvente Gründer. Sie sollen durch eine kürzere Frist zur Restschuldbefreiung schneller die Chance für einen neuen Anlauf erhalten.
www.bmwi.de
Gründungsstarter
Die meisten Gründer stehen vor einem gemeinsamen Problem: Wie bloß den Überblick über alle relevanten Daten und Rechtsvorschriften behalten, die es unbedingt einzuhalten gilt? Die Lösung liegt nah: Viele Gründer engagieren einen Berater, stehen nun aber vor einem weiteren Problem: Wie sollen sie kompetente Experten von weniger fähigen Beratern unterscheiden? Unterstützung bietet die von der KfW geförderte Online-Plattform gruendungsstarter.de. In einem ersten Schritt registrieren sich dort Existenzgründer und Jungunternehmer, bevor sie ihre Gründungsdaten eingeben und eine Reihe von Fragen zu ihrem Gründungsvorhaben beantworten. Aus einer Trefferliste wählen sich die Gründer dann maximal drei Berater aus, die die eingegebenen Gründungsdaten per E-Mail zugeschickt bekommen. Sofern ein Berater an der Anfrage interessiert ist, erstellt er ein Beratungsergebnis, das umfassende Infos zu allen relevanten Rechtsvorschriften sowie eine To-do-Liste enthält.
www.gruendungsstarter.de
Deutscher Gründerpreis
410 000 deutsche Unternehmer wagten 2009 den Weg in die Selbständigkeit - gegenüber 2008 ist die Zahl um knapp 3 Prozent gestiegen. Zahlreiche Wettbewerbe tragen dazu bei, ein solch positives Gründungsklima in Deutschland zu fördern und Gründungswilligen Mut zu machen. Eine der bedeutendsten Auszeichnungen ist der Deutsche Gründerpreis. Er zeichnet vorbildhafte Leistungen aus, die innovativen und tragfähigen Geschäftsideen den Weg bereiten. Vom Schülerplanspiel über die Kategorien Start-up und Aufsteiger bis hin zum Lebenswerk: Was für die Juroren zählt, ist der Vorbildcharakter der Unternehmensleistung.
www.deutscher-gruenderpreis.de
Gründerinitiativen Sachsen
Den Gründergeist an sächsischen Universitäten und in außeruniversitären Forschungseinrichtungen fördert unter anderem das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Dafür wurde 2008 das Programm "Gründerinitiativen" aufgelegt. Die bisher entstandenen vier Initiativen Dresden exists, Smile (Leipzig), Saxeed (Chemnitz) und die Gründerakademie (Zittau) tragen zur Verbesserung des Gründungsklimas bei.
http://www.smwa.sachsen.de
Jugend gründet
Gut geplant ist halb gewonnen - unter diesem Motto simulieren Schüler und Auszubildende bei "Jugend gründet" alle Phasen einer Unternehmensentwicklung - und zwar spielerisch. Bei dem bundesweiten Onlinewettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellen sie in der ersten Wettbewerbsphase zunächst einen soliden Businessplan für eine innovative Produkt-, Handels- oder Dienstleistungsidee. In der sogenannten Planspielphase simulieren sie dann die ersten acht Jahre der Unternehmensentwicklung mit virtuellen Computergegnern als Konkurrenten.
www.jugend-gruendet.de
Best Excellence
Orientierungslosigkeit, Unsicherheit, Informationsmangel: Das sind drei von vielen Hürden, die Gründer auf dem Weg zum eigenen Unternehmen überwinden müssen. Eine umfassende Unterstützung bietet hier die Gründungsinitiative Best Excellence. Und zwar nicht nur bis zum Markteintritt, sondern sogar bis zur erfolgreichen Marktetablierung. Der Gründer durchläuft dabei einen fünfstufigen Prozess von der Idee über die Businessplan-Phase bis hin zum Markterfolg. Veranstaltungen und Workshops stärken währenddessen seine Kompetenz. Leitfäden, Checklisten und gezielte Coachings geben ihm Orientierung und Sicherheit.
www.best-excellence.de
start2grow
"Jede Idee verdient eine Chance!" - unter diesem Motto begleitet der start2grow-Wettbewerb Gründer aus ganz Deutschland auf dem Weg in die Selbständigkeit. Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, ihre Geschäftsidee schnell und fundiert umzusetzen. Der Wettbewerb steht Teilnehmern aus allen Branchen offen. Schwerpunkte bilden die Informationstechnologien sowie die neuen Technologien, also etwa die Mikro-/und Nano- oder die Bio- und die Effizienztechnologie. Wer mitmachen möchte, braucht zunächst nur eins: eine erste Idee für ein innovatives Produkt oder eine Dienstleistung. Rund ein halbes Jahr haben die Teilnehmer dann Zeit, ihre Ideen in tragfähige Konzepte umzusetzen. Auf die Gewinner warten hohe Preisgelder sowie Sonder- und Sachpreise.
www.start2grow.de
VDG
Ob auf Landes- oder Bundesebene: In vielen Regionen Deutschlands finden Jungunternehmer Unterstützung für ihr Gründungsvorhaben. Einige dieser Initiativen haben sich 2004 im Verband Deutscher Gründungsinitiativen (VDG) zusammengeschlossen, dem heute mehr als 50 Mitgliedsorganisationen angehören. In dem Verband entwickeln die Initiativen einerseits ihre eigenen Förderangebote weiter, indem sie den Diskussionsprozess vorantreiben, Qualitätsstandards formulieren, innovative Ansätze verbreiten und voneinander lernen. Andererseits bündelt der VDG als Dachorganisation die Interessen der Gründungsinitiativen, der Klein- sowie Kleinstgründer/innen und vertritt sie nach außen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
www.vdg-forum.de
Step Award
Zukunftsbranchen wie Pharma, Chemie, Life Science, Bio-/Nanotechnologie, Medizintechnik und Greentech sind Wachstumsbranchen. Der von Infraserv Höchst und dem F.A.Z.-Institut initiierte Step Award hat das Ziel, Unternehmen aus diesen Branchen in der Wachstumsphase wichtige Impulse für ihre erfolgreiche Entwicklung zu geben. Der Gesamtsieger erhält einen Preis im Wert von 100 000 Euro. Die Hälfte davon als Geldpreis, 50 000 Euro als Servicepaket. Darin enthalten sind unter anderem Strategie- und Rechtsberatungen, ein Versicherungs-Check sowie Einbindung in Marketing und Kommunikation. Vier weitere Auszeichnungen werden in den Kategorien "Markt/Kunde", "Produkt/Technologie", "Prozesse" und "Finanzen" vergeben. Die nächste Bewerbungsphase startet Anfang Mai.
www.step-award.de
futureSax
Über 230 Unternehmensgründungen und mehr als 2850 Beschäftigte: Das sind die Kennzahlen des sächsischen Gründernetzwerks futureSax. Mit Hilfe eines dreistufigen Businessplan-Wettbewerbs, kostenfreien Seminaren und einem großen Netzwerk unterstützt futureSax Jungunternehmer in ihrem Gründungsvorhaben. Die Ideenvielfalt der aktuellen Preisträger des Businessplan-Wettbewerbs ist groß: Sie reicht vom neuartigen Wundpflaster zur Behandlung von Hornhautverletzungen am Auge über ein spielerisches Sehtraining zur computergestützten Behandlung schielender Kinder sowie eine neuartige Sensortechnik zur Fruchtbarkeitsanalyse bis hin zu ultraleichten und funktionalen Pappmöbelstücken für Studenten und Geschäftskunden. Finanziert wird das Netzwerk vom Freistaat Sachsen sowie 21 Industrie- und Kapitalgebern.
www.futuresax.de
EAH
Anträge zu späten Nachtzeiten stellen, ohne dabei vor die Haustür gehen zu müssen: Das ermöglicht das 2009 gestartete Online-Portal "Einheitlicher Ansprechpartner Hessen" (EAH). Um welches Gründungsvorhaben es sich auch handelt: Verschiedenste Start-ups können ihre Anliegen nun online abwickeln. Der EAH informiert auf seiner Website über die Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltungen, berät Antragsteller und bietet eine Online-Plattform an, auf der Anträge im gewerblichen Umfeld elektronisch gestellt werden können. All diese Verfahren werden zentral koordiniert, an die zuständigen Städte, Gemeinden sowie bei Bedarf an Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer weitergeleitet. Der "Einheitliche Ansprechpartner" stellt dem Antragsteller dann automatisch die fertige Genehmigung oder Ablehnung zu.
www.eah.hessen.de
Science4Life
Eine gute Idee allein garantiert weder Geld noch Erfolg. Vielmehr besteht das Fundament eines aufstrebenden Unternehmens aus zwei weiteren Komponenten: einem zukunftsfähigen Marktsegment und dem zielgerichteten Unternehmergeist der Gründer. Ein guter Businessplan verbindet diese drei Säulen zu einer Basis für die unternehmerische Zukunft. Der Science4Life Venture Cup der Gründungsinitiative Science4Life unterstützt Start-ups dabei, den eigenen Businessplan zu erstellen, und schult sie darin, potentielle Kunden, Investoren, Mitarbeiter und Kooperationspartner von dem eigenen Geschäftskonzept zu überzeugen. Die vom Land Hessen und dem Pharmakonzern Sanofi-Aventis gegründete Initiative richtet sich an die Branchen Life Sciences und Chemie.
www.science4life.de
Exist
Exist, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, hat ein großes Ziel: die Zahl technologie- und wissensbasierter Unternehmensgründungen zu steigern. Dahin sollen drei Säulen führen: Exist III fördert Projekte von Hochschulen und außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen, die ein Qualifizierungs- und Unterstützungsangebot für wissenschaftsorientierte Gründungen aufbauen. Das Exist-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventen und Wissenschaftler dabei, individuelle technologieorientierte Gründungsvorhaben vorzubereiten. Die letzte Säule bildet der Exist-Forschungstransfer, der sowohl Entwicklungsarbeiten, die die technische Machbarkeit einer forschungsbasierten Gründungsidee nachweisen, als auch notwendige Vorbereitungen für den Unternehmensstart fördert.
www.exist.de
"Unternimm was"
Innovationen sind für die Hightech-Branche essentiell. Um die Innovationskraft der Branche zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen, hat Microsoft 2005 die Gründerinitiative "unternimm was" ins Leben gerufen. Sie begleitet Start-ups aus der Hightech-Branche auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen. Ausgewählte junge Unternehmen fördert die Initiative jeweils mindestens ein Jahr lang durch eine intensive Betreuung. Microsoft-Spezialisten unterstützen die Start-ups bei der technologischen Weiterentwicklung ihrer Produkte. Gemeinsam mit den Experten bringen die Unternehmen so ihre Lösungen schneller auf den Markt.
www.microsoft.com/germany/gruender/
Exba
Wirtschaftlich schwierige Zeiten bekommen vor allem Gründer zu spüren - die Suche nach Kapital stellt für manchen Jungunternehmer gerade jetzt eine große Hürde dar. Die Exba Exchange for Business Angels GmbH hat eine Plattform entwickelt, die kapitalsuchende Unternehmen mit über 500 potentiellen Investoren (Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften und Family Offices) zusammenbringt. Gründer präsentieren hier ihr Geschäftsmodell und erstellen - ebenso wie die Investoren - ein Profil. Nach der Vorstellung bei den Investoren und dem Listing auf dem Marktplatz begleitet die Exba Gründer aktiv bei der Kapitalsuche. Neben der virtuellen Kontaktaufnahme präsentieren sich die Gründer auch auf Präsenzveranstaltungen.
www.exchangeba.com
Quelle: FAZ vom 19. April 2010. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Geburtshilfekurs
Wer die deutsche Volkswirtschaft international wettbewerbsfähig halten möchte, muss "Querdenkern" und risikobereiten Unternehmensgründern eine Chance geben. Denn nur mit neuen Ideen kann man sich dauerhaft im Markt etablieren.
In der aktuellen wirtschaftlichen Situation bestimmen Pläne und Maßnahmen zur Senkung von Kosten das unternehmerische Handeln. Lieferanten werden gedrückt, Mitarbeiter abgebaut, Leistungen gekürzt. Nun gehört Kostenkontrolle zwar zu den Pflichtaufgaben eines Unternehmens, für nachhaltigen Erfolg ist das aber nicht genug. Denn Produkte und Dienstleistungen haben einen Lebenszyklus: Irgendwann - je nach Branche früher oder später - "sterben" sie, werden verdrängt und nicht mehr nachgefragt. Kommen keine neuen Produkte nach, stirbt auch das Unternehmen. Ebenso ist es bei Volkswirtschaften.
Deshalb sind Innovationen gerade auch in einer Krise für Unternehmen und Volkswirtschaften überlebenswichtig. Woher aber kommen Innovationen im Wirtschaftsprozess? Oft wird gesagt, der Mittelstand sei der Motor für Innovation. Diese Aussage ist sicher zu einfach, denn Innovationen kommen auch von großen Konzernen, und außerdem gibt es auch lethargische Mittelständler. Man muss deshalb differenzierter ansetzen. Im technologischen Bereich beispielsweise entstehen bahnbrechende Fortschritte in der Regel auf der Basis von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Beispiel Biomedizin
Diese Erkenntnisse werden dann von Erfindern zur Unternehmensgründung und -entwicklung genutzt. Ein Beispiel dafür sind biotechnologische Medikamente. Diese völlig neue und sehr erfolgreiche Art von Medikamenten wurde nicht in der etablierten Pharmaindustrie entwickelt, sondern kam über Unternehmensneugründungen auf den Markt. Die biotechnologische Industrie gilt mittlerweile als eine Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts. Sie ist ein Beispiel dafür, dass gerade bahnbrechende Innovationen selten in etablierten Unternehmen reüssieren. Andere Beispiele finden sich in der Energieerzeugung (Solarzellen) und in der IT-Industrie, wo Unternehmensgründungen in wenigen Jahrzehnten ganze Industriesektoren neu geschaffen haben. Große Unternehmen stehen weitreichenden Innovationen dagegen oft skeptisch gegenüber.
Ihre Kultur erträgt Querdenker nur in begrenztem Umfang. Für eine Volkswirtschaft sind diese Querdenker aber unverzichtbar, da sie technologische und wissenschaftliche Trends früher erkennen und in neue Produkte und wirtschaftliches Wachstum übersetzen. Bahnbrechende Innovationen stammten in der Vergangenheit oft von Unternehmensgründern und - zunächst noch - kleinen Unternehmen, die sich später zu Großkonzernen weiterentwickelten.
Das A und O: gute Wissenschaft
Doch in welchem Klima gedeihen solche innovativen und wachstumsstarken Unternehmen? Wie fördert man sie, damit auch die gesamte Volkswirtschaft weiter wächst? Eine erste Voraussetzung für Innovationen ist gute Wissenschaft. Daran mangelt es in Deutschland nicht. Gemessen an der Zahl der Patentanmeldungen, also der zumindest potentiell auch wirtschaftlich verwertbaren Wissenschaft, liegt Deutschland weltweit mit an der Spitze. Eine zweite Voraussetzung sind Unternehmer, insbesondere Gründer, die willens und dazu in der Lage sind, einen der schwierigsten Jobs in einer Volkswirtschaft zu übernehmen: ein Unternehmen mit neuen Produkten, noch aufzubauender Infrastruktur und ohne existierende Kundenbasis gegen beißende Konkurrenz bei hohem eigenen Risiko zu etablieren. Hier könnte Deutschland besser sein, insbesondere im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, war aber auch schon mal schlechter. Dritte Voraussetzung ist die Finanzierung. Hier hat Deutschland heute ein Problem: Verglichen mit den Vereinigten Staaten, Frankreich oder Israel, gibt es hierzulande viel zu wenig Risikokapital für innovative junge Unternehmen. Will man das hohe Innovations- und Wachstumspotential Deutschlands nicht verschwenden, muss man an genau diesem Punkt ansetzen.
Dabei wird es nicht helfen, einfach nur mehr staatliche Mittel mit der Gießkanne über die Gründerszene zu streuen. Nötig ist vielmehr "smart money", also Kapital, das um die Risiken dieser speziellen Geldanlage weiß und deren Chancen durch unternehmerischen Einsatz zu steigern vermag. Es wird durch Business Angel und Venture-Capital-Gesellschaften bereitgestellt. Der Staat hingegen müsste die Rahmenbedingungen für derartige Investments attraktiver gestalten. Dabei geht es nicht nur um steuerliche Anreize, sondern auch um Transparenz, Berechenbarkeit und Bürokratieabbau. Sonst bleibt es weiterhin beinahe unmöglich, ausländisches Kapital für die Finanzierung von innovativen Gründungen anzuziehen, und Deutschland wird auch zukünftig den Löwenanteil des für Innovationsfinanzierung geneigten heimischen Kapitals an ausländische Märkte verlieren.
Quelle: Dr. Bernhard Schirmers, Partner, SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement, Tübingen, FAZ vom 14. April 2010. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Viel Geld für gute Ideen
Börsenstars von morgen: Künstliche Knochen, Biokohle aus Pflanzenabfällen und Nachhilfe übers Internet - das sind neue Geschäftsideen, die Wagniskapitalgeber jetzt fördern. Anleger können daran sogar mitverdienen.
Der Satz "Not macht erfinderisch" kommt nicht von ungefähr: Gerade wenn die Wirtschaft mal nicht gut läuft, wird der Mensch kreativ und erfindet Innovationen, mit denen es bald wieder aufwärtsgehen könnte. Wenn man Tüftler und Gründer gerade dann unterstützt, kommen Technologien auf den Markt, die mal ganz groß werden. Aber gerade jetzt fällt es Gründern schwer, Kapital für eine Geschäftsidee zu bekommen.
Das wissen Wagniskapitalgeber. Deshalb unterstützen Traditionskonzerne wie Siemens oder RWE mit eigenen Venture Capital Fonds neue Ideen. Auch gestandene Manager stoßen mit ihrem Geld neue Gründer an. Natürlich nicht ganz uneigennützig: Jeder hofft, später gut mitzuverdienen. Auch Privatanleger handeln clever, wenn sie hinschauen, in welche Bereiche die Venture Capital Fonds ihr Geld stecken. Es könnten die Boombranchen von morgen sein.
Zwar kann man sich an den meisten Fonds nicht direkt beteiligen - es sei denn, man hat ein paar Millionen Euro übrig oder man wagt es, sich über Jahre an einen geschlossenen Fonds zu binden, dessen Geschäftserfolg komplett in den Sternen steht. Einer der ersten für Privatinvestoren zugänglichen geschlossenen Fonds, die neue Technologien finanzieren, ist etwa der Chorus Clean Tech Equity, doch auch der verlangt einen Mindesteinsatz von 10 000 Euro. Aber: Es gibt in Europa 150 Wagniskapitalgesellschaften, die an der Börse sind, weltweit sogar 250. Darunter die 3i Group, die Triangle Venture Capital Group oder die bmp AG. Wer also das Risiko nicht scheut, kann mit Aktien indirekt auf Gründer setzen - oder warten, bis die Wagniskapitalgeber die Firmen später an die Börse bringen.
Kommunikation
Fernsehen für unterwegs.
Der eine sieht gern den Sonntagskrimi, sitzt aber um diese Zeit auch gern mit Freunden beisammen. Der andere schaut gern Gerichtsshows, arbeitet aber, wenn sie laufen. Und der dritte mag ohne die stündlichen Nachrichten von den Weltbörsen nicht mehr leben, ist aber dummerweise ständig unterwegs. Ihnen allen kann geholfen werden: Auf der Internetseite der Firma dailyme.tv kann man das herunterladen, was viele Medienschaffende bisher noch als Zukunftsmusik abgetan haben: das eigene personalisierte Fernsehprogramm. Das deutsche Start-up hat schon rund 600 Sendungen von öffentlich-rechtlichen wie privaten Sendern im Programm. Aus der Liste wählen die Zuschauer diejenigen aus, die sie sich schicken lassen wollen und die werden ihnen dann aufs Handy gesendet. Internationale Nachrichten gibt es auch, aber keine ausländischen Shows oder Reportagen, das ist wohl eine Frage der Lizenzen. Für das Handyfernsehen-to-go erhebt der Erfinder, mando.tv, vom bewegten Zuschauer nicht einmal Abogebühren. Der Dienst finanziert sich über Werbeeinblendungen - ganz wie im richtigen Fernsehen. Die börsennotierte Venture-Capital-Gesellschaft bmp Media Investors setzt auf das Konzept, genau wie die IBB Beteiligungsgesellschaft, die den Fonds Technologie Berlin verwaltet, und die KfW.
Noch bewegt sich das mobile Fernsehen in einer Nische, aber Handyhersteller und Netzbetreiber wie Vodafone hoffen seit Jahren, dass es sich bald zu einem Massenmarkt entwickeln wird.
Medizintechnik
Dialyse für zu Hause.
Das Schlimmste für Patienten, die mit einem Nierenleiden zu kämpfen haben, war bisher, dass sie regelmäßig zur Blutwäsche ins Krankenhaus müssen. Das nämlich ist nicht nur mühsam, sondern schränkt den Bewegungsradius auch enorm ein. Deshalb klingt das neue Gerät der Firma Quanta für sie wie eine Erlösung: Die Firma baut Dialysegeräte, die klein und tragbar sind und dazu noch einfach zu bedienen. Die können Patienten mitnehmen und auch zu Hause einsetzen. Sie funktionieren über eine Kartusche, die regelmäßig ausgewechselt wird. Das Dialysegerät für daheim könnte zwei Millionen Menschen weltweit helfen, die mit einem schweren Nierenleiden leben. Bisher werden weniger als fünf Prozent von ihnen zu Hause behandelt. Einen 27 Milliarden Euro schweren Markt macht die Venture- Capital-Gesellschaft Wellington bei der Dialyse aus. Das war der Hauptgrund dafür, dass Wellington sich mit 10 Millionen an der britischen Firma Quanta beteiligte.
Gerade in den Bereich der Medizintechnik pumpen die Wagniskapitalgeber enorme Summen. In Deutschland kommt jedes fünfte früh geförderte Unternehmen aus diesem Bereich und noch einmal so viele aus der Biotechnologieecke. Schließlich wird in beiden Feldern sehr viel geforscht. Viele Start-ups sind daher auch Ausgliederungen aus Universitäten. Zu den innovativen Ideen in der Medizin zählen derzeit auch die künstlichen Knochen, die die britische Firma Apatech entwickelt. Sie wird finanziell angeschoben von der börsennotierten Venture-Capital-Gesellschaft 3i Group.
Software und IT
Spartipps fürs Konto.
Wie hoch die Monatsmiete für die Wohnung ist, könnten die meisten ja noch sagen. Aber wie viel geht eigentlich regelmäßig fürs Auto drauf? Für Essen, Kleidung oder das Telefon? Da wird es schon schwierig. Deshalb hat ein amerikanisches Start-up-Unternehmen ein Programm entwickelt, mit dem Nutzer ihre Finanzen besser im Griff haben sollen: Auf www.mint.com können Interessenten sämtliche Zugangsdaten zu Konten eingeben, zu Kreditkarten, Aktiendepots und Krediten. Mint bündelt die Daten, aktualisiert ständig die Eingänge und Abflüsse auf all diesen Konten und erstellt daraus eine genaue Finanzübersicht. Das Praktische: Anders als beim klassischen Haushaltsbuch muss keiner mehr Belege sammeln und Ausgaben mühsam aufaddieren. Das Programm gleicht alles auf Knopfdruck ab - ähnlich wie ein E-Mail- Programm alle Mails unserer elektronischen Postfächer bündelt. Mint warnt sogar, bevor man sein Konto überzieht oder wenn ungewöhnliche Abbuchungen auftreten, die vielleicht von Betrügern stammen könnten. Zudem ist das Programm auch noch kostenlos. Die Firma verdient daran, dass sie den Kontockecker an Banken verkauft, die ihn gratis an Kunden verteilen. Oder indem sie dem Nutzer Vorschläge macht, wo er Produkte oder Geldanlagen billiger bekommt. Dafür kassiert Mint eine Provision von den Banken und Geschäften, zu denen der Kunde wechselt. Das Programm, das es auch als iPhone-App gibt, schien Google Ventures so originell, dass die Wagniskapitalabteilung der weltgrößten Suchmaschine ihm 12 Millionen Dollar lieh.
Erneuerbare Energie
Biokohle aus Abfall.
Die Idee klingt erst mal unglaublich: Wurzeln und Hirsegräser sind eigentlich Teile von Pflanzen, die niemand wirklich braucht. Aber mit dem richtigen Verfahren lässt sich aus dieser Masse eine Biokohle machen, die zu Pellets gepresst wird und verbrannt werden kann - sogar in den herkömmlichen Kraftwerken, zusammen mit der üblichen Steinkohle. Auf die Geschäftsidee mit der Biokohle sind ein paar niederländische Firmengründer gekommen, und sie haben sich auch gleich die exklu- siven Rechte an einem Herstellungsverfahren für Biokohlepellets gesichert. Damit haben sie den RWE-Konzern bereits überzeugt. Dessen Venture- Capital-Abteilung RWE Innogy hat sich bereits zu 25 Prozent an der Firma Topell beteiligt, auch wenn niemand über die genaue Summe spricht. Denn im Vergleich zur klassischen Kohle haben die Pellets eine sehr hohe Energiedichte und deshalb lassen sie sich mit besseren Brennwerten verfeuern und stoßen dabei weniger CO2 aus, sagt RWE.
Auf umweltfreundliche Technologien und regenerative Energien setzen sehr viele Firmen. Die Biokohle gilt dabei als eines der innovativsten Projekte. Andere Venture-Capital-Geber wie Siemens fördern zum Beispiel Coulomb Technologies, einen Hersteller von Elektrotankstellen. Der Chorus Clean Tech Fonds hat sich vor allem auf die Finanzierung von Solarzellenherstellern spezialisiert, darunter die Firma Solarcentry. Sie stellt Fassadenelemente für Hauswände her, in die Solarmodule eingebaut sind. So speichern bald viele Wände Sonnenkraft.
E-Learning
Wissen für die Welt.
Lernen am Bildschirm - das klingt so, als wäre es nicht ganz neu. Aber auch im E-Learning- Bereich entwickeln junge Firmen viele Dinge, die das Zeug zur Bildungsrevolution haben könnten. Da wäre etwa das Konzept von Brightstorm: Die amerikanische Firma filmt Lehrer beim Unterrichten und stellt die Filme ins Netz. Allein 2000 Kurzvideos erklären Matheaufgaben von Kopfrechnen bis Algebra. Aber das ist nicht alles: Drumherum entsteht eine Plattform aus Foren, Tutorien, Lernmaterialien und Übungsaufgaben, die Schülern das Lernen erleichtern soll. Sie können Tests ablegen und gleich die Ergebnisse ansehen, andere um Hilfe fragen und sich ihren persönlichen Lehrplan zusammenstellen - und das für ein paar Dollar im Monat. Über 100 000 Schüler nutzen das schon. Die Idee war der koreanischen Venture-Capital-Gruppe KTB und Silicon Valley Venture Capital ein paar Millionen Dollar Startkapital wert.
Geradezu revolutionär, so sagen E-Learning-Experten, könnte auch die Idee von Flatworldknowledge sein: Die Firma, die von KTB und Thomson Financial Venture mitfinanziert wird, stellt im Netz kostenlos Lehrbücher zur Verfügung. Dadurch sparen Schüler, Studenten und Eltern eine Menge Geld. Wer die Bücher nun doch lieber ausdrucken möchte, bezahlt dafür, aber nicht die Welt. Das Besondere: Jeder kann sich das Material auch kapitelweise zusammenstellen und sich so das Beste heraussuchen. Das könnte den Markt der Schulbücher neu aufrollen und Wissen verbreiten, als wäre die Welt doch eine Scheibe.
Quelle: VON NADINE OBERHUBER, FAZ vom 28. März 2010. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Mittelständische Beteiligungsgesellschaften beweisen Stabilität in der Finanz- und Wirtschaftskrise
Die im Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zusammengeschlossenen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften haben 2009 in einem schwieriger gewordenen Umfeld einen signifikanten Beitrag zur Stabilisierung mittelständischer Unternehmen geleistet. Insgesamt investierten die 15 Beteiligungsgesellschaften 137 Mio. € in 406 mittelständische Unternehmen und unterstrichen damit die Rolle der Beteiligungsgesellschaften als Finanzierungspartner des Mittelstandes. Als Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft sind die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften als Kapitalgeber für den Mittelstand wettbewerbsneutral aufgestellt und sehr eng mit ihrer Region verbunden. Sie investieren vornehmlich in Form stiller Beteiligungen und ausschließlich im eigenen Bundesland. Als wichtiger Teil des deutschen Beteiligungsmarktes investieren sie vornehmlich in kleine mittelständische Unternehmen, aber auch in Unternehmensgründungen.
Auch wenn die Mittelständische Beteiligungsgesellschaften gegenüber dem Vorjahr (158 Mio. € in 504 Unternehmen) rund 13 % weniger investierten, verlief das Geschäft angesichts der eingetrübten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesem Bereich des Beteiligungsmarktes noch vergleichsweise stabil. Dies beweisen auch die Genehmigungen, die mit 158 Mio. €/554 Beteiligungen ebenfalls nur leicht unter dem Vorjahreswert (168 Mio. €/591 Beteiligungen) lagen, aber das Investitionsvolumen übertrafen und damit einen positiven Ausblick auf das Jahr 2010 zulassen. Traditionell ist das Investitionsverhalten der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften wesentlich von der Investitionstätigkeit des Mittelstands im Rahmen von Wachstumsprojekten und Kapitalverstärkungen geprägt. Die konjunkturelle Abkühlung hat die Investitionstätigkeit und Wachstumspläne der Unternehmen hart getroffen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Aktivitäten der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften. So rückte die Stabilisierung der Portfoliounternehmen im Jahr 2009 stärker in den Vordergrund. Hier profitierten zahlreiche Mittelständler auch von der engen Zusammenarbeit mit den Bürgschaftsbanken.
Partner und Impulsgeber des Mittelstandes
Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften unterstützen den deutschen Mittelstand seit fast 40 Jahren und haben sich zu einem wichtigen Partner entwickelt. Seit ihrem Bestehen finanzierten die Gesellschaften rund 11.000 mittelständische Unternehmen mit mehr als 3,3 Mrd. €. Dabei bauten die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften ihre Aktivitäten in den letzten zehn Jahren sukzessive aus, was auch auf die gestiegene Bedeutung und Akzeptanz von Beteiligungskapital bei den Unternehmen zurückzuführen ist. Hielten sie im Jahr 2000 noch 2.400 Beteiligungen mit über 860 Mio. €, waren es 2009 bereits 3.240 Unternehmen mit einem Volumen von rund 1,2 Mrd. €. Diese Unternehmen beschäftigen rund 245.000 Mitarbeiter und wiesen einen Umsatz von 30 Mrd. € aus. Ihren Erfolg verdanken die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der konsequenten Ausrichtung an den Finanzierungsbedürfnissen des Mittelstandes. Zudem erweiterten viele ihr Beteiligungsangebot für junge Technologieunternehmen und starteten Programme zur Förderung von Unternehmensnachfolgen im Mittelstand.
Ausblick
Bei vielen Unternehmen werden die Jahresabschlüsse 2009 deutliche Spuren der Krise aufweisen, was sich auf die Ratingeinschätzungen der Banken auswirken wird. Das wird den Zugang zu Fremdkapital weiter erschweren und auch verteuern - teilweise mit existenziellen Folgen für viele Unternehmen. Eine ausreichende Eigenkapitalausstattung kann hier Härten verhindern, weshalb die deutschen Beteiligungsgesellschaften und mit ihnen die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften auch für 2010 keinen Rückgang der Nachfrage nach Beteiligungskapital erwarten. Deshalb wird von einem Anstieg der Investitionen ausgegangen. Zusätzliche Impulse für die eigene Geschäftstätigkeit erwarten die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften zudem vom Konjunkturpaket II der Bundesregierung und dadurch, dass beihilferechtliche Restriktionen, die das Geschäftsmodell der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in den letzten Jahren belastet haben, Ende 2009 weitgehend entfallen sind.
Hintergrundinformationen
Die ersten Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften wurden zu Beginn der 70er Jahre als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft gegründet. Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften investieren vornehmlich in Form stiller Beteiligungen und ausschließlich im eigenen Bundesland. Sie refinanzieren sich i.d.R. aus dem ERP-Beteiligungsprogramm der KfW und übernehmen als öffentlich refinanzierte Beteiligungsgesellschaften Förderaufgaben. Aktuell gibt es in jedem deutschen Bundesland eine Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, wobei Berlin und Brandenburg eine gemeinsame Gesellschaft haben.
Quelle: BVK vom 12. März 2010. Alle Rechte vorbehalten.
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"Gute Fonds nutzen die Lage für sinnvolle Zukäufe"
Nach Ansicht von Peter von Arx, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Credit Suisse in Deutschland, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neuanlage in Private Equity - trotz aller schlechter Nachrichten.
hpa. FRANKFURT, 6. August. Obwohl sie Milliardensummen verwalten, sind Beteiligungsgesellschaften ein elitärer Club. Direkt in Private Equity investieren können nur institutionelle Anleger oder sehr vermögende Privatkunden, allen anderen Interessenten bleibt allenfalls der Weg über Dachfonds - und auch dafür sind meist größere Mindestanlagesummen erforderlich. Angesichts der jüngsten Ergebnisse der Beteiligungsbranche mag so mancher Anleger im Nachhinein allerdings ganz froh sein, nicht in den Club eingelassen worden zu sein. Nach Angaben des Branchendienstes Prequin haben Private-Equity-Portfolien im vergangenen Jahr weltweit einen durchschnittlichen Verlust von 27,6 Prozent erwirtschaftet. Für 2009 weisen einige Fonds zwar schon wieder positive Renditen auf, dabei handelt es sich aber zumeist um Wertzuschreibungen auf zuvor extrem stark wertberichtigte Beteiligungen.
Insgesamt sind die Verluste der Private-Equity-Fonds 2008 geringer ausgefallen als etwa die Kursrückgänge der großen Börsenindizes S&P 500 oder MSCI Europe, schreiben die Prequin-Fachleute. Angesichts der hohen Gebühren für ein Private-Equity-Investment sowie der großen Renditeversprechen vieler Beteiligungsgesellschaften ist das Ergebnis aber mehr als mager. Und das hat spürbare Konsequenzen. "Die Anleger verhalten sich noch sehr zurückhaltend bei Neuinvestitionen im Bereich Private Equity", erläutert Peter von Arx, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Schweizer Bank Credit Suisse in Deutschland, im Gespräch mit dieser Zeitung. "Das ist ein psychologisches Problem, man will sich nicht längerfristig binden", sagt er. Und die zu erwartende Welle von Enttäuschungen und Ausfällen gerade bei den großen, spektakulären Übernahmen (Buy-outs) der vergangenen Jahre werde die Skepsis der Anleger noch verstärken, befürchtet er.
Dabei wäre seiner Ansicht nach genau jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neuanlage in Private Equity - ungeachtet all der schlechten Nachrichten vom Markt. "Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Beteiligungsgesellschaften werden jetzt deutlich. Die guten Fonds können nun opportunistisch vorgehen und die sinkenden Unternehmenspreise für sinnvolle Zukäufe nutzen", sagt von Arx. Geld genug für Neuinvestments ist vorhanden, laut der Prequin-Analyse sitzen die Private-Equity-Häuser rund um den Globus noch auf knapp 1100 Milliarden Dollar zugesagter Mittel. Zwar könnte längst nicht alles davon im Ernstfall auch wirklich bei den Investoren abgerufen werden, aber die Fondsmanager wären doch "in der Lage, große Kapitalsummen einzusetzen, sobald sich die Bedingungen für Investitionen verbessern", heißt es.
Und die Erfahrung mit Wirtschaftskrisen aus der Vergangenheit lehre, dass gerade solche Zeiten besonders gute Gelegenheiten für Private Equity bringen, ergänzt von Arx. Denn wer jetzt Unternehmen vergleichsweise günstig übernimmt und es versteht, sie operativ zu verbessern, könne langfristig auch sehr gute Renditen erzielen, erläutert er. Ohnehin sei Private Equity nur geeignet für Anleger mit längerfristigem Horizont, die ihre Vermögensanlage diversifizieren wollen. Einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren müssen Private-Equity-Investoren auf jeden Fall einkalkulieren, sagt der Credit-Suisse-Manager.
Die Schweizer Großbank hat auf dem deutschen Markt insbesondere die besonders solventen Kunden im Blick. Für das Basisinvestment in den Private-Equity-Dachfonds ist eine Mindestanlagesumme von 50 000 Euro erforderlich, ein direktes Investment in einen Beteiligungsfonds ermöglicht Credit Suisse ab 300 000 Euro. Mit diesem "gatekeeping" für vermögende Kunden, wie von Arx es nennt, habe Credit Suisse sich in den vergangenen zehn Jahren auf dem deutschen Markt nahezu eine Alleinstellung erobert. 150 Berater sollen sich um jeweils 30 bis 50 Kunden intensiv kümmern, im Augenblick habe man eine vierstellige Zahl von Kunden, sagt von Arx.
Zwei bis drei solcher Zugangsangebote zu einem Private-Equity-Fonds macht die Bank pro Jahr. Anfang dieses Jahres offerierte Credit Suisse ihren Kunden den kanadischen Onex-Partners-III-Fonds, der vor allem wachstumsstarke mittelständische Unternehmen als Beteiligung im Visier hat. Aktuell plaziert die Bank einen Sekundärmarktfonds der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Lexington Partners. Sekundärmarktfonds kaufen Anteile oder ganze Firmenportfolien anderer Private-Equity-Gesellschaften vergleichsweise günstig auf und versuchen dann eine Wertsteigerung zu erzielen.
Von Arx sieht für diese Spezialisten gerade in der jetzigen Marktphase besonders gute Chancen heraufziehen. Im historischen Schnitt werden 4 bis 5 Prozent aller Private-Equity-Investments vor Ablauf der vertraglichen Laufzeit auf dem Sekundärmarkt plaziert, aber nun werde dieses Volumen deutlich steigen, weil viele institutionelle Investoren aufgrund von Liquiditätsmangel zu Verkäufen von Teilen ihres Private-Equity-Portfolios gezwungen seien, erläutert er. Preisabschläge von bis zu 50 Prozent auf den Nettovermögenswert seien dabei zu erwarten. Allerdings: "Der Private-Equity-Sekundärmarkt ist ein sehr anspruchsvoller Markt, den nur jene Gesellschaften beherrschen, die das Geschäft schon lange betreiben", fügt er hinzu.
Quelle: FAZ vom 07. August 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Im Gespräch: Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef der Beteiligungsgesellschaft Permira
Private Equity hat sich bislang gut geschlagen
Spätestens im Frühjahr 2010 wird sich der Beteiligungsmarkt wieder deutlich beleben, prognostiziert Jörg Rockenhäuser. Der Deutschlandchef von Permira sitzt seit Frühjahr 2009 auch in allen internationalen Entscheidungsgremien der Private-Equity-Gesellschaft.
Herr Rockenhäuser, gibt es 2009 für Private-Equity-Häuser noch etwas anderes zu tun, als die schon erworbenen Unternehmen durch die Krise zu führen?
Im Vordergrund steht natürlich derzeit das Portfolio und wie man die Unternehmen robust aufstellen und wetterfest machen kann. Wir haben damit sehr früh, schon Anfang 2008 begonnen und jetzt gemeinsam mit den jeweiligen Management-Teams bereits viele wichtige Maßnahmen umgesetzt. Aber ich sehe auch gute Chancen, dass in diesem Jahr noch Transaktionen stattfinden werden. Einige interessante Deals sind schon am Markt. Wir prüfen selektiv Investments auch in Deutschland. Anders als vor der Krise gibt es derzeit kaum Auktionen, sondern nur vertrauensvolle Gespräche mit potentiellen Verkäufern. Wir haben zum Beispiel vor drei Wochen in England angekündigt, dass wir exklusiv mit dem Eigner des Finanzdienstleisters Just Retirement verhandeln. Spätestens in 2010 wird sich der Markt aber wieder deutlich beleben.
Aber die Hausnummern werden deutlich kleiner bleiben?
Ja, sobald es um Unternehmenskäufe geht, bei denen die Weiterentwicklung der Firma im Vordergrund steht und die Übernahme zu einem weitaus größeren Teil als früher mit Eigenkapital durchgeführt werden muss. Wir sind wieder bei Transaktionsgrößen von höchstens 500 Millionen Euro bis 2 Milliarden Euro angelangt. Wenn es um Unternehmen mit Sanierungsbedarf geht, wo große Schuldenpakete von einem zum anderen Investor übertragen werden, kann es aber auch wieder um 4 oder 5 oder mehr Milliarden Euro gehen.
Wie sieht die Lage im Permira-Portfolio aus? Müssen sie bei allen 24 Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, derzeit Kreditklauseln und Finanzierungsstrukturen neu verhandeln?
Zum Glück nicht. Die Unternehmen sind ja über vier Fonds verteilt, und in den älteren Fonds sind die Fremdkapitalanteile zum großen Teil schon abgebaut. Da gibt es nur noch ganz wenige Fälle, die uns Sorgen machen. Mehr Handlungsbedarf hatten und haben wir bei den Firmen, die wir in den letzten zwei, drei Jahren aus dem vierten Fonds herausgekauft haben. Wir haben insgesamt neun Investments aus dem Fonds getätigt, der Fonds ist zu 59 Prozent investiert. Die meisten davon entwickeln sich trotz der Wirtschaftskrise stabil, wie zum Beispiel Arysta, ein Weltmarktführer in der Agrochemie. Bei Pro Sieben Sat.1 war uns angesichts der Werbekrise sehr früh klar, dass wir gemeinsam mit dem Management nach Lösungen suchen müssen, die der Krise entgegenwirken. Das haben wir getan. Die Sendergruppe steht im Wettbewerbsvergleich ganz gut da. Das gleiche gilt für Hugo Boss. Darüber hinaus bieten die Kapitalmärkte aber auch Chancen, die Kapitalstrukturen zu verbessern.
Das heißt, bei rund einem Fünftel Ihrer Unternehmen sind Sie in Verhandlungen mit den Banken?
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zu reagieren, und einige Baustellen haben wir bereits wieder geschlossen. In Spanien haben wir vergangene Woche bei Cortefiel eine Mischung aus Schuldenrückkauf und Neufestlegung von Kreditklauseln vereinbart. Wir haben dort mit unseren Konsortialpartnern 100 Millionen Euro neu investiert. Aber auch in Fällen, wo die Unternehmen operativ gut unterwegs sind, konnten wir die Kapitalstruktur verbessern. So hat Cognis die Schulden durch Schuldenrückkäufe um knapp 200 Millionen Euro verringert.
Kommen Sie durch die Krise ohne Insolvenzen in Ihrem Portfolio?
Wir tun alles, dass das nicht passiert. Und sind auf einem guten Weg. Für eine Insolvenz muss ein Unternehmen operativ sehr schlecht laufen und dann noch die falsche Kapitalstruktur haben. Bei allen Problemen, die die Krise mit sich bringt, bewährt sich nun, das alle unsere Portfoliounternehmen strategisch hervorragend positioniert sind. Nehmen sie Hugo Boss. Ein Unternehmen, das unter dem neuen Management von Claus Dietrich Lahrs große Fortschritte macht und phantastische Möglichkeiten des Wachstums hat. Wir werden Boss als Investor unterstützen, wo wir können, um dieses Wachstum zu ermöglichen.
Aber wie groß ist die Gefahr bei Pro Sieben oder Hugo Boss, dass die Banken in anstehenden Kreditverhandlungen nicht mitziehen und sie im Regen stehenlassen?
Keines unserer deutschen Unternehmen hat bisher die Kreditklauseln gebrochen, weil überall frühzeitig damit angefangen wurde, Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Im Markt heißt es über Permira, dort wechsle besonders häufig das Management in den Portfoliofirmen. Das ist kein gutes Zeichen . . .
Das sehe ich anders. Ich halte Managerwechsel, wenn dies die Situation erfordert, nicht für per se schlecht. Im Gegenteil. In den Fällen, in denen es Handlungsbedarf gab, haben wir auch auf Managementebene reagiert. Gerade in Krisenzeiten müssen Sie überlegen: Habe ich den richtigen Mann für diese schwierige Aufgabe? Und dann müssen Sie als langfristiger, unternehmerisch denkender Investor eben eingreifen. Es geht um das Unternehmen und die Mitarbeiter, da dürfen Sie auch unangenehmen Entscheidungen nicht ausweichen.
In der Private-Equity-Welt herrscht mittlerweile die Überzeugung, dass 30 Prozent der Branche die Krise nicht überleben werden. Und viele deuten mit dem Finger dabei auch auf Permira.
Permira hat im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro an seine Investoren zurückgezahlt und damit weltweit die erfolgreichsten Unternehmensverkäufe gemacht. Die ersten drei Fonds zählen im Vergleich zu den Fonds der Wettbewerber jeweils zu den erfolgreichsten, und wir haben als einziges Private-Equity-Haus bei allen Vorläuferfonds unseren Investoren bereits deutlich mehr als ihr Geld zurückgezahlt. Gerade im Juni hatten wir unser jährliches Investorentreffen, mit sehr gutem Erfolg. Die Ergebnisse unserer Arbeit lassen sich also sehen und sind im Branchenvergleich sicher weit oben. Und was den aktuellen Fonds anbetrifft, werden wir auch erfolgreich sein. Aber es wird länger dauern, weil wir mitten in einer Weltwirtschaftskrise sind, die ihresgleichen sucht.
Es heißt, Permira habe besonders viele gute Investmentmanager in den vergangenen Monaten verloren.
Das ist ein unsinniges Gerücht. Wir haben ein sehr stabiles Team, vielleicht das beste Team im Markt. Wir haben in den vergangenen Monaten zudem zusätzlich erstklassige Leute an Bord geholt - insbesondere für die regionale Expansion in Asien, und den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa zur Verstärkung der operativen Kompetenz.
Es hört sich so an, als ob die ganze Krise auf dem Private-Equity-Markt nichts anderes bewirkt, als dass man sich nun eben mit kleineren Transaktionen zufriedengeben muss. Ist das wirklich die einzige Konsequenz?
Nach der Krise wird es nicht einfach wie vor der Krise sein. Das Umdenken am Markt findet schon statt: Wir werden einen wesentlich höheren Eigenkapitalanteil bei künftigen Transaktionen sehen, der Verschuldungsanteil wird sich auf dem Niveau des Drei- bis Vierfachen des eingesetzten Eigenkapitals einpendeln. Es wird aber immer einen Mix von Eigen- und Fremdkapital geben, wie auch bei börsennotierten Konzernen und im Mittelstand. Und es wird eine Rückbesinnung geben auf das Geschäft von Private Equity als Partner, um Transformationen und operative Änderungen in einem Unternehmen durchzuführen. Wir haben in der Vergangenheit in Deutschland viele Transaktionen gemacht, wo die Leute nicht gerade Schlange gestanden haben.
Das impliziert doch, die Branche muss einräumen, dass in den vergangenen Jahren einiges aus dem Ruder gelaufen ist.
Die hohen Verschuldungen wurden ja eingegangen, um Preise zu zahlen, die aus heutiger Sicht zu hoch waren. Es hatte niemand damit gerechnet, dass der Markt so brutal zusammenbricht. Trotzdem müssen auch diese Unternehmen jetzt operativ vorangebracht werden, und dieses Geschäft machen wir schon seit 25 Jahren erfolgreich.
Wird man bei künftigen Übernahmen denn vorsichtiger kalkulieren und den Unternehmen weniger Schulden mit auf den Weg geben, damit sie wirtschaftliche Krisen leichter überstehen können?
Von 2000 bis 2007 war die Insolvenzquote von Private-Equity-Portfoliofirmen in Deutschland kleiner als 1 Prozent, Permira hat überhaupt keine Insolvenz gehabt. Warum war das so? Weil Private-Equity-Firmen viel mehr in Szenarien rechnen, als es die Unternehmen selbst tun. Bevor wir ein Investment machen, überlegen wir uns immer auch den schlimmstmöglichen Fall, und erst danach stellen wir eine Finanzierung auf. Die jetzige Krise ist aber viel schlimmer als alle Krisen der vergangenen 50 Jahre, und damit haben immer mehr Unternehmen Probleme, die nicht vorhersehbar waren. Wir sind leider mit Kapitalstrukturen aus einer Boomzeit in eine Krise hineingegangen, die es so noch nie gab. Diesen Herausforderungen stellen wir uns jetzt.
Der Vorwurf lautet, dass Private Equity nur ein Geschäft für Schönwetterphasen ist und in Krisenzeiten stets selbst in große Probleme gerät.
Das sehe ich ganz anders. Wir haben in den letzten 25 Jahren bereits einige Krisen gut gemeistert, und ich glaube, dass die erfahrenen Private-Equity-Häuser dies auch in dieser Krise wieder beweisen werden. Wir arbeiten jeden Tag daran, zu beweisen, dass wir unser Geschäft verstehen. Und wenn ich mir anschaue, was jeden Tag im Mittelstand und was bei den Publikumsgesellschaften los ist, dann hat sich Private Equity bislang gut geschlagen. Unser Portfolio steht heute besser da als vor sechs Monaten, und ich hoffe, in sechs Monaten wird es nochmals besser aussehen.
Das Gespräch führte Holger Paul.
Quelle: FAZ vom 27. Juli 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Wagniskapital erhält einen neuen Stellenwert
Venture-Capital-Gesellschaften spüren wachsendes Interesse - Faszination Asien verblasst in der Krise
Nur drei Jahre nach seinem Start verhandelt das Jungunternehmen Music Networx bereits mit den Stars der internationalen Pop- und Rockszene. Die Geschäftsidee ist so einfach wie technisch anspruchsvoll: Konzerte werden aufgenommen, tausendfach auf Datenträger (USB-Sticks) gespeichert und direkt nach dem Ende des Auftritts an die Besucher verkauft - für 25 Euro das Stück. Mit bekannten Künstlern wie Simply Red, Foreigner, Peter Maffay oder den Toten Hosen hat Music Networx schon Vermarktungsverträge geschlossen. "Jetzt verhandelt dieses Kölner Start-up-Unternehmen sogar mit den Rolling Stones über einen langfristigen Vertrag", lobt Rolf Mathies, Mitgründer und Geschäftsführer der Münchener Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. In diesem Jahr rechne Music Networx mit einem Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe, ergänzt er. Grund genug für Earlybird, sich nun mit rund 2 Millionen Euro an der Musikvermarktungsfirma zu beteiligen.
Music Networx ist nach Ansicht von Mathies ein gutes Beispiel dafür, dass in Zeiten einer Wirtschaftskrise gute Geschäftsideen keine Mangelware sind. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. "Gerade jetzt wird das Angestelltendasein für viele Top-Leute unattraktiv. Sie machen sich selbständig und gründen Unternehmen", sagt Mathies. Wagniskapitalgeber (Venture Capital) seien daher umso mehr gefragt; die Zahl der eingesandten Geschäftspläne von Jungunternehmen, die Eigenkapital suchten, sei im ersten Quartal 2009 um fast 50 Prozent höher gewesen als im Vorjahr, berichtet der Earlybird-Manager. Aber auch bei den Investoren der Beteiligungswelt komme einiges in Bewegung. Nachdem die großen, schuldenfinanzierten Übernahmen nicht mehr funktionierten "und sich viele Investoren daran die Finger verbrannt haben, spüren wir wieder ein größeres Interesse an unserem Geschäftsmodell", sagt Mathies.
Von einem echten Aufschwung ist die deutsche - und auch die europäische - Wagniskapitalszene zwar noch weit entfernt. Nach wie vor fehlt es an Investoren und an Venture-Capital-Teams mit Erfahrung und guter Reputation. "Die Feuerkraft der deutschen Venture-Capital-Industrie ist beklagenswert niedrig", räumt Earlybird-Mitgründer Hendrik Brandis ein. Lediglich 390 Millionen Euro wurden 2008 in Deutschland insgesamt als Venture-Capital-Investitionen verbucht. Aber immerhin: Es mehren sich die Zeichen, dass die Krise für Bewegung in einer Branche sorgt, die seit Jahren von den übermächtigen Amerikanern dominiert wird. "Die Renditen, die mit Wagniskapital in Amerika erzielt werden, fallen künftig deutlich niedriger aus", prognostiziert Simon Cook, Chef der britischen Wagniskapitalgesellschaft DFJ Esprit. "Im Gegenzug erkennen die Investoren zunehmend das Potential europäischer Technologieunternehmen", ist er sich sicher. Auch die Faszination vieler Wagnisfinanzierer für Asien hat im Zuge der globalen Finanzkrise stark nachgelassen, ergänzt Denis Lucquin, Geschäftsführer der französischen Venture-Capital-Firma Sofinnova. "Die ersten Fonds ziehen sich aus China wieder zurück, weil das Geschäft dort viel schwieriger ist als gedacht", sagt er.
Dafür scheint der deutsche Markt wieder zunehmend attraktiv zu werden; insbesondere französische und schwedische Venture-Capital-Häuser versuchen seit einigen Monaten, hier Fuß zu fassen. So strebt zum Beispiel die Crédit Agricole Private Equity (Cape) an, im deutschsprachigen Raum pro Jahr zwischen 8 und 12 Millionen Euro in drei bis vier Unternehmen zu investieren, wobei solche Wagnisfinanzierungen in der Regel nie von einem Haus allein, sondern zusammen mit anderen Venture-Capital-Häusern erfolgen. Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen sei enorm gewesen, sagt der für Deutschland zuständige Cape-Fondsmanager Christian Claussen, "wir wurden mit offenen Armen empfangen"
Quelle: FAZ vom 16. Juni 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Wagniskapital aus der Konzernkasse
Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen war lange Zeit Mangelware in Deutschland. Doch allmählich denken die Konzerne wieder um.
Mit einem solchen Ansturm hatte Joern-Peter Halle nicht gerechnet. Vor knapp drei Wochen verkündete der Pharmakonzern Merck Serono die Gründung eines Wagniskapitalfonds, dessen Mittel zur Finanzierung aufstrebender Jungunternehmen aus der Biotechnologie verwendet werden sollen. Insgesamt 40 Millionen Euro stellt die Konzernspitze in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung. "Wir haben inzwischen eine dreistellige Zahl an Geschäftsplänen von interessierten Unternehmen zugeschickt bekommen", sagt Halle, der für Merck das Geschäft mit Frühfinanzierungen verantwortet. Viele Anfragen für Wagniskapital seien dabei gewesen, aber auch für Lizenzabkommen und andere Kollaborationen, sagt er.
In erster Linie geht es bei solchen Wagnisfinanzierungen aus der Konzernkasse (Corporate Venture Capital, CVC) aber um andere Ziele. Zum einen sollen die Fonds eine ordentliche Rendite mit ihren Portfoliofirmen erwirtschaften. Noch wichtiger sei, Merck langfristig den Zugang zu neuen Produkten oder Produktideen zu sichern. "Wenn die Partnerschaft gelingt, kann am Ende eine Lizenzvereinbarung oder auch die Übernahme der Jungfirma stehen", sagt Halle. Bleibt der Erfolg aus, wird die CVC-Gesellschaft versuchen, ihre Anteile an dem Jungunternehmen zu veräußern. Etwa 12 bis 15 Beteiligungen will Merck aus dem Fonds eingehen, sagt Halle.
In der Pharmabranche sind solche Wagniskapitalgeschäfte seit langem üblich. In anderen Sektoren ist das Corporate-Venture-Geschäft dagegen nach dem Platzen der Internetblase Anfang dieses Jahrzehnts vielfach in der Versenkung verschwunden. Namhafte Akteure wie Daimler, Bertelsmann oder Infineon zogen sich gänzlich vom Markt zurück. Ende 2008 verzeichnete der deutsche Branchenverband BVK lediglich noch 19 solcher CVC-Gesellschaften, unter anderem Siemens Venture Capital, BASF Venture Capital und SAP Ventures. Sie investieren ihr Geld jedoch häufig in den Vereinigten Staaten, wo das Geschäft eine größere Bedeutung und Tradition hat.
Allerdings habe in den Vorstandsetagen inzwischen wieder ein Umdenken eingesetzt, sagt Julie Teigland, Leiterin der Wagniskapitalgruppe bei Ernst & Young. "Die Konzerne betreiben das Geschäft heute etwas dezenter und nennen es nicht mehr Wagnisfinanzierung", sagt die Finanzfachfrau. Aber es gehöre vielerorts wieder zur Konzernstrategie, sich an Jungunternehmen aus den eigenen Märkten zu beteiligen, um Innovationen voranzutreiben. "Der Tiefpunkt des Marktes war 2005 und 2006 erreicht, seitdem bauen immer mehr Konzerne wieder Portfolien von Unternehmensbeteiligungen auf", erläutert Teigland.
Im optimalen Fall profitieren beide Seiten von solchen Partnerschaften. Die Jungunternehmer erhalten Kapital und den Zugang zum geschäftlichen Netzwerk des Großkonzerns. Der wiederum kann auf neue Produkte oder Geschäftsfelder für das eigene Haus hoffen. Doch das CVC-Geschäft funktioniert nur, wenn vor Vertragsabschluss eindeutig festgelegt wird, wie weit die Partnerschaft reichen soll, sagt Teigland. "Ein Start-up bekommt nicht automatisch Zugang zu allen Vertriebskanälen des geldgebenden Konzerns." Umgekehrt muss der Wagnisfinanzierer mit den Ängsten der Entrepreneure umgehen können, dass die Start-up-Firma wie ein Konzernteil behandelt und mit Bürokratie überlagert wird. "Es passiert allerdings weniger häufig als vermutet, dass ein Jungunternehmen am Ende als Konzernabteilung eingegliedert wird", sagt Teigland.
Eine Renaissance der CVC-Gesellschaften würde dem Standort Deutschland guttun, heißt es allerorten, ist doch Wagniskapital hierzulande ein eher rares Gut. Auch die klassischen Wagniskapitalfonds (Venture Capital, VC) wären um eine solche Marktbelebung im Grunde froh, heißt es. Aber das Verhältnis der beiden Investorengruppen untereinander ist nicht immer spannungsfrei. Zwar werden Wagnisfinanzierungen häufig mit Partnern durchgeführt. Aber für die VC-Fonds spielt die erzielbare Rendite eine wichtigere Rolle als etwa die weitere Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen. Vor allem der Zeitpunkt und die Art des späteren Verkaufs kann aber zu Konflikten führen, erläutert Bernhard Schirmers, Partner der Tübinger SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement.
"Wie gut solche Cofinanzierungen funktionieren, hängt immer davon ab, wie unabhängig die Investmentgesellschaft eines Konzerns von der Zentrale ist", sagt Schirmers. Eine neue Welle von CVC-Gründungen sieht er nicht heraufziehen. "Das ist ein Modethema", urteilt er. Julie Teigland gibt sich zuversichtlicher. "Immer mehr Unternehmen schauen sich um, an welchen Jungfirmen sie sich beteiligen könnten", resümiert sie.
Quelle: FAZ vom 10. April 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Expertenpanel
Ausblick auf die Beteiligungskapitalmärkte 2009
VC Magazin: Wie wird sich die Frühphasenfinanzierung 2009 im deutschsprachigen Raum entwickeln?
Thomas Franz, Business Angel: Der Markt für Frühphasenfinanzierung wird im Jahr 2009 stagnieren und sich auf vereinzelt interessante Deals konzentrieren.
Achim Lederle, Partner/Venture, 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH: Sowohl die Frühphasenfinanzierung durch VCs als auch durch Business Angels wird sich rückläufig entwickeln. Die Anzahl aktiver Frühphasen-VCs hat in Deutschland weiter abgenommen. Business Angels agieren opportunistisch und suchen häufig den schnellen Exit, der auf Sicht von zwölf Monaten eher unrealistisch erscheint.
Dr. Paul-Josef Patt, Vorstand der eCAPITAL entrepreneurial Partners AG: Der Venture Capital-Bereich ist, wie wir wissen, nicht abhängig von Kreditfinanzierungen, sodass die Auswirkungen einer restriktiveren Kreditvergabepraxis hier sehr moderat ausfallen. Dennoch werden es junge Technologieunternehmen 2009 schwer haben, die im B2B unterwegs sind und die nicht branchendiversifiziert sind. Es sind deutlich niedrigere Bewertungen in vielen Segmenten zu erwarten. Dies gilt insbesondere, da die Zahl der VC-Investoren in Deutschland unverändert überschaubar und die Lücke zwischen Frühphase und Wachstumsfinanzierung nicht geschlossen ist. Generell gilt aber, dass gute Geschäftsmodelle mit innovativen Technologien auch in der Krise überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen werden.
Frank Siegmund, Business Angel des Jahres („Goldene Nase“) 2008: Investoren werden Beteiligungsangebote intensiver als bis her prüfen. Risikoabwägung wird die Chanceneinschätzung dominieren. Aber auch in der unmittelbaren Zukunft werden „krisenfeste“ Geschäftskonzepte estimiert und finanziert werden.
Dr. Peter Terhart, Vorstand der S-Refit AG: Die Erstfinanzierungen werden unter den konjunkturellen Gegebenheiten nicht so stark leiden. Anschlussfinanzierungen werden schwieriger werden.
VC Magazin: Haben Politik und Notenbanken auf die Finanzkrise angemessen reagiert?
Patt: Ja. Geschlossen und schnell. Gefahr erkannt, Gefahr aber noch nicht gebannt.
Siegmund: Grundsätzlich ja, aber die Politik sollte die entstandene Situation zum Anlass nehmen, gerade jetzt Wagnisfinanzierungen mit privatem Kapital durch angemessene Steuererleichterungen zu unterstützen.
Lederle: Nach Ausbruch der Krise haben die Politiker national sowie international schnell und in seltener Einigkeit besonnen reagiert. Fehler sind in der Vergangenheit passiert. Da hat die Finanzaufsicht die erkennbaren ausufernden Risiken der Offshore-Zweckgesellschaften nicht rechtzeitig begrenzt. Basel I + II wurden damit wirkungslos.
VC Magazin: Warum sind teilweise fremdkapitalfinanzierte Investitionen in mittelständische Unternehmen trotz der gegenwärtigen Turbulenzen ein nachhaltiges Geschäftsmodell?
Dr. Jörg Blumentritt, Geschäftsführer der WGZ Initiativkapital GmbH: Der Bedarf an Akquisitionsfinanzierungen wie etwa im Rahmen von Nachfolgeregelungen ist nach wie vor ungebrochen. Sofern diese Akquisitionsfinanzierungen mit einem moderaten Fremdkapitalanteil unterlegt und somit für das Unternehmen tragfähig ausgestaltet werden, sind und bleiben diese ein nachhaltiges Geschäftsmodell – auch und gerade für uns als mittelständische Beteiligungsgesellschaft.
VC Magazin: Warum lohnt sich eine Investition in deutsches Venture Capital?
Terhart: Deutschland besitzt in Europa die breiteste industrielle Basis, die beste Forschungsvernetzung und die größte Findigkeit für Innovationen. In Deutschland gibt es Defizite in den regulatorischen Rahmenbedingungen, aber wir haben die größte wirtschaftliche Substanz, die den entsprechenden Nährboden für das Venture Capital ausmacht.
Lederle: Europäische Top Quartile VCs haben in den letzten Jahren bessere Returns erwirtschaftet als durchschnittliche US VCs. Nur die wenigsten Investoren haben Zugang zu den Top Quartile US VCs. Da andere Anlageinstrumente an Attraktivität verlieren, wird VC mit weiterhin überdurchschnittlichen Renditen mittelfristig an Bedeutung gewinnen.
Patt: Im internationalen Vergleich zeichnet sich der deutsche VC-Markt nach wie vor durch enormen Nachholbedarf aus. Das Aufeinandertreffen von attraktiven Hochtechnologieunternehmen mit Spitzenteams und einem vergleichsweise knappen Angebot von Eigenkapital bietet den verbliebenen aktiven Investoren überdurchschnittliche Rendite-Chancen. Hier kann man immer noch antizyklisch investieren.
VC Magazin: Angenommen, Sie erhalten heute fünf Mio. Euro mit der Verpflichtung, diese mit einem Horizont von zehn Jahren zu investieren. Wie würden Sie das Geld anlegen?
Siegmund: Ein Drittel festverzinslich – währungsstabil – anlegen. Ein weiteres Drittel bei bestens geführten Aktiengesellschaften mit einer Verteilung auf mindestens fünf Unternehmen investieren. Die weitere Summe bei mehreren Start-ups und Wachstumsfinanzierungen „riskieren“.
Patt: Gehen wir davon aus, dass es eine angemessene Quote aus einem Portfolio ist, die zu 100% in Private Equity zu allokieren ist, wozu ich jedem Investor weiterhin raten würde, dann würde ich die fünf Mio. Euro in unseren neuen Fonds investieren. Das ist doch keine Frage.
Franz: 25% physisches Silber, 25% Aktien Weltweit, 25% VC Frühphasenfinanzierungen und 25% in Immobilien.
Lederle: Portfoliostreuung wird immer wichtiger. Da Private Equity und Venture kaum mit anderen Anlageklassen korrelieren, sollten diese zur Diversifikation beigemischt werden. Die aktuelle Flucht vieler Anleger ausschließlich in Gold und Staatsanleihen ist langfristig weder für das eigene Portfolio noch für die Wirtschaft allgemein zuträglich.
Terhart: Ich würde es in die S-Refit AG investieren!
VC Magazin: Wenn Sie als Business Angel drei Wünsche frei hätten, was würden Sie verändern?
Siegmund: 1. Steuererleichterungen für Wagniskapitalfinanzierungen anbieten. 2. Lobbyarbeit der Business Angels verstärken. 3. Die volkswirtschaftliche Bedeutung privater Kapitalbeteiligungen bei Unternehmensgründungen im Hinblick auf Arbeitsplatzschaffung, Steueraufkommen, Innovationskraft verdeutlichen.
Thomas Franz, Business Angel:
1. Den Unternehmensstandort Deutschland für mittelständische Unternehmen wieder attraktiv machen. 2. Existenzgründern mehr Unterstützung und staatliche Hilfe zusichern. 3. Die Steuerregelung von Herrn Friedrich Merz einführen.
Quelle: Venture Capital Magazin, Januar 2009
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Chance Klimawandel
Umwelt- und Klimaschutz bewegt längst nicht mehr nur die Gemüter in der "Öko-Ecke".
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kommentierte jüngst den Erhalt des Energieausweises für das Bundesfinanzministerium: "Wer Energie spart, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern kann das eingesparte Geld anderswo sinnvoller investieren."
Grüne Technologien haben sich leise, aber sicher zu einer dynamischen und innovativen Industrie entwickelt. Ihr Marktwachstum ist der Grund, weshalb viele Unternehmen den Klimawandel längst als Chance begreifen. Grüne Technologien werden oft mit dem Ausdruck Clean Technology (Cleantech) umschrieben. Cleantech umfasst Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, die durch technologische Innovationen den Verbrauch von Ressourcen, Umweltschäden sowie Kosten reduzieren. Damit wird die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen erheblich verbessert. Die einleuchtende Idee, Technik mit Natur zu verbinden, macht in Amerika schon länger Schule. Der Trend zu ressourcenschonenden und effizienzsteigernden Verfahren ist allerdings auch hierzulande früh erkannt worden. Das Bundesumweltministerium schätzt, dass im Jahr 2020 in Deutschland traditionelle Industriezweige wie der Kraftfahrzeugbau oder der Maschinenbau bereits von Cleantech überholt sein werden. So lautet die Prognose, dass der Cleantech-Anteil am Umsatz aller Wirtschaftszweige von vier Prozent (2005) auf 16 Prozent (2020) steigen wird. Die Anzahl der Beschäftigten könnte sich allein im Bereich der erneuerbaren Energien in diesem Zeitraum auf zirka 400 000 verdoppeln.
Eine Investition in grüne Technologien zahlt sich aus: Cleantech konnte, trotz der Korrekturen der letzten Zeit, andere Indizes deutlich übertreffen. Der Cleantech-Aktienindex CTIUS ist über die letzten fünf Jahre (September 2003 bis September 2008) um zirka 77 Prozent gestiegen. Die Nasdaq dagegen um rund 26 Prozent und der Dow Jones um etwa 18 Prozent. Will ein Anleger an der Entwicklung des Cleantech-Sektors teilhaben, spricht vieles für den Kauf eines breit gestreuten, sogenannten Venture-Capital-Dachfonds. Vorteil: Der Anleger ist indirekt an bis zu 600 jungen Technologieunternehmen beteiligt. Dadurch fällt es weniger ins Gewicht, wenn sich einzelne Technologien am Ende nicht durchsetzen können.
Zu den cleantechrelevanten Branchen zählen die Energie- und Wasserversorgung oder die Entsorgungs- und Recyclingbranche. Auch für das Automobil-, Transport-, Immobilien- und Bausegment wird Cleantech zunehmend eine Notwendigkeit. Ein einfaches Beispiel: In privaten Haushalten entfallen laut Bundesumweltministerium 77 Prozent des Energieverbrauchs auf die Heizung. Bessere Dämmung in Altbauten und innovative Isolierungskonzepte bei Neubauten können erheblich zur Reduzierung von Kosten und Emissionen beitragen.
Der Zeitraum zwischen der Idee einer grünen Technologie und ihrer Marktreife beträgt fünf bis zehn Jahre, im Bereich Internet liegt er etwas darunter. Facebook beispielsweise wurde 2004 entwickelt - bereits 2007 lag der geschätzte Marktwert bei 15 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen First Solar wurde 1999 gegründet, ging im November 2006 an die Börse und hat 2008 eine Marktkapitalisierung von 14,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Oft entstehen zunächst Pilotprojekte, die bei Erfolg weiter ausgebaut werden. Entscheidend ist: Das Produkt muss überzeugend einen Mehrwert schaffen und professionell vermarktet werden. Die Kosten für Forschung und Entwicklung tragen vor allem sogenannte Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften. Beide stellen Eigenkapital zur Verfügung.
Der Cleantech-Markt hat sich in Deutschland positiv entwickelt, auch wegen der traditionell hohen staatlichen Förderung. So werden innovative Technologieunternehmen auch mit Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder des High-Tech-Gründerfonds unterstützt.
Neben den laufenden staatlichen Subventionen muss jedoch auch die Bereitstellung von Eigenkapital gefördert werden, damit sich die positive Entwicklung fortsetzen kann. In Deutschland gibt es im Vergleich zu den Vereinigten Staaten nur wenige Venture-Capital-Gesellschaften. Zu den günstigen Rahmenbedingungen für technologieorientierte Unternehmensgründungen gehört naturgemäß auch die Existenz von Eigenkapitalgebern.
Der politische Druck für den Einsatz grüner Technologien wächst: So legte Sigmar Gabriel im Oktober eine Strategie zur Einführung eines "Nationalen Energieeffizienzplans" vor. Ziel ist unter anderem die Investition in Energieeffizienz und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Klimawandel bietet allen Beteiligten Chancen: den intelligenten Tüftlern, die Ideen für innovative Konzepte haben und daraus eine neue Technik entwickeln. Den Venture-Capital-Gesellschaften, die ebendiesen Tüftlern Kapital zur Verfügung stellen, um Technologien zu entwickeln und Produkte zur Marktreife zu bringen. Und den Privatanlegern, die unter anderem mit neuen Dachfonds-Konzepten am Cleantech-Boom teilhaben können.
Dr. ANDREAS M. ODEFEY, geschäftsführender Gesellschafter der BPE Fund Investors G.m.b.H., Hamburg
Quelle: FAZ vom 18. November 2008. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Private Equity tragfähig
Die Finanzmarktkrise wirkt sich auf alle Asset-Klassen und somit - in abgeschwächter und zeitverzögerter Form - auch auf Private Equity aus. Während die Folgen bei bereits aufgelegten Fonds zu vernachlässigen sind, bietet die Krise für neu aufgelegte Fonds die Chance auf eine hervorragende Performance.
Seit Ende 2007 gestalten sich Finanzierungen insbesondere von Large Buy-outs aufgrund der Kreditklemme und der deutlich verschärften Kreditvergaberichtlinien der Banken schwieriger - eine Situation, die sich auf absehbare Zeit nicht wesentlich ändern dürfte. Auch für Mid Cap Buy-outs ist Fremdkapital zur Zeit nur zu schlechteren Bedingungen erhältlich. Da auch die Bewilligung einer Finanzierung deutlich länger dauert, verlängern sich die Investitionszeiträume für die einzelne Beteiligung, weil die Kreditverhandlungen Ressourcen binden, die eigentlich für die Due Diligence und die Akquisition weiterer Beteiligungen benötigt werden. Daraus folgt ein verlangsamter Abruf des gezeichneten Kapitals.
Die Kreditklemme hat allerdings auch positive Effekte, etwa auf die Entwicklung der Einstiegsbewertungen von neuen Beteiligungen. Wenn das Kapital wegen der erschwerten Fremdfinanzierung bei gleichbleibendem Angebot an Beteiligungen, die Kapitalgeber suchen, knapp wird, sinken die Preise. Hinzu kommt, dass gerade turbulente Marktsituationen für erfahrene Private-Equity-Fondsmanager oft die besten Investitionsgelegenheiten hervorbringen. So werden Mezzanine-Finanzierungen aufgrund der Kreditklemme stark nachgefragt, während Distressed-Debt- und Turnaround-Fonds in Krisenjahren generell profitieren. Auch europäische Small und Mid Cap Buy-outs sowie Venture und Growth Capital stehen wieder verstärkt im Fokus. Des Weiteren ist weltweit ein hoher Kapitalbedarf für Energie- und Infrastrukturinvestments erforderlich, und Secondaries werden angesichts volatiler Börsen zunehmend als alternativer Exit-Kanal gesucht. Selbst in einem ungünstigen Marktumfeld mangelt es Private Equity also nicht an vielversprechenden Anlagemöglichkeiten.
Die derzeit in der Plazierung befindlichen beziehungsweise jetzt neu aufgelegten Private-Equity-Fonds investieren in ein äußerst günstiges Umfeld - vergleichbar mit den Jahren 2002 und 2003, als die Bewertungen der Unternehmen auf historische Tiefststände sanken und zwei bis vier Jahre später die Unternehmen zu historischen Höchstständen veräußert werden konnten. Diese Fonds bringen die besten Voraussetzungen mit, eine hervorragende Performance zu erzielen. Aber auch bei den bereits aufgelegten Fonds werden sich die positiven Renditeaussichten wegen der Finanzmarktkrise allenfalls geringfügig eintrüben, und es sind keine signifikanten Ausfallrisiken zu erwarten. Erstens betreiben professionelle Dachfondsmanager eine vorausschauende Risikodiversifikation über unterschiedlichste Auflegungsjahre, Finanzierungsphasen, Branchen, Regionen und Private-Equity-Segmente. Zweitens haben diese Dachfondsmanager nur solche Fondsmanager ausgewählt, die einen überdurchschnittlichen Track Record über zumeist mehrere Konjunkturzyklen und verschiedenste Kapitalmarktbedingungen vorweisen können. Dabei ist für die Dachfondsmanager die Fähigkeit der Zielfondsmanager entscheidend, den Wert ihrer Portfoliounternehmen auch unter widrigen Marktumständen nachhaltig zu steigern.
Die gegenwärtige Finanzkrise stellt weder das Geschäftsmodell noch die Asset-Klasse Private Equity in Frage. Vielmehr wird Private Equity mit seinem langfristigen Wertschöpfungsansatz, der sich eben nicht von der Realwirtschaft abgekoppelt hat, auch in dieser anspruchsvollen Marktphase überdurchschnittliche Renditen bei kalkulierbaren Risiken erwirtschaften und im Vergleich der Anlageformen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Denn Private Equity basiert auf einem nachhaltigen Geschäftsmodell, welches in den Portfoliounternehmen durch aktive Mitwirkung der Beteiligungsfirmen echte und dauerhafte Werte schafft.
Außerdem hat Private Equity nicht zuletzt aufgrund dieses soliden Wertschöpfungsansatzes über alle Anlagehorizonte deutlich bessere Renditen als andere Asset-Klassen erwirtschaftet - selbst in Abschwungphasen. Und: Private-Equity-Investments zeigen unter anderem aufgrund ihres nicht-spekulativen Charakters eine deutlich geringere Volatilität und eine konstantere Wertentwicklung als andere Anlageformen, insbesondere Public Equity.
ROBERT LIST, Geschäftsführer der BVT Beratungs-, Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft für internationale Vermögensanlagen mbH, München
Quelle: FAZ vom 18. November 2008. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Finanzmarktkrise lähmt M&A-Aktivitäten
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Quelle: FAZ vom 29. Oktober 2008. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Freundliches Gründungsklima in NRW
Vielfältige Möglichkeiten durch
regionale Schwerpunkte
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Quelle: Venture Capital Magazin, Oktober 2008
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Das erste Halbjahr 2008 in Zahlen
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Quelle: Venture Capital Magazin, September 2008
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Der Technologieinvestor eCapital als Partner der KfW
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Quelle: Venture Capital Magazin, Special April Mai 2008
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Gründer werden ist nicht schwer
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Quelle: Venture Capital Magazin, Special April Mai 2008
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Deutsches Eigenkapitalforum
Kontaktbörse für Gründer und Kapitalgeber
Am 21. und 22. April findet in Mainz zum 12. Mal die Frühjahrsausgabe des Deutschen Eigenkapitalforums statt. Hauptzielgruppe sind Hightech-Gründungen in der Seedphase sowie Start-ups, die Kapital zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung suchen.
Diese Firmen treffen im ZDF-Konferenzzentrum auf rund 150 Finanzierer. Darunter sind namhafte Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften, mittelständische Beteili- gungsgesellschaften, Geschäfts- und Investmentbanken sowie Corporate Finance-Gesellschaften. Außerdem halten Business Angels und strategische Investoren Ausschau nach interessanten Beteiligungsmöglichkeiten. Auch verschiedene Förderinstitute und Beratungsgesellschaften stellen sich vor. Veranstalter des Eigenkapitalforums sind die KfW Mittelstandsbank, die Deutsche Börse und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz.
Noch bis zum 28. März können sich junge Firmen um einen Platz auf der geplanten Unternehmermesse bewerben. 50 von ihnen haben an einem kleinen Messestand die Gelegenheit, sich potenziellen Investoren zu präsentieren. Noch größere Aufmerksamkeit ist den Gründern sicher, die sich fristgerecht (28. März) und erfolgreich um einen Platz im Elevator Pitch bewerben. Sie dürfen sich zehn Minuten lang einem ausgewählten Kreis von Investoren auf großer Bühne vorstellen. Die Bewerbungsunterlagen sind im Internet hinterlegt (s. u.). Abgerundet wird das Eigenkapitalforum von einem umfangreichen Workshopprogramm.
Zuletzt waren sämtliche Eigenkapitalforen ausgebucht. Interessierte Firmen und sonstige Besucher sind gut beraten, sich rechtzeitig anzumelden. Die Teilnahmegebühren für Unternehmen betragen 500 €. Enthalten ist der Eintritt für drei Personen, Verpflegung und ein 6 m2 großer Messestand. Außerdem wird das Unternehmensprofil den Teilnehmerunterlagen beigefügt. Investoren, Berater uns sonstige Aussteller müssen tiefer in die Tasche greifen. Sie müssen für die gleichen Leistungen jeweils 1200 € bezahlen. Für Besucher ohne eigenen Stand werden 200 € fällig. sta
Quelle: VDI-Nachrichten vom 07.03.2008
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Erfolgreiches Jahr 2007 für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt
Mangelhafte Rahmenbedingungen hemmen jedoch Branchenentwicklung
BVK vom 21.02.2008 - Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben 2007 mit 4,1 Mrd. € rund 13 Prozent mehr investiert als im Vorjahr. Gleichzeitig konnten die Gesellschaften auch beim Fundraising das Vorjahresergebnis verbessern und warben so viele neue Mittel ein wie zuletzt im Jahr 2000. Dies geht aus der heute vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e. V. (BVK) veröffentlichten Jahresstatistik 2007 für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt hervor. Dieses positive Ergebnis kann jedoch nicht die anhaltende Unzufriedenheit der Branche mit dem Gesetzgeber und den in Deutschland geltenden Rahmenbedingungen überdecken. Knapp die Hälfte der BVK-Mitglieder bewertet laut einer Befragung die rechtlichen Rahmenbedingungen als mangelhaft oder unbefriedigend.
2007 investierten die Beteiligungsgesellschaften 4,1 Mrd. € in 1.078 Unternehmen. 2006 flossen 3,6 Mrd. € in 970 Unternehmen. Das Investitionsplus ist auf eine Zunahme der Buy-Out-Investitionen zurückzuführen. Zurückgegangen sind dagegen die Venture Capital-Investitionen. Nach 1,0 Mrd. € im Jahr 2006 waren es 2007 noch 840 Mio. €. Diesem Volumenrückgang steht allerdings eine deutlich gestiegene Zahl der mit Venture Capital finanzierten Unternehmen auf gegenüber. Dies spricht für ein aktiveres Investitionsgeschehen, wobei die Venture Capital-Gesellschaften jedoch geringere Mittel in die einzelnen Unternehmen investieren. Innerhalb des gesamtes Venture Capital-Bereiches verzeichneten die Frühphaseninvestitionen erfreuliche Zugewinne. Deren Volumen kletterte von 264 Mio. € auf 349 Mio. € und deren Anzahl von 337 auf 467. Sowohl die Start up- als auch die Seed-Investitionen konnten deutlich zulegen. Mit fast 80 % floss der Großteil der Investitionen wie auch schon in den Vorjahren in den Buy-Out-Bereich. Hier summierten sich die Investitionen auf 3,3 Mrd. € und übertrafen das Vorjahresvolumen von 2,6 Mrd. € um gut ein Viertel. Neben einigen sehr großen Transaktionen wurden zahlreiche Buy-Outs bei mittelständischen Unternehmen durchgeführt. Die Zahl der Buy-Out-Transaktionen übertraf mit 100 nochmals das sehr aktive Vorjahr (92 Buy-Outs), was für die anhaltende Attraktivität des deutschen Mittelstands spricht.
Das Fundraising der deutschen Beteiligungsgesellschaften erreichte 2007 ein Volumen von 4,2 Mrd. € und stieg damit um rund die Hälfte gegenüber dem Vorjahr (2,8 Mrd. €). Zum gesamten Fundraising trugen unabhängige, ihre Mittel bei institutionellen Investoren einwerbende Fonds 2,9 Mrd. € bei. Damit konnten der seit 2004 zu beobachtende Aufwärtstrend fortgesetzt und das beste Fundraising-Ergebnis seit dem Jahr 2000 erreicht werden. Dieses ist jedoch nicht auf eine breite Verbesserung der Fundraisings zurückzuführen, sondern vielmehr auf einige große Fonds etablierter deutscher Gesellschaften. So steuerten die sechs größten Fonds mit jeweils mehr als 200 Mio. € Volumen zusammen fast 2,2 Mrd. € zum Gesamt-Fundraising bei. Die neuen Mittel konnten vor allem von Buy-Out-Fonds eingeworbenen werden. Hierhin flossen allein 2,3 Mrd. €. Mehr als ein Drittel der neuen Mittel stammt von internationalen Kapitalgebern. Betrachtet man nur das unabhängige Fundraising steigt deren Anteil auf weit über 50 %, was die existenzielle Bedeutung ausländischer Investoren für deutsche Beteiligungsgesellschaften unterstreicht. Die positiven Marktzahlen können aber das anhaltende Stimmungstief der deutschen Beteiligungsgesellschaften und den Nachholbedarf im Vergleich mit den anderen nationalen Private Equity-Märkten in Europa nicht überdecken. Insbesondere das zwar vordergründig hervorragende Fundraising-Ergebnis ist auch auf einige Gesellschaften zurückzuführen, die inzwischen im Ausland ihre Fonds auflegen. Diese umgehen die hierzulande nicht wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen, denen sich die anderen deutschen Gesellschaften noch ausgesetzt sehen. Inzwischen äußern aber zunehmend Gesellschaften ihre Pläne ebenfalls ins Ausland zu gehen, was den Wirtschafts-, Technologie- und Gründerstandort Deutschland irreparablen Schaden bringen würde.
Der Ausblick auf 2008 fällt verhalten optimistisch aus. Das Fundraising dürfte nicht das Niveau des abgelaufenen Jahres erreichen, da viele Gesellschaften in jüngster Vergangenheit neue Fonds geschlossen haben und die Planungen eher für 2009 verstärkt neue Fonds erwartet lassen. Unsicherheitsfaktor bleiben die rechtlichen Unwägbarkeiten. Bei den Investitionsaktivitäten erwartet der BVK in den einzelnen Marktsegmenten unterschiedliche Entwicklungen. Im Venture Capital-Bereich wird 2008 kaum Änderungen zum abgelaufenen Jahr bringen. Bei den Buy-Outs ist insbesondere bei den kleinen und mittleren Buy-Outs ein anhaltend aktives Geschäft zu erwarten, da das Angebot attraktiver mittelständischer Unternehmen groß ist und viele neu geschlossene Fonds ihre Investitionsaktivitäten ausbauen dürften. Dagegen dürfte im Segment der großen Buy-Outs, wo fast ausschließlich ausländische Gesellschaften aktiv sind, erst ab Mitte des Jahres mit einer Entspannung der Situation nach der Kreditkrise zu rechnen sein.
Quelle: BVK vom 21.02.2008
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