"Gute Fonds nutzen die Lage für sinnvolle Zukäufe"
Nach Ansicht von Peter von Arx, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Credit Suisse in Deutschland, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neuanlage in Private Equity - trotz aller schlechter Nachrichten.
hpa. FRANKFURT, 6. August. Obwohl sie Milliardensummen verwalten, sind Beteiligungsgesellschaften ein elitärer Club. Direkt in Private Equity investieren können nur institutionelle Anleger oder sehr vermögende Privatkunden, allen anderen Interessenten bleibt allenfalls der Weg über Dachfonds - und auch dafür sind meist größere Mindestanlagesummen erforderlich. Angesichts der jüngsten Ergebnisse der Beteiligungsbranche mag so mancher Anleger im Nachhinein allerdings ganz froh sein, nicht in den Club eingelassen worden zu sein. Nach Angaben des Branchendienstes Prequin haben Private-Equity-Portfolien im vergangenen Jahr weltweit einen durchschnittlichen Verlust von 27,6 Prozent erwirtschaftet. Für 2009 weisen einige Fonds zwar schon wieder positive Renditen auf, dabei handelt es sich aber zumeist um Wertzuschreibungen auf zuvor extrem stark wertberichtigte Beteiligungen.
Insgesamt sind die Verluste der Private-Equity-Fonds 2008 geringer ausgefallen als etwa die Kursrückgänge der großen Börsenindizes S&P 500 oder MSCI Europe, schreiben die Prequin-Fachleute. Angesichts der hohen Gebühren für ein Private-Equity-Investment sowie der großen Renditeversprechen vieler Beteiligungsgesellschaften ist das Ergebnis aber mehr als mager. Und das hat spürbare Konsequenzen. "Die Anleger verhalten sich noch sehr zurückhaltend bei Neuinvestitionen im Bereich Private Equity", erläutert Peter von Arx, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Schweizer Bank Credit Suisse in Deutschland, im Gespräch mit dieser Zeitung. "Das ist ein psychologisches Problem, man will sich nicht längerfristig binden", sagt er. Und die zu erwartende Welle von Enttäuschungen und Ausfällen gerade bei den großen, spektakulären Übernahmen (Buy-outs) der vergangenen Jahre werde die Skepsis der Anleger noch verstärken, befürchtet er.
Dabei wäre seiner Ansicht nach genau jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neuanlage in Private Equity - ungeachtet all der schlechten Nachrichten vom Markt. "Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Beteiligungsgesellschaften werden jetzt deutlich. Die guten Fonds können nun opportunistisch vorgehen und die sinkenden Unternehmenspreise für sinnvolle Zukäufe nutzen", sagt von Arx. Geld genug für Neuinvestments ist vorhanden, laut der Prequin-Analyse sitzen die Private-Equity-Häuser rund um den Globus noch auf knapp 1100 Milliarden Dollar zugesagter Mittel. Zwar könnte längst nicht alles davon im Ernstfall auch wirklich bei den Investoren abgerufen werden, aber die Fondsmanager wären doch "in der Lage, große Kapitalsummen einzusetzen, sobald sich die Bedingungen für Investitionen verbessern", heißt es.
Und die Erfahrung mit Wirtschaftskrisen aus der Vergangenheit lehre, dass gerade solche Zeiten besonders gute Gelegenheiten für Private Equity bringen, ergänzt von Arx. Denn wer jetzt Unternehmen vergleichsweise günstig übernimmt und es versteht, sie operativ zu verbessern, könne langfristig auch sehr gute Renditen erzielen, erläutert er. Ohnehin sei Private Equity nur geeignet für Anleger mit längerfristigem Horizont, die ihre Vermögensanlage diversifizieren wollen. Einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren müssen Private-Equity-Investoren auf jeden Fall einkalkulieren, sagt der Credit-Suisse-Manager.
Die Schweizer Großbank hat auf dem deutschen Markt insbesondere die besonders solventen Kunden im Blick. Für das Basisinvestment in den Private-Equity-Dachfonds ist eine Mindestanlagesumme von 50 000 Euro erforderlich, ein direktes Investment in einen Beteiligungsfonds ermöglicht Credit Suisse ab 300 000 Euro. Mit diesem "gatekeeping" für vermögende Kunden, wie von Arx es nennt, habe Credit Suisse sich in den vergangenen zehn Jahren auf dem deutschen Markt nahezu eine Alleinstellung erobert. 150 Berater sollen sich um jeweils 30 bis 50 Kunden intensiv kümmern, im Augenblick habe man eine vierstellige Zahl von Kunden, sagt von Arx.
Zwei bis drei solcher Zugangsangebote zu einem Private-Equity-Fonds macht die Bank pro Jahr. Anfang dieses Jahres offerierte Credit Suisse ihren Kunden den kanadischen Onex-Partners-III-Fonds, der vor allem wachstumsstarke mittelständische Unternehmen als Beteiligung im Visier hat. Aktuell plaziert die Bank einen Sekundärmarktfonds der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Lexington Partners. Sekundärmarktfonds kaufen Anteile oder ganze Firmenportfolien anderer Private-Equity-Gesellschaften vergleichsweise günstig auf und versuchen dann eine Wertsteigerung zu erzielen.
Von Arx sieht für diese Spezialisten gerade in der jetzigen Marktphase besonders gute Chancen heraufziehen. Im historischen Schnitt werden 4 bis 5 Prozent aller Private-Equity-Investments vor Ablauf der vertraglichen Laufzeit auf dem Sekundärmarkt plaziert, aber nun werde dieses Volumen deutlich steigen, weil viele institutionelle Investoren aufgrund von Liquiditätsmangel zu Verkäufen von Teilen ihres Private-Equity-Portfolios gezwungen seien, erläutert er. Preisabschläge von bis zu 50 Prozent auf den Nettovermögenswert seien dabei zu erwarten. Allerdings: "Der Private-Equity-Sekundärmarkt ist ein sehr anspruchsvoller Markt, den nur jene Gesellschaften beherrschen, die das Geschäft schon lange betreiben", fügt er hinzu.
Quelle: FAZ vom 07. August 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Im Gespräch: Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef der Beteiligungsgesellschaft Permira Private Equity hat sich bislang gut geschlagen
Spätestens im Frühjahr 2010 wird sich der Beteiligungsmarkt wieder deutlich beleben, prognostiziert JörgRockenhäuser. Der Deutschlandchef von Permira sitzt seit Frühjahr 2009 auch in allen internationalen Entscheidungsgremien der Private-Equity-Gesellschaft.
Herr Rockenhäuser, gibt es 2009 für Private-Equity-Häuser noch etwas anderes zu tun, als die schon erworbenen Unternehmen durch die Krise zu führen?
Im Vordergrund steht natürlich derzeit das Portfolio und wie man die Unternehmen robust aufstellen und wetterfest machen kann. Wir haben damit sehr früh, schon Anfang 2008 begonnen und jetzt gemeinsam mit den jeweiligen Management-Teams bereits viele wichtige Maßnahmen umgesetzt. Aber ich sehe auch gute Chancen, dass in diesem Jahr noch Transaktionen stattfinden werden. Einige interessante Deals sind schon am Markt. Wir prüfen selektiv Investments auch in Deutschland. Anders als vor der Krise gibt es derzeit kaum Auktionen, sondern nur vertrauensvolle Gespräche mit potentiellen Verkäufern. Wir haben zum Beispiel vor drei Wochen in England angekündigt, dass wir exklusiv mit dem Eigner des Finanzdienstleisters Just Retirement verhandeln. Spätestens in 2010 wird sich der Markt aber wieder deutlich beleben.
Aber die Hausnummern werden deutlich kleiner bleiben?
Ja, sobald es um Unternehmenskäufe geht, bei denen die Weiterentwicklung der Firma im Vordergrund steht und die Übernahme zu einem weitaus größeren Teil als früher mit Eigenkapital durchgeführt werden muss. Wir sind wieder bei Transaktionsgrößen von höchstens 500 Millionen Euro bis 2 Milliarden Euro angelangt. Wenn es um Unternehmen mit Sanierungsbedarf geht, wo große Schuldenpakete von einem zum anderen Investor übertragen werden, kann es aber auch wieder um 4 oder 5 oder mehr Milliarden Euro gehen.
Wie sieht die Lage im Permira-Portfolio aus? Müssen sie bei allen 24 Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, derzeit Kreditklauseln und Finanzierungsstrukturen neu verhandeln?
Zum Glück nicht. Die Unternehmen sind ja über vier Fonds verteilt, und in den älteren Fonds sind die Fremdkapitalanteile zum großen Teil schon abgebaut. Da gibt es nur noch ganz wenige Fälle, die uns Sorgen machen. Mehr Handlungsbedarf hatten und haben wir bei den Firmen, die wir in den letzten zwei, drei Jahren aus dem vierten Fonds herausgekauft haben. Wir haben insgesamt neun Investments aus dem Fonds getätigt, der Fonds ist zu 59 Prozent investiert. Die meisten davon entwickeln sich trotz der Wirtschaftskrise stabil, wie zum Beispiel Arysta, ein Weltmarktführer in der Agrochemie. Bei Pro Sieben Sat.1 war uns angesichts der Werbekrise sehr früh klar, dass wir gemeinsam mit dem Management nach Lösungen suchen müssen, die der Krise entgegenwirken. Das haben wir getan. Die Sendergruppe steht im Wettbewerbsvergleich ganz gut da. Das gleiche gilt für Hugo Boss. Darüber hinaus bieten die Kapitalmärkte aber auch Chancen, die Kapitalstrukturen zu verbessern.
Das heißt, bei rund einem Fünftel Ihrer Unternehmen sind Sie in Verhandlungen mit den Banken?
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zu reagieren, und einige Baustellen haben wir bereits wieder geschlossen. In Spanien haben wir vergangene Woche bei Cortefiel eine Mischung aus Schuldenrückkauf und Neufestlegung von Kreditklauseln vereinbart. Wir haben dort mit unseren Konsortialpartnern 100 Millionen Euro neu investiert. Aber auch in Fällen, wo die Unternehmen operativ gut unterwegs sind, konnten wir die Kapitalstruktur verbessern. So hat Cognis die Schulden durch Schuldenrückkäufe um knapp 200 Millionen Euro verringert.
Kommen Sie durch die Krise ohne Insolvenzen in Ihrem Portfolio?
Wir tun alles, dass das nicht passiert. Und sind auf einem guten Weg. Für eine Insolvenz muss ein Unternehmen operativ sehr schlecht laufen und dann noch die falsche Kapitalstruktur haben. Bei allen Problemen, die die Krise mit sich bringt, bewährt sich nun, das alle unsere Portfoliounternehmen strategisch hervorragend positioniert sind. Nehmen sie Hugo Boss. Ein Unternehmen, das unter dem neuen Management von Claus Dietrich Lahrs große Fortschritte macht und phantastische Möglichkeiten des Wachstums hat. Wir werden Boss als Investor unterstützen, wo wir können, um dieses Wachstum zu ermöglichen.
Aber wie groß ist die Gefahr bei Pro Sieben oder Hugo Boss, dass die Banken in anstehenden Kreditverhandlungen nicht mitziehen und sie im Regen stehenlassen?
Keines unserer deutschen Unternehmen hat bisher die Kreditklauseln gebrochen, weil überall frühzeitig damit angefangen wurde, Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Im Markt heißt es über Permira, dort wechsle besonders häufig das Management in den Portfoliofirmen. Das ist kein gutes Zeichen . . .
Das sehe ich anders. Ich halte Managerwechsel, wenn dies die Situation erfordert, nicht für per se schlecht. Im Gegenteil. In den Fällen, in denen es Handlungsbedarf gab, haben wir auch auf Managementebene reagiert. Gerade in Krisenzeiten müssen Sie überlegen: Habe ich den richtigen Mann für diese schwierige Aufgabe? Und dann müssen Sie als langfristiger, unternehmerisch denkender Investor eben eingreifen. Es geht um das Unternehmen und die Mitarbeiter, da dürfen Sie auch unangenehmen Entscheidungen nicht ausweichen.
In der Private-Equity-Welt herrscht mittlerweile die Überzeugung, dass 30 Prozent der Branche die Krise nicht überleben werden. Und viele deuten mit dem Finger dabei auch auf Permira.
Permira hat im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro an seine Investoren zurückgezahlt und damit weltweit die erfolgreichsten Unternehmensverkäufe gemacht. Die ersten drei Fonds zählen im Vergleich zu den Fonds der Wettbewerber jeweils zu den erfolgreichsten, und wir haben als einziges Private-Equity-Haus bei allen Vorläuferfonds unseren Investoren bereits deutlich mehr als ihr Geld zurückgezahlt. Gerade im Juni hatten wir unser jährliches Investorentreffen, mit sehr gutem Erfolg. Die Ergebnisse unserer Arbeit lassen sich also sehen und sind im Branchenvergleich sicher weit oben. Und was den aktuellen Fonds anbetrifft, werden wir auch erfolgreich sein. Aber es wird länger dauern, weil wir mitten in einer Weltwirtschaftskrise sind, die ihresgleichen sucht.
Es heißt, Permira habe besonders viele gute Investmentmanager in den vergangenen Monaten verloren.
Das ist ein unsinniges Gerücht. Wir haben ein sehr stabiles Team, vielleicht das beste Team im Markt. Wir haben in den vergangenen Monaten zudem zusätzlich erstklassige Leute an Bord geholt - insbesondere für die regionale Expansion in Asien, und den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa zur Verstärkung der operativen Kompetenz.
Es hört sich so an, als ob die ganze Krise auf dem Private-Equity-Markt nichts anderes bewirkt, als dass man sich nun eben mit kleineren Transaktionen zufriedengeben muss. Ist das wirklich die einzige Konsequenz?
Nach der Krise wird es nicht einfach wie vor der Krise sein. Das Umdenken am Markt findet schon statt: Wir werden einen wesentlich höheren Eigenkapitalanteil bei künftigen Transaktionen sehen, der Verschuldungsanteil wird sich auf dem Niveau des Drei- bis Vierfachen des eingesetzten Eigenkapitals einpendeln. Es wird aber immer einen Mix von Eigen- und Fremdkapital geben, wie auch bei börsennotierten Konzernen und im Mittelstand. Und es wird eine Rückbesinnung geben auf das Geschäft von Private Equity als Partner, um Transformationen und operative Änderungen in einem Unternehmen durchzuführen. Wir haben in der Vergangenheit in Deutschland viele Transaktionen gemacht, wo die Leute nicht gerade Schlange gestanden haben.
Das impliziert doch, die Branche muss einräumen, dass in den vergangenen Jahren einiges aus dem Ruder gelaufen ist.
Die hohen Verschuldungen wurden ja eingegangen, um Preise zu zahlen, die aus heutiger Sicht zu hoch waren. Es hatte niemand damit gerechnet, dass der Markt so brutal zusammenbricht. Trotzdem müssen auch diese Unternehmen jetzt operativ vorangebracht werden, und dieses Geschäft machen wir schon seit 25 Jahren erfolgreich.
Wird man bei künftigen Übernahmen denn vorsichtiger kalkulieren und den Unternehmen weniger Schulden mit auf den Weg geben, damit sie wirtschaftliche Krisen leichter überstehen können?
Von 2000 bis 2007 war die Insolvenzquote von Private-Equity-Portfoliofirmen in Deutschland kleiner als 1 Prozent, Permira hat überhaupt keine Insolvenz gehabt. Warum war das so? Weil Private-Equity-Firmen viel mehr in Szenarien rechnen, als es die Unternehmen selbst tun. Bevor wir ein Investment machen, überlegen wir uns immer auch den schlimmstmöglichen Fall, und erst danach stellen wir eine Finanzierung auf. Die jetzige Krise ist aber viel schlimmer als alle Krisen der vergangenen 50 Jahre, und damit haben immer mehr Unternehmen Probleme, die nicht vorhersehbar waren. Wir sind leider mit Kapitalstrukturen aus einer Boomzeit in eine Krise hineingegangen, die es so noch nie gab. Diesen Herausforderungen stellen wir uns jetzt.
Der Vorwurf lautet, dass Private Equity nur ein Geschäft für Schönwetterphasen ist und in Krisenzeiten stets selbst in große Probleme gerät.
Das sehe ich ganz anders. Wir haben in den letzten 25 Jahren bereits einige Krisen gut gemeistert, und ich glaube, dass die erfahrenen Private-Equity-Häuser dies auch in dieser Krise wieder beweisen werden. Wir arbeiten jeden Tag daran, zu beweisen, dass wir unser Geschäft verstehen. Und wenn ich mir anschaue, was jeden Tag im Mittelstand und was bei den Publikumsgesellschaften los ist, dann hat sich Private Equity bislang gut geschlagen. Unser Portfolio steht heute besser da als vor sechs Monaten, und ich hoffe, in sechs Monaten wird es nochmals besser aussehen.
Das Gespräch führte Holger Paul.
Quelle: FAZ vom 27. Juli 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Wagniskapital erhält einen neuen Stellenwert Venture-Capital-Gesellschaften spüren wachsendes Interesse - Faszination Asien verblasst in der Krise
Nur drei Jahre nach seinem Start verhandelt das Jungunternehmen Music Networx bereits mit den Stars der internationalen Pop- und Rockszene. Die Geschäftsidee ist so einfach wie technisch anspruchsvoll: Konzerte werden aufgenommen, tausendfach auf Datenträger (USB-Sticks) gespeichert und direkt nach dem Ende des Auftritts an die Besucher verkauft - für 25 Euro das Stück. Mit bekannten Künstlern wie Simply Red, Foreigner, Peter Maffay oder den Toten Hosen hat Music Networx schon Vermarktungsverträge geschlossen. "Jetzt verhandelt dieses Kölner Start-up-Unternehmen sogar mit den Rolling Stones über einen langfristigen Vertrag", lobt Rolf Mathies, Mitgründer und Geschäftsführer der Münchener Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. In diesem Jahr rechne Music Networx mit einem Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe, ergänzt er. Grund genug für Earlybird, sich nun mit rund 2 Millionen Euro an der Musikvermarktungsfirma zu beteiligen.
Music Networx ist nach Ansicht von Mathies ein gutes Beispiel dafür, dass in Zeiten einer Wirtschaftskrise gute Geschäftsideen keine Mangelware sind. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. "Gerade jetzt wird das Angestelltendasein für viele Top-Leute unattraktiv. Sie machen sich selbständig und gründen Unternehmen", sagt Mathies. Wagniskapitalgeber (VentureCapital) seien daher umso mehr gefragt; die Zahl der eingesandten Geschäftspläne von Jungunternehmen, die Eigenkapital suchten, sei im ersten Quartal 2009 um fast 50 Prozent höher gewesen als im Vorjahr, berichtet der Earlybird-Manager. Aber auch bei den Investoren der Beteiligungswelt komme einiges in Bewegung. Nachdem die großen, schuldenfinanzierten Übernahmen nicht mehr funktionierten "und sich viele Investoren daran die Finger verbrannt haben, spüren wir wieder ein größeres Interesse an unserem Geschäftsmodell", sagt Mathies.
Von einem echten Aufschwung ist die deutsche - und auch die europäische - Wagniskapitalszene zwar noch weit entfernt. Nach wie vor fehlt es an Investoren und an Venture-Capital-Teams mit Erfahrung und guter Reputation. "Die Feuerkraft der deutschen Venture-Capital-Industrie ist beklagenswert niedrig", räumt Earlybird-Mitgründer Hendrik Brandis ein. Lediglich 390 Millionen Euro wurden 2008 in Deutschland insgesamt als Venture-Capital-Investitionen verbucht. Aber immerhin: Es mehren sich die Zeichen, dass die Krise für Bewegung in einer Branche sorgt, die seit Jahren von den übermächtigen Amerikanern dominiert wird. "Die Renditen, die mit Wagniskapital in Amerika erzielt werden, fallen künftig deutlich niedriger aus", prognostiziert Simon Cook, Chef der britischen Wagniskapitalgesellschaft DFJ Esprit. "Im Gegenzug erkennen die Investoren zunehmend das Potential europäischer Technologieunternehmen", ist er sich sicher. Auch die Faszination vieler Wagnisfinanzierer für Asien hat im Zuge der globalen Finanzkrise stark nachgelassen, ergänzt Denis Lucquin, Geschäftsführer der französischen Venture-Capital-Firma Sofinnova. "Die ersten Fonds ziehen sich aus China wieder zurück, weil das Geschäft dort viel schwieriger ist als gedacht", sagt er.
Dafür scheint der deutsche Markt wieder zunehmend attraktiv zu werden; insbesondere französische und schwedische Venture-Capital-Häuser versuchen seit einigen Monaten, hier Fuß zu fassen. So strebt zum Beispiel die Crédit Agricole Private Equity (Cape) an, im deutschsprachigen Raum pro Jahr zwischen 8 und 12 Millionen Euro in drei bis vier Unternehmen zu investieren, wobei solche Wagnisfinanzierungen in der Regel nie von einem Haus allein, sondern zusammen mit anderen Venture-Capital-Häusern erfolgen. Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen sei enorm gewesen, sagt der für Deutschland zuständige Cape-Fondsmanager Christian Claussen, "wir wurden mit offenen Armen empfangen"
Quelle: FAZ vom 16. Juni 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Wagniskapital aus der Konzernkasse
Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen war lange Zeit Mangelware in Deutschland. Doch allmählich denken die Konzerne wieder um.
Mit einem solchen Ansturm hatte Joern-Peter Halle nicht gerechnet. Vor knapp drei Wochen verkündete der Pharmakonzern Merck Serono die Gründung eines Wagniskapitalfonds, dessen Mittel zur Finanzierung aufstrebender Jungunternehmen aus der Biotechnologie verwendet werden sollen. Insgesamt 40 Millionen Euro stellt die Konzernspitze in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung. "Wir haben inzwischen eine dreistellige Zahl an Geschäftsplänen von interessierten Unternehmen zugeschickt bekommen", sagt Halle, der für Merck das Geschäft mit Frühfinanzierungen verantwortet. Viele Anfragen für Wagniskapital seien dabei gewesen, aber auch für Lizenzabkommen und andere Kollaborationen, sagt er.
In erster Linie geht es bei solchen Wagnisfinanzierungen aus der Konzernkasse (Corporate VentureCapital, CVC) aber um andere Ziele. Zum einen sollen die Fonds eine ordentliche Rendite mit ihren Portfoliofirmen erwirtschaften. Noch wichtiger sei, Merck langfristig den Zugang zu neuen Produkten oder Produktideen zu sichern. "Wenn die Partnerschaft gelingt, kann am Ende eine Lizenzvereinbarung oder auch die Übernahme der Jungfirma stehen", sagt Halle. Bleibt der Erfolg aus, wird die CVC-Gesellschaft versuchen, ihre Anteile an dem Jungunternehmen zu veräußern. Etwa 12 bis 15 Beteiligungen will Merck aus dem Fonds eingehen, sagt Halle.
In der Pharmabranche sind solche Wagniskapitalgeschäfte seit langem üblich. In anderen Sektoren ist das Corporate-Venture-Geschäft dagegen nach dem Platzen der Internetblase Anfang dieses Jahrzehnts vielfach in der Versenkung verschwunden. Namhafte Akteure wie Daimler, Bertelsmann oder Infineon zogen sich gänzlich vom Markt zurück. Ende 2008 verzeichnete der deutsche Branchenverband BVK lediglich noch 19 solcher CVC-Gesellschaften, unter anderem Siemens VentureCapital, BASF VentureCapital und SAP Ventures. Sie investieren ihr Geld jedoch häufig in den Vereinigten Staaten, wo das Geschäft eine größere Bedeutung und Tradition hat.
Allerdings habe in den Vorstandsetagen inzwischen wieder ein Umdenken eingesetzt, sagt Julie Teigland, Leiterin der Wagniskapitalgruppe bei Ernst & Young. "Die Konzerne betreiben das Geschäft heute etwas dezenter und nennen es nicht mehr Wagnisfinanzierung", sagt die Finanzfachfrau. Aber es gehöre vielerorts wieder zur Konzernstrategie, sich an Jungunternehmen aus den eigenen Märkten zu beteiligen, um Innovationen voranzutreiben. "Der Tiefpunkt des Marktes war 2005 und 2006 erreicht, seitdem bauen immer mehr Konzerne wieder Portfolien von Unternehmensbeteiligungen auf", erläutert Teigland.
Im optimalen Fall profitieren beide Seiten von solchen Partnerschaften. Die Jungunternehmer erhalten Kapital und den Zugang zum geschäftlichen Netzwerk des Großkonzerns. Der wiederum kann auf neue Produkte oder Geschäftsfelder für das eigene Haus hoffen. Doch das CVC-Geschäft funktioniert nur, wenn vor Vertragsabschluss eindeutig festgelegt wird, wie weit die Partnerschaft reichen soll, sagt Teigland. "Ein Start-up bekommt nicht automatisch Zugang zu allen Vertriebskanälen des geldgebenden Konzerns." Umgekehrt muss der Wagnisfinanzierer mit den Ängsten der Entrepreneure umgehen können, dass die Start-up-Firma wie ein Konzernteil behandelt und mit Bürokratie überlagert wird. "Es passiert allerdings weniger häufig als vermutet, dass ein Jungunternehmen am Ende als Konzernabteilung eingegliedert wird", sagt Teigland.
Eine Renaissance der CVC-Gesellschaften würde dem Standort Deutschland guttun, heißt es allerorten, ist doch Wagniskapital hierzulande ein eher rares Gut. Auch die klassischen Wagniskapitalfonds (VentureCapital, VC) wären um eine solche Marktbelebung im Grunde froh, heißt es. Aber das Verhältnis der beiden Investorengruppen untereinander ist nicht immer spannungsfrei. Zwar werden Wagnisfinanzierungen häufig mit Partnern durchgeführt. Aber für die VC-Fonds spielt die erzielbare Rendite eine wichtigere Rolle als etwa die weitere Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen. Vor allem der Zeitpunkt und die Art des späteren Verkaufs kann aber zu Konflikten führen, erläutert Bernhard Schirmers, Partner der Tübinger SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement.
"Wie gut solche Cofinanzierungen funktionieren, hängt immer davon ab, wie unabhängig die Investmentgesellschaft eines Konzerns von der Zentrale ist", sagt Schirmers. Eine neue Welle von CVC-Gründungen sieht er nicht heraufziehen. "Das ist ein Modethema", urteilt er. Julie Teigland gibt sich zuversichtlicher. "Immer mehr Unternehmen schauen sich um, an welchen Jungfirmen sie sich beteiligen könnten", resümiert sie.
Quelle: FAZ vom 10. April 2009. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Expertenpanel
Ausblick auf die Beteiligungskapitalmärkte 2009
VC Magazin: Wie wird sich die Frühphasenfinanzierung 2009 im deutschsprachigen Raum entwickeln?
Thomas Franz, Business Angel: Der Markt für Frühphasenfinanzierung wird im Jahr 2009 stagnieren und sich auf vereinzelt interessante Deals konzentrieren. Achim Lederle, Partner/Venture, 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH: Sowohl die Frühphasenfinanzierung durch VCs als auch durch Business Angels wird sich rückläufig entwickeln. Die Anzahl aktiver Frühphasen-VCs hat in Deutschland weiter abgenommen. Business Angels agieren opportunistisch und suchen häufig den schnellen Exit, der auf Sicht von zwölf Monaten eher unrealistisch erscheint. Dr. Paul-Josef Patt, Vorstand der eCAPITAL entrepreneurial Partners AG: Der Venture Capital-Bereich ist, wie wir wissen, nicht abhängig von Kreditfinanzierungen, sodass die Auswirkungen einer restriktiveren Kreditvergabepraxis hier sehr moderat ausfallen. Dennoch werden es junge Technologieunternehmen 2009 schwer haben, die im B2B unterwegs sind und die nicht branchendiversifiziert sind. Es sind deutlich niedrigere Bewertungen in vielen Segmenten zu erwarten. Dies gilt insbesondere, da die Zahl der VC-Investoren in Deutschland unverändert überschaubar und die Lücke zwischen Frühphase und Wachstumsfinanzierung nicht geschlossen ist. Generell gilt aber, dass gute Geschäftsmodelle mit innovativen Technologien auch in der Krise überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen werden. Frank Siegmund, Business Angel des Jahres („Goldene Nase“) 2008: Investoren werden Beteiligungsangebote intensiver als bis her prüfen. Risikoabwägung wird die Chanceneinschätzung dominieren. Aber auch in der unmittelbaren Zukunft werden „krisenfeste“ Geschäftskonzepte estimiert und finanziert werden. Dr. Peter Terhart, Vorstand der S-Refit AG: Die Erstfinanzierungen werden unter den konjunkturellen Gegebenheiten nicht so stark leiden. Anschlussfinanzierungen werden schwieriger werden.
VC Magazin: Haben Politik und Notenbanken auf die Finanzkrise angemessen reagiert?
Patt: Ja. Geschlossen und schnell. Gefahr erkannt, Gefahr aber noch nicht gebannt. Siegmund: Grundsätzlich ja, aber die Politik sollte die entstandene Situation zum Anlass nehmen, gerade jetzt Wagnisfinanzierungen mit privatem Kapital durch angemessene Steuererleichterungen zu unterstützen. Lederle: Nach Ausbruch der Krise haben die Politiker national sowie international schnell und in seltener Einigkeit besonnen reagiert. Fehler sind in der Vergangenheit passiert. Da hat die Finanzaufsicht die erkennbaren ausufernden Risiken der Offshore-Zweckgesellschaften nicht rechtzeitig begrenzt. Basel I + II wurden damit wirkungslos.
VC Magazin: Warum sind teilweise fremdkapitalfinanzierte Investitionen in mittelständische Unternehmen trotz der gegenwärtigen Turbulenzen ein nachhaltiges Geschäftsmodell?
Dr. Jörg Blumentritt, Geschäftsführer der WGZ Initiativkapital GmbH: Der Bedarf an Akquisitionsfinanzierungen wie etwa im Rahmen von Nachfolgeregelungen ist nach wie vor ungebrochen. Sofern diese Akquisitionsfinanzierungen mit einem moderaten Fremdkapitalanteil unterlegt und somit für das Unternehmen tragfähig ausgestaltet werden, sind und bleiben diese ein nachhaltiges Geschäftsmodell – auch und gerade für uns als mittelständische Beteiligungsgesellschaft.
VC Magazin: Warum lohnt sich eine Investition in deutsches Venture Capital?
Terhart: Deutschland besitzt in Europa die breiteste industrielle Basis, die beste Forschungsvernetzung und die größte Findigkeit für Innovationen. In Deutschland gibt es Defizite in den regulatorischen Rahmenbedingungen, aber wir haben die größte wirtschaftliche Substanz, die den entsprechenden Nährboden für das Venture Capital ausmacht. Lederle: Europäische Top Quartile VCs haben in den letzten Jahren bessere Returns erwirtschaftet als durchschnittliche US VCs. Nur die wenigsten Investoren haben Zugang zu den Top Quartile US VCs. Da andere Anlageinstrumente an Attraktivität verlieren, wird VC mit weiterhin überdurchschnittlichen Renditen mittelfristig an Bedeutung gewinnen. Patt: Im internationalen Vergleich zeichnet sich der deutsche VC-Markt nach wie vor durch enormen Nachholbedarf aus. Das Aufeinandertreffen von attraktiven Hochtechnologieunternehmen mit Spitzenteams und einem vergleichsweise knappen Angebot von Eigenkapital bietet den verbliebenen aktiven Investoren überdurchschnittliche Rendite-Chancen. Hier kann man immer noch antizyklisch investieren.
VC Magazin: Angenommen, Sie erhalten heute fünf Mio. Euro mit der Verpflichtung, diese mit einem Horizont von zehn Jahren zu investieren. Wie würden Sie das Geld anlegen?
Siegmund: Ein Drittel festverzinslich – währungsstabil – anlegen. Ein weiteres Drittel bei bestens geführten Aktiengesellschaften mit einer Verteilung auf mindestens fünf Unternehmen investieren. Die weitere Summe bei mehreren Start-ups und Wachstumsfinanzierungen „riskieren“. Patt: Gehen wir davon aus, dass es eine angemessene Quote aus einem Portfolio ist, die zu 100% in Private Equity zu allokieren ist, wozu ich jedem Investor weiterhin raten würde, dann würde ich die fünf Mio. Euro in unseren neuen Fonds investieren. Das ist doch keine Frage. Franz: 25% physisches Silber, 25% Aktien Weltweit, 25% VC Frühphasenfinanzierungen und 25% in Immobilien. Lederle: Portfoliostreuung wird immer wichtiger. Da Private Equity und Venture kaum mit anderen Anlageklassen korrelieren, sollten diese zur Diversifikation beigemischt werden. Die aktuelle Flucht vieler Anleger ausschließlich in Gold und Staatsanleihen ist langfristig weder für das eigene Portfolio noch für die Wirtschaft allgemein zuträglich. Terhart: Ich würde es in die S-Refit AG investieren!
VC Magazin: Wenn Sie als Business Angel drei Wünsche frei hätten, was würden Sie verändern?
Siegmund: 1. Steuererleichterungen für Wagniskapitalfinanzierungen anbieten. 2. Lobbyarbeit der Business Angels verstärken. 3. Die volkswirtschaftliche Bedeutung privater Kapitalbeteiligungen bei Unternehmensgründungen im Hinblick auf Arbeitsplatzschaffung, Steueraufkommen, Innovationskraft verdeutlichen. Thomas Franz, Business Angel:
1. Den Unternehmensstandort Deutschland für mittelständische Unternehmen wieder attraktiv machen. 2. Existenzgründern mehr Unterstützung und staatliche Hilfe zusichern. 3. Die Steuerregelung von Herrn Friedrich Merz einführen.
ChanceKlimawandel
Umwelt- und Klimaschutz bewegt längst nicht mehr nur die Gemüter in der "Öko-Ecke".
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kommentierte jüngst den Erhalt des Energieausweises für das Bundesfinanzministerium: "Wer Energie spart, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern kann das eingesparte Geld anderswo sinnvoller investieren."
Grüne Technologien haben sich leise, aber sicher zu einer dynamischen und innovativen Industrie entwickelt. Ihr Marktwachstum ist der Grund, weshalb viele Unternehmen den Klimawandel längst als Chance begreifen. Grüne Technologien werden oft mit dem Ausdruck Clean Technology (Cleantech) umschrieben. Cleantech umfasst Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, die durch technologische Innovationen den Verbrauch von Ressourcen, Umweltschäden sowie Kosten reduzieren. Damit wird die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen erheblich verbessert. Die einleuchtende Idee, Technik mit Natur zu verbinden, macht in Amerika schon länger Schule. Der Trend zu ressourcenschonenden und effizienzsteigernden Verfahren ist allerdings auch hierzulande früh erkannt worden. Das Bundesumweltministerium schätzt, dass im Jahr 2020 in Deutschland traditionelle Industriezweige wie der Kraftfahrzeugbau oder der Maschinenbau bereits von Cleantech überholt sein werden. So lautet die Prognose, dass der Cleantech-Anteil am Umsatz aller Wirtschaftszweige von vier Prozent (2005) auf 16 Prozent (2020) steigen wird. Die Anzahl der Beschäftigten könnte sich allein im Bereich der erneuerbaren Energien in diesem Zeitraum auf zirka 400 000 verdoppeln.
Eine Investition in grüne Technologien zahlt sich aus: Cleantech konnte, trotz der Korrekturen der letzten Zeit, andere Indizes deutlich übertreffen. Der Cleantech-Aktienindex CTIUS ist über die letzten fünf Jahre (September 2003 bis September 2008) um zirka 77 Prozent gestiegen. Die Nasdaq dagegen um rund 26 Prozent und der Dow Jones um etwa 18 Prozent. Will ein Anleger an der Entwicklung des Cleantech-Sektors teilhaben, spricht vieles für den Kauf eines breit gestreuten, sogenannten Venture-Capital-Dachfonds. Vorteil: Der Anleger ist indirekt an bis zu 600 jungen Technologieunternehmen beteiligt. Dadurch fällt es weniger ins Gewicht, wenn sich einzelne Technologien am Ende nicht durchsetzen können.
Zu den cleantechrelevanten Branchen zählen die Energie- und Wasserversorgung oder die Entsorgungs- und Recyclingbranche. Auch für das Automobil-, Transport-, Immobilien- und Bausegment wird Cleantech zunehmend eine Notwendigkeit. Ein einfaches Beispiel: In privaten Haushalten entfallen laut Bundesumweltministerium 77 Prozent des Energieverbrauchs auf die Heizung. Bessere Dämmung in Altbauten und innovative Isolierungskonzepte bei Neubauten können erheblich zur Reduzierung von Kosten und Emissionen beitragen.
Der Zeitraum zwischen der Idee einer grünen Technologie und ihrer Marktreife beträgt fünf bis zehn Jahre, im Bereich Internet liegt er etwas darunter. Facebook beispielsweise wurde 2004 entwickelt - bereits 2007 lag der geschätzte Marktwert bei 15 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen First Solar wurde 1999 gegründet, ging im November 2006 an die Börse und hat 2008 eine Marktkapitalisierung von 14,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Oft entstehen zunächst Pilotprojekte, die bei Erfolg weiter ausgebaut werden. Entscheidend ist: Das Produkt muss überzeugend einen Mehrwert schaffen und professionell vermarktet werden. Die Kosten für Forschung und Entwicklung tragen vor allem sogenannte Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften. Beide stellen Eigenkapital zur Verfügung.
Der Cleantech-Markt hat sich in Deutschland positiv entwickelt, auch wegen der traditionell hohen staatlichen Förderung. So werden innovative Technologieunternehmen auch mit Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder des High-Tech-Gründerfonds unterstützt.
Neben den laufenden staatlichen Subventionen muss jedoch auch die Bereitstellung von Eigenkapital gefördert werden, damit sich die positive Entwicklung fortsetzen kann. In Deutschland gibt es im Vergleich zu den Vereinigten Staaten nur wenige Venture-Capital-Gesellschaften. Zu den günstigen Rahmenbedingungen für technologieorientierte Unternehmensgründungen gehört naturgemäß auch die Existenz von Eigenkapitalgebern.
Der politische Druck für den Einsatz grüner Technologien wächst: So legte Sigmar Gabriel im Oktober eine Strategie zur Einführung eines "Nationalen Energieeffizienzplans" vor. Ziel ist unter anderem die Investition in Energieeffizienz und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Klimawandel bietet allen Beteiligten Chancen: den intelligenten Tüftlern, die Ideen für innovative Konzepte haben und daraus eine neue Technik entwickeln. Den Venture-Capital-Gesellschaften, die ebendiesen Tüftlern Kapital zur Verfügung stellen, um Technologien zu entwickeln und Produkte zur Marktreife zu bringen. Und den Privatanlegern, die unter anderem mit neuen Dachfonds-Konzepten am Cleantech-Boom teilhaben können.
Dr. ANDREAS M. ODEFEY, geschäftsführender Gesellschafter der BPE Fund Investors G.m.b.H., Hamburg
Quelle: FAZ vom 18. November 2008. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
PrivateEquitytragfähig
Die Finanzmarktkrise wirkt sich auf alle Asset-Klassen und somit - in abgeschwächter und zeitverzögerter Form - auch auf PrivateEquity aus. Während die Folgen bei bereits aufgelegten Fonds zu vernachlässigen sind, bietet die Krise für neu aufgelegte Fonds die Chance auf eine hervorragende Performance.
Seit Ende 2007 gestalten sich Finanzierungen insbesondere von Large Buy-outs aufgrund der Kreditklemme und der deutlich verschärften Kreditvergaberichtlinien der Banken schwieriger - eine Situation, die sich auf absehbare Zeit nicht wesentlich ändern dürfte. Auch für Mid Cap Buy-outs ist Fremdkapital zur Zeit nur zu schlechteren Bedingungen erhältlich. Da auch die Bewilligung einer Finanzierung deutlich länger dauert, verlängern sich die Investitionszeiträume für die einzelne Beteiligung, weil die Kreditverhandlungen Ressourcen binden, die eigentlich für die Due Diligence und die Akquisition weiterer Beteiligungen benötigt werden. Daraus folgt ein verlangsamter Abruf des gezeichneten Kapitals.
Die Kreditklemme hat allerdings auch positive Effekte, etwa auf die Entwicklung der Einstiegsbewertungen von neuen Beteiligungen. Wenn das Kapital wegen der erschwerten Fremdfinanzierung bei gleichbleibendem Angebot an Beteiligungen, die Kapitalgeber suchen, knapp wird, sinken die Preise. Hinzu kommt, dass gerade turbulente Marktsituationen für erfahrene Private-Equity-Fondsmanager oft die besten Investitionsgelegenheiten hervorbringen. So werden Mezzanine-Finanzierungen aufgrund der Kreditklemme stark nachgefragt, während Distressed-Debt- und Turnaround-Fonds in Krisenjahren generell profitieren. Auch europäische Small und Mid Cap Buy-outs sowie Venture und Growth Capital stehen wieder verstärkt im Fokus. Des Weiteren ist weltweit ein hoher Kapitalbedarf für Energie- und Infrastrukturinvestments erforderlich, und Secondaries werden angesichts volatiler Börsen zunehmend als alternativer Exit-Kanal gesucht. Selbst in einem ungünstigen Marktumfeld mangelt es PrivateEquity also nicht an vielversprechenden Anlagemöglichkeiten.
Die derzeit in der Plazierung befindlichen beziehungsweise jetzt neu aufgelegten Private-Equity-Fonds investieren in ein äußerst günstiges Umfeld - vergleichbar mit den Jahren 2002 und 2003, als die Bewertungen der Unternehmen auf historische Tiefststände sanken und zwei bis vier Jahre später die Unternehmen zu historischen Höchstständen veräußert werden konnten. Diese Fonds bringen die besten Voraussetzungen mit, eine hervorragende Performance zu erzielen. Aber auch bei den bereits aufgelegten Fonds werden sich die positiven Renditeaussichten wegen der Finanzmarktkrise allenfalls geringfügig eintrüben, und es sind keine signifikanten Ausfallrisiken zu erwarten. Erstens betreiben professionelle Dachfondsmanager eine vorausschauende Risikodiversifikation über unterschiedlichste Auflegungsjahre, Finanzierungsphasen, Branchen, Regionen und Private-Equity-Segmente. Zweitens haben diese Dachfondsmanager nur solche Fondsmanager ausgewählt, die einen überdurchschnittlichen Track Record über zumeist mehrere Konjunkturzyklen und verschiedenste Kapitalmarktbedingungen vorweisen können. Dabei ist für die Dachfondsmanager die Fähigkeit der Zielfondsmanager entscheidend, den Wert ihrer Portfoliounternehmen auch unter widrigen Marktumständen nachhaltig zu steigern.
Die gegenwärtige Finanzkrise stellt weder das Geschäftsmodell noch die Asset-Klasse PrivateEquity in Frage. Vielmehr wird PrivateEquity mit seinem langfristigen Wertschöpfungsansatz, der sich eben nicht von der Realwirtschaft abgekoppelt hat, auch in dieser anspruchsvollen Marktphase überdurchschnittliche Renditen bei kalkulierbaren Risiken erwirtschaften und im Vergleich der Anlageformen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Denn PrivateEquity basiert auf einem nachhaltigen Geschäftsmodell, welches in den Portfoliounternehmen durch aktive Mitwirkung der Beteiligungsfirmen echte und dauerhafte Werte schafft.
Außerdem hat PrivateEquity nicht zuletzt aufgrund dieses soliden Wertschöpfungsansatzes über alle Anlagehorizonte deutlich bessere Renditen als andere Asset-Klassen erwirtschaftet - selbst in Abschwungphasen. Und: Private-Equity-Investments zeigen unter anderem aufgrund ihres nicht-spekulativen Charakters eine deutlich geringere Volatilität und eine konstantere Wertentwicklung als andere Anlageformen, insbesondere Public Equity.
ROBERT LIST, Geschäftsführer der BVT Beratungs-, Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft für internationale Vermögensanlagen mbH, München
Quelle: FAZ vom 18. November 2008. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Deutsches Eigenkapitalforum
Kontaktbörse für Gründer und Kapitalgeber
Am 21. und 22. April findet in Mainz zum 12. Mal die Frühjahrsausgabe des Deutschen Eigenkapitalforums statt. Hauptzielgruppe sind Hightech-Gründungen in der Seedphase sowie Start-ups, die Kapital zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung suchen.
Diese Firmen treffen im ZDF-Konferenzzentrum auf rund 150 Finanzierer. Darunter sind namhafte Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften, mittelständische Beteili- gungsgesellschaften, Geschäfts- und Investmentbanken sowie Corporate Finance-Gesellschaften. Außerdem halten Business Angels und strategische Investoren Ausschau nach interessanten Beteiligungsmöglichkeiten. Auch verschiedene Förderinstitute und Beratungsgesellschaften stellen sich vor. Veranstalter des Eigenkapitalforums sind die KfW Mittelstandsbank, die Deutsche Börse und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz.
Noch bis zum 28. März können sich junge Firmen um einen Platz auf der geplanten Unternehmermesse bewerben. 50 von ihnen haben an einem kleinen Messestand die Gelegenheit, sich potenziellen Investoren zu präsentieren. Noch größere Aufmerksamkeit ist den Gründern sicher, die sich fristgerecht (28. März) und erfolgreich um einen Platz im Elevator Pitch bewerben. Sie dürfen sich zehn Minuten lang einem ausgewählten Kreis von Investoren auf großer Bühne vorstellen. Die Bewerbungsunterlagen sind im Internet hinterlegt (s. u.). Abgerundet wird das Eigenkapitalforum von einem umfangreichen Workshopprogramm.
Zuletzt waren sämtliche Eigenkapitalforen ausgebucht. Interessierte Firmen und sonstige Besucher sind gut beraten, sich rechtzeitig anzumelden. Die Teilnahmegebühren für Unternehmen betragen 500 €. Enthalten ist der Eintritt für drei Personen, Verpflegung und ein 6 m2 großer Messestand. Außerdem wird das Unternehmensprofil den Teilnehmerunterlagen beigefügt. Investoren, Berater uns sonstige Aussteller müssen tiefer in die Tasche greifen. Sie müssen für die gleichen Leistungen jeweils 1200 € bezahlen. Für Besucher ohne eigenen Stand werden 200 € fällig. sta
Erfolgreiches Jahr 2007 für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt
Mangelhafte Rahmenbedingungen hemmen jedoch Branchenentwicklung
BVK vom 21.02.2008 - Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben 2007 mit 4,1 Mrd. € rund 13 Prozent mehr investiert als im Vorjahr. Gleichzeitig konnten die Gesellschaften auch beim Fundraising das Vorjahresergebnis verbessern und warben so viele neue Mittel ein wie zuletzt im Jahr 2000. Dies geht aus der heute vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e. V. (BVK) veröffentlichten Jahresstatistik 2007 für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt hervor. Dieses positive Ergebnis kann jedoch nicht die anhaltende Unzufriedenheit der Branche mit dem Gesetzgeber und den in Deutschland geltenden Rahmenbedingungen überdecken. Knapp die Hälfte der BVK-Mitglieder bewertet laut einer Befragung die rechtlichen Rahmenbedingungen als mangelhaft oder unbefriedigend.
2007 investierten die Beteiligungsgesellschaften 4,1 Mrd. € in 1.078 Unternehmen. 2006 flossen 3,6 Mrd. € in 970 Unternehmen. Das Investitionsplus ist auf eine Zunahme der Buy-Out-Investitionen zurückzuführen. Zurückgegangen sind dagegen die Venture Capital-Investitionen. Nach 1,0 Mrd. € im Jahr 2006 waren es 2007 noch 840 Mio. €. Diesem Volumenrückgang steht allerdings eine deutlich gestiegene Zahl der mit Venture Capital finanzierten Unternehmen auf gegenüber. Dies spricht für ein aktiveres Investitionsgeschehen, wobei die Venture Capital-Gesellschaften jedoch geringere Mittel in die einzelnen Unternehmen investieren. Innerhalb des gesamtes Venture Capital-Bereiches verzeichneten die Frühphaseninvestitionen erfreuliche Zugewinne. Deren Volumen kletterte von 264 Mio. € auf 349 Mio. € und deren Anzahl von 337 auf 467. Sowohl die Start up- als auch die Seed-Investitionen konnten deutlich zulegen. Mit fast 80 % floss der Großteil der Investitionen wie auch schon in den Vorjahren in den Buy-Out-Bereich. Hier summierten sich die Investitionen auf 3,3 Mrd. € und übertrafen das Vorjahresvolumen von 2,6 Mrd. € um gut ein Viertel. Neben einigen sehr großen Transaktionen wurden zahlreiche Buy-Outs bei mittelständischen Unternehmen durchgeführt. Die Zahl der Buy-Out-Transaktionen übertraf mit 100 nochmals das sehr aktive Vorjahr (92 Buy-Outs), was für die anhaltende Attraktivität des deutschen Mittelstands spricht.
Das Fundraising der deutschen Beteiligungsgesellschaften erreichte 2007 ein Volumen von 4,2 Mrd. € und stieg damit um rund die Hälfte gegenüber dem Vorjahr (2,8 Mrd. €). Zum gesamten Fundraising trugen unabhängige, ihre Mittel bei institutionellen Investoren einwerbende Fonds 2,9 Mrd. € bei. Damit konnten der seit 2004 zu beobachtende Aufwärtstrend fortgesetzt und das beste Fundraising-Ergebnis seit dem Jahr 2000 erreicht werden. Dieses ist jedoch nicht auf eine breite Verbesserung der Fundraisings zurückzuführen, sondern vielmehr auf einige große Fonds etablierter deutscher Gesellschaften. So steuerten die sechs größten Fonds mit jeweils mehr als 200 Mio. € Volumen zusammen fast 2,2 Mrd. € zum Gesamt-Fundraising bei. Die neuen Mittel konnten vor allem von Buy-Out-Fonds eingeworbenen werden. Hierhin flossen allein 2,3 Mrd. €. Mehr als ein Drittel der neuen Mittel stammt von internationalen Kapitalgebern. Betrachtet man nur das unabhängige Fundraising steigt deren Anteil auf weit über 50 %, was die existenzielle Bedeutung ausländischer Investoren für deutsche Beteiligungsgesellschaften unterstreicht. Die positiven Marktzahlen können aber das anhaltende Stimmungstief der deutschen Beteiligungsgesellschaften und den Nachholbedarf im Vergleich mit den anderen nationalen Private Equity-Märkten in Europa nicht überdecken. Insbesondere das zwar vordergründig hervorragende Fundraising-Ergebnis ist auch auf einige Gesellschaften zurückzuführen, die inzwischen im Ausland ihre Fonds auflegen. Diese umgehen die hierzulande nicht wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen, denen sich die anderen deutschen Gesellschaften noch ausgesetzt sehen. Inzwischen äußern aber zunehmend Gesellschaften ihre Pläne ebenfalls ins Ausland zu gehen, was den Wirtschafts-, Technologie- und Gründerstandort Deutschland irreparablen Schaden bringen würde.
Der Ausblick auf 2008 fällt verhalten optimistisch aus. Das Fundraising dürfte nicht das Niveau des abgelaufenen Jahres erreichen, da viele Gesellschaften in jüngster Vergangenheit neue Fonds geschlossen haben und die Planungen eher für 2009 verstärkt neue Fonds erwartet lassen. Unsicherheitsfaktor bleiben die rechtlichen Unwägbarkeiten. Bei den Investitionsaktivitäten erwartet der BVK in den einzelnen Marktsegmenten unterschiedliche Entwicklungen. Im Venture Capital-Bereich wird 2008 kaum Änderungen zum abgelaufenen Jahr bringen. Bei den Buy-Outs ist insbesondere bei den kleinen und mittleren Buy-Outs ein anhaltend aktives Geschäft zu erwarten, da das Angebot attraktiver mittelständischer Unternehmen groß ist und viele neu geschlossene Fonds ihre Investitionsaktivitäten ausbauen dürften. Dagegen dürfte im Segment der großen Buy-Outs, wo fast ausschließlich ausländische Gesellschaften aktiv sind, erst ab Mitte des Jahres mit einer Entspannung der Situation nach der Kreditkrise zu rechnen sein.
Finanzinvestoren
Private Equity auf die deutsche Art
Die deutschen Familienunternehmer wollen Private Equity nicht mehr länger angelsächsischen Investoren überlassen. In den vergangenen Jahren galten hiesige Mittelständler lediglich als Ziel für ausländische Finanzinvestoren. Nun nehmen die Familienunternehmer selbst das Heft in die Hand und investieren in langfristig orientierte deutsche Mittelstandsfonds. Gleich mehrere wurden zuletzt neu aufgelegt. Der prominenteste: der zur Harald-Quandt-Gruppe gehörende Finanzinvestor Equita. „Wir haben 315 Millionen Euro für eine neue Beteiligungsgesellschaft eingeworben“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter von Equita, Michael Hönig, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Der Clou dieses dritten Equita-Fonds: Er hat eine unbegrenzte Laufzeit, ist also kein Fonds im klassischen Sinne. Der Kapitalstock bleibt stets gleich, lediglich die erwirtschaftete Rendite wird als Dividende ausgeschüttet.
Äußerst bekannte Namen dabei
Die meisten angelsächsischen Private-Equity-Fonds, die zurzeit regelmäßig mit spektakulär anmutenden Milliardentransaktionen wie dem Kauf der einstigen Linde-Sparte Kion in den Schlagzeilen stehen, behalten ihre Beteiligungen häufig nur zwei bis drei Jahre und werden nicht selten durch das bevorstehende Ende ihrer Fondslaufzeit zum Verkauf gezwungen. Dagegen ermöglicht die Equita-Konstruktion eine langfristige Investition mit Haltezeiten von bis zu zehn Jahren - Private Equity auf die deutsche Art.
Beteiligungsgesellschaften investieren zumeist außerbörslich in Unternehmen - daher der Name „Private Equity“. Die neue Spezies deutscher Beteiligungsfonds wendet sich an andere Investoren als die klassischen amerikanischen und britischen Beteiligungsgeber. Letztere haben vor allem Versicherer, Pensionsfonds, Stiftungen und Dachfonds als Anleger. „Knapp 60 Prozent unserer Investoren sind Unternehmer und Family Offices“, sagt dagegen Hans Moock, Geschäftsführer von Equita. Welche Unternehmer das sind, darüber hüllt sich Moock in Schweigen. Allerdings sollen äußerst bekannte Namen dabei sein.
Deutscher Mittelstand chronisch unterfinanziert
Die im vergangenen Jahr an den Start gegangene Starnberger Buchanan Capital Partners verfolgt ein ähnliches Konzept. Rund die Hälfte haben Unternehmer zu dem 150 Millionen Euro schweren Fonds beigetragen. „Die sagen sich: Ich investiere lieber in starke Unternehmer in einem mir bekannten Markt als in Wagniskapital mit Schwerpunkt Amerika“, hatte Mitgründer Frank Henkelmann die Beweggründe der Investoren beschrieben. Vor kurzem hat Buchanan das erste Unternehmen gekauft, den Neu-Isenburger Logistikspezialisten Time-Matters.
Beteiligungsgesellschaften wie Buchanan, Equita oder auch Quadriga und ECM, die beide kürzlich ebenfalls neues Kapital eingesammelt haben, wollen vorwiegend mittelständische Unternehmen kaufen. Equita zielt auf Gesellschaften mit einem Umsatz zwischen 50 und 250 Millionen Euro. In diesem Marktsegment klafft nach den Worten von Uwe Fleischhauer von der Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer & Partner immer noch eine große Finanzierungslücke. „Dass bis heute der Durchbruch nicht erfolgt ist, rührt daher, dass deutsche Geschäftsinhaber und Manager oft abgeneigt waren, Firmenanteile an ausländische Finanzinvestoren zu veräußern.“
Dabei wäre die Nachfrage angesichts der chronischen Unterfinanzierung des deutschen Mittelstands groß: Fleischhauer hat ein Potential von jährlich rund 1000 Unternehmen im Wert von weniger als 250 Millionen Euro ausgemacht.
Verschuldung begrenzen
Die deutschen Mittelstandsinvestoren halten ihre Beteiligungen nicht nur länger als ihre amerikanischen Pendants, sie gehen auch weniger aggressiv zu Werke. Während Finanzinvestoren vom Schlage einer Blackstone oder Carlyle die erworbenen Unternehmen schon einmal mit dem Sieben- bis Achtfachen des operativen Ergebnisses verschulden, sind Beteiligungsgesellschaften wie Equita vorsichtiger und begrenzen die Verschuldung auf das Dreieinhalb- bis Fünffache des operativen Gewinns.
Gerät ein mittelständisches Unternehmen in die Krise, dann machen sich bislang ebenfalls vorwiegend ausländische Restrukturierungsfonds ans Werk. Ausnahmen bilden lediglich die Deutsche Bank und wenige Fonds wie Orlando Capital. Auch das soll sich nun ändern. Mit dem „Caesar Special Opportunities“ drängt eine weitere deutsche Beteiligungsgesellschaft auf den Markt, die für sich ebenfalls eine unternehmerische Strategie beansprucht.
Mittelstand mit deutschem Geld restrukturieren
Der bis zu 150 Millionen Euro große Fonds will angeschlagene Mittelständler sanieren. Für diese Art von Fonds scheinen sich deutsche Familienunternehmer freilich nicht allzu sehr begeistern zu können. „Ich verstehe nicht, dass der Mittelstand nicht auch mit deutschem Geld restrukturiert werden kann“, wundert sich ein Beteiligungsmanager.
Beteiligungsgesellschaften wie Equita und Buchanan schaffen mit den Familienunternehmern eine Art Kreislauf: Sie nutzen auf der einen Seite das Netzwerk der Familieninvestoren, um Ziele für die Übernahmen zu finden. „Unser Investitionsausschuss ist mehrheitlich mit unseren Anlegern besetzt“, sagt Hönig. Und auf der anderen Seite wird aus so manchem Zielunternehmen ein zukünftiger Familieninvestor rekrutiert - etwa wenn der Beteiligungsfonds die Nachfolge löst und die Familie danach ihr Geld außerhalb des Unternehmens anlegen muss.
Quelle: FAZ vom 02.05.2007 - Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main.
Riskante Reize
Wer im Entry Standard investiert, sollte genau hinschauen
Aktienanleger haben trotz der negativen Erfahrungen am Neuen Markt ihre Risikobereitschaft offensichtlich nicht verloren: Der Entry Standard, von der Deutschen Börse nach dem Vorbild des Londoner Alternative Investment Market als Nachfolgekonzept etabliert, zieht Unternehmen als auch Investoren an.
Ein Jahr nach seinem Start werden in dem Marktsegment die Aktien von 71 kleineren und mittleren Unternehmen gelistet, wöchentlich kommen neue dazu. Ihre gesamte Marktkapitalisierung beträgt nach Berechnungen der Börse rund 5,4 Milliarden Euro. Eine stolze Summe, die teilweise die Anleger in der Hoffnung auf gewinnträchtiges Wachstum investiert haben. Allerdings mit höchst unterschiedlichen Resultaten. Während einige Papiere nach dem Börsengang deutliche Kursgewinne verbuchen und auch halten konnten, gerieten andere ebenso deutlich in die Defensive. Der Entry Standard-Preis Index, der die 20 meistgehandelten Werte des Segments abbildet, kommt seit Jahresbeginn auf ein Minus von gut 11 Prozent. Die Standardwerte des Dax konnten dagegen im selben Zeitraum um 18 Prozent zulegen.
Mit einem Plus von 95 Prozent seit Jahresbeginn ist die Aktie des Immobilienunternehmens Franconofurt der beste Wert im Index, gefolgt von den Papieren der Beteiligungsgesellschaft Aragon mit einem Kursgewinn von 49 Prozent und dem Technologieunternehmen Plan Optik mit einem Plus von 27 Prozent. Auf der anderen Seite mußten die Papiere von Betonusa, Eutex, Amitelo oder auch Design Bau Kurseinbußen zwischen 30 und knapp 90 Prozent hinnehmen.
Das breite Spektrum der Kursentwicklung deutet denn auch darauf hin, wie unterschiedlich die operative Qualität der betrachteten Unternehmen sein muß. Entsprechend wichtig wird für interessierte Anleger die sorgfältige Auswahl der Einzelwerte. Worauf sollten sie dabei achten?
"Ganz wichtig ist, daß ein Unternehmen nachhaltig profitabel ist", sagt Peter C. Conzatti, Nebenwertespezialist bei der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Zudem schaue er sich das Management der Unternehmen genau an: Ist es erfahren oder noch blutjung? Tauchten altbekannte Gesichter im Vorstand oder Aufsichtsrat auf, mit denen man weniger gute Erfahrungen in den Tagen des Neuen Marktes gemacht habe? Am liebsten seien ihm grundsätzlich Technologiewerte, die erfolgreich in einer Nische mit hohen Eintrittsbarrieren tätig seien.
Transparenz ist das Zauberwort für Manuel Hoelzle, Chefanalyst der Augsburger German Business Concepts, einem bankenunabhängigen Analysehaus mit Fokus auf kleine und mittelgroße Werte. Hoelzle legt besonders hohen Wert auf das Vorliegen eines Wertpapierprospektes. Wenn ein Unternehmen nur auf Exposé-Basis an den Markt komme, sei eine vernünftige Kommunikation mit den Anlegern kaum noch möglich. Privatanleger müßten in diesem Fall deutliche Informationsnachteile befürchten.
Wichtig sei auch die Stetigkeit der laufenden Berichterstattung. So sollten Unternehmen neben den vorgeschriebenen Jahres- und Halbjahresberichten möglichst auch zu den Zahlen des ersten Quartals und der ersten neun Monate einen kurzen Aktionärsbrief herausgeben, um ihre Anleger zu informieren. Sonst seien die Informationszeiträume zu lang. Immerhin handele es sich bei Entry-Standard-Werten zumeist um kleine Gesellschaften, die eine hohe Dynamik aufwiesen. Genau die könne jedoch operativ sowohl nach unten als auch nach oben durchschlagen. In diesem Sinne könnten auch Analystenstudien und die regelmäßige Präsentation des Geschäftsverlaufs auf Anlegerkonferenzen zur Transparenz beitragen.
Natürlich setzt auch Hoelzle auf tragfähige Geschäftskonzepte und auf erfahrene Manager. Besonders interessant seien in diesem Zusammenhang jene Unternehmen, die bereits eine sehr gute Historie aufweisen können. Dazu zählt er Gesellschaften wie Impreglon, ein Dienstleistungsunternehmen für Oberflächentechnik, oder auch Driver & Bengsch, ein rasch wachsender, innovativer Finanzdienstleister aus Schleswig-Holstein. Die Kursentwicklung beider Aktien kann sich bisher sehen lassen und bestätigt indirekt seine Einschätzung.
Der Entry Standard ist ein auf dem unregulierten Freiverkehr basierendes Börsensegment der Frankfurter Wertpapierbörse, das seit dem 25. Oktober des Jahres 2005 besteht. Es bietet den Unternehmen einen flexiblen und kosteneffizienten Zugang zum Kapitalmarkt mit niedrigen regulatorischen Anforderungen.
Diese bestehen im einzelnen aus der Veröffentlichung eines aktuellen Unternehmenskurzporträts und eines Unternehmenskalenders. Wichtigstes Element ist die Vorlage eines testierten Konzern-Jahresabschlusses samt eines Konzern-Lageberichtes nach den jeweiligen nationalen Rechnungslegungsvorschriften oder nach International Financial Reporting Standards (IFRS), spätestens innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung des Berichtszeitraums. Drei Monate nach dem ersten Halbjahr eines Geschäftsjahres muß zudem ein Zwischenbericht vorgelegt werden.
Ferner besteht die Verpflichtung, "wesentliche Unternehmensnachrichten oder -umstände, die für die Bewertung des Wertpapiers oder des Unternehmens bedeutsam sein können", unverzüglich der interessierten Öffentlichkeit mitzuteilen. Seltsamerweise ist dazu nur die Veröffentlichung auf der jeweiligen Internetseite des Unternehmens notwendig und nicht die Verbreitung über einen dafür autorisierten Dienstleister, wie das etwa bei Ad-hoc-Meldungen der Fall ist.
Genau daran knüpft denn auch die Kritik am Regelwerk des Entry Standard an: "Daß die Unternehmen neue Meldungen lediglich auf ihrer Homepage veröffentlichen müssen, ist ein Unding. Wer hat schon die Zeit, sich täglich durch 60 Internetseiten zu klicken? Das ist realitätsfremd und wenig praktikabel. Eine Meldung über eine Agentur zu verschicken kostet nicht viel. Das sollte es den Unternehmen schon wert sein", sagt Conzatti. Er würde auch die Veröffentlichung eines Börsenprospektes zur Pflicht machen.
Obwohl sich der Entry Standard offiziell an professionelle Anleger richtet, dürfte er auch versierten Privatanlegern gewisse Reize bieten. Immerhin gelangen auf diesem Weg immer wieder künftige Unternehmensperlen an den Markt. Grundsätzlich sollten sie sich aufgrund der nur schwer zugänglichen Informationen jedoch genauestens über die einzelnen Branchen und Firmen informieren.
Quelle: FAZ vom 06.12.2006. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Die Hoffnungen auf eine Erholung des deutschen Markts für Wagniskapital scheinen verfrüht gewesen zu sein. Die Investitionen privater Risikokapitalgeber in junge Unternehmen sind im dritten Quartal auf 58 Millionen Euro und damit auf den niedrigsten Wert seit vier Jahren gefallen. In den Quartalen davor waren es im Durchschnitt noch um die 100 Millionen Euro. Das hat der Venture-Capital-Panel der Beratungsgesellschaft FHP Private Equity Consultants ergeben. "Die Investitionen haben somit einen neuen Tiefpunkt erfahren, der sich kaum mehr mit dem zyklischen Auf und Ab bei den Finanzierungen erklären läßt", heißt es in der Studie. Das Problem: Die meisten Venture-Capital-Gesellschaften haben das Gros ihrer Altfonds investiert. Abgesehen von wenigen großen Wagniskapitalgebern gelingt es ihnen aber nur mit großer Mühe, Investoren für neue Fonds aufzutreiben. Auch staatliche Investoren "konnten bisher keinen signifikanten Impuls für die Auflegung neuer Fonds leisten", heißt es.
Quelle: FAZ vom 27.10.2007. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Der europäische Venture Capital Markt ist zurück Voraussetzungen im Markt mittlerweile exzellent
Die europäische und insbesondere die deutsche Venture-Capital-Industrie (VC) durchlebten in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Zyklus. Mitte der neunziger Jahre tummelten sich wenige Pioniere in der noch sehr kleinen Industrie. Sie wuchs bis zum Ende des Jahrzehnts explosionsartig und kollabierte dann fast vollständig. Die Situation Ende der neunziger Jahre war durch hohe Erwartungen ohne solides Fundament gekennzeichnet. Heute ist es genau umgekehrt: Eine im Zeitraffertempo gereifte Industrie weniger Überlebender sieht sich mit Mißtrauen und geringen Erwartungen konfrontiert, obwohl die Voraussetzungen im Markt mittlerweile exzellent sind.
Günstige Einstiegsbewertungen
Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten erreichen die VC-Beteiligungen in Europa zum Einstiegszeitpunkt durchschnittlich nur ein Drittel, höchstens die Hälfte der Werte, die ihre amerikanischen Kollegen erzielen. Dies liegt am Überangebot attraktiver Beteiligungsmöglichkeiten, das einer geringen Nachfrage der wenigen aktiven VC-Fonds gegenübersteht. Die europäische Volkswirtschaft bringt zwar global kommerzialisierbare technologische Innovationen hervor, die den amerikanischen in nichts nachstehen. Aber die relative Ausstattung der Volkswirtschaften mit Frühphasenrisikokapital, gemessen am Bruttosozialprodukt, variiert im Vergleich zu den Vereinigten Staaten: in Großbritannien erreicht sie ein Drittel, in Deutschland nur ein Elftel des vergleichbaren Wertes in den Vereinigten Staaten.
Zu wenige VC-Fonds?
Die Kehrseite dieser niedrigen Penetration mit Frühphasenrisikokapital zeigt sich einerseits auf volkswirtschaftlicher Ebene: Vielversprechende Innovationen schaffen es nicht zur Marktreife. Andererseits ergeben sich aber auch Nachteile für den einzelnen VC-Investor selbst. Die Kommerzialisierung bedeutenderer technologischer Innovationen erfordert häufig viel mehr Kapital, als ein einzelner Venture-Fonds zur Verfügung stellen kann, wenn er eine angemessene Risikodiversifikation berücksichtigen möchte. Es müssen daher Syndikate unabhängiger Investoren gebildet werden. Das ist allerdings nicht einfach, weil die Anzahl aktiver Fonds sehr gering ist. Hierauf reagiert die europäische VC-Industrie aktuell mit einer wachsenden paneuropäischen Zusammenarbeit: Investitionen werden zunehmend auf europäischer Ebene syndiziert. Somit erschließen sie sich zum einen internationale Kapitalressourcen. Zum anderen verbessern sie ihre Zugänge zu internationalen Absatzmärkten und Netzwerken.
Revitalisierte Kapitalmärkte
Im Jahr 2005 fanden erstmals in Europa mehr Börsengänge aus VC-Portfolios statt als in den Vereinigten Staaten. Einen großen Anteil daran hatten auch Börsengänge aus deutschen VC-Beteiligungen, zum Beispiel Interhyp und Tipp24. Interessant ist hierbei, daß entgegen aller Erwartung die Exits in Europa im Durchschnitt sogar profitabler waren als in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen TLcom fand in einer Studie heraus, daß der Anteil der Unternehmen, die den Investoren beim Exit mindestens zehnmal ihr eingesetztes Kapital zurückbrachten, mehr als doppelt so hoch war wie in den Vereinigten Staaten: Die Anteile dieser Exits an allen Exits aus VC-Portfolios betrugen 6,5 Prozent in Europa und 3,1 Prozent in den Vereinigten Staaten. Die Untersuchung erstreckte sich über den Zeitraum vom ersten Quartal 2003 bis zum dritten Quartal 2005.
Trotz der geringen Geschwindigkeit, mit der sich derzeit der deutsche VC-Markt entwickelt, kommt der Reformprozeß auch in Deutschland langsam voran. Die Aufwärtsdynamik in den Vereinigten Staaten kühlt zwar eher ab. Aber die Anzeichen mehren sich, daß der weltweite Aufschwung nun endlich auch Europa erreicht. Vor diesem Hintergrund haben in den letzten zwei Jahren europäische Venture-Capital-Firmen wie Index, Sofinnova und Earlybird mit einer Reihe von gelungenen Firmenverkäufen und Börsengängen gezeigt, daß sich auch im europäischen Umfeld sehr wettbewerbsfähige Renditen erwirtschaften lassen.
Hochstimmung im Beteiligungskapitalmarkt – Gutes Geschäftsklima in der Spätphase
hat Frühphasensegment erfasst
Zum Jahresende 2005 erreicht das German Private Equity Barometer
(GPEB) dank eines kräftigen Stimmungsaufschwungs in der
Frühphase einen neuen historischen Höchstwert. Der
von BVK und KfW gemeinsam ermittelte Geschäftsklimaindikator
für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt steigt um
beeindruckende 32% auf 62,4 Punkte und liegt damit deutlich
über seinem dreijährigen Durchschnittswert von 32,6
Punkten.
Verantwortlich für den überaus starken Anstieg
des GPEB ist das Überschwappen der, in der Spätphase
seit rund einem Jahr anhaltenden, Hochstimmung auf die Frühphaseninvestoren.
Das German Private Equity Barometer (GPEB) wird gemeinsam
von BVK und KfW Bankengruppe erhoben und exklusiv im Handelsblatt
veröffentlicht. Die vollständige Auswertung der
Ergebnisse finden Sie auf der Homepage der KfW Bankengruppe.
Der überraschend starke Stimmungsaufschwung in der Frühphase
im vierten Quartal ist neben dem erfolgreichen Anlaufen von
ERP-Startfonds und High-Tech-Gründerfonds auf eine Reihe
verschiedene Gründe zurückzuführen: eine deutlich
verbessert wahrgenommene Situation bei den Unternehmensgründungen,
qualitativ hochwertige Investment Proposals, geringerer Abschreibungsbedarf
aufgrund eines leichten Rückgangs der Unternehmensinsolvenzen
und eine erhöhte Investitionsbereitschaft. Zudem wirkt
sich die Hochstimmung an den Aktienmärkten inzwischen
auch positiv auf die Exit-Möglichkeiten von Frühphaseninvestoren
aus, sich von ihren Beteiligungen zu trennen und die aktuellen
Einstiegspreise werden als sehr attraktiv eingeschätzt.
Es bleibt zu konstatieren, dass der Teilindikator des GPEB
für die Frühphase mit 59,6 Punkten einen historischen
Höchstwert erreicht, der gut 3 Punkte über dem bisherigen
Spitzenwert des ersten Quartals 2005 liegt. Die Stimmung in
der Frühphase ist somit sehr gut und die aktuellen Erwartungen
deuten auf eine positive Stimmungsentwicklung in den nächsten
6 Monaten hin.
Die Spätphaseninvestoren sehen sich momentan einer starken
Nachfrage nach Beteiligungskapital seitens der Unternehmen
gegenüber. Doch nicht nur die Nachfrage nach Beteiligungskapital
treibt die gute Stimmung im Spätphasensegment, sondern
auch die hervorragenden Fundraisingbedingungen. Weiterhin
profitiert die Stimmung im Spätphasensegment aktuell
von Exitbedingungen, die von den Marktteilnehmern als hervorragend
beurteilt werden. Hierfür sind die verbesserte Börsenentwicklung
und das wieder verstärkte Auftreten von Großunternehmen
als Unternehmenskäufer verantwortlich. Alles in allem
steigt das Geschäftsklima in der Spätphase auf einen
neuen Rekordwert von 62,5 Punkten und liegt damit fast 25
Punkte über seinem dreijährigen Durchschnittswert.
German Private Equity Barometer – Geschäftsklimaindex
(ermittelt von BVK und KfW Bankengruppe)
Gesamtmarkt
Early stage
Later stage
1. Q 2003
5,76
-13,4
18,81
2. Q 2003
-0,12
-19,9
9,32
3. Q 2003
22,9
12,1
30,71
4. Q 2004
34,59
6,12
48,23
1. Q 2004
32,23
29,74
34,02
2. Q 2004
24,75
29,45
21,48
3. Q 2004
34,12
35,55
33,17
4. Q 2004
23,68
7,57
33,07
1. Q 2005
56,67
54,77
57,81
2. Q 2005
46,4
37,29
50,35
3. Q 2005
47,37
22,51
58,96
4. Q 2005
62,37
62,18
62,47
Die Barometerergebnisse sowie die vollständige Auswertung
des abgelaufenen Quartals finden Sie im unten stehenden Download
sowie auf der Homepage der KfW Bankengruppe.
Venture Capital Markt Wagniskapitalgeber wieder spendabel
Deutsche Jungunternehmen können sich erstmals seit Jahren
wieder Hoffnung auf Anschubgeld machen. Denn die deutschen
Wagniskapitalgeber scheinen die Krisenjahre nun endgültig
überwunden zu haben und wollen künftig wieder großzügiger
sein. „Im nächsten Jahr wird man wieder mehr Finanzierungsrunden
sehen”, sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger
Wagniskapitalgesellschaft Earlybird. Diese Einschätzung
teilt auch Thomas Pütter, Vorstandschef des Bundesverbands
Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). „Wir
sehen viel Erfreuliches bei jungen Technologieunternehmen.
Dieses kleine Pflänzchen sollte in den nächsten
18 Monaten noch sehr viel mehr wachsen.”
Nach dem jähen Ende der Interneteuphorie hat die deutsche
Wagniskapitalbranche in den vergangenen Jahren einen dramatischen
Aderlaß hinnehmen müssen. Zahlreiche Risikokapitalgeber
mußten in dieser Zeit das Handtuch werfen. Nach Branchenschätzungen
gibt es nur noch zehn große Wettbewerber und eine unbekannte
Zahl an Nischenunternehmen auf dem deutschen Markt. Denn die
meisten institutionellen Anleger trauten sich nach den bösen
Erfahrungen der Vorjahre nicht mehr, den Wagniskapitalfonds
ihr Geld zu überlassen. Statt dessen florierte der Markt
für große Unternehmenskäufe (Buyouts).
Eine Welle an neuen Fonds
Doch der Münchner Wagniskapitalgeber Wellington sammelte
in diesem Jahr 150 Millionen Euro für einen neuen Informationstechnologie-Fonds
ein und brach damit wohl auch für andere Fonds das Eis.
Nach einer Studie der Unternehmensberatung FHP Private Equity
Consultants steht eine Welle an neuen Fonds bevor. Knapp die
Hälfte der befragten Wagniskapitalunternehmen bereitet
demnach einen Nachfolgefonds vor oder ist aktuell schon mit
dem Klingelbeutel unterwegs.
„Nächstes Jahr werden viele ihre Kassen wieder
füllen”, sagt Frank Böhnke, Partner von Wellington.
Nach den Worten von Holger Frommann, Geschäftsführer
des BVK, haben allein im ersten Halbjahr sieben Risikokapitalgesellschaften
erfolgreich Geld eingesammelt. Zuletzt kam Techno Venture
Management (TVM) mit einem 240 Millionen Euro schweren Biotech-Fonds.
Derzeit stellt TVM einen neuen IT-Fonds und Wellington einen
neuen Biotech-Fonds auf die Beine. Auch Polytechnos Venture
Partners zapft seine Investoren wieder an. Mit Target Partners
und Earlybird werden Anfang 2006 zwei weitere Wettbewerber
folgen.
Staatliche Initiativen
Neben den nun zunehmenden Ängsten der Investoren vor
einem Platzen der Buyout-Blase haben auch staatliche Initiativen
die Risikofinanzierer aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.
So war der Europäische Investmentfonds (EIF) für
viele der nun auf die Beine gestellten Fonds eine wichtige
Stütze. Mit einem kürzlich gestarteten Gründer-Fonds
will der Staat noch eine weitere Lücke schließen.
Denn die klassischen Venture-Capital-Fonds haben sich aus
der Finanzierung von Geschäftsideen vor der Firmengründung
(”Seed-Capital”) weitgehend zurückgezogen,
sieht man einmal von TVM ab. In diese Bresche soll der 262
Millionen Euro schwere, von der Bundesregierung, Industrieunternehmen
und der staatlichen KfW-Bankengruppe ins Leben gerufene Fonds
springen.
Nicht nur die neuen Fonds, sondern auch die derzeit günstigen
Einstiegspreise lassen die Wagniskapitalgeber spendierfreudiger
werden. So wurden laut FHP im dritten Quartal zwölf Unternehmen
erstmals mit Wagniskapital ausgestattet - der höchste
Wert seit zwei Jahren. Doch nicht nur die Zahl der Erstinvestitionen
nimmt zu, sondern immer öfter gelingt es den Risikofinanzierern
auch, die Unternehmen wieder in die Selbständigkeit zu
entlassen. Im dritten Quartal stiegen die Wagniskapitalgeber
laut FHP in 36 Fällen aus den Unternehmen aus, der höchste
Wert seit dem Jahr 2000. Neben der Rückkehr der strategischen
Käufer war dabei vor allem die verbesserte Börsenlandschaft
hilfreich. Acht von neun Börsengängen an den Prime
Standard in diesem Jahr kamen aus den Schatullen der Beteiligungsbranche.
15 und 20 Börsengänge im nächsten Jahr
„Der Börsengang ist für uns der Königsweg”,
sagte Mathies. Denn im Idealfall profitieren die Wagniskapitalgeber
nach dem Börsengang von steigenden Kursen. Doch daß
diese Rechnung nicht immer aufgeht, zeigte die Biotechnologie-Branche.
So bewies der schwierige Börsengang von Jerini diese
Woche abermals, daß die Anleger der Branche skeptisch
gegenüberstehen. „Nur Unternehmen, die mit ihren
Produkten schon eine gewisse Marktnähe haben und in den
nächsten zweieinhalb Jahren die Gewinnzone erreichen
können, haben überhaupt eine Chance”, sagt
Hubert Birner, General Partner von TVM.
Die Fachleute erwarten für 2006 zwischen 15 und 20 Börsengänge
aus den Händen der Wagniskapitalbranche. Für dieses
Jahr dagegen können sowohl Mathies als auch Böhnke
keine weiteren Börsenkandidaten für den Prime Standard
ausmachen.
Die Debatte um ausländische Finanzinvestoren hat das
Interesse deutscher Privatanleger an Private Equity geweckt.
„Wir haben von der Heuschreckendebatte profitiert”,
sagte Norman Lemke, Vorstand des Oberhachinger Private-Equity-Dachfonds
RWB.
Die Anschuldigungen der Politik, ausländische Investoren
würden deutsche Unternehmen „aussaugen”,
um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, hat offenbar
viele Privatanleger aufhorchen lassen - allerdings aus anderen
Gründen, als eigentlich intendiert. Denn mit Renditen
von 12,1 Prozent in den vergangenen 15 Jahren ist das Beteiligungsgeschäft
vermeintlich attraktiver als die Anlage in Aktien oder Anleihen.
Experten warnen jedoch vor sinkenden Renditen und den hohen
Gebührenstrukturen für Privatanleger.
Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen
Beteiligungsfonds (Private Equity) investieren in Unternehmen,
versuchen deren Wert zu steigern und sie gewinnbringend wieder
zu verkaufen. Klassische Investoren in diese Fonds sind Pensionskassen,
Versicherungen, Stiftungen, reiche Privatanleger oder eben
Dachfonds. Kleine Privatanlegern bleiben die Türen zu
dieser lukrativen Anlage verschlossen - übrigens auch
bei den größten Dachfonds wie Alpinvest oder Partner
Group. Zuletzt sind aber in Deutschland auf Privatanleger
spezialisierte Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Der Mittelzufluß ist nach Zahlen des Fondsanalysten
Stefan Loipfinger im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von
732 Millionen Euro gestiegen. In diesem Jahr boomt das Geschäft
weiter. „Wir haben in den ersten fünf Monaten 110
Millionen Euro eingesammelt, 80 Prozent mehr als im Vorjahr”,
sagte Lemke. Vor allem durch die Kapitalismusdebatte sei das
Kundeninteresse gestiegen. Das möglicherweise bevorstehende
Ende der Verlustzuweisungen für Schiff- und Medienfonds
habe das Geschäft dagegen nicht sehr beeinflußt.
Experten warnen vor hohen Gebühren
Experten wie der Private-Equity-Berater Detlef Mackewicz
warnen davor, als Privatanleger in Private Equity zu investieren.
Denn die hohen Bewertungen - Anfang 2005 zahlte Private Equity
im Durchschnitt mehr als das Achtfache des Ebitda für
ein Unternehmen - könnten in Zukunft die Renditen drücken.
Und mit Ausnahme weniger börsennotierter Dachfonds wie
die Schweizer Shape oder Princess ist das Kapital meist für
zehn Jahre gebunden. Zudem drücken hohe Gebühren
die Rendite. So gibt es eine doppelte Verwaltungsgebühr:
einmal für den Dachfonds (1 bis 1,5 Prozent) und einmal
für die Zielfonds (meist um die 2 Prozent). Hinzu kommt
eine Einmalgebühr von 3 bis 10 Prozent und eine Erfolgsvergütung
von bis zu 15 Prozent. Die Vertriebskosten seien so hoch,
daß von der Rendite wenig übrigbleibe, meinte Hellmut
Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter des
auf institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden
spezialisierten Dachfonds VCM. Lemke stellt dem entgegen,
daß die Kosten angesichts höherer Renditen weniger
ins Gewicht fielen als beispielsweise bei Immobilienfonds.
Wer die hohen Gebühren scheut, hat Alternativen. Eine
direkte Investition in Einzelfonds ist für den kleinen
Geldbeutel zwar kaum möglich, doch es gibt auch börsennotierte
Private-Equity-Gesellschaften. Bei Unternehmen wie der Deutschen
Beteiligungs-AG oder der britischen 3i- Gruppe kann ein Privatanleger
sein Geld direkt in Finanzinvestoren anlegen. Der Listed-Private-Equity-Index
der Universität Basel für Europa hat in den vergangenen
zehn Jahren den Dax, den Euro-Stoxx 50 und den MSCI-Europe-Index
mit einer Rendite von 9,4 Prozent geschlagen.
Mit frischem Wind in den Segeln - Deloitte Private Equity Umfrage Q4 2004 Die Private Equity Branche bläst zum Aufschwung, der VC-Markt
zeigt vorsichtige Anzeichen von Optimismus - neues Allzeithoch des
PE-Stimmungsindikators, Secondaries weiterhin dominierend.
Aufbruchstimmung in der PE-Branche: Der sich zum Ende des letzten
Jahres abzeichnende positiv Trend hält an. Die aktuellen Ergebnisse
der Deloitte Private Equity Umfrage und des Venture Capital
Barometers lassen eine bessere Stimmung für die folgenden zwei
Quartale erhoffen.
Private Equity
Der Private Equity Stimmungsindikator, eine Zusammenfassung der
wesentlichen Einflussfaktoren, nutzt den Neujahrsrückenwind, um
diesmal kräftig zuzulegen. Mit 127 Punkten markiert er ein neues
Allzeithoch und übertrifft somit sowohl das Vorquartal um acht Punkte
als auch das Vorjahresrekordhoch um zwei Punkte. Somit wird erstmals
der Seitwärtstrend der letzten zwölf Monate durchbrochen.
Der primäre Grund für die deutlich optimistischere Stimmung ist
die finanzielle Entwicklung der Beteiligungen, ebenso wie der
vereinfachte Zugang zu Fremdkapital. Er äußert sich nicht zuletzt in
den boomenden Auktionen. Ferner setzt die positivere Einschätzung des
gesamtwirtschaftlichen Klimas ein klares Signal für den Aufschwung.
Im Mittelpunkt stehen nach wie vor die Secondaries (brancheninterne
Weiterverkäufe von Unternehmen), deren Popularität sowohl auf der
Käufer- als auch auf der Verkäuferseite ungebrochen sind.
"2004 war ein gutes Jahr für die deutschsprachige PE-Branche", so
Karsten Hollasch, Partner im Bereich Global Transaction Services bei
Deloitte. "Die Deal Volumina sind gestiegen, allerdings sind diese
auf einige wenige große Deals wie beispielsweise den 3,1 Milliarden
Euro schweren Celanese Deal zurückzuführen. Es wird sich zeigen, ob
die hohen Transaktionsvolumina und Mega-Deals in dieser Form 2005
weiterhin überwiegen werden. Blieben sie aus, ergäbe sich aller
Voraussicht nach eine merklich zurückhaltendere Stimmung."
Demnach ist die nach außen getragene Euphorie nicht ohne Haken:
wie zuvor sind die IPO-Aktivitäten das Sorgenkind der Branche;
Börsengänge als Exit-Option sind leicht angestiegen, liegen aber
dennoch deutlich hinter Exit-Formen wie dem Secondary oder einem
Trade Sale. Auch der gestiegene internationale Wettbewerbsdruck wird,
vor allem in Auktionen, künftig für weitere Herausforderungen an die
Branche sorgen.
Venture Capital
Verhaltener gibt sich der VC-Markt: grundsätzliche Zurückhaltung
beherrscht immer noch das Tagesgeschehen, wenngleich die Zahl der
Optimisten gemäß der aktuellen Umfrage zunimmt. Analog zur PE-Branche
gibt die zuversichtlichere Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen
Lage Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. Mit übertriebenen
enthusiastischen Tönen halten sich die VC-Manager jedoch vorerst noch
bedeckt. Jedoch lässt sich hinsichtlich Einzelfragen ein positiver
Trendwechsel feststellen.
Ein Blick auf die sektorale Präferenz der VC-Manager zeigt keine
wesentlichen Veränderungen: größte Chancen werden wie zuvor in den
Bereichen Medizintechnik/Life Science, sowie Nanotechnologie und
Sicherheitstechnik/-software gesehen. Hinsichtlich der Präferenzen
bezüglich der Entwicklungsphasen liegt die Start-up-Phase in der
Gunst der VC-Investoren erstmals wieder vor der Expansionsphase. Nach
wie vor keine Relevanz spielt die Seed-Phase.
Explizit gefragt wurden die Investoren in dieser Ausgabe auch zum
Thema "wieder erstarkende, rechtsextreme Tendenzen". Interessant und
zu gleich beruhigend ist, dass die zunehmende Medienpräsenz von
rechtsextremen Parteien nach Ansicht der Investoren keine
signifikanten Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und das
wirtschaftliche Klima in Deutschland haben wird.
Abschließend bleibt zu hoffen, dass die positiven Entwicklungen in
der PE-Branche auch auf die VC-Investoren ausstrahlen und für einen
nachhaltigen Stimmungswechsel sorgen.
Die Umfragedetails
Das Private Equity- und Venture Capital-Team von Deloitte
untersucht die Erwartungen und Aussichten der beiden Branchen durch
zwei sektorspezifische und regelmäßig vierteljährlich durchgeführte
Studien, die Private Equity-Survey und das Venture Capital Barometer.
Zu ihren Markteinschätzungen für die nächsten zwei Quartale wurden
mehr als 1.800 Investmentmanager der Venture Capital- und Private
Equity-Branche mittels Fragebogen befragt. Deloitte Private Equity-
und Venture Capital-Umfragen erscheinen in den Ländern
Australien/Neuseeland, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz,
Großbritannien, Hong Kong/China, Israel, Italien, Kanada,
Niederlande, sowie für Central Europe in Ländern wie Polen,
Tschechische Republik, Ungarn. Die Umfrage ist als pdf-Datei
erhältlich (deutsch oder englisch).
Deloitte Deutschland
Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und
Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum
umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate
Finance-Beratung. Mit über 3.200 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen
betreut Deloitte seit mehr als 90 Jahren Unternehmen und
Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus fast allen
Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist
Deloitte mit 120.000 Mitarbeitern in nahezu 150 Ländern auf der
ganzen Welt vertreten.
Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein
schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich
der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen
Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen
Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils
anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und
unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte &
Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen
Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen
Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche
Tohmatsu erbracht.
Die Orginal Deloitte Pressemitteilung finden Sie hier.
Auf dem deutschen Wagniskapitalmarkt ist die erhoffte Trendwende trotz einzelner Lichtblicke nicht gelungen. So sind im vergangenen Jahr die Risikokapital-Investitionen um 7 Prozent auf 501 Millionen Euro zurückgegangen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young und des Analyseinstituts Venture-One. Im Vergleich zum Boomjahr 2000 sanken die Investitionen sogar um 85 Prozent. Zudem hinkte der deutsche Markt dem europäischen abermals hinterher, denn auf dem gesamten Kontinent gingen die Investitionen im Jahr 2004 nur um ein Prozent auf 3,49 Milliarden Euro zurück.
Deutschland sei im Vergleich zu den angelsächsischen
Märkten in der Wagnisfinanzierung noch ein Schwellenland,
urteilt Götz Hoyer von der auf Beteiligungskapital spezialisierten
Beratung Mackewicz & Partner. Besonders ausgetrocknet
ist hierzulande die Finanzierung von Gründungsunternehmen
und noch nicht etablierten Geschäftsmodellen (Seed- oder
Frühphasenfinanzierung). Die Beteiligungsunternehmen
vertrauen vor allem auf das Wachstum reifer und bereits etablierter
Unternehmen. Jüngere Unternehmen, deren Entwicklung mit
größeren Risiken behaftet ist, haben es nach wie
vor schwerer, Investoren zu überzeugen, kommentiert Ernst-&-Young-Partnerin
Julie Teigland diesen Trend. Mit nur 34 sogenannten Seed-
und Erstrundenfinanzierungen seien diese auf den niedrigsten
Stand der vergangenen fünf Jahre gefallen.
Schlechte Erfahrungen
Viele Wagniskapitalgeber haben sich in der Hochphase der New Economy an nicht ausgereiften Geschäftsmodellen die Finger verbrannt und neigen nun dazu, sich mit ersten Umsätzen auf etablierte Unternehmen zu konzentrieren. Für neugegründete Unternehmen bleiben die sogenannten Business Angels, von denen es in Deutschland im internationalen Vergleich allerdings zuwenig gibt, und staatliche Geldgeber. Hier sollte in diesem Jahr eigentlich neues Geld sprudeln, da die Bundesregierung einen eigenen Frühphasen-Fonds im Volumen von 200 Millionen Euro geplant hatte. Doch die Finanzierung hängt von der im Vermittlungsausschuß steckengebliebenen Abschaffung der Eigenheimzulage ab.
Anlaß zur Hoffnung geben aber die deutschen Beteiligungsgesellschaften, die im vergangenen Jahr erstmals wieder mehr investierten als in den Vorjahren. Laut dem „Venture Capital-Panel” der Beratung Mackewicz & Partner investierten die deutschen Wagniskapitalgeber 469 Millionen Euro und damit mehr als 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zudem stiegen die neu abgeschlossenen Beteiligungen von 74 auf 94 und „signalisieren eine deutliche Belebung der Branche”, heißt es in der Studie. Der aktivste Investor war im Jahr 2004 die Münchener Techno Venture Management (TVM), die knapp 90 Millionen Euro neu investierte (siehe Grafik). Darauf folgte die börsennotierte 3i-Gruppe, die 67 Millionen Euro für neue Beteiligungen ausgab. Investitionsschwerpunkte waren abermals die Biotechnologie- und Pharmaindustrie sowie die Softwarebranche.
„Ich bin nicht optimistisch”
Lebenszeichen hatte die deutsche Risikokapitalszene jüngst auch durch neu aufgelegte Fonds von sich gegeben. So meldeten die Branchenführer TVM und Wellington erste Erfolge beim Einsammeln der Gelder. Nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) werden in diesem Jahr rund 30 Wagniskapitalfirmen neue Fonds auflegen. Viele werden es aber wohl nicht schaffen: „Ich bin da nicht optimistisch”, sagte Thomas Kühr, Vorstandschef des BVK. Problematisch ist die große Zurückhaltung deutscher Fondsinvestoren. So kam auch bei Wellington und TVM das Gros der Investoren aus dem Ausland. Dabei ist der Einstiegszeitpunkt in Deutschland laut einer Studie von Mackewicz & Partner derzeit günstiger denn je, da die Unternehmensbeteiligungen für wenig Geld zu haben sind. Außerdem habe sich der deutsche Wagniskapitalmarkt in den vergangenen fünf Jahren professionalisiert.
Beteiligungskapital
Der Private-Equity-Branche droht eine Überhitzung
Im europäische Markt für außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity) könnte sich eine Kreditblase bilden. „Die Dynamik ist so groß, daß die Gefahr einer Überhitzung erkennbar ist”, sagte Jürgen Schaaf, Autor einer Studie der Deutschen Bank zur europäischen Private-Equity-Branche. Indizien dafür seien die steigenden Preise in den Bieterkämpfen um die Unternehmen und der höhere Fremdkapitalanteil bei den sogenannten „Leveraged Buyouts” - also kreditfinanzierter Übernahmen unter Beteiligung des Managements. Laut der Studie sind die Eigenkapitalquoten bei derartigen Transaktionen in den vergangenen drei Jahren von 38 Prozent auf 36 Prozent gesunken.
„Dieses Jahr werden die Quoten weiter heruntergehen”, ist Schaaf überzeugt. Jedoch habe man einen derart geringen Einsatz von eigenem Kapital auch schon in der Vergangenheit gesehen (siehe Grafik). „Noch kann man nicht von einer Blase reden, aber man muß wachsam bleiben.”
Buyout um mehr als 25 Prozent gestiegen
Im vergangenen Jahr ist der europäische Markt für Beteiligungskapital erneut gewachsen. Dies ist allerdings ausschließlich auf das rasante Plus bei den sogenannten Buyout-Transaktionen zurückzuführen - also auf Übernahmen, bei denen das Management eine Kapitalbeteiligung erhält. In diesem Segment der Branche nahmen die Investitionen im abgelaufenen Jahr um mehr als 25 Milliarden Euro auf 107 Milliarden Euro zu. Dagegen ist der Markt für die Finanzierung von Gründungsunternehmen nahezu ausgetrocknet. „Die Frühphasenfinanzierung verkümmert kläglich”, bedauerte Schaaf.
Zwar zeigen sich im Wagniskapitalmarkt nach jahrelangen Rückgängen erste Hoffnungsschimmer (F.A.Z. vom 26. Januar). Allerdings kümmern sich die Risikokapitalfirmen mittlerweile fast ausschließlich um die Finanzierung sogenannter Start-Ups, also Unternehmen, die bereits erste Umsätze aufweisen. Laut der Studie flossen in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 300 Millionen Euro in die Gründungsfinanzierung. „Das ist eigentlich nichts”, sagte Schaaf.
Die Renditen stürzen
Als grundlegendes Problem des Wagniskapitalsegments sieht Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die fehlenden Ausstiegschancen der Beteiligungsgesellschaften. Denn die Börse fiel in den vergangenen beiden Jahren als Kapitalquelle für junge Unternehmen nahezu aus. Nach den Wirren des Neuen Marktes herrsche „eine gewisse Verschrecktheit” unter den Anlegern, sagte Walter. Die Deutsche Bank fordert daher die Einführung eines Mittelstands- und Wachstumssegments an der Börse. „Ich bin überzeugt, daß sich die Deutsche Börse hierzu schon Gedanken macht”, sagte Schaaf.
Ein gewisses Vorbild könnte der Alternative Investment Market (AIM) der Londoner Börse sein, allerdings sei dieser zu stark von staatlicher Seite beeinflußt. Die Zeit durchschnittlicher Renditen von bis zu 30 Prozent sind auch in der Private-Equity-Branche schon lange vorbei. Seit dem Jahr 2000 stürzten die durchschnittlichen Fünf-Jahres-Renditen in Europa um 25 Prozent auf 7,5 Prozent ab. Während im Buyout-Segment noch Renditen von 10 Prozent erreicht wurden, liegen sie im Wagniskapitalmarkt bei 2 Prozent. Schaaf sagte für die Branche aber wieder steigende Renditen voraus.
Antrieb Vereinigte Staaten
Antriebskraft des europäischen Private-Equity-Marktes waren vor allem die amerikanischen Investoren. Dafür haben sie in Deutschland zuletzt Kritik auf sich gezogen. „Das ärgert mich”, sagte Walter. „Die Amerikaner kriegen normalerweise eine anderthalb mal höhere Rendite hin als wir. dagegen haben sich die Europäer nicht gerade als Pfadfinder für hohe Renditen erwiesen.” Walter deutete zudem an, daß sich die Deutsche Bank künftig stärker als Investor bei Private Equity engagieren könnte.
Investitionen Lebenszeichen aus der Wagniskapitalbranche.
Die jahrelang nahezu versiegte Finanzierungsquelle Wagniskapital fängt langsam wieder an zu sprudeln. Erstmals seit einigen Jahren können sich junge Technologieunternehmen wieder Hoffnung auf dringend benötigte Kapitalspritzen machen. Denn nach etlichen Jahren der Abstinenz schaffen es die etablierten Risikokapitalgesellschaften wieder, den Investoren frisches Geld abzuringen.
So ist es den marktführenden deutschen Wachstumsfinanzierern Wellington Partners und Techno Venture Management (TVM) unlängst gelungen, genügend Investoren für neue Fonds aufzutreiben. Gleichzeitig kehrt wieder ausländisches Risikokapital auf den deutschen Markt zurück.
Unterstützung durch die EU
Als ein Vorreiter für die Branche könnte sich das Münchener Venture-Capital-(VC-)Unternehmen Wellington erweisen, das im vergangenen Jahr 110 Millionen Euro für seinen dritten Technologiefonds eingesammelt hat. "Wir wollen den Fonds im Juli mit einer Größenordnung von 150 Millionen Euro schließen", umreißt Rolf Christof Dienst, Partner von Wellington, das Ziel. Erstmals seit mehr als zwei Jahren würde damit in Deutschland wieder ein VC-Fonds geschlossen. Wurden im Jahr 2001 noch 2 Milliarden Euro in deutsche VC-Fonds investiert, war es zwei Jahre später gerade einmal ein Zehntel dieser Summe.
Doch selbst für die renommierte Branchengröße Wellington war es nun schwerer als erwartet, Gelder aufzutreiben. Anderthalb Jahre zog sich das Fundraising hin, und letztlich gelang es nur dank der Unterstützung des European Investment Funds (EIF) der Europäischen Union, diese Größenordnung zu erreichen. EIF investiert 25 Millionen in den Wellington-Fonds; auch bei dem neuen TVM-Fonds ist der staatliche Investor mit von der Partie. "Ohne EIF hätte das Fundraising länger gedauert", räumt Dienst ein.
Ausschließlich ausländisches Geld
Die mangelnde Risikobereitschaft der deutschen Finanzindustrie spiegelt sich im Status quo der Wagniskapitalszene wider: So fließt in den neuen Wellington-Fonds ausschließlich ausländisches Geld. "In Deutschland ist Venture Capital durch den Neuen Markt in der falschen Schublade gelandet", sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger Risikokapitalfirma Earlybird, die frühestens im kommenden Jahr neue Gelder einsammeln will.
Außerdem investierten die Kapitalgeber - überwiegend Versicherungen, Fonds, Banken und Pensionskassen - extrem prozyklisch. Das bedeutet, daß sich nach den Firmenpleiten des Neuen Markts und den schmerzhaften Verlusten der VC-Szene derzeit alle Geldgeber auf ein Trendthema konzentrieren: die Übernahme etablierter, großer Unternehmen durch Finanzinvestoren.
"Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor"
Dabei sind die Preise in diesem Segment zur Zeit sehr hoch. Dagegen sind hoffnungsvolle Wachstumsfirmen aus Branchen wie der Biotechnologie, Software, Kommunikation, Gesundheit und Nanotechnologie, die sich häufig in Technologieparks wie dem Adlershof in Berlin tummeln, zu Schnäppchenpreisen zu haben: "Wir kaufen zu einem Viertel der Bewertungen ein, die vor vier Jahren noch galten", freut sich Dienst. "Gleichzeitig hat sich das Risiko dramatisch verringert. Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor."
Demgegenüber haben ausländische Investoren die Chancen der deutschen Niedrigpreise erkannt: So wollen Ende April erstmals seit fünf Jahren wieder 60 große internationale Investoren auf der "German Tech Tour" den deutschen Markt nach Investitionsmöglichkeiten absuchen.
Ausleseprozeß
Als ein Eisbrecher für die Branche könnte sich auch der Börsengang des Biotechnologieunternehmens Paion im Februar erweisen, denn viele VC-Unternehmen sind in den vergangenen Jahren länger als geplant auf ihren Beteiligungen sitzengeblieben, weil der Ausstiegskanal Börse verstopft war. Allerdings können nur die aussichtsreicheren, ohnehin bereits gut finanzierten Unternehmen an die Börse gehen. "Bei den kleinen, unterfinanzierten Beteiligungen wird es noch viel Blut geben", ist sich Mathies sicher.
Auch in der VC-Branche wird sich im Jahr 2005 wohl die Spreu vom Weizen trennen. Insgesamt 20 Unternehmen würden in diesem Jahr den Versuch starten, einen neuen Fonds aufzulegen, schätzt Detlef Mackewicz von der Beratungsgesellschaft Mackewicz und Partner.
"Einige davon werden scheitern." Viele seien verwöhnt von den guten Jahren und hätten es verschlafen, langfristige Kontakte zu Investoren aufzubauen. "In Europa werden von 400 VC-Gesellschaften nur 150 übrig bleiben", schätzt Peter Laib, Geschäftsführer des führenden europäischen Investors in Private-Equity-Fonds (Dachfonds), der Züricher Adveq.
Anleger vertrauen wieder auf Venture Capital Hohe Umsatzsteigerung für Mittelstandsfonds.
Mit einem platzierten Emissionsvolumen in 2004 von 99,458 Millionen Euro konnte die Münchener Alfred Wieder AG ihr bislang bestes Firmenergebnis erzielen. Das Ergebnis verteilt sich auf die Venture-Capital-Beteiligungen GA Global Asset Fund GmbH & Co. KG und GC Global Chance Fund GmbH & Co. KG, die somit zum Jahresende geschlossen werden konnten.
Die Fonds, die von der Seefelder ABC Beteiligungs- und Geschäftsbesorgungsgesellschaft mbh aufgelegt wurden, investieren vorrangig in innovative mittelständische Unternehmen und nicht wie das Gros der am Markt befindlichen Private Equity Fonds in internationale Dachfonds. „Der Erfolg unserer Fonds ist gleichsam ein Erfolg für den deutschen Mittelstand“, meint Alfred Wieder, Vorstand der Alfred Wieder AG. Denn gefördert werden Unternehmen, die bspw. aufgrund der veränderten Kreditvergaben erschwerten Zugang zu Kapital haben, deren erfolgreiche Umsetzung von Patenten und Entwicklungen aber dicht bevorsteht. „Das Beispiel der Regensburger Antisense Pharma AG, ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr den Deutschen Gründerpreis und den Bayerischen Innovationspreis erhielt, macht deutlich, dass der Anlageausschuss der von uns angebotenen Fonds ausschließlich in Unternehmen investiert, von deren Erfolg Anleger bereits in wenigen Jahren profitieren werden“, meint Alfred Wieder.
In wenigen Tagen will die Alfred Wieder AG ihre „neue Generation“ von Mittelstandsfonds präsentieren. „Noch nie war das Verständnis der Anleger für die Sinnhaftigkeit derartiger Investitionen so groß. Hierauf wollen wir natürlich mit einem erfolgversprechenden neuen Angebot reagieren“, so der Münchener Mittelstandsfinanzierer Wieder.
Die Debatte um ausländische Finanzinvestoren hat das
Interesse deutscher Privatanleger an Private Equity geweckt.
„Wir haben von der Heuschreckendebatte profitiert”,
sagte Norman Lemke, Vorstand des Oberhachinger Private-Equity-Dachfonds
RWB.
Die Anschuldigungen der Politik, ausländische Investoren
würden deutsche Unternehmen „aussaugen”,
um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, hat offenbar
viele Privatanleger aufhorchen lassen - allerdings aus anderen
Gründen, als eigentlich intendiert. Denn mit Renditen
von 12,1 Prozent in den vergangenen 15 Jahren ist das Beteiligungsgeschäft
vermeintlich attraktiver als die Anlage in Aktien oder Anleihen.
Experten warnen jedoch vor sinkenden Renditen und den hohen
Gebührenstrukturen für Privatanleger.
Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen
Beteiligungsfonds (Private Equity) investieren in Unternehmen,
versuchen deren Wert zu steigern und sie gewinnbringend wieder
zu verkaufen. Klassische Investoren in diese Fonds sind Pensionskassen,
Versicherungen, Stiftungen, reiche Privatanleger oder eben
Dachfonds. Kleine Privatanlegern bleiben die Türen zu
dieser lukrativen Anlage verschlossen - übrigens auch
bei den größten Dachfonds wie Alpinvest oder Partner
Group. Zuletzt sind aber in Deutschland auf Privatanleger
spezialisierte Dachfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Der Mittelzufluß ist nach Zahlen des Fondsanalysten
Stefan Loipfinger im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von
732 Millionen Euro gestiegen. In diesem Jahr boomt das Geschäft
weiter. „Wir haben in den ersten fünf Monaten 110
Millionen Euro eingesammelt, 80 Prozent mehr als im Vorjahr”,
sagte Lemke. Vor allem durch die Kapitalismusdebatte sei das
Kundeninteresse gestiegen. Das möglicherweise bevorstehende
Ende der Verlustzuweisungen für Schiff- und Medienfonds
habe das Geschäft dagegen nicht sehr beeinflußt.
Experten warnen vor hohen Gebühren
Experten wie der Private-Equity-Berater Detlef Mackewicz
warnen davor, als Privatanleger in Private Equity zu investieren.
Denn die hohen Bewertungen - Anfang 2005 zahlte Private Equity
im Durchschnitt mehr als das Achtfache des Ebitda für
ein Unternehmen - könnten in Zukunft die Renditen drücken.
Und mit Ausnahme weniger börsennotierter Dachfonds wie
die Schweizer Shape oder Princess ist das Kapital meist für
zehn Jahre gebunden. Zudem drücken hohe Gebühren
die Rendite. So gibt es eine doppelte Verwaltungsgebühr:
einmal für den Dachfonds (1 bis 1,5 Prozent) und einmal
für die Zielfonds (meist um die 2 Prozent). Hinzu kommt
eine Einmalgebühr von 3 bis 10 Prozent und eine Erfolgsvergütung
von bis zu 15 Prozent. Die Vertriebskosten seien so hoch,
daß von der Rendite wenig übrigbleibe, meinte Hellmut
Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter des
auf institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden
spezialisierten Dachfonds VCM. Lemke stellt dem entgegen,
daß die Kosten angesichts höherer Renditen weniger
ins Gewicht fielen als beispielsweise bei Immobilienfonds.
Wer die hohen Gebühren scheut, hat Alternativen. Eine
direkte Investition in Einzelfonds ist für den kleinen
Geldbeutel zwar kaum möglich, doch es gibt auch börsennotierte
Private-Equity-Gesellschaften. Bei Unternehmen wie der Deutschen
Beteiligungs-AG oder der britischen 3i- Gruppe kann ein Privatanleger
sein Geld direkt in Finanzinvestoren anlegen. Der Listed-Private-Equity-Index
der Universität Basel für Europa hat in den vergangenen
zehn Jahren den Dax, den Euro-Stoxx 50 und den MSCI-Europe-Index
mit einer Rendite von 9,4 Prozent geschlagen.
Mit frischem Wind in den Segeln - Deloitte Private Equity Umfrage Q4 2004 Die Private Equity Branche bläst zum Aufschwung, der VC-Markt
zeigt vorsichtige Anzeichen von Optimismus - neues Allzeithoch des
PE-Stimmungsindikators, Secondaries weiterhin dominierend.
Aufbruchstimmung in der PE-Branche: Der sich zum Ende des letzten
Jahres abzeichnende positiv Trend hält an. Die aktuellen Ergebnisse
der Deloitte Private Equity Umfrage und des Venture Capital
Barometers lassen eine bessere Stimmung für die folgenden zwei
Quartale erhoffen.
Private Equity
Der Private Equity Stimmungsindikator, eine Zusammenfassung der
wesentlichen Einflussfaktoren, nutzt den Neujahrsrückenwind, um
diesmal kräftig zuzulegen. Mit 127 Punkten markiert er ein neues
Allzeithoch und übertrifft somit sowohl das Vorquartal um acht Punkte
als auch das Vorjahresrekordhoch um zwei Punkte. Somit wird erstmals
der Seitwärtstrend der letzten zwölf Monate durchbrochen.
Der primäre Grund für die deutlich optimistischere Stimmung ist
die finanzielle Entwicklung der Beteiligungen, ebenso wie der
vereinfachte Zugang zu Fremdkapital. Er äußert sich nicht zuletzt in
den boomenden Auktionen. Ferner setzt die positivere Einschätzung des
gesamtwirtschaftlichen Klimas ein klares Signal für den Aufschwung.
Im Mittelpunkt stehen nach wie vor die Secondaries (brancheninterne
Weiterverkäufe von Unternehmen), deren Popularität sowohl auf der
Käufer- als auch auf der Verkäuferseite ungebrochen sind.
"2004 war ein gutes Jahr für die deutschsprachige PE-Branche", so
Karsten Hollasch, Partner im Bereich Global Transaction Services bei
Deloitte. "Die Deal Volumina sind gestiegen, allerdings sind diese
auf einige wenige große Deals wie beispielsweise den 3,1 Milliarden
Euro schweren Celanese Deal zurückzuführen. Es wird sich zeigen, ob
die hohen Transaktionsvolumina und Mega-Deals in dieser Form 2005
weiterhin überwiegen werden. Blieben sie aus, ergäbe sich aller
Voraussicht nach eine merklich zurückhaltendere Stimmung."
Demnach ist die nach außen getragene Euphorie nicht ohne Haken:
wie zuvor sind die IPO-Aktivitäten das Sorgenkind der Branche;
Börsengänge als Exit-Option sind leicht angestiegen, liegen aber
dennoch deutlich hinter Exit-Formen wie dem Secondary oder einem
Trade Sale. Auch der gestiegene internationale Wettbewerbsdruck wird,
vor allem in Auktionen, künftig für weitere Herausforderungen an die
Branche sorgen.
Venture Capital
Verhaltener gibt sich der VC-Markt: grundsätzliche Zurückhaltung
beherrscht immer noch das Tagesgeschehen, wenngleich die Zahl der
Optimisten gemäß der aktuellen Umfrage zunimmt. Analog zur PE-Branche
gibt die zuversichtlichere Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen
Lage Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. Mit übertriebenen
enthusiastischen Tönen halten sich die VC-Manager jedoch vorerst noch
bedeckt. Jedoch lässt sich hinsichtlich Einzelfragen ein positiver
Trendwechsel feststellen.
Ein Blick auf die sektorale Präferenz der VC-Manager zeigt keine
wesentlichen Veränderungen: größte Chancen werden wie zuvor in den
Bereichen Medizintechnik/Life Science, sowie Nanotechnologie und
Sicherheitstechnik/-software gesehen. Hinsichtlich der Präferenzen
bezüglich der Entwicklungsphasen liegt die Start-up-Phase in der
Gunst der VC-Investoren erstmals wieder vor der Expansionsphase. Nach
wie vor keine Relevanz spielt die Seed-Phase.
Explizit gefragt wurden die Investoren in dieser Ausgabe auch zum
Thema "wieder erstarkende, rechtsextreme Tendenzen". Interessant und
zu gleich beruhigend ist, dass die zunehmende Medienpräsenz von
rechtsextremen Parteien nach Ansicht der Investoren keine
signifikanten Auswirkungen auf das Investitionsverhalten und das
wirtschaftliche Klima in Deutschland haben wird.
Abschließend bleibt zu hoffen, dass die positiven Entwicklungen in
der PE-Branche auch auf die VC-Investoren ausstrahlen und für einen
nachhaltigen Stimmungswechsel sorgen.
Die Umfragedetails
Das Private Equity- und Venture Capital-Team von Deloitte
untersucht die Erwartungen und Aussichten der beiden Branchen durch
zwei sektorspezifische und regelmäßig vierteljährlich durchgeführte
Studien, die Private Equity-Survey und das Venture Capital Barometer.
Zu ihren Markteinschätzungen für die nächsten zwei Quartale wurden
mehr als 1.800 Investmentmanager der Venture Capital- und Private
Equity-Branche mittels Fragebogen befragt. Deloitte Private Equity-
und Venture Capital-Umfragen erscheinen in den Ländern
Australien/Neuseeland, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz,
Großbritannien, Hong Kong/China, Israel, Italien, Kanada,
Niederlande, sowie für Central Europe in Ländern wie Polen,
Tschechische Republik, Ungarn. Die Umfrage ist als pdf-Datei
erhältlich (deutsch oder englisch).
Deloitte Deutschland
Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und
Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum
umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate
Finance-Beratung. Mit über 3.200 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen
betreut Deloitte seit mehr als 90 Jahren Unternehmen und
Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus fast allen
Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist
Deloitte mit 120.000 Mitarbeitern in nahezu 150 Ländern auf der
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Die Orginal Deloitte Pressemitteilung finden Sie hier.
Auf dem deutschen Wagniskapitalmarkt ist die erhoffte Trendwende trotz einzelner Lichtblicke nicht gelungen. So sind im vergangenen Jahr die Risikokapital-Investitionen um 7 Prozent auf 501 Millionen Euro zurückgegangen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young und des Analyseinstituts Venture-One. Im Vergleich zum Boomjahr 2000 sanken die Investitionen sogar um 85 Prozent. Zudem hinkte der deutsche Markt dem europäischen abermals hinterher, denn auf dem gesamten Kontinent gingen die Investitionen im Jahr 2004 nur um ein Prozent auf 3,49 Milliarden Euro zurück.
Deutschland sei im Vergleich zu den angelsächsischen
Märkten in der Wagnisfinanzierung noch ein Schwellenland,
urteilt Götz Hoyer von der auf Beteiligungskapital spezialisierten
Beratung Mackewicz & Partner. Besonders ausgetrocknet
ist hierzulande die Finanzierung von Gründungsunternehmen
und noch nicht etablierten Geschäftsmodellen (Seed- oder
Frühphasenfinanzierung). Die Beteiligungsunternehmen
vertrauen vor allem auf das Wachstum reifer und bereits etablierter
Unternehmen. Jüngere Unternehmen, deren Entwicklung mit
größeren Risiken behaftet ist, haben es nach wie
vor schwerer, Investoren zu überzeugen, kommentiert Ernst-&-Young-Partnerin
Julie Teigland diesen Trend. Mit nur 34 sogenannten Seed-
und Erstrundenfinanzierungen seien diese auf den niedrigsten
Stand der vergangenen fünf Jahre gefallen.
Schlechte Erfahrungen
Viele Wagniskapitalgeber haben sich in der Hochphase der New Economy an nicht ausgereiften Geschäftsmodellen die Finger verbrannt und neigen nun dazu, sich mit ersten Umsätzen auf etablierte Unternehmen zu konzentrieren. Für neugegründete Unternehmen bleiben die sogenannten Business Angels, von denen es in Deutschland im internationalen Vergleich allerdings zuwenig gibt, und staatliche Geldgeber. Hier sollte in diesem Jahr eigentlich neues Geld sprudeln, da die Bundesregierung einen eigenen Frühphasen-Fonds im Volumen von 200 Millionen Euro geplant hatte. Doch die Finanzierung hängt von der im Vermittlungsausschuß steckengebliebenen Abschaffung der Eigenheimzulage ab.
Anlaß zur Hoffnung geben aber die deutschen Beteiligungsgesellschaften, die im vergangenen Jahr erstmals wieder mehr investierten als in den Vorjahren. Laut dem „Venture Capital-Panel” der Beratung Mackewicz & Partner investierten die deutschen Wagniskapitalgeber 469 Millionen Euro und damit mehr als 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zudem stiegen die neu abgeschlossenen Beteiligungen von 74 auf 94 und „signalisieren eine deutliche Belebung der Branche”, heißt es in der Studie. Der aktivste Investor war im Jahr 2004 die Münchener Techno Venture Management (TVM), die knapp 90 Millionen Euro neu investierte (siehe Grafik). Darauf folgte die börsennotierte 3i-Gruppe, die 67 Millionen Euro für neue Beteiligungen ausgab. Investitionsschwerpunkte waren abermals die Biotechnologie- und Pharmaindustrie sowie die Softwarebranche.
„Ich bin nicht optimistisch”
Lebenszeichen hatte die deutsche Risikokapitalszene jüngst auch durch neu aufgelegte Fonds von sich gegeben. So meldeten die Branchenführer TVM und Wellington erste Erfolge beim Einsammeln der Gelder. Nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) werden in diesem Jahr rund 30 Wagniskapitalfirmen neue Fonds auflegen. Viele werden es aber wohl nicht schaffen: „Ich bin da nicht optimistisch”, sagte Thomas Kühr, Vorstandschef des BVK. Problematisch ist die große Zurückhaltung deutscher Fondsinvestoren. So kam auch bei Wellington und TVM das Gros der Investoren aus dem Ausland. Dabei ist der Einstiegszeitpunkt in Deutschland laut einer Studie von Mackewicz & Partner derzeit günstiger denn je, da die Unternehmensbeteiligungen für wenig Geld zu haben sind. Außerdem habe sich der deutsche Wagniskapitalmarkt in den vergangenen fünf Jahren professionalisiert.
Beteiligungskapital
Der Private-Equity-Branche droht eine Überhitzung
Im europäische Markt für außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity) könnte sich eine Kreditblase bilden. „Die Dynamik ist so groß, daß die Gefahr einer Überhitzung erkennbar ist”, sagte Jürgen Schaaf, Autor einer Studie der Deutschen Bank zur europäischen Private-Equity-Branche. Indizien dafür seien die steigenden Preise in den Bieterkämpfen um die Unternehmen und der höhere Fremdkapitalanteil bei den sogenannten „Leveraged Buyouts” - also kreditfinanzierter Übernahmen unter Beteiligung des Managements. Laut der Studie sind die Eigenkapitalquoten bei derartigen Transaktionen in den vergangenen drei Jahren von 38 Prozent auf 36 Prozent gesunken.
„Dieses Jahr werden die Quoten weiter heruntergehen”, ist Schaaf überzeugt. Jedoch habe man einen derart geringen Einsatz von eigenem Kapital auch schon in der Vergangenheit gesehen (siehe Grafik). „Noch kann man nicht von einer Blase reden, aber man muß wachsam bleiben.”
Buyout um mehr als 25 Prozent gestiegen
Im vergangenen Jahr ist der europäische Markt für Beteiligungskapital erneut gewachsen. Dies ist allerdings ausschließlich auf das rasante Plus bei den sogenannten Buyout-Transaktionen zurückzuführen - also auf Übernahmen, bei denen das Management eine Kapitalbeteiligung erhält. In diesem Segment der Branche nahmen die Investitionen im abgelaufenen Jahr um mehr als 25 Milliarden Euro auf 107 Milliarden Euro zu. Dagegen ist der Markt für die Finanzierung von Gründungsunternehmen nahezu ausgetrocknet. „Die Frühphasenfinanzierung verkümmert kläglich”, bedauerte Schaaf.
Zwar zeigen sich im Wagniskapitalmarkt nach jahrelangen Rückgängen erste Hoffnungsschimmer (F.A.Z. vom 26. Januar). Allerdings kümmern sich die Risikokapitalfirmen mittlerweile fast ausschließlich um die Finanzierung sogenannter Start-Ups, also Unternehmen, die bereits erste Umsätze aufweisen. Laut der Studie flossen in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 300 Millionen Euro in die Gründungsfinanzierung. „Das ist eigentlich nichts”, sagte Schaaf.
Die Renditen stürzen
Als grundlegendes Problem des Wagniskapitalsegments sieht Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die fehlenden Ausstiegschancen der Beteiligungsgesellschaften. Denn die Börse fiel in den vergangenen beiden Jahren als Kapitalquelle für junge Unternehmen nahezu aus. Nach den Wirren des Neuen Marktes herrsche „eine gewisse Verschrecktheit” unter den Anlegern, sagte Walter. Die Deutsche Bank fordert daher die Einführung eines Mittelstands- und Wachstumssegments an der Börse. „Ich bin überzeugt, daß sich die Deutsche Börse hierzu schon Gedanken macht”, sagte Schaaf.
Ein gewisses Vorbild könnte der Alternative Investment Market (AIM) der Londoner Börse sein, allerdings sei dieser zu stark von staatlicher Seite beeinflußt. Die Zeit durchschnittlicher Renditen von bis zu 30 Prozent sind auch in der Private-Equity-Branche schon lange vorbei. Seit dem Jahr 2000 stürzten die durchschnittlichen Fünf-Jahres-Renditen in Europa um 25 Prozent auf 7,5 Prozent ab. Während im Buyout-Segment noch Renditen von 10 Prozent erreicht wurden, liegen sie im Wagniskapitalmarkt bei 2 Prozent. Schaaf sagte für die Branche aber wieder steigende Renditen voraus.
Antrieb Vereinigte Staaten
Antriebskraft des europäischen Private-Equity-Marktes waren vor allem die amerikanischen Investoren. Dafür haben sie in Deutschland zuletzt Kritik auf sich gezogen. „Das ärgert mich”, sagte Walter. „Die Amerikaner kriegen normalerweise eine anderthalb mal höhere Rendite hin als wir. dagegen haben sich die Europäer nicht gerade als Pfadfinder für hohe Renditen erwiesen.” Walter deutete zudem an, daß sich die Deutsche Bank künftig stärker als Investor bei Private Equity engagieren könnte.
Investitionen Lebenszeichen aus der Wagniskapitalbranche.
Die jahrelang nahezu versiegte Finanzierungsquelle Wagniskapital fängt langsam wieder an zu sprudeln. Erstmals seit einigen Jahren können sich junge Technologieunternehmen wieder Hoffnung auf dringend benötigte Kapitalspritzen machen. Denn nach etlichen Jahren der Abstinenz schaffen es die etablierten Risikokapitalgesellschaften wieder, den Investoren frisches Geld abzuringen.
So ist es den marktführenden deutschen Wachstumsfinanzierern Wellington Partners und Techno Venture Management (TVM) unlängst gelungen, genügend Investoren für neue Fonds aufzutreiben. Gleichzeitig kehrt wieder ausländisches Risikokapital auf den deutschen Markt zurück.
Unterstützung durch die EU
Als ein Vorreiter für die Branche könnte sich das Münchener Venture-Capital-(VC-)Unternehmen Wellington erweisen, das im vergangenen Jahr 110 Millionen Euro für seinen dritten Technologiefonds eingesammelt hat. "Wir wollen den Fonds im Juli mit einer Größenordnung von 150 Millionen Euro schließen", umreißt Rolf Christof Dienst, Partner von Wellington, das Ziel. Erstmals seit mehr als zwei Jahren würde damit in Deutschland wieder ein VC-Fonds geschlossen. Wurden im Jahr 2001 noch 2 Milliarden Euro in deutsche VC-Fonds investiert, war es zwei Jahre später gerade einmal ein Zehntel dieser Summe.
Doch selbst für die renommierte Branchengröße Wellington war es nun schwerer als erwartet, Gelder aufzutreiben. Anderthalb Jahre zog sich das Fundraising hin, und letztlich gelang es nur dank der Unterstützung des European Investment Funds (EIF) der Europäischen Union, diese Größenordnung zu erreichen. EIF investiert 25 Millionen in den Wellington-Fonds; auch bei dem neuen TVM-Fonds ist der staatliche Investor mit von der Partie. "Ohne EIF hätte das Fundraising länger gedauert", räumt Dienst ein.
Ausschließlich ausländisches Geld
Die mangelnde Risikobereitschaft der deutschen Finanzindustrie spiegelt sich im Status quo der Wagniskapitalszene wider: So fließt in den neuen Wellington-Fonds ausschließlich ausländisches Geld. "In Deutschland ist Venture Capital durch den Neuen Markt in der falschen Schublade gelandet", sagt Rolf Mathies, Managing Partner der Hamburger Risikokapitalfirma Earlybird, die frühestens im kommenden Jahr neue Gelder einsammeln will.
Außerdem investierten die Kapitalgeber - überwiegend Versicherungen, Fonds, Banken und Pensionskassen - extrem prozyklisch. Das bedeutet, daß sich nach den Firmenpleiten des Neuen Markts und den schmerzhaften Verlusten der VC-Szene derzeit alle Geldgeber auf ein Trendthema konzentrieren: die Übernahme etablierter, großer Unternehmen durch Finanzinvestoren.
"Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor"
Dabei sind die Preise in diesem Segment zur Zeit sehr hoch. Dagegen sind hoffnungsvolle Wachstumsfirmen aus Branchen wie der Biotechnologie, Software, Kommunikation, Gesundheit und Nanotechnologie, die sich häufig in Technologieparks wie dem Adlershof in Berlin tummeln, zu Schnäppchenpreisen zu haben: "Wir kaufen zu einem Viertel der Bewertungen ein, die vor vier Jahren noch galten", freut sich Dienst. "Gleichzeitig hat sich das Risiko dramatisch verringert. Wer das nicht sieht, ist ein schlechter Investor."
Demgegenüber haben ausländische Investoren die Chancen der deutschen Niedrigpreise erkannt: So wollen Ende April erstmals seit fünf Jahren wieder 60 große internationale Investoren auf der "German Tech Tour" den deutschen Markt nach Investitionsmöglichkeiten absuchen.
Ausleseprozeß
Als ein Eisbrecher für die Branche könnte sich auch der Börsengang des Biotechnologieunternehmens Paion im Februar erweisen, denn viele VC-Unternehmen sind in den vergangenen Jahren länger als geplant auf ihren Beteiligungen sitzengeblieben, weil der Ausstiegskanal Börse verstopft war. Allerdings können nur die aussichtsreicheren, ohnehin bereits gut finanzierten Unternehmen an die Börse gehen. "Bei den kleinen, unterfinanzierten Beteiligungen wird es noch viel Blut geben", ist sich Mathies sicher.
Auch in der VC-Branche wird sich im Jahr 2005 wohl die Spreu vom Weizen trennen. Insgesamt 20 Unternehmen würden in diesem Jahr den Versuch starten, einen neuen Fonds aufzulegen, schätzt Detlef Mackewicz von der Beratungsgesellschaft Mackewicz und Partner.
"Einige davon werden scheitern." Viele seien verwöhnt von den guten Jahren und hätten es verschlafen, langfristige Kontakte zu Investoren aufzubauen. "In Europa werden von 400 VC-Gesellschaften nur 150 übrig bleiben", schätzt Peter Laib, Geschäftsführer des führenden europäischen Investors in Private-Equity-Fonds (Dachfonds), der Züricher Adveq.
Anleger vertrauen wieder auf Venture Capital Hohe Umsatzsteigerung für Mittelstandsfonds.
Mit einem platzierten Emissionsvolumen in 2004 von 99,458 Millionen Euro konnte die Münchener Alfred Wieder AG ihr bislang bestes Firmenergebnis erzielen. Das Ergebnis verteilt sich auf die Venture-Capital-Beteiligungen GA Global Asset Fund GmbH & Co. KG und GC Global Chance Fund GmbH & Co. KG, die somit zum Jahresende geschlossen werden konnten.
Die Fonds, die von der Seefelder ABC Beteiligungs- und Geschäftsbesorgungsgesellschaft mbh aufgelegt wurden, investieren vorrangig in innovative mittelständische Unternehmen und nicht wie das Gros der am Markt befindlichen Private Equity Fonds in internationale Dachfonds. „Der Erfolg unserer Fonds ist gleichsam ein Erfolg für den deutschen Mittelstand“, meint Alfred Wieder, Vorstand der Alfred Wieder AG. Denn gefördert werden Unternehmen, die bspw. aufgrund der veränderten Kreditvergaben erschwerten Zugang zu Kapital haben, deren erfolgreiche Umsetzung von Patenten und Entwicklungen aber dicht bevorsteht. „Das Beispiel der Regensburger Antisense Pharma AG, ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr den Deutschen Gründerpreis und den Bayerischen Innovationspreis erhielt, macht deutlich, dass der Anlageausschuss der von uns angebotenen Fonds ausschließlich in Unternehmen investiert, von deren Erfolg Anleger bereits in wenigen Jahren profitieren werden“, meint Alfred Wieder.
In wenigen Tagen will die Alfred Wieder AG ihre „neue Generation“ von Mittelstandsfonds präsentieren. „Noch nie war das Verständnis der Anleger für die Sinnhaftigkeit derartiger Investitionen so groß. Hierauf wollen wir natürlich mit einem erfolgversprechenden neuen Angebot reagieren“, so der Münchener Mittelstandsfinanzierer Wieder.
Die Stimmung dreht
Das German Private Equity Barometer zeigt nach wieder oben
Gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Kapitalgesellschaften e.V. (BVK) befragt die KfW die im BVK organisierten Mitglieder quartalsweise über ihre Einschätzungen der aktuellen und der für die jeweils folgenden 6 Monate erwarteten Geschäftslage. Nachdem das viertelährlich erstellte "German Private Equity Barometer" bereits in den vergangenen Quartalen Zuwächse verzeichnete, wurde nun ein neuer Höchststand erreicht.
aktuelle Situation
Die Marktsegmente "Wachstum" und "Early Stage" werden nun deutlich positiv beurteilt und liegen sehr viel näher beieinander als in den Vorquartalen. Dabei ist auffällig, dass die Frühphasenfinanzierer ihre aktuelle Situation erstmalig etwas besser einschätzen als Spätphasenfinanzierer; der leichte Stimmungsrückgang im Wachstumssegment wird im 1. Quartal 2004 sogar durch den enormen Erwartungsanstieg im Bereich der Early Stage Finanzierung überkompensiert. Positiv beeinflusst wird die Stimmung der Early-Stage Finanzierer dabei insbesondere durch eine inzwischen nicht mehr neutrale, sondern positive Einschätzung des konjunkturellen Einflusses. Demgegenüber sehen die Wagniskapitalfinanzierer ihr Geschäft weiterhin durch die konjunkturellen Bedingungen negativ beeinflusst.
Einschätzung der kommenden 6 Monate
Die Prognosen für die kommenden 6 Monate fallen bei den Wagniskapitalgebern dennoch leicht optimistischer aus. Hier steht vor allem eine eine deutliche Verbesserung der Nachfragesituation bei Beteiligungskapital im Vordergrund. Die Frühphasenfinanzierer erwarten demgegenüber zwar keine weitere Nachfrageverbesserung, versprechen sich aber deutlich positivere Impulse von der Entwicklung der Aktienmärkte.
„In Deutschland gibt es kaum Geld“ Fundraising: Wagnisfinanzierer werben um Kapital, die
Geldgeber aber zögern – schlecht für Gründer
Wagnisfinanciers geht es nicht besser als Start-ups. Auch
sie brauchen frisches Kapital. Ihre Reserven reichen nur noch
für Folgeinvestments. Laut aktuellem Venture Capital
Panel von VDI nachrichten und Mackewicz & Partner planen
48 % noch dieses Jahr mit dem Fundraising zu beginnen –
oder stecken bereits mitten drin. Doch die Quellen sprudeln
nicht. Es drohen schwere Zeiten.
Noch ist es still. Von der verzweifelten Suche der Wagnisfinanzierer
nach neuen Geldquellen dringt weniger nach außen. „Die
Branche wartet auf den Startschuss“, glaubt Experte
Detlef Mackewicz. „Wenn der erste VC mit der Nachricht
von einem erfolgreichen Fundraising an die Öffentlichkeit
geht, werden einige Tage danach bestimmt 20 weitere Gesellschaften
mit dem Geldsammeln beginnen.“ Vorausgesetzt, die Erfolgsmeldung
fällt saftig aus. „Es müsste schon ein hoher
zweistelliger Millionenbetrag sein.“
Kommen könnte das Signal von Wellington Partners in München.
„Wir hoffen, noch in diesem Jahr mindestens das erste
Closing unter Dach und Fach zu bringen“, sagt Gründer
Rolf Dienst. „Wir können bereits einige größere
Zusagen vorweisen.“ Das erste Closing ist so was wie
die erste Finanzierungsrunde für einen VC-Fonds. In der
Regel haben die Gesellschaften zu diesem Zeitpunkt 25 % bis
50 % der Gesamtsumme in der Tasche – und hoffen auf
das Engagement weiterer Investoren. Wellington will bis zu
200 Mio. € zusammentragen. Bestimmt ist das Geld für
europäische Start-ups aus Bereichen wie Informationstechnologie,
Applied Materials und Life Science. Diensts Zwischenfazit:
„Früher hat das Fundraising sechs Monate gedauert.
Jetzt brauchen wir 18.“ Der Absturz der New Economy
stecke den institutionellen Investoren – wie Banken,
Versicherungen oder Dachfonds – immer noch in den Knochen.
Bitter für den VC: Besonders einheimische Geldgeber zeigen
sich kniepig. „In Deutschland an Geld zu kommen, ist
fast unmöglich.“ Die Konsequenz: Wellington wird
mindestens 80 % der Summe im Ausland sammeln. „Auch
das ist schwierig. Denn trotz der exzellenten Technologie
hat der Standort ein schlechtes Image.“
Mackewicz mag den schwarzen Peter nicht allein den Investoren
zuschieben. „Die institutionellen Geldgeber sind zwar
vorsichtiger geworden, ein Teil ihrer Mittel ist aber nach
wie vor für VC- und PE-Investments reserviert.“
Vor Überweisungen wollen sie nach Einschätzung des
Beraters allerdings umworben werden. „Doch die VC-Branche
hat es versäumt, ihre Investor Relations aufzubauen.
Viele Gesellschaften haben noch nicht einmal einen Überblick
über mögliche Investoren.“
Hinzu kommt: Venture Capital steckt in Deutschland mitten
in der Pubertät. „Die Investoren wollen einen Track-Record
sehen, doch den können die wenigsten vorweisen.“
Auch Reporting, Controlling und Risk Management – Bereiche,
auf die Investoren ebenfalls ein Auge werfen – ließen
oft zu wünschen übrig. „Das Fundraising wird
sehr langwierig sein und die VCs viel Kraft kosten“,
schätzt Mackewicz. 2004 könne für Kapitalhunrige
Start-ups deshalb ein mageres Jahr werden. Besonders, wenn
sie erstmals VC brauchen.
Nicht jeder Venture Capitalist wird frisches Geld auftreiben
können. Wer die Latte reißt, fliegt raus. Die Folge:
„Kurz- und mittelfristig steht weniger Kapital zur Verfügung.
Aber langfristig wird die Volkswirtschaft von der Konsolidierung
profitieren“, glaubt Matthias Ummenhofer vom Europäischen
Investitionsfonds (EIF). Denn die fortschreitende Marktbereinigung
führe zu einer Professionalisierung. Ummenhofers Job
ist es, den 500 Mio. € starken ERP-EIF Dachfonds zu managen.
Den schickte die Bundesregierung im Februar ins Rennen, um
den deutschen VC-Markt zu beleben. Das Geld, das zu gleichen
Teilen aus dem ERP-Sondervermögen des Bundes und den
Europäischen Investitionsfonds stammt, soll in VCs fließen,
die ihrerseits in deutsche Betriebe investieren. Doch noch
bleibt das Füllhorn geschlossen. Aber: „Bisher
haben wir schon mit drei, vier Teams gesprochen, bei denen
wir uns ein Engagement vorstellen können“, sagt
Ummenhofer. „Eine erste Investition wurde vom EIF Board
schon genehmigt und ein Abschluss ist in Aussicht.“
Die Kehrseite der Medaille: Viele Konzepte, die Ummenhofer
erreichen, wandern schon nach der ersten Durchsicht in den
Papierkorb. „Einige wollen einfach nur absahnen.“
Komplizierter wird die Sache bei neuen Konzepten. Zum Beispiel
bei Fonds von Forschungseinrichtungen. „Prinzipiell
eine gute Idee. Aber die Frage ist, ob diese Fonds groß
genug sind, um sich am Markt positionieren und letztendlich
behaupten zu können.“
Stimmung am Beteiligungsmarkt dreht Anleger erhöhen Investitionen in Private Equity /
Fokus auf Buy-outs
mag. MÜNCHEN, 3. März. Die Stimmung am zuletzt
arg gebeutelten Beteiligungsmarkt dreht sich: Institutionelle
Anleger in Europa planen, wieder mehr Geld als bisher in außerbörsliches
Beteiligungskapital (Private Equity) zu investieren. Dies
hat eine Umfrage der auf Risikokapitalspezialisierten Unternehmensberatung
Mackewicz & Partner bei 198 institutionellen Investoren
in Europa ergeben. Diese wollen den Anteil von Private Equity
an ihren gesamten Kapitalanlagen binnen fünf Jahren im
Durchschnitt von 1,1 auf 3,2 Prozent erhöhen. „In
den nächsten fünf Jahren wird die europäische
Private-Equity-Branche ein kontinuierliches Wachstum erleben“,
heißt es in der Studie.
Die 198 befragten Versicherungen, Pensionskassen, Dachfonds
und Banken, von denen 145 bereits in Private Equity investieren,
erwarten bis 2008 eine jährliche Zunahme der Investitionen
von 10 Prozent. Dadurch würden die Beteiligungsinvestitionen
in Europa von geschätzten 27 Milliarden Euro 2003 auf
mehr als 40 Milliarden Euro jährlich steigen. Nach Ansicht
der Berater tun sich die Beteiligungsgesellschaften schon
in diesem Jahr mit der Einwerbung neuer Mittel deutlich leichter.
2002 und 2003 hatten die Institutionellen ihre Neuzusagen
im Vergleich zu 2000 und 2001 auf 20 Milliarden Euro mehr
als halbiert. Die Berater rechnen hoch, dass Europas Investoren
in den nächsten fünf Jahren 130 Milliarden Euro
zusätzliches Kapital in die globalen Private-Equity-Fonds
stecken werden.
Während sich Banken auch wegen der geplanten neuen Eigenkapitalanforderungen
(Basel II) aus diesem Geschäft zunehmend zurückziehen,
sieht Mackewicz bei europäischen Pensionskassen und Versicherungen
Potential. Diese stehen angesichts dauerhaft niedriger Zinsen
sowie ihrer im Zuge der Baisse deutlich gesenkter Aktienquoten
unter Renditedruck. Zudem ist Private Equity in ihren Portfolios
im Vergleich zum Beispiel zu amerikanischen Pensionsfonds
unterrepräsentiert.
Damit besteht bereits die Gefahr einer neuen „Blase“,
wie Mackewicz-Partner Uwe Fleischhauer einräumt. „Dazu
neigt die Branche leider.“ Eine drastische Übertreibung
wie 1999/2000 im Segment Wagniskapital (Venture Kapital),
als Milliarden in mittlerweile geschlossene Internet- und
Technologiefirmen flossen, sieht Fleischhauer zwar nicht.
Zumal die Investoren nunmehr das Segment Buy-out, die meist
klassischen Branchen, bevorzugten. Doch drohe auch hier ein
Kapitalüberhang, betrachte man die begrenzte Menge attraktiver
Zielunternehmen. Das spräche wiederum dafür, dass
sich auch der Bereich Venture Capital (VC) erholt, den die
Institutionellen im Moment noch stiefmütterlich behandeln.
„Das erinnert an das Verhalten von Lemmingen“,
sagte Mackewicz-Partner Detlef Mackewicz. Zunächst werde
sich die Konsolidierung im VC-Segment aber fortsetzen.
Von Private Equity insgesamt erwarten die Institutionellen
eine Rendite von jährlich 18 Prozent, fast das Doppelte
der historischen Aktienrenditen. Damit soll entgolten werden,
dass das Kapital über viele Jahre in den Portfoliounternehmen
gebunden ist und ähnlich wie bei Aktien das Risiko des
Totalverlustes besteht. Größere Insolvenzen von
Private-Equity-finanzierten Unternehmen wie des Flugzeugbauers
Fairchild Dornier 2002 sowie des Elektrogroßhändler
I-Center 2001 Blieben in Deutschland aber die Ausnahme.
Die Investoren locke das „absolute Renditepotential,
das relativ unabhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte
zu erzielen ist“, sagt Mackewicz. Um das Risiko zu begrenzen,
streben die Investoren den Einstieg in Fonds mit erfahrenem
Management sowie einer über viele Jahre nachvollziehbaren
Erfolgsgeschichte an. So sammelte Permira selbst 2003 in kürzester
Zeit 5,1 Milliarden Euro ein.
Mergers & Acquisitions: Viele Unternehmen fuhren
2003 ihre M&A-Aktivitäten zurück und konsolidierten
stattdessen intern 2004: Der M&A-Markt belebt sich
Zwar haben die Kapitalmärkte sich 2003 spürbar
erholt und setzen diesen Trend fort, aber noch sind die M
&A-Aktivitäten verhalten. Was sich im letzten Jahr
auf dem Fusions- markt abgespielt hat, und wie es jetzt weiter
geht, schreibt im folgenden Beitrag Dirk Jungen, Head of M
& A bei der Frankfurter DZ Bank
Noch liegen keine abschließenden M&A-Statistiken
für das Gesamtjahr 2003 vor. Aber die unterjährigen
Zahlen zeigen, dass diese Aktivitäten langsam wieder
zunehmen. Betrachtet man die Halbjahresauswertungen für
2003 hinsichtlich der angekündigten Transaktionen weltweit,
so zeigt sich zwar, dass das kumulierte Gesamtvolumen angekündigter
Transaktionen in Höhe von 647 Mrd. $ gegenüber dem
1.Halbjahr 2002 um rund 11 % niedriger ausgefallen ist. Dem
steht allerdings eine positive unterjährige Entwicklung
in 2003 gegenüber.
So nahm im zweiten Quartal 2003 das weltweite Gesamtvolumen
angekündigter Transaktionen mit 332 Mrd. $ um rund 6
% gegenüber dem ersten Quartal 2003 zu. Hier zeigt sich
die Bedeutung von Großtransaktionen, deren Anzahl im
Vergleich der letzten Jahre stark rückläufig war.
Weniger stark betroffen sind Transaktionen im Small- und Mid-Cap-Segment.
In den letzten Monaten ist jedoch auch ein Anstieg bei größeren
Transaktionsvolumina zu beobachten.
Ungeachtet der in 2002 in Kraft getretenen Steuerreform mit
der Folge von Steuervergünstigungen für die Erträge
aus dem Verkauf von Kapitalbeteiligungen und der positiven
Entwicklung am Kapitalmarkt in 2003 war bis zum ersten Halbjahr
2003 keine Erholung der M&A-Aktivitäten erkennbar.
Es haben lediglich 548 veröffentlichte Transaktionen
mit deutscher Beteiligung stattgefunden, was im Vergleich
zum 1. Halbjahr 2002 einem Rückgang von rund 41% entspricht.
Die publizierten Transaktionsvolumina übertrafen dagegen
mit rund 39,9 Mrd.! leicht das Niveau des Vorjahres (38,2
Mrd. EUR).
Grund hierfür war der Umstand, dass in 2003 erstmals
wieder einige größere Transaktionen realisiert
werden konnten. Mit über 50 % der Fälle wurde, ähnlich
wie im Betrachtungszeitraum des Vorjahres, ein deutsches Unternehmen
durch ein anderes deutsches Unternehmen übernommen. Prominente
Beispiele deutsch-deutscher Großtransaktionen sind der
Erwerb der verbliebenen 40 % Gesellschaftsanteile der Ruhrgas
AG durch die Eon AG, die Übernahme der Degussa AG durch
die RAG AG, der Kauf von Beiersdorf-Anteilen durch die Tchibo
AG sowie die Übernahme der Buderus AG durch die Robert
Bosch GmbH.
Zu den größten internationalen M&A-Transaktionen
mit deutscher Beteiligung gehörten unter anderem die
Übernahme von American Water Works Company Inc. durch
die RWE AG sowie der Erwerb der Wella AG durch Procter &
Gamble. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres
ist der Anteil internationaler Finanzinvestoren bei Großtransaktionen
im ersten Halbjahr 2003 weiter deutlich angestiegen. Hervorzuheben
sind hier die Übernahmen der Premiere Medien GmbH &
Co. KG durch Permira Private Equity Ltd. sowie der Fachverlagssparte
Bertelsmann Springer Science + Business Media GmbH durch Cinven
und Candover.
Der Verlauf des zweiten Halbjahres lässt auf eine Umkehr
des Negativtrends hoffen. Erstmals seit drei Jahren liegt
die Zahl der für das zweite Halbjahr 2003 erwarteten
Transaktionen über der des vorangegangenen Halbjahres.
Bezogen auf das Gesamtjahr 2003 bedeutet dies jedoch weiterhin
einen deutlichen Rückgang der Transaktionen gegenüber
2002.
Analysiert man die M&A-Aktivitäten 2003 nach Branchensegmenten,
so zeigt sich bei weltweiter Betrachtung, dass der Finanzdienstleistungs-
und Versicherungssektor im 1. Halbjahr 2003 mit 22 % den größten
Anteil am weltweiten Volumen angekündigter M&A-Transaktionen
besaß. Ebenfalls intensive M&A-Aktivität, sowohl
nach Volumen als auch nach Anzahl der angekündigten Transaktionen,
haben die Segmente Medien, Informations- und Software-Unternehmen
sowie Papier-, Druck-, Metall- und Maschinenbau aufweisen
können.
Eine separate Analyse der im 1. Halbjahr 2003 in Deutschland
durchgeführten Transaktionen zeigt, dass national die
meisten Transaktionen in den Branchensegmenten Medien, Bau,
Lebensmittel, Finanzen und IT zu verzeichnen waren.
Viele Unternehmen, insbesondere Konzerne, haben 2003 aufgrund
des konjunkturellen Umfelds und sinkender operativer Ergebnisse
ihre M&A-Aktivitäten deutlich zurück gefahren
bzw. ausgesetzt und einen Schwerpunkt auf interne Konsolidierung
gelegt. M&A-Gelegenheiten wurden vielfach lediglich opportunistisch
mit geringer Kaufpreiserwartung wahrgenommen.
Diese Konsolidierungstendenzen sind in vielen Bereichen gut
voran gekommen, so dass bei einer Stabilisierung des konjunkturellen
Umfeldes von deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für
M&A-Aktivitäten, sowohl national als auch international,
ausgegangen werden kann.
Verstärkte M&A-Aktivitäten erwar-ten wir in
diesem Jahr insbesondere in den Branchensegmenten Finanzen,
IT, Lebensmittel, Maschinenbau sowie Transport und Logistik.
Darüber hinaus dürften die erwirkten Änderungen
durch Gesundheitsreformgesetze bzw. die Einführung eines
neuen Abrechnungssystems im Klinikwesen zu einer verstärkten
Konsolidierung in den Segmenten Pharma und Kliniken führen.
Was ist eine risikobereite, innovationsfreudige Gesellschaft,
und wo gibt es sie noch? Jedenfalls nicht oder nicht mehr
in Deutschland, wohl aber im amerikanischen Silicon Valley,
der weltberühmten Hochtechnologieregion zwischen den
Städten San Francisco und San Jose. Dort heißt
Risiko einerseits, dass zwischen den Jahren 1992 und 2000
mehr als 470.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.
Risiko heißt dort aber auch, dass davon mehr als ein
Viertel in nur zwölf Monaten zwischen 2001 auf 2002 wieder
verlorengegangen sind.
In Deutschland wurde der Aufstieg interessiert begleitet,
der Abstieg indes mit größter Schadenfreude kommentiert.
Das deutsche Wort Schadenfreude kennen daher auch die Amerikaner
gut. Für das Gefühl, das den Amerikanern wesensfremd
ist, finden sie selbst kein besseres Wort. Der mit unternehmerischem
Risiko zwangsläufig verbundene Misserfolg wird nicht
als Versagen gewertet, sondern als Erfahrung, aus der man
lernen kann. Das ist den Deutschen schon oft gesagt worden.
Doch ein Bankrott gilt hier immer noch als totale Katastrophe,
die einen Neuanfang, zumal als Unternehmer, nahezu unmöglich
macht. Das verhindert Innovationsfreude.
Risikobereitschaft braucht Risikokapital; folgerichtig will
die SPD den Zugang von Wagniskapital erleichtern. Wie aber
will der Staat das erreichen? Von der etablierten Kultur der
Risikokapitalgeber, wie sie an der Sand Hill Road im kalifornischen
Menlo Park in den vergangenen Jahrzehnten entstand, ist Deutschland
weit entfernt. Die deutschen Banken haben das Risiko angesichts
der faulen Kredite, die sie in ihren Büchern gerade erst
bereinigen mussten, wohl noch nie so sehr gescheut wie heute.
Und der Nährboden, für den die deutschen Wagniskapitalgeber
sorgen müssten, macht seit einiger Zeit ebenfalls einen
recht ausgetrockneten Eindruck. Im Silicon Valley ist das
auch in schlechten Zeiten anders. Dort sind selbst im sehr
mageren Jahr 2002 mehr als fünf Milliarden Dollar investiert
worden, noch mehr Geld war auf der Suche nach vielversprechenden
Anlagemöglichkeiten.
Amerikaner und Zugereiste im Valley sind anders als Deutsche
jederzeit dazu bereit, die Krise als Chance zu nutzen, sich
immer wieder neu zu erfinden. Als die Kultur der Internet-Neugründungen
nach dem Jahr 2000 zu Ende ging, begann das Silicon Valley
deshalb notgedrungen, aber auch mit Schwung, sich neuer Herausforderung
in der Biotechnologie, der drahtlosen Datenkommunikation oder
der Nanotechnologie anzunehmen. Dabei handelt es sich in vielen
Fällen noch um zarte Pflänzchen – immerhin
aber wurde gepflanzt, und zwar von Forschern und Unternehmern
aus vielen Nationen. Das höchste Kompliment von einem
Silicon-Valley-Pionier wie dem Apple-Mitbegründer und
Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs ist der Kommentar: „He
is a smart guy.“ Nur das, was jemand im Kopf hat, zählt.
Eingestellt wird, wer etwas kann, gleichgültig, woher
er kommt. Dabei behindern keine starren Tarifverträge,
vielmehr locken Beteiligungen am künftigen Erfolg des
Unternehmens. Ein Drittel der im Valley tätigen Ingenieure
stammt aus China und Indien; ein Drittel der im Valley lebenden
Menschen ist nicht in Amerika geboren.
Schon immer hat das Valley von seinen Zuwanderern gelebt,
die durchaus wissen, dass sie im sonnigen Kalifornien nicht
zwangsläufig reich werden. Auch wissen sie, dass das
Leben und Wohnen dort sehr teuer ist. Doch sie sind bereit,
diese Belastungen in Kauf zu nehmen, auf Sicherheit zu verzichten,
weil ihnen die Chancen so verlockend erschienen. Den Grundstein
für die Internationalität legen dabei die Universitäten
mit ihrem hohen Anteil ausländischer Studenten. Dass
diese den Weg ins Valley finden, hat nicht allein mit der
Attraktivität der dortigen Universitäten Stanford
oder Berkeley zu tun, sondern auch damit, dass gerade deutsche
Universitäten in der Regel beim Werben um gute Studenten
und wissenschaftliches Personal aus anderen Ländern zu
zurückhaltend sind.
Es ist auch nicht allein die räumliche Nähe von
Wissenschaft und Wirtschaft, die im Valley zur Innovationsfreude
führt. Wäre ausschließlich die in Kilometern
messbare Entfernung von Universitäten zu Unternehmen
entscheidend, müsste Deutschland bei der gegenseitigen
Befruchtung dieser beiden Pole viel erfolgreicher sein. Tatsächlich
spielen hier abermals unterschiedliche Mentalitäten eine
wesentliche Rolle. Deutsche Universitäten stellen sich
zu wenig dem Wettbewerb, werden zu selten unternehmerisch
geführt. Gegenüber Partnern aus der Wirtschaft gibt
es an den deutschen Hochschulen in der Regel noch immer viele
Berührungsängste. Selbstverständlich gilt es,
Unabhängigkeit und Forschungsfreiheit zu bewahren. Doch
würde niemand der Stanford-Universität unterstellen,
diese Werte zu gefährden, nur weil die Hochschule Partnerschaften
dort eingeht, wo sie sie finden kann.
Die deutschen Unternehmen werden ihre Forschungsausgaben
in der Heimat nicht allein deshalb erhöhen, weil dies
die Regierungspartei nun wünscht, sondern nur dann, wenn
sich die Rahmenbedingungen für solche Investitionen erheblich
verbessern. Das setzt zwar durchaus Gesetzte und Verordnungen
voraus, die Innovationen nicht behindern. Doch wird es solche
Gesetze so lange nicht geben, solange der Bewusstseinswandel
in der Bevölkerung ausbleibt – hin zu größerer
Risikotoleranz, zum Bespiel gegenüber der Gentechnik.
Größere Risikofreude brauchen auch die Arbeitnehmer,
die zum Teil lieber in der Heimat arbeitslos bleiben, als
zu einem Job in der Ferne zu ziehen. Ein Bewusstseinswandel
aber ist auch zu fordern von ideenlosen Unternehmern, die
zuerst nach Subventionen rufen, von Banken, die stur nach
Sicherheiten fragen, und von den Wissenschaftlern, die der
Wirtschaft misstrauen.
Steuersicherheit für Beteiligungsfonds Nach einer dreijährigen Hängepartie sind neue
Fonds wieder möglich
mag. MÜNCHEN, 19- Dezember. Nach fast drei Jahren beendet
das Bundesfinanzministerium die Rechtsunsicherheit bei der
steuerlichen Behandlung von Beteiligungskapitalfonds. Das
Finanzministerium (BMP) hat ein neues Schreiben verabschiedet:
der ursprüngliche Entwurf vom November 2001 hatte in
der Branche scharfe Proteste hervorgerufen.
Nun sei es Beteiligungsgesellschaften wieder möglich,
in Deutschland neue Fonds zur Investition in Unternehmensbeteiligungen
aufzulegen, schreibt der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) in einer Stellungnahme. Die Rechtsunsicherheit habe
in einzelnen Bereichen schon zu Kapitalmangel geführt.
Neue Fonds mit außerbörslichem Beteiligungskapital
(Private Equity) waren in Deutschland seit Anfang 2002 nicht
mehr aufgelegt worden.
Dies beeinträchtigte insbesondere die Finanzierung
junger Gründerunternehmen mit Wagniskapital (Venture
Capital). Die großen europäischen Fonds für
Unternehmensübernahmen (Buy-out) wie Permira. Carlyle
oder Cinven hingegen werden ohnehin in Steuerparadiesen angesiedelt.
Nach dem neuen BMF-Schreiben dürfen die Fonds jetzt
wieder Mehrheitsbeteiligungen eingehen, ohne daß sie
sofort als „gewerblich“ infiziert werden und damit
faktisch einer doppelten Besteuerung unterliegen. Auch die
Wahrnehmung von Gesellschafterrechten in Aufsichtsgremien
seien wieder möglich, ohne daß der Status als „Vermögensverwaltender
Fonds“ entfalle. Dieser Status ist wichtig für
die Investoren, weil damit die Erträge nur bei den Geldgebern,
nicht aber noch zusätzlich auf Fondsebene besteuert werden.
„Damit ist die Auflage von deutschen Private-Equity-Fonds
in Form der Vermögensverwaltenden KG wieder möglich;
das stärkt den Finanzplatz Deutschland", sagte Jeremy
Golding, Geschäftsführer der Dachfondsgesellschaft
Golding Capital Partners.
Obwohl manche Details nicht eindeutig seien, beurteilt der
BVK die „Mehrheit der Kriterien als marktkonform“.
Für die ebenfalls umstrittene Besteuerung der Erfolgsbeteiligung
der Investmentmanager („Carried Interest“) hat
das BMF nun Bestandsschutz und damit faktisch Steuerfreiheit
für die „Altfälle" entschieden: Sofern
die Fonds vor dem 1. April 2002 gegründet und die Beteiligung
vor dem 8. November 2003 eingegangen wurde, müssen die
Investmentmanager auf Erfolgsbeteiligungen größtenteils
gar keine Steuer zahlen. Für Fonds und Beteiligungen
zu einem späteren Zeitpunkt soll Anfang 2004 ein neues,
schärferes Gesetz verabschiedet werden.
Positive Signale am Beteiligungsmarkt Investitionen steigen vor allem in Amerika / Noch schwacher
Kapitalzufluß
mag. MÜNCHEN. 11. Dezember. Auf dem weltweiten Markt
für Beteiligungskapital (Private Equity) zeichnet sich
zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder Wachstum ab. Zu diesem
Ergebnis kommen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price
Waterhouse Coopers (PWC) und die britische Beteiligungsgesellschaft
3i plc. in einer gemeinsamen Erhebung. Im ersten Halbjahr
2003 wurden weltweit 57 Milliarden Dollar in Beteiligungen
an nicht börsennotierten Unternehmen investiert. Dies
übertrifft den entsprechenden Vorjahreswert um 11 Prozent.
Von den in den Euphoriejahren 1999 und 2000 erreichten Niveaus
bleibt die Branche allerdings weit entfernt. Zudem findet
der Aufschwung bisher vor allem in den Vereinigten Staaten
statt, wo sich die Investitionen im ersten Halbjahr 2003 auf
41,5 (Vorjahreszeitraum 22) Milliarden Dollar fast verdoppelten.
In Westeuropa sank das Volumen im Halbjahr leicht auf 8,1
(8,9) Milliarden Dollar, stieg aber zumindest im dritten Quartal
nach Angaben des europäischen Beteiligungsverbands EVCA
deutlich an.
In Nordamerika, aber auch in Europa wird der Markt weiterhin
durch die Buy-outs, Übernahmen etablierter Unternehmen
von Finanzinvestoren wie Kohlberg Kravis Roberts, Blackstone,
Carlyle oder Permira, getragen. Diese Transaktionen machten
im ersten Halbjahr fast drei Viertel des weltweiten Investitionsvolumens
aus; im Jahr 2000 waren es nur 28 Prozent, Allerdings gebe
es erste Signale für ein Anziehen der Investitionen in
junge Technologieunternehmen (Venture Capital, VC), meint
Theo Weber, VC-Experte von PWC. Im ersten Halbjahr sind zwar
weltweit nochmals weniger Mittel in junge Wachstumsunternehmen
investiert worden: knapp 10 Milliarden Euro, davon lediglich
3 Milliarden Euro in Gründungs- und frühe Unternehmensphasen.
Im dritten Quartal zeigt aber in Europa die Statistik wieder
nach oben: Die EVCA berichtet einen Anstieg um rund 25 Prozent
auf 1,7 Milliarden Euro.
In den Vereinigten Staaten, wo der Einbruch der Technologieinvestitionen
deutlich geringer ausfiel als auf dem alten Kontinent, ist
dieses Beteiligungssegment seit einem Jahr mit Investitionen
von rund 4 Milliarden Euro im Quartal stabil. Vor allem Biotechnologieunternehmen
warben am mit Abstand größten Beteiligungsmarkt
der Welt, wo mehr als 60 Prozent aller Beteiligungsinvestitionen
stattfinden, zuletzt erfolgreich Risikokapital ein: Im dritten
Quartal setzte sich diese Branche in Amerika erstmals an die
Spitze der Investitionen und überholte damit die Software-Branche.
In Deutschland - im vergangenen Jahr nach der PWC/3i-Erhebung
mit Beteiligungsinvestitionen von 2,4 Milliarden Dollar international
vom dritten auf den sechsten Rang abgerutscht - sehen die
Experten in der Technologiebranche nach dem außerordentlich
schwachen Jahr 2002 leichte Erholungstendenzen. Die Wagniskapitalinvestitionen
nahmen im dritten Quartal gegen über dem zweiten nochmals
leicht zu, wie die Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) zeigen. Hoffnung schöpft die Branche ferner daraus,
daß wieder verstärkt Neuinvestitionen getätigt
werden, während im vergangenen Jahr vor allem die schon
bestehenden Portfolios alimentiert wurden. „Wir meinen
konkrete Anlässe dafür zu sehen, daß es mit
der VC-Branche wieder langsam bergauf geht", kommentiert
die auf VC spezialisierte Unternehmensberatung Mackewicz &
Partner.
Sehr schwer tut sich die Branche weiter mit dem Einsammeln
neuer Mittel. In den Vereinigten Staaten gingen die Mittelzuflüsse
im ersten Halbjahr 2003 nochmals um ein Drittel auf 14 (18,6)
Milliarden Dollar zurück; dies entspricht nur einem Drittel
des Betrags, der neu investiert wurde. Damit lebt die Branche
von den Geldern, die sie in den Euphorie-Jahren 1999,2000
und auch 2001 noch eingesammelt hat. In Europa ist diese Lücke
kleiner. Hier schrumpften die Mittelzuflüsse aber ebenfalls,
um 22 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar.
Venture Capital Panel: Das Marktbarometer für das
3. Quartal 2003 - Neue Hoffnung für Gründer
Die deutsche Venture Capital Branche scheint sich langsam
zu erholen“, so kommentiert Detlef Mackewicz die aktuellen
Zahlen des Venture Capital Panels für das 3. Quartal
2003. Der Initiator des Panels und Gründer der gleichnamigen
Unternehmensberatung verweist vor allem darauf, dass die Zahl
der Erst-Investments wieder zunimmt: In den vergangenen drei
Monaten erhielten 21 junge Hightech-Firmen erstmals eine Wachstumsspritze,
im 2. Quartal waren es nur 19 gewesen. Noch immer machen jedoch
Zweit- und Drittrundenfinanzierungen das Gros der neuen Deals
aus. Insgesamt melden die 44 am Panel beteiligten VC-Gesellschaften
90 Deals für das 3. Quartal.
Leicht zurückgegangen ist das gesamte Beteiligungsvolumen.
Es sank von 360 Mio. € im 2. Quartal dieses Jahres auf
rund 317 Mio. €. Rund 106 Mio. € davon stammen von
den Panelteilnehmern selbst. Die VC-Gesellschaften konnten
also ziemlich genau zwei Drittel des insgesamt an Portfoliounternehmen
ausgebenen Kapitals bei anderen Investoren locker machen.
An rund 60 % aller Finanzierungsrunden waren zwei oder mehr
Gesellschaften beteiligt. Auffällig: Rund ein Viertel
der Panelteilnehmer hat in den vergangenen drei Monaten gar
nicht investiert, ein weiteres Viertel nur Beträge von
unter 1 Mio. €. Weitere wichtige Ergebnisse des Panels:
– Das durchschnittliche Volumen je Beteiligung belief
sich auf 3,5 Mio. € (gegenüber 3,7 Mio. € im
Vorquartal).
– Öffentliche Investoren, wie die Technologiebeteiligungs-Gesellschaft
(tbg) oder die KfW, haben sich erneut stark zurückgehalten.
Sie engagierten sich mit 0,7 Mio. € bzw. 6,4 Mio. €.
– Zu den aktivsten Investoren des Panels gehörten
im 3. Quartal TVM mit elf Investments, Earlybird mit acht
sowie Polytechnos und Wellington mit je sechs Beteiligungen.
Gemessen am Investitionsvolumen ergibt sich jedoch eine andere
Reihenfolge: Hier liegen zwar auch TVM und Earlybird vorne,
gefolgt allerdings von Atila Ventures, AdAstra Ventures und
Global Life Science Ventures.
– Wie bereits im letzten Quartal war das meiste Kapital
auch diesmal wieder für Unternehmen der Biotechnologie
(32 %) bestimmt, gefolgt von Software (21 %), Internet-Services
(9,5 %) und Elektrotechnik/Elektronik (9 %).
– Der Trend zu Auslands-Investments hält an. In
den vergangenen drei Monaten entfiel auf sie mehr als ein
Drittel aller Deals: 21 % auf Beteiligungen innerhalb Europas,
14 auf US-Hightechs.
– Die Panel-Teilnehmer haben im 3. Quartal 46 Exits
realisiert, wobei gut die Hälfte auf Abschreibungen entfällt.
In sechs Fällen konnten Portfoliounternehmen an Industrieunternehmen
veräußert werden, sieben Mal wurden Aktien verkauft,
die noch aus früheren IPOs in den Bilanzen schlummerten.
Wie geht es weiter auf dem deutschen Markt? Steigen die Finanzierungschancen
von Hightech-Gründern? Die Beteiligungsmanager schauen
derzeit erwartungsvoll Richtung Berlin: Fast 90 % der Panelteilnehmer
fordern, dass der Bund seine Aktivitäten verstärkt.
Rund 60 % messen staatlichem Engagement nämlich „hohe
Bedeutung“ für die Belebung des Marktes bei.
Die Entscheidung des Bundestages, über einen Dachfonds
in den kommenden fünf Jahren 500 Mio. € vor allem
in First Time Funds zu investieren, wird deshalb ganz überwiegend
(75%) begrüßt. Wie in den VDI nachrichten berichtet,
wird der neue Dachfonds vom europäischen Investitionsfonds
(EIF) in Luxemburg verwaltet. Das Management dort führt
bereits erste Gespräche mit interessierten Fonds (siehe
VDI nachrichten 40/2003).
Von einer akuten Liquiditätsschwäche kann auf dem
deutschen Wagniskapitalmarkt allerdings keine Rede sein. Die
44 beteiligten VC-Gesellschaften, die mit fast 2 Mrd. €
in 780 Unternehmen engagiert sind, verfügen immer noch
über erhebliche finanzielle Reserven. Weit über
3 Mrd. € stehen für Early Stage Investments zur
Verfügung. Allerdings, so Götz Hoyer von Mackewicz
& Partner, dürfe man diese Zahl auch nicht überbewerten.
„Gesellschaften, die derzeit bei Banken, Versicherungen
oder Dachfonds neues Geld einsammeln, tun sich dabei sehr
schwer. Das wirkt zurück auf das Investitionsverhalten.“
Will sagen: Viele Investoren sitzen auf ihrem Geld, weil der
Verkauf von Beteiligungen in den Sternen steht und frisches
Kapital (noch) nicht in Sicht ist.
Steuern irrelevant für Kaufentscheidungen / M-&-A-Studie
Statt über den klassischen Bankkredit oder die Börse
werden in Zukunft mehr Unternehmensübernahmen durch Beteiligungskapital
(Private Equity) finanziert. Das ist eines der Hauptergebnisse
der Studie "Zerschlagung der Deutschland AG? Das große
Ein- und Ausatmen der Dax-100- und anderer Konzerne".
Im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte
& Touche, der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler
und des Private-Equity-Investors 3i hat das Magazin Finance
(F.A.Z.-Institut) die Verantwortlichen für Übernahmen
und Fusionen in 28 deutschen Großunternehmen befragt,
darunter in 17 Gesellschaften aus dem Dax 30.
Zwar gebe es immer noch Vorbehalte gegen Finanzinvestoren,
denen immer noch ein Räuberimage (Raider) anhänge.
Vor allem Mitarbeiter reagierten bei der Ankündigung,
von einem Finanzinvestor übernommen zu werden, daher
auch weiterhin eher ablehnend. Daß drei Viertel der
befragten Manager dennoch der Ansicht sind, daß Private
Equity an Bedeutung gewinnt, liege denn auch nicht so sehr
an dessen inzwischen besserem Image oder seiner zunehmenden
Akzeptanz als besserem Geschäftsmodell. "Die desolate
Situation bei den Banken selbst, Basel II und die Folgen für
das Kreditrating sowie die sinkende Finanzierungsbereitschaft
von Transaktionen seitens der Banken sprechen nach Ansicht
der Befragten für eine Zunahme von Private Equity",
schreiben die Autoren. Derzeit profitierten die Private-Equity-Geber
auch noch von der Konjunktur. In konjunkturell schlechten
Zeiten halten sich strategische Investoren, in deren industrielles
Konzept die Übernahme passen würde, mit Unternehmenskäufen
zurück.
Dann springen Finanzinvestoren ein. Das wird als Vorteil
empfunden. Der Nachteil aber ist: Finanzinvestoren zahlen
nicht so viel für ein Unternehmen, weil sie ausschließlich
renditeorientiert kaufen. Das werde ihren Einfluß auch
bei anziehender Konjunktur begrenzen, glauben einige der Befragten.
Mit besser werdender Konjunktur hoffen viele der befragten
Unternehmen, ihre Desinvestitionsstrategien forciert umsetzen
zu können. Während der Kaufwunsch bei den Unternehmen
in den kommenden Jahren auf dem gegenwärtigen Niveau
bleiben wird, haben die Desinvestoren mehrheitlich bekundet,
ihre Tätigkeit verstärken zu wollen. Dabei dominiere
das Thema Kerngeschäftsfeld nach wie vor ganz eindeutig
die M&A-Abteilungen, heißt es. M&A ist in keinem
Fall ein selbständiges Unternehmensziel, sondern immer
nur eine Maßnahme zur Erreichung anderer Unternehmensziele.
Daher haben sich auch die Erwartungen in das Gesetz zur Steuerbefreiung
von Veräußerungsgewinnen für Kapitalgesellschaften
nicht erfüllt. "Alle Befragten sagen, dieses Gesetz
habe keinen Einfluß auf die M&A-Strategie",
heißt es in der Studie. "Steuerregelungen spielen
keine Rolle bei Strategieentscheidungen, Transaktionen werden
ohnehin immer steuerlich optimiert. Und da sich die befragten
Unternehmen als global player verstehen, findet diese steuerliche
Optimierung auf internationaler Ebene statt." "Steuern",
so wird ein Befragter zitiert, "waren für unser
Haus im Bereich M & A bislang weder ein Problem noch ein
Motiv." 64 Prozent der Unternehmen verfolgen beim Kauf
das Ziel, neue Märkte zu erobern. Für 52 Prozent
sind technische Neuerungen die Treiber des M&A-Geschehens.
Überlagert werden diese Ziele jedoch von der Konjunktur.
"Die wirtschaftliche Lage beziehungsweise die Erwartungen
in die künftige Entwicklung entscheiden über zwei
wesentliche Faktoren im M&A-Geschehen: über das Potential
an vorhandenen Käufern und Verkäufern und über
den Kaufpreis, der maßgeblich von der Unternehmensbewertung
und somit von den Zukunftsaussichten des Geschäfts bestimmt
wird."
Business Angels Panel II/2003: Lust auf neue Investments
Die Stimmung unter den privaten Wagnisfinanzierern hat laut
Business Angels Panel im zweiten Quartal einen neuen Hoehepunkt
erreicht. Sowohl die Geschaeftslage als auch die Geschaeftsaussichten
wurden in den vergangenen anderthalb Jahren nie besser bewertet.
Entsprechend aufgeschlossen stehen sie neuen Engagements gegenueber.
Ihnen zugesandte Businessplaene, deren Qualitaet sich weiter
verbessert hat, wurden wieder verstaerkt geprueft. Die Anzahl
unterschriebener Beteiligungsvertraege stieg bereits leicht
an. Einzige Wermutstropfen: Die Gruender reichen immer weniger
Geschaeftsideen ein. Und die, die ueberzeugen konnten, erhalten
durchschnittlich sehr viel weniger Geld als in der Vergangenheit.
Das Business Angels Panel untersucht quartalsweise das Engagement
privater Wagniskapitalgeber bei der Gruenderunterstuetzung.
Seit Anfang 2002 fuehren es die VDI nachrichten mit einigen
Kooperationspartnern durch. Einzelheiten und weitere Ergebnisse
stehen im Internet.
ruh. Frankfurt. Das Geschäft mit Beteiligungskapital
(Private Equity) hat sich in Europa im zweiten Quartal belebt,
meldet die nach eigenen Angaben unabhängige Analyse-Gesellschaft
Altasset. In den vergangenen drei Monaten sei für zwölf
Fonds mit einem Gesamtvolumen von 4,4 Milliarden Euro die
Mittelaufnahme beendet worden (final closings). Das sei eine
Verdoppelung gegenüber dem sehr schwachen ersten Quartal.
Im zweiten Quartal des Vorjahres hätten europäische
Gesellschaften, die vornehmlich auf Beteiligungen von nicht
börsengehandelten Unternehmen spezialisiert sind, noch
12,9 Milliarden Euro von Investoren erhalten. Die jüngste
Erholung sei auf die Stabilisierung der geopolitischen Lage
zurückzuführen, heißt es in der Mitteilung
von Altasset. In den Vereinigten Staaten sind die Investitionen
in Private Equity dagegen weiter zurückgegangen. Die
Branche erzielte dort im ersten Quartal nur ein Volumen von
4,1 Milliarden Dollar (final closings) gegenüber 6,5
Milliarden im ersten Quartal 2003 und 20,9 Milliarden im zweiten
Quartal 2002.
Business Angels Panel II/2003: Lust auf neue Investments
Die Stimmung unter den privaten Wagnisfinanzierern hat laut
Business Angels Panel im zweiten Quartal einen neuen Hoehepunkt
erreicht. Sowohl die Geschaeftslage als auch die Geschaeftsaussichten
wurden in den vergangenen anderthalb Jahren nie besser bewertet.
Entsprechend aufgeschlossen stehen sie neuen Engagements gegenueber.
Ihnen zugesandte Businessplaene, deren Qualitaet sich weiter
verbessert hat, wurden wieder verstaerkt geprueft. Die Anzahl
unterschriebener Beteiligungsvertraege stieg bereits leicht
an. Einzige Wermutstropfen: Die Gruender reichen immer weniger
Geschaeftsideen ein. Und die, die ueberzeugen konnten, erhalten
durchschnittlich sehr viel weniger Geld als in der Vergangenheit.
Das Business Angels Panel untersucht quartalsweise das Engagement
privater Wagniskapitalgeber bei der Gruenderunterstuetzung.
Seit Anfang 2002 fuehren es die VDI nachrichten mit einigen
Kooperationspartnern durch. Einzelheiten und weitere Ergebnisse
stehen im Internet.
Erstmals seit mehr als zwei Jahren sind Venture Capital Investitionen
in den USA wieder gestiegen. So konnten sich Jungunter- nehmen
im abgelaufenen 2. Quartal ueber 4,3 Mrd. Dollar freuen. In
den ersten drei Monaten dieses Jahres flossen lediglich 4
Mrd. Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Moneytree-
Untersuchung von PricewaterhouseCoopers, Thomson Venture Economics
und der National Venture Capital Association. Demnach stieg
nicht nur die Foerdersumme, sondern auch die Anzahl der unterstuetzten
Unternehmen im Vergleichszeitraum von 647 auf 669 an. Besonders
das Fruehphasensegment legte zu. Die Investitionssumme hier
stieg von 668 Mio. Dollar auf 956 Mio. Dollar - der deutlichste
Anstieg seit drei Jahren. Bei den Branchen war Software der
Gewinner. 179 Unternehmen teilten sich 864 Mio. Dollar, ein
plus von 7%. Auf Rang zwei landet die Biotechnologie vor der
Telekommunikation. Tracy Lefteroff von PricewaterhouseCoopers
mag noch nicht von einer Trendwende sprechen. "Gruender
koennen aber wieder vorsichtig optimistisch sein."
Die Fremdfinanzierung wird für Mittelständler
immer schwieriger. Was private Beteiligungskapital-Geber leisten
können, erläutert Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstand
der Hannover Finanz Gruppe.
VDI nachrichten: Herr Hertz-Eichenrode, wie hat sich Ihr
Beteiligungsgeschäft in den vergangenen drei Jahren entwickelt?
Hertz-Eichenrode: Vor drei Jahren haben wir deutlich stärker
Unternehmen in der Frühphase finanziert. Dieser Bereich
ist inzwischen jedoch völlig ausgetrocknet. 2002 gab
es viele Angebote von mittelständischen Firmen. In der
Mehrzahl ging es jedoch um Sanierungen, die für uns nicht
attraktiv sind. In den ersten Monaten des laufenden Jahres
stellen wir jedoch fest, dass die Zahl interessanter Beteiligungsangebote
aus dem Mittelstand zunimmt.
VDI nachrichten: Wie kommt''s?
Hertz-Eichenrode: Zum Einen wird die Fremdfinanzierung über
die Banken schwieriger. Zum Anderen scheint die Möglichkeit,
privates Beteiligungskapital aufzunehmen stärker in das
Bewusstsein der mittelständischen Unternehmer eingedrungen
zu sein.
VDI nachrichten: Warum fokussieren Sie sich auf den Mittelstand
und da insbesondere auf den Maschinenbau?
Hertz-Eichenrode: Die größten Wertzuwächse
hatten wir mit Beteiligungen an Unternehmen in der Größenordnung
von 20 bis 100 Mio. ! Umsatz. Bei kleineren Firmen gibt es
viele Ausfälle, bei größeren geringere Wertzuwächse.
Dass wir so stark im Maschinenbau investiert sind, ist eher
zufällig entstanden. Es hängt damit zusammen, dass
der Maschinenbau im deutschen Mittelstand stark vertreten
ist und wir in vielen Nischen hervorragende Unternehmen finden,
oft Weltmarktführer.
VDI nachrichten: Gibt es für die Hannover Finanz Gruppe
Tabu-Branchen?
Hertz-Eichenrode: Nein. Wir gehen zwar sehr selektiv vor,
investieren aber auch in Krisenbranchen, wie den baunahen
Bereich oder die Textilindustrie. So haben wir uns vor wenigen
Jahren erst an einem Textilunternehmen beteiligt, das als
Logistik-Dienstleister quasi als Scharnier zwischen den Produktionsstätten
im Ausland und den Textilanbietern in Deutschland fungiert.
VDI nachrichten: Wonach wählen Sie Ihre Beteiligungen
aus?
Hertz-Eichenrode: Wir suchen Qualität, also interessante,
stabile Unternehmen mit einer guten Performance.
VDI nachrichten: Wie finden Sie die?
Hertz-Eichenrode: Teils bekommen wir die Angebote direkt von
den Firmen selbst. Überwiegend läuft die Akquisition
aber über unser Netzwerk, über Kontakte zu Firmenkundenbetreuern,
Wirtschaftsprüfern und Anwälten.
VDI nachrichten: Was kostet den Unternehmer die Beteiligung?
Hertz-Eichenrode: Das hängt von der Entwicklung des Unternehmens
ab. Wir leben nicht von Gewinnausschüttungen sondern
von der Wertsteigerung des Unternehmens.
VDI nachrichten: Wie steht es mit den Kosten der Deal-Vorbereitung?
Hertz-Eichenrode: Die Kosten der due diligence, also der Unternehmensbewertung,
werden in der Regel hälftig aufgeteilt. Allerdings schalten
wir externe Berater erst ein, wenn der letter of intent unterzeichnet
ist. Kommt es dann doch nicht zum Abschluss, trägt die
abbrechende Partei die Kosten.
VDI nachrichten: Was treibt den Private-Equity-Markt in Deutschland?
Hertz-Eichenrode: Vor allem, dass Kapitalgesellschaften keine
Steuern mehr auf Gewinne aus Beteiligungsverkäufen zahlen
müssen. Immer mehr Großkonzerne bereinigen seitdem
ihre Portfolios. Fast jede zweite Beteiligung, die uns angeboten
wird, ist ein Spin-off aus einem Konzern.
Die steuerlichen Bedingungen haben sich damit natürlich
auch für uns verbessert. Denn unsere Beteiligungsfirmen
sind allesamt Kapitalgesellschaften. Unsere Situation ist
also recht komfortabel.
VDI nachrichten: Daran könnte die Regierung aufgrund
der leeren Staatskasse bald etwas ändern wollen...
Hertz-Eichenrode: Sollte es dazu kommen, dass Gewinne aus
Beteiligungsverkäufen wieder besteuert werden, hängt
es von der Höhe ab, wie stark das den Markt belasten
würde. Bevor man da etwas tut, sollte man allerdings
schauen, wie die steuerlichen Bedingungen im Ausland sind.
VDI nachrichten: Kann Private Equity die viel beklagte Kreditklemme
im Mittelstand ausgleichen?
Hertz-Eichenrode: Nein, dafür ist der deutsche Private-Equity-Markt
viel zu klein. Zudem ziehen sich vor allem Privatbanken, wie
die Deutsche, aus dem Beteiligungsgeschäft zurück.
Auch Versicherungen tun sich derzeit schwer, wenn sie zu lange
in Aktien investiert waren. Mittelfristig erwarten wir aber
eine größere Investitionsbeeitschaft von Seiten
der institutionellen Anleger, da Private Equity mehr Stabilität
in deren Portfolios bringt.
VDI nachrichten: Bekommen Sie denn noch Banken ins Boot, wenn
ein Teil der Beteiligungssumme fremd finanziert werden soll?
Hertz-Eichenrode: Wir finden noch Fremdfinanzierer. Allerdings
sind die Banken zurückhaltender geworden. Wurde früher
50 % bis 60 % eines Management Buy out oder Buy in fremd finanziert,
liegt die Quote heute nur noch bei 30 % bis 50 %.
Beteiligungskapital: Studie zeigt Schwächen des Marktes
in Deutschland – Regierung steuert gegen. Um die Eigenkapital-Misere
kleinerer Unternehmen zu lindern, müssten Beteiligungsgeber
einspringen. Der Bund will ihnen den Weg bereiten.
Alarmierend, insbesondere im Hinblick auf Basel II: Deutsche
Mittelständler mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Mio. " haben eine Eigenkapital-Quote von nur 7 %.
Franzosen bringen es hier auf 30 %, US-Amerikaner gar auf
50 %. Zukünftige Finanzierungskosten drohen, dadurch
aus dem Ruder zu laufen. Entsprechend ziehen immer mehr Unternehmen
Beteiligungskapital als Alternative zum Bankkredit in Betracht.
Für Gründer ist dieser Finanzierungsweg mangels
Sicherheiten ohnehin oft der einzig gangbare Weg. Doch leider
weist der deutsche Beteiligungsmarkt im internationalen Vergleich
noch erhebliche Entwicklungsdefizite auf. Das ist das Ergebnis
einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Im Herbst vergangenen Jahres wurden dafür alle Mitglieder
des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK) befragt. 107 Firmen (über 50 %) antworteten. Mehr
als zwei Drittel der Gesellschaften machen in vielen Marktsegmenten
noch ein dauerhaftes Unterangebot an Kapital aus. Defizite
werden vor allem für Phasen erkannt, in denen ein hohes
Risiko vorherrscht. So wird die Seed-Phase, gefolgt von der
Start-up-Phase, am häufigsten genannt.
Bei den Investitionsvolumina gibt es vor allem in den unteren
Klassen Defizite. 60 % der Gesellschaften sehen Engpässe
bei Dealgrößen zwischen 150 000 " und 375
000 ". Bei Beträgen von über 5 Mio. "
sind es nur 6 %.
Nach Wirtschaftszweigen befragt, die unter Angebotsmangel
leiden, nennen über 50 % der Gesellschaften den Lowtech-Bereich
des produzierenden Gewerbes. Auch in den Sonstigen Dienstleistungen
(ohne IT, TK und Medien) werden überdurchschnittlich
häufig Lücken ausgemacht. Betroffen sind also hauptsächlich
Sektoren, in denen häufig weniger wachstumsstarke Firmen
vorherrschen und die daher für renditeorientierte Beteiligungsgeber
bisher wenig attraktiv waren. Für die Angebotslücken
verantwortlich machen die Investoren außerdem zu große
Risiken und verstopfte Exitkanäle. Letztere könne
sich Deutschland nicht leisten, mahnt Rezzo Schlauch, parlamentarischer
Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. „Wenn
aussichtsreiche Betriebe an der Anschlussfinanzierung scheitern,
ist das eine volkswirtschaftliche Verschwendung.“ Die
Regierung wolle deshalb mehr Kapital mobilisieren, ohne dabei
originäre Marktaufgaben zu übernehmen. „Es
kann immer nur um eine Anschubfinanzierung gehen.“ Geplant
sei unter anderem ein Dachfonds, der in Venture Capital Fonds
investiert. (Einzelheiten dazu siehe Seite 24). Betrieben,
die nicht in dessen Zielgruppe gehören, soll mit zwei
Pilotprojekten geholfen werden. „Im Rahmen der KfW-Initiative
''Eigenkapital für den breiten Mittelstand'' werden Instrumente
entwickelt, die einerseits bei kommerziellen VC-Gesellschaften
und andererseits bei marktnahen Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften
ansetzen.“ Die jeweiligen Beteiligungsfelder sollen
also erweitert werden, um die Marktlücke bei Beteiligungssummen
zwischen 1 Mio. " und 5 Mio. " zu schließen.
KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich: „Die Beteiligten
des Marktes müssen sich aufeinander zubewegen. Außerdem
müssen neue Akteure mitmischen, etwa der Europäische
Investitionsfonds (EIF) oder Private Equity Fonds. Ziel ist
die Bildung eines homogenen Beteiligungsangebots. So mobilisieren
wir zusätzliche Risikoträgerschaft.“ Eine
logische Kette über alle Finanzierungsstadien biete Betrieben
mehr als die Summe ihrer Glieder. Gestartet werden könnten
die Projekte, sobald Brüssel grünes Licht gibt –
voraussichtlich im Sommer.
Bis dahin sollen auch die Programme der Mittelstandsbank fertig
sein. Das neue Mezzanine-Produkt zielt dabei besonders auf
kleinere Betriebe. 50 % der beantragten Summe wird als Nachrangdarlehen
ausgegeben. „So wird der Eigenkapital-Anteil schnell
und unkompliziert verstärkt. Das Unternehmen kann bis
zur Fälligkeit des Darlehens (10 Jahre) die Innenfinanzierungskraft
verstärken“, so Reich.
Auch die im internationalen Vergleich schlechten Rahmenbedingungen
für Wagniskapital will das Wirtschaftsministerium ändern.
Schlauch bleibt dabei allerdings vage: „Bei der Fondsbesteuerung
bin ich zuversichtlich, dass wir zu akzeptablen Lösungen
kommen.“ Und: „Ich habe mich selbst unlängst
noch einmal dafür eingesetzt, die Veräußerungsgewinnbesteuerung
bei Business-Angels zu überdenken.“
Die Deutsche Börse als bevorzugter Exit-Kanal für
die Investoren „spielt bereits in der europäischen
Top-Liga“, ist Rainer Riess, Leiter des Bereichs Business
Development, überzeugt. „Der Vertrauensverlust
von vor zwei Jahren ist überwunden.“ Internationale
Investoren seien mit den neuen Standards sehr zufrieden.
Trotz Wirtschaftskrise rentieren Anlagen britischer Beteiligungsgesellschaften
besser als andere Investitionen. Diese These hat die British
Venture Capital Association (BVCA) zusammen mit Price Waterhouse
in einer Studie über einen Zeitraum von 10 Jahren vertreten.
Danach hätten die Investitionen in Private Equity in
den vergangenen 10 Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite
von 16,2 Prozent gebracht. Die Die Vermögensklassen in
den britischen Pensionsfonds, die in der Regel Aktien, Anleihen
und Immobilien enthalten, hätten dagegen nur 7,3 Prozent
gebracht, hieß es. Nach Angaben der BVCA haben die Beteiligungsgesellschaften
in Großbritannien die Wirtschaftskrise derzeit auch
vergleichsweise glimpflich überstanden. Im vergangenen
Jahr tätigten sie weltweit Investitionen in 1459 Unternehmen,
das ist ein Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Das Investitionsvolumen fiel um 11 Prozent auf 5,46
Milliarden Pfund, rund 8,2 Milliarden Euro. Das Engagement
in Unternehmen außerhalb Großbritanniens fiel
2002 um 30 Prozent auf 986 Millionen Pfund. Mit 899 Millionen
Pfund floß davon der größte Teil in kontinentaleuropäische
Länder.
Deutsche Beteiligungsgesellschaften, die derzeit bei Ihren
Investoren frisches Eigenkapital (Private Equity) einsammeln
wollen, treffen auf große Schwierigkeiten. Mit nur 204
Millionen Euro scheint der Strom im ersten Quartal 2003 nahezu
versiegt zu sein. "Die Situation bleibt äußerst
angespannt", sagte Holger Frommann, Geschäftsführer
des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BVK). Dafür sei auch die steuerliche Rechtsunsicherheit
mit verantwortlich. Hingegen ist im ersten Quartal mehr investiert
worden als ein Jahr zuvor. Die Neuinvestitionen in Beteiligungen
wuchsen um 25% auf 622 Millionen Euro, teilte der BVK mit.
Dafür sorgten aber nur eine Reihe größerer
Übernahmen von Unternehmen durch Finanzinvestoren (Buy-outs).
Darauf entfielen drei Viertel aller Neuinvestitionen. Schwach
bleibt die Finanzierung junger Gründerunternehmen mit
Wagniskapital (Venture Capital) mit nur noch 70 Millionen
Euro. Auch der Ausstieg aus Beteiligungen bleibt ein großes
Problem für die Branche, die ihre Portfolios weiter bereinigen
muß. An Totalverlusten wurden im Quartal 78 Millionen
Euro verzeichnet. Verkäufe wurden nur für 96 Millionen
Euro realisiert.
Beteiligungskapital wird in Europa knapper EVCA: Mittelaufkommen hat sich halbiert / Börse als
Ausstiegskanal fällt völlig aus
Das Einsammeln von Geldern für neue Beteiligugen werde
in den kommenden Jahren schwierig bleiben. Das sagte Max Burger-Calderon,
Präsident des europäischen Risikokapitalverbandes
EVCA und Partner bei Apax Deutschland, auf einer EVCA-Konferenz
in Genf. Solange sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht
verbessern, halten sich die institutionellen Anleger zurück.
Denn bei den Renditen, die mit privatem Beteiligungskapital
(Private Equity) erzielt werden, sind die zuletzt hochgeschraubten
Erwartungen weit verfehlt worden. Die gesamte europäische
Branche hatte 2002 einen Wertverlust von 8 Prozent zu verkraften.
Auch über die vergangenen drei Jahre wurde nur eine Rendite
von 4,1 Prozent erwirtschaftet. 2002 wurden nur noch halb
so viele Fondsgelder zusätzlich eingesammelt wie im Vorjahr:
19,4 (2001: 38,2) Mrd. Euro. Ein Grund war die Zurückhaltung
der großen amerikanischen Pensionsfonds, deren Anteil
auf 18 (27) Prozent sank. Überlicherweise haben diese
Fonds Quoten, welchen Teil ihres Geldes sie in private Equity
anlegen. Diese Quoten sind zuletzt dadurch, daß der
Wert der Aktienanlagen in den Portfolios stark gesunken ist,
teilweise zu stark gestiegen.
EVCA-Präsident Burger-Calderon übte sich trotzdem
in Optimismus. Immerhin sei 2002 mehr investiert worden: 27,2
(24,3) Milliarden Euro. Dies ist allerdings weniger darauf
zurückzuführen, daß in der Breite mehr investiert
worden wäre, sondern auf einige größere Buy-outs
im zweiten Halbjahr 2002. Für 2003 rechnet Burger-Calderon
trotz derunsicheren Konjunktur mit abermals steigenden Investitionen
und damit, daß wieder mehr Fondgelder eingesammelt werden.
Derzeit mache sich eine Reihe großer, erfahrener Buy-out
Fonds auf den Weg zu ihren Investoren. Nach Brancheninformationen
gehören dazu etwa Permira, Doughty Hanson und Carlyle.
Zudem habe die europäische Branche mit einer negativen
Rendite von 8 Prozent immer noch besser abgeschnitten als
der Aktienmarkt. Langfristig lohne Private Equity. Von 1980
bis 1996 seine alle Fonds vollständig an die Investoren
zurückgezahlt worden. Für die Venture-Capital Gesellschaften,
die schon 2002 überdurchschnittlich stark zurückfielen,
dürfte sich die Lage kaum verbessern. Für sie weist
die EVCA-Statistik für 2002 sogar eine negative Rendite
von 28 Prozent auf. In vielen Portfolios mussten 2002 nochmals
Vollabschreibungen von Beteiligungen vorgenommen werden. 2,4
Milliarden Euro verließen auf diese Weise die Portfolios.
Das ist ebensooviel, wie die europäische Branche über
Verkäufe (Trade Sales) realisiert hatt. Der Börsengang
als Ausstiegskanal fand 2002 in ganz Europa praktisch nicht
mehr statt. So sank der Betrag der Desinvestitionen insgesamt
um ein Drittel auf 8,1 (12,5) Milliarden Euro.